Piraten Ahoi

Ich bin bei Twitter über die DenkWerkerin gestolpert. Sie hat dazu aufgerufen, die Piraten in den Bundestag zu bringen.

Schön wärs.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob die Piraten noch zu retten sind. Zu überlaufen von Trollen und verraten von den Überläufern, die jetzt, nachdem sie die miese Konkurrenz kaputt gemacht haben, in hübschen Jobs in den etablierten Parteien sitzen.

Netzpolitik wird jetzt von Menschen gemacht, die weder Ahnung haben, was sie da eigentlich tun und schlimmer noch: Die das überhaupt nicht interessiert.

Das einzige Interesse ist: Dieses verdammte Medium endlich in den Griff zu kriegen.

Aber auch andere Baustellen, die von der aktuellen Regierunjg gründlich in den Sand gesetzt wurden, müssen angegangen werden. Und derzeit ist niemand da, der das kann.

Vorratsdatenspeicherung – man kann den Leuten einfach nicht klarmachen, dass das nichts bringt.

Komplettes Abgreifen aller Daten, überall Registrierung, keine Anonymität mehr – und das in einer Zeit, wo genau diese Anonymität eigentlich wichtig wäre. Die Regierenden überall auf der Welt versuchen, Überwachung einzusetzen um ihre Macht zu sichern. Das ist auch in eigentlich demokratischen Staaten beobachtbar.

Deutschland zum Beispiel.

Es fehlt eine Partei, die diese Themen mit Sachkompetenz angreifen. Die ein Gegengewicht zu den Maaßens, Bosbachs und Altmaiers bilden. Die sie in die Schranken weisen können, sagen können: SO nicht.

Die Hoffnung, dass dieses Gegengewicht die Piraten sein könnten, hatte ich lange gehegt. Aber ach…

Wenn halbe Kinder in die Politik gehen, plötzlich von allen Seiten überrannt werden: Männerrechtler gegen FrauenrechtlerInnen, Shitstorms statt Debatte: Ich hatte teils das Gefühl, ich sehe einem Kindergarten auf Ecstasy zu.

Mein Entsetzen, als die Pädophilengang von der Krummen 13 versuchte, die Piraten zu okkupieren, kann sich kaum jemand vorstellen. Ich erinnere mich noch gut an den (öffentlichen) Chat mit etlichen, wo die Pädophilen ihre Agenda, endlich Kinder „lieben“ zu dürfen, durchbringen wollten.

Die Berliner Fraktion: Eine einzige Katastrophe. Wohlgemerkt: Das muss nicht heißen, dass da keine gute Arbeit geleistet wurde. Allein: Es wurde nicht transportiert. Dieses ungezogene Balg, dass sich da als Fraktionsführer etabliert hatte: Furchtbar.

Ein Pressesprecher, der in Flip-Flops und Jute-statt-Plastik-Outfit in die Talkshows ging und da völlig unvorbereitet auf die Talkshow-Profis traf, die ihn nach Strich und Faden auseinandergenommen haben.

Folgerichtig sind die Piraten an sich selbst gescheitert. Dort, wo sie in den Landesparlamenten vertreten waren, sind sie reihenweise rausgeflogen. Die Beschäftigung mit sich selbst ersetzte unglaublich schnell jede Sachdebatte. Ich muss nicht sagen, dass die „Politiker“ der Partei, mit Ausnahme vielleicht von Ali Utlu (bis zum Austritt) und Daniel Schwerdt, nicht wirklich ernst genommen wurden.

Im September ist Bundestagswahl und die DenkWerkerin hat dazu aufgerufen, Unterschriften zu sammeln, damit die Piraten zur Wahl antreten können.

*seufz*

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass die Piraten soweit sind. Zu heftig der personelle und finanzielle Aderlass durch die, wenn auch zum Teil notwendigen, Parteiaustritte sogenannter „Parteiprominenz“.

Ich sehe bei den Piraten keine Köpfe, die man mit ihnen identifizieren könnte. Die Piraten sind überhaupt völlig von der Bildfläche verschwunden.

Aber so bekommt man keine Wähler. Die man mit dem ganzen Affentheater übrigens auch nachhaltig verschreckt hat. Die Piraten in anderen Ländern, z.b. Neuseeland (ich hab da bissi Verbindungen hin) sind dort ganz anders und auch sehr viel professioneller aufgestellt. Und vor allem beschäftigen sie sich dort mit Sachthemen. Und nicht mit Nabelschau bis zum Abwinken.

Was würde ich den Piraten vorschlagen?

Vergesst die Bundestagswahl 2017. Nehmt halt dran teil, um ein paar Gelder reinzubekommen, aber mehr wirds nicht werden. Die 5% werdet ihr massiv verfehlen. Ich sehe keine Chance oberhalb von 3%. Ich bin heute nett. 😉

Neu aufstellen. Köpfe hochkommen lassen und nicht sofort absäbeln. Wenn sie noch da sind: Werdet die verdammten Pädos los. Schmeißt die Genderfanatiker raus. Ihr seid in erster Linie ne Netzpolitik-Partei, zumindest laut eigener Aussage. Und keine Mimimi-Partei für die Kindergarten-Feministinnen, die glauben, Politik ist ein Bälleparadies.

Werdet erwachsen. Macht den etablierten Parteien Feuer unterm Hintern, gewinnt die Deutungshoheit über eure ureigensten Themen zurück UND setzt sie durch – es gibt gerade im Internet eine Menge Druckmittel, die man einsetzen kann. Geht zurück auf Bürgerrechtsaktivisten-Status.

Und DANN kommt zurück auf die politische Bühne.

Wir brauchen euch. Heute mehr denn je.

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Soziales

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3 thoughts on “Piraten Ahoi

    • Ach die ja auch noch *seufz*

      So ziemlich jede Verlierergruppe, die sich anderswo unmöglich gemacht hat, ist irgendwie bei den Piraten untergekommen, oder?

  1. Was sie auch noch machen müssen, ist eine autokratische Struktur etablieren. Chef macht die Ansagen, so lange er Chef ist. Und Chef wird, wer das Parteiprogramm am besten verkaufen kann. Die Idee einer basisdemokratischen Struktur ist ja nett, aber wie sich zeigte, kann die leicht durch gezielt vorgehende Gruppen übernommen werden, die den Laden dann in ihre Richtung lenken oder gleich ganz vor die Wand fahren. Danisch (man mag von ihm halten, was man will) ist ja der Meinung, dass die Piraten durch U-Boote gezielt sabotiert wurden. Wenn man sich anschaut, wie schnell einige der Damen (und ein paar Herren) ein warmes Plätzchen bei den etablierten Parteien gefunden haben, könnte da was dran sein. Mit einem basisdemokratischen Kuschelkurs wird das nix, jedenfalls nicht, so wie das politische Establishment in D strukturiert ist. Anderswo mag das anders funktionieren.

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