Politik spicing up

Oh Mann. Man weiß in den USA gar nicht, wo man zuerst hingucken soll. Ich hab ja befürchtet, dass es schlimm wird. Aber DAS…? Autsch.

Mal anfangen. Wird länger. Und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll….

Trump ist es gewohnt, von Leuten umgeben zu sein, die die negativen Sachen abfangen und ihn nur das vorlegen, was er auch hören will. In Stenoform, kurze Sätze, am besten mit bunten Bildchen.

Verwaltungen laufen anders. Dossiers sind ausführlicher, sie geben Hintergrundinformationen, die er nicht haben will, weil er die bislang noch nie gebraucht hat. Er hat sich angehört, was seine Leute zu sagen haben und dann danach entschieden. Misserfolge haben ihn von dieser Linie nicht abbringen können. Derjenige, der ihm den falschen Rat gegeben hatte, wurde gefeuert, es wurde die betreffende Teilfirma für bankrott erklärt und das wars. Ideen waren nie Trumps Stärke, oder Innovation. Dafür hatte er immer Leute.

Er ist es auch gewohnt, Leute um sich zu haben, die ihm persönlich ergeben sind. Loyalität ist ihm wichtig. Loyal ist, wer tut, was er sagt ohne Fragen zu stellen und auch akzeptiert, dass er halt mal ausgemustert wird. Kadavergehorsam hat man das früher genannt. Den fordert er ein und läßt jeden fallen, der dem nicht folgt. Widersprüche sind für ihn bereits Loyalitätsbruch.

Das ist gefährlich genug, wenn derjenige eine Firma führt. Eine solche Firma wird durchdrungen sein vom Misstrauen, Mobbing – weil so die Firmenleitung herrscht. Diese Firmen sind zum Teil sehr erfolgreich und die Mitarbeiter kein Kapital sondern bis zu einer gewissen, bereits recht hoch angesiedelten Ebene, Austauschposten.

Es ist aber nachgerade katastrophal, wenn derjenige ein riesiges Land mit Nuklearwaffen und einer der am besten ausgerüsteten Armee der Welt hat, die in der Vergangenheit bereits zur Genüge gezeigt hat, dass Dinge wie „Landesgrenzen“ ignorierbare Dinge sind, wenn es darum geht, die eigenen Interessen zu verteidigen. Oder was man für die eigenen Interessen hält.

Entsprechend sind auch die Führungsmitarbeiter des Weißen Hauses ausgewählt. Sie bringen Trump Loyalität entgegen. Oder sind zumindest sehr gut darin, die eigenen Interessen als die Trumps auszugeben. Nicht dem vielzitierten „amerikanischen Volk“ oder gar sowas Putzigem wie der Verfassung.

Kushner, Bannon und Pence sind z.B. die größten Vertreter dieser Spezies.

Aus diesem Sumpf von Kleptokraten stachen zwei immer heraus, mit denen man fast Mitleid haben konnte, wenn sie nicht so hundserbärmlich gewesen wären.

Kellyanne Conway und Seam Spicer.

Conway ist so gut wie draußen. Sie war von Anfang an „disposable good“ und wurde gezielt verheizt, um genügend Nebelkerzen unters Volk bringen zu können, damit die eigentliche Agenda – das putzige Schriftstück names Verfassung loszuwerden – verdeckt vorangebracht werden konnte. Inzwischen ist Conways Reputation dermaßen zerstört, dass sie relativ still geworden ist. Sie fängt langsam an zu realisieren, dass sie verheizt wurde. Eine Frau als Trump-Supporterin.

Die zudem einen Ruf als Feministin hatte. Conway hat sich in ihrem eigenen Netz verfangen – sie wird imho nur noch gehalten, weil ihr Ehemann von einigem Nutzen ist. Sobald der wegfällt, wird auch Conway still und heimlich entsorgt. Pöstchen irgendwo und halt die Schnauze.

Und dann Sean Spicer – der so etwas wie die tragische Figur in dem Spiel ist. Ich glaube ihm, dass er, anders als Conway, tatsächlich glaubte, was Trump sagte. Sofern man überhaupt was vernünftiges aus dem ausgespuckten Wortsalat rauspicken konnte. Viel Sinn macht der Schrott, den er so abläßt, ja im allgemeinen nicht.

