ABA für Autisten – Therapie oder Qual?

Ich stolper ja öfter mal über das Thema. In den USA ist gerade ABA – Applied Behavioral Analysis – DAS Ding, um Autisten zu „heilen“.

Aufgrund des großen Erfolges in den USA wird auch hierzulande der Druck, ABA endlich als Therapie für Autisten zuzulassen, immer größer. Ebenso der Druck auf die Kassen, die Kosten für diese Therapieform zu übernehmen.

Zeit, einmal hinter die Kulissen zu gucken.

Was ist ABA eigentlich genau?

Entwickelt wurde diese Therapie von Dr. Ivar Lovaas, einem finnischen Therapeuten. Sein Hauptzitat über Autisten ist das hier:

„You have a person in the physical sense — they have hair, a nose and a mouth — but they are not people in the psychological sense. One way to look at the job of helping autistic kids is to see it as a matter of constructing a person. You have the raw materials, but l you have to build the person.“
O. Ivar Lovaas

Für Lovaas waren Autisten nur menschenähnlich. Man konnte diesen Prototypen aber seiner Auffassung antrainieren, die Menschlichkeit zu simulieren. Das „Rohmaterial“ zu etwas menschenähnlichem zu formen.

Ich kann nur vermuten, dass er sich das beim Hundetraining abgeguckt hat – aber vieles spricht dafür, dass er sich seine Therapietips auf dem Hundeplatz geholt hat.

Beispiel: Es gibt Autisten, die sind nonverbal. Die könnten sprechen, wenn sie wollten, verstehen aber das Prinzip nicht. Viel machen sie über Körpersprache (nach einem Glas recken bedeutet dann: „Gib mir“) oder Mimik, Gestik. Kommunikation war noch nie pure Sprache.

Bei Autisten wird Kommunikation aber auf Sprache reduziert. Antrainiert wird das über ein Belohnungssystem bzw. Belohnungsentzugssystem.

Ein Kind möchte eine Süßigkeit? Dann muss es danach fragen. Es reicht nicht, wenn es die Hand aufhält oder mit der Körpersprache ausdrückt, dass es dieses Bonbon gerne hätte. Dem Kind wird so lange das Bonbon vor die Nase gehalten, bis es verbal fragt. Es wird dem Kind aber nicht gesagt, was man von ihm will. Man hält nur das Bonbon vor die Nase und sagt: „Frag vernünftig“ – für einen Autisten bedeutet *Hand aufhalt* aber dann durchaus „vernünftig fragen“. Warum es unbedingt verbal fragen sollte, erschließt sich dem Kind erstmal nicht. Es kommuniziert doch, wo ist das Problem?

Die Frustrationen sind vorprogrammiert. Wenn das Kind das Bonbon sieht und nicht versteht, warum es das nicht haben kann, obwohl es angeboten wurde, dann kommen die Meltdowns. Auf Ansage. Aber das hilft nix: Es wird weitergemacht, ohne Rücksicht auf Verluste. Bis das Kind endlich tut, was man von ihm will. „Na also, war das jetzt so schwer?“

Ja. Aber dass sieht der Therapeut nicht – oder will es nicht sehen.

Wir reden bei ABA-Frühförderung hier von Kindern im Alter von 3 Jahren aufwärts. Und 8-Stunden-Therapiesitzungen, die dann zu Hause weitergehen, die Eltern werden mit“geschult“.

Das heißt, diese Kinder haben in diesem Alter bereits eine 40-Stunden-Woche. Von morgens bis abends Therapie. Und zwar knallhart, so wie oben beschrieben geht das die ganze Zeit zu. Und zu Hause sind die Eltern genauso drauf. D.h. die gesamte Wach-Zeit ist Therapie und Schwerstarbeit.

Ich möchte übrigens erwähnen, dass die meisten Nicht-Autistischen Kinder im Alter von 3 Jahren ebenfalls nur selten in der Lage sind, um Dinge zu fragen. Sie zeigen. Oder sagen kurz „pitte?“ Aber das ist es auch schon.

