Cassini ist verglüht – aber das Ende der Mission ist noch lange nicht gekommen

Bis zuletzt, bis es den Stabilisatoren nicht mehr möglich war, die Antenne Richtung Erde zu halten, bis kurz vor dem Auseinanderbrechen, hat Cassini endlos Daten gesendet. Alles, was möglich war.

Was für ein grandioses Stück Wissenschaft.

Cassini hat unsere Sicht auf die Dinge tatsächlich verändert. Im Großen wie im Kleinen.

Wir wissen jetzt mehr über das Magnetfeld des Saturn, dass mit „delicate harmony“ seitens NASA umschrieben wurde. Die Monde des Saturns (Cassini hat noch ein paar gefunden, die wir übersehen hatten) sind Teil dieses magnetischen Tanzes um den Planeten. Bilder der Auroras rund um Saturn zeigen wie intensiv das Magnetfeld ist.

Die Struktur des Ringsystems, dass in unserem Sonnensystem einzigartig ist. Die Wechselwirkungen, die die Ringe beeinflussen sind, von meiner Warte aus, hochgradig faszinierend. Hirtenmonde, die die Ringe stabilisieren, andere, die Material herausnehmen und so wachsen. Ich könnte Tage zubringen, nur darüber zu lesen.

Der Tanz eines Mondes durch den Ring, der Wellen aufwirbelt, wo er langdriftet – die dann wieder glatte Ringstrukturen werden. Die Tatsache, dass die Ringe nicht nur horizontal aufgewirbelt werden, sondern durchaus auch vertikal. Die Schatten auf vielen Aufnahmen beweisen das.

Enceladus, der einen Ozean unterhalb der Eiskruste hat. Cassini hat das bewiesen. Wenn man auf unseren eigenen Planeten guckt, findet man in der Tiefsee häufig sog. „Schwarze Raucher„, die Wärme bieten und damit auch ein reiches Nahrungsangebot. Diese Gegenden strotzen vor Leben. Enceladus könnte, genauso wie Europa, diese Bedingungen nachbilden. Die Geysire, die von Enceladus ausgehen, scheinen zudem tatsächlich Saturn selbst zu beeinflussen.

Titan, auf dem es flüssiges Methan gibt. Der Mond ist beinahe halb (reineditiert, hab mich mit den Größen vertan) so groß wie die Erde (5150 km im Durchmesser). Auch hier ist nicht nur aufgrund der dicken Atmosphäre, sondern auch aufgrund der schieren Tatsache, dass es Flüssigkeit gibt, die theoretische Möglichkeit gegeben, dass Titan Leben birgt. Die Huygens-Sonde, die Huckepack mit Cassini geritten ist, hat uns das gezeigt.

Saturn selbst und sein hexagonales Sturmsystem, das zur Missions-Ikone wurde. Jeder Punkt in diesem Sturm ist ein weiterer, „kleinerer“ Sturm. Die Erde als Planet passt mehrfach in dieses Hexagon hinein.

Das Saturn-System, ein eigenes System innerhalb unseres Sonnensystems, hat dank und trotz der Erkenntnisse von Cassini nichts von seiner Faszination verloren. Saturn mag um die Sonne kreisen – aber die komplizierte Anordnung der Monde, die den Planeten umkreisen, bilden ihr eigenes „Sonnensystem“ innerhalb des Größeren.

Jemand hat das Nasa Jet Propulsion Laboratory gefragt, was sie denn gerne für Instrumente noch da oben gehabt hätten, die es aber zum Zeitpunkt des Baus von Cassini noch nicht gegeben habe.

„Etwas, das langkettige Aminosäuren erkennen kann“, die Bausteine für Leben.

Die Ergebnisse der letzten Minuten innerhalb der obersten Atmosphäre des Saturns müssen noch analysiert werden. Cassini hatte die Daten, wie sie reingekommen sind, sofort weitergeschickt. Die Frage, woraus zumindest diese Atmosphäreschicht besteht, ist spannend, da Saturn die Farbe je nach Jahreszeit wechselt. Eher bläulich im Winter und eher golden im Sommer.

Das letzte Foto, gesendet von Cassini, zeigt die oberste Atmosphäreschicht und Teile des Saturns. Cassini war da noch, für unsere Begriffe auf der Erde, sehr weit weg. Dass die gigantischen Stürme wirken, als wären es Nadelköpfe, zeigt, wie groß dieser Planet wirklich ist.

NASA selbst hat anderthalb Stunden das Warten auf den Abbruch der Cassini-Sendungen übertragen. Per Live-Stream auf Youtube and ustream. Saturn ist im äußeren Sonnensystem, Cassini hatte eine weite Reise zurückzulegen, bevor sie überhaupt beginnen konnte.

Und zum Schluß konnte man sehen, dass selbst gestandene Wissenschaftler nicht immun gegen Emotionen ist. Cassini war für diese Leute offensichtlich mehr als „nur eine Sonde“.

Ist okay. Ich kanns nachfühlen. Ich hab gestern auch mehr als ein Tränchen für ein Stück Technik verdrückt.

Was bleibt für uns Laien?

Teils unfassbar schöne Bilder. Viel zu lernen, selbst auf Wikipedia-Niveau. Und die Freude auf das, was die Leute, die wir dafür auf die Uni geschickt haben, noch herausfinden werden.

Und die Erkenntnis, dass Wissenschaft uns vielleicht besser zusammenführen kann als Politik.

Cassini war eine Zusammenarbeit der NASA und der ESA.

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2 thoughts on “Cassini ist verglüht – aber das Ende der Mission ist noch lange nicht gekommen

  1. Ich glaube dir fehlt da ein „halb“ beim Größenvergleich von Titan und Erde 😉
    Titandurchmesser ~5100km, Erddurchmesser ~12700km

    Ansonsten kann ich dir nur zustimmen, da ist eine Mission zu Ende gegangen, für die ich ausnahmsweise mal das Wörtchen „episch“ verwenden würde =)

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