Wo wir gerade mal bei „zu Fehlern stehen“ sind…

Ich hab jetzt *endlich* mal die Zeit gefunden, mir das Transkript des Interviews von imp und dorian mal anzugucken. Ein Interview, das von Rundfunkgebühren bezahlt wurde, möchte ich anmerken.

Mein Entsetzen wuchs von Absatz zu Absatz. Das war nicht nur unprofessionell – das Interview wurde auf eine dermaßen amateurhafte Art geführt, die die Leute vorführen *wollte*. Die Zielrichtung war von Anfang an klar. Imp und Dorian wurden als „Trolle“ identifiziert – und mussten damit in einer bestimmten Schublade abgelegt werden.

So einfach ist das aber nicht. Ist es NIE. Und das hätten die Leute von Funk wissen müssen. Nicht sollen – MÜSSEN. Das Level an Ausbildung erwarte ich einfach, wenn man öffentliche Mittel bekommt und einen „Bildungsauftrag“ wahrnehmen soll.

Eins vorweg: Meine Kritik daran, dass eben keine Reflexion stattgefunden hat, was das Bild angeht – die bleibt bestehen. Aber trotzdem muss hier eine Lanze gebrochen werden. Weil: SO gehts nicht.

Trolle sind nach Funkmeinung „Hasskommentatoren“ – und sie verbreiten Hass. Nehmen wir den Unfug der beiden kleinen Idioten mal vorweg: „Free Breivik“ geht als Name überhaupt nicht. Das ist nicht mal von Satire gedeckt, das ist einfach nur grandioser Unsinn. Was will man denn damit überhaupt aussagen? „Haha, lustig dieser Breivik – wie er die ganzen Kinder umgebrezelt hat“? DAS ist nämlich die Quintessenz, wenn man sowas macht.

Nach wie vor: Weder imp noch Dorian sind Neo-Nazis oder auch nur ansatzweise Rechts. Im Gegenteil, sie haben sich im Interview recht gut geschlagen, obwohl sie von Anfang an in die Verteidigungsposition gedrängt wurden und ihnen teils wohl auch Dinge unterstellt wurden.

Und hier wird das große Manko der „Troll“-Interviews klar. Die Punkte, die die beiden bezüglich der SJWs anbringen, sind real. Die ganze Gesetzgebung, die vordergründig auf „Bestrafung von Hate-speech“ abzielt, geht ins Leere. Eben weil nach aktueller Gemütslage entschieden wird, was „Hate speech“ ist. Mal isses angebrachte Kritik, wenn derjenige sich auf derselben Gesinnungsscheibe bewegt wie der „HATE SPEECH“-Rufer in der Wüste. Und wenn derjenige, der kritisiert halt eine entgegengesetzte Meinung vertritt, befinden wir uns im Bereich „Hate speech“.

So geht aber kein Diskurs. Ich erinnere mich an viele, teils sehr heftige Zusammenstöße mit Torsten Dewi. Bis auf einmal, wo er mich echt in den Wahnsinn getrieben hat, gings am Ende so aus: „Okay, ich versteh, wie du zu der Meinung gekommen bist, auch wenn ich die nicht teile“ – mal für ihn mal für mich.

Was ist denn „Hatespeech“ überhaupt, dass wir es bestrafen müssen? Beleidigungen? Sind bereits Offizialdelikt, wenn ich mich nicht täusche. Morddrohungen? Die SIND Offizialdelikt. Volksverhetzung? Tja. Schwammiger Begriff – genauso wie Hate Speech kann man das als multiples Werkzeug nutzen, jemanden effektiv mundtot zu machen.

Ich bin tatsächlich dafür, den Paragraphen für die Volksverhetzung abzuschaffen. Und dann bitte die Ermittlungsbehörden mal kräftig wohintreten, dass die bei Morddrohungen im Internet endlich mal gescheit ermitteln. Oftmals sind die Ortspolizeibehörden da noch in den 70ern stehengeblieben. So von wegen #Neuland.

Statt neuer Gesetze brauchen wir eine effektive Stärkung der Strafverfolgungsbehörden, die dann aber auch verdammt noch eins mal ihren Job machen sollte und nicht bloß hilflos mit den Schultern zucken (ich zeige meine nicht mehr an – bringt ja doch nix).

So. Zurück zu Funk. Kudos, dass sie das vollständige Transkript offenlegen – aber das ist es auch schon. Die Doku „Trolle“, die gerade so vielzitiert wird, steht und fällt tatsächlich mit der Qualität der Interviews. Ich wage einfach nicht, mir die anderen Interviews, insbesondere das mit dem AfD-Heini anzugucken, weil die Gefahr, dass der rote Faden „wir haben eine vorgefasste Meinung und stellen die Interviewfragen so, dass der Interviewpartner in die Meinung passt“ sich auch dort durchzieht.

Und das ist ein Leckerchen, das gibt man der AfD einfach nicht. Zu keinem Zeitpunkt.

Mann, war das gruselig.

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