ABA nimmt auf diese Entwicklung keine Rücksicht – schließlich gilt es, das halbmenschliche Rohmaterial entsprechend zu formen und das funktioniert nur unter hohem Druck.

Autisten mit Sensory-Problemen essen nicht alles. Sie *können* nur das essen, was sie akzeptieren. ABA besteht darauf, dass der Autist das isst, was auf den Tisch kommt – sonst gibt’s gar nix.

Es gibt Eltern in den USA, die ihre Kinder kurz vor dem Verhungern gerettet haben. Andere haben den Speiseplan dessen, was sie essen können, nochmal verkleinert.

Was die ABA Therapie völlig (und imho inzwischen auch bewußt) übersieht: ABA ist keine Therapie, die dem Autisten helfen soll. Sie ist eine Therapie, die ein Pflaster über den Autismus klebt, damit die Eltern sich einreden können ihr Kind sei geheilt.

Aber unter dem Pflaster befindet sich unendliches Leid. Die Zusammenbrüche sind im Gehirn verdrahtet. Hardwareproblem, wenn man so will. Das bekommt man durch das Aufspielen einer neuen Software nicht wirklich beseitigt. Was man aber hinbekommt: Das Kind lernt, dass diese Zusammenbrüche schlecht sind. ABA beseitigt die Ursachen nicht, ABA versteckt sie.

Das Kind hat die Zusammenbrüche weiterhin – aber es lernt, durch Therapie, diese Zusammenbrüche zu verstecken. Es gibt weiterhin Sensory Overloads – aber das Kind lernt, diese still zu durchleben. Weil die Alternative: Solange mit Gewalt festgehalten zu werden, bis man aus purer Erschöpfung aufgibt (ABA nennt das „aufhört zu kämpfen“ – das ist volle Submission), was nichts für den Overload tut, aber alles für die Eltern, die glauben, sie helfen dem Kind.

Nichts könnte weiter entfernt von der Realität sein.

Ich habe in der Vergangenheit mit erwachsenen Autisten gesprochen, die durch ABA gegangen sind – und es überlebt haben. Nicht wenige sind mit PTSD diagnostiziert worden. Autisten halten nach Erreichen der Volljährigkeit oft noch erstaunlich lange durch. Sie haben ja gelernt, zusammengebrochen hinter einer Maske der Normalität zu leben. Sie sind sehr eindeutig in ihrer Aussage:

ABA ist Kindesmisshandlung.

Ich bin inzwischen derselben Meinung. ABA hat hier in Deutschland keinen Platz. Therapie muss mit dem Kind erfolgen, nicht mit und für die Eltern, damit sie die Augen zumachen können. „Mein Kind hat keinen Autismus mehr“.

Eins noch, ABA kann auch durchaus sehr gefährlich für das Kind *und* später den Erwachsenen werden.

ABA ist die gezielte und konsequente Verachtung der Wünsche und Bedürfnisse des Kindes. Was das Kind möchte, wird bei ABA sehr konsequent missachtet. Statt dessen lebt ABA davon, dass der Therapeut dem Kind permanent eine „Wunschpersönlichkeit“ überstülpt. Wie das Kind zu sein hat. Sich zu benehmen hat. Und so weiter.

Das *wird* immer dann in die Hose gehen (leider buchstäblich) wenn das Kind dann einem Sexualstraftäter begegnet. Da es sehr gründlich gelernt hat, dass „ich will das nicht“ nicht zählt, dass das eigene Bedürfnis hinter jedem Erwachsenen anzustehen hat, sind diese Kinder diesen Tätern schutzlos ausgeliefert. Denn ein Schutzmechanismus vor Übergriffen ist auch ein „ich will das nicht“ – aber Autisten mit ABA-Therapie wird genau dieser Schutzmechanismus gezielt abtrainiert, weil er der Therapie hinderlich ist.

Wie ich inzwischen leider weiß (ich habe viele Gespräche mit US-Autisten geführt, sehr persönliche und jede einzelne dieser Geschichten hat mich schlaflose Nächte gekostet) ist das nicht ausgeschaltet, in dem Moment, wo das Kind ein Erwachsener wird.

Ich kann nicht zählen, wie oft ich gehört habe: „Woher sollte ich wissen, dass ich nein sagen darf? Ich wurde bei jedem „nein“ doch bestraft. Ich hatte soviel Angst vor neuer Strafe, dass ich nicht nein gesagt habe. Und so meiner eigenen Vergewaltigung zustimmte.“

ABA ist keine Therapie. ABA baut eine Fassade auf, die die Eltern zufriedenstellt, die Kinder aber so gründlich zerstört, dass es kein Straftäter hätte besser tun können.

Auf gar keinen Fall darf ABA in Deutschland Kassenzulassung bekommen. Dass wäre für die Autisten hier eine Katastrophe.

Liebe Eltern: Arbeitet MIT euren Kindern. Arbeitet um die Probleme herum, sucht Möglichkeiten, damit zu leben. Aber bitte versucht nicht, eure Vorstellungen mittels ABA in die Kinder reinzumisshandeln.

Danke an Autismus – Keep calm and carry on, ihr Blog ist eine Fundgrube für alle, die sich informieren wollen.

/update und das Gedankenkarrussell. Lohnt sich, reinzugucken.

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17 thoughts on “ABA für Autisten – Therapie oder Qual?

  1. Warum zur Hölle können die Leute nicht akzeptieren, dass ihre Kinder autistisch auf die Welt gekommen sind? Ist das so schlimm? Es gibt ja auch Impfgegner, die argumentieren, vom Impfen würden ihre Kinder Autismus bekommen (was ja logischerweise Unfug ist). Das bedeutet aber, dass diese Eltern es lieber hätten, dass ihre Kinder an einer Krankheit draufgeht als mit Autismus lebt. Wie krank sind die Leute eigentlich im Kopf.

    Autismus ist angeboren. Es ist im Prinzip wie Linkshändigkeit. Früher (und heute vereinzelt immer noch) hat man Kindern die Linkshändigkeit abtrainiert. Und das hat für das Gehirn fürchterliche Folgen. Ich habe letztens erst die Formulierung gelesen, dass so etwas das schlimmste ist, was du einem Gehirn ohne körperliche Gewalt antun kannst. Und ABA ist genau so eine Geschichte.

    Ich kenne persönlich eine Autistin und ich selbst bin ein Autismus-Verdachtsfall (aber nicht getestet). Beides Asperger, also der hochfunktionale Autismus. Wenn ich tatsächlich Autist sein sollte, dann ist es einfach Teil meiner Persönlichkeit. Ich bin so auf die Welt gekommen. Ich habe in meiner Kindheit schon ohne solchen massiven Druck von außen unter meiner Andersartigkeit in einer relativ feindseligen Umwelt gelitten. Wenn da auch noch bewusst Druck hinzugekommen wäre. Ich wüsste nicht ob ich das überlebt hätte…

    Hier ist ja auch ein Übersichtsartikel zu ABA. http://www.robotinabox.de/aba-und-kritik/ Da muss ich ja lesen, dass das so eine Behavioristen-Geschichte ist. Die Grundlagen wurden von B.F. Skinner erarbeitet. Wenn dir das nichts sagt: Ein ganz übler Bursche. Ich habe die Behavioristen gefressen wie einen Eimer Schmierseife. Für die sind Menschen nur Roboter, die auf bestimmte äußere Reize reagieren und entsprechend konditioniert werden können. Ekelhaftes Pack!

    • Mir wurde ABA als Therapie für meine ADS und meine Dyskalkulie vorgeschlagen. Meine Antwort war erst: „Danke, aber ganz sicher nicht.“

      Als N1 darauf bestand, dass das die Therapie wäre, die mir langfristig Erfolge bringen würde, habe ich nochmal