Es wurde aber recht schnell allen klar – außer *offensichtlich* Sean Spicer – das er ebenfalls verheizt werden sollte. Trump brauchte Nebelkerzenwerfer, um dann die „Richtigen“ auf den Posten zu setzen.

Spicer ist imho nicht schlau genug, um sowas erkennen zu können. Die Rom-Reise, wo er, der einzige gläubige Katholik in der Chaotentruppe, den Papst nicht sehen durfte, war möglicherweise ein Augenöffner.

Scaramucci war der letzte Strohhalm. Für Trump mag „The Mooch“ genau der Richtige am Platz sein. Für Spicer war es ein No-Go – dass trotz seiner Einwände ihm dieser Mann vor die Nase gesetzt wurde, nachdem er bereits aus der Öffentlichkeit genommen wurde und Sarah Huckabee-Sanders seinen Job machte: Ende der Fahnenstange.

Spicer nahm das, was von seiner Würde und seiner Integrität noch übrig war und ging. Und hat damit vielleicht genau das wieder hergestellt.

Und jetzt?

Scaramucci passt genau in die Truppe, die Trump als „perfekt“ bezeichnen würde. Völlige Abwesenheit von irgendwelchen Skrupeln, moralisch bankrott, ist der Spitzname „The Mooch“ nicht grundlos entstanden. Seine Aussagen müssen nur an einem Maß gemessen werden:

„Wieviel Staub kann ich damit aufwirbeln“ – und entsprechend legt er los. Wie Huckabee-Sanders aussieht, könnte ihm nicht egaler sein. Wichtig ist alleine, wie viel Berichtskapazitäten er damit bindet, damit die Medien den Fokus von den Russen-Ermittlungen sowie Trumps persönliche finanzielle Verhältnisse verlieren. Oh und Trump jr. öffentliches und von jeglichem Schuldbewußtsein absolut freiem Geständnis, dass er die Wahl manipulieren wollte.

Ob es funktioniert? Teilweise. Die Medien berichten über Scaramucci und über sein Verhalten gegenüber seinen Mitarbeitern. Natürlich tun sie das. Die Frage ist jetzt: Schafft es Scaramucci, dieses Empöreria-Feuerwerk aufrechtzuerhalten, bis die Trump-Anwälte genügend Dreck über Mueller zusammengesammelt haben, um der GOP die ersehnte Möglichkeit zu liefern, den Sonderermittler abzusetzen und die Ermittlungen für beendet zu erklären?

Das werden die nächsten Tage oder Wochen zeigen.

Irgendwann muss das mal verfilmt werden…..

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6 thoughts on “Politik spicing up

  1. „Irgendwann muss das mal verfilmt werden…..“

    Wenn Trump damit durchkommt dann wird er schon dafür sorgen.

    • > Der ideale Trupp für eine Verfilmung wären die Marx Brothers.
      Oder die Cohen-Brothers, die haben ja auch schon einige Erfahrung mit absurdem Humor…

  2. So was unrealistisches kann leider nicht verfilmt werden, da passt als einziges Format leider nur die Tagesschau.

  3. Ist das als Verfilmung eine Soap oder eine Horrorshow? Gibt es Horror-Soaps? Dann müsste man das Format erfinden.

  4. @Tantchen:
    > Loyalität ist ihm wichtig.
    I geb to differ.
    Mag sein, dass Trump das als Loyalität betrachtet und bezeichnet. Aber tatsächlich hat das, was er sich von seinen Leuten erwartet, aber rein gar nichts mit Loyalität zu tun, sondern mit Kadavergehorsam.

    Wirkliche Loyalität funktioniert ausschließlich „zweigleisig“, d.h. wer anderen gegenüber loyal ist, muß diese auch im Gegenzug im selben Ausmaß erfahren. Alles andere ist nur blinder Gehorsam, und der funktioniert halt nicht ad infinitum.

    Ich kann mir vorstellen, dass das auch Trump schnell merken könnte, wenn z.B. bei den Ermittlungen wegen der Verflechtungen von Trump & Co. mit den Russen was ausreichend Handfestes rauskommen sollte, das Trump schwer belastet.
    Gerade in solchen Situation hat man schnell genau von denen die ersten Messer im Rücken, die einen vorher unterstützt oder gar über jedes vernünftige Maß hinaus verteidigt haben.

    (Hoffentlich, sag ich jetzt mal.)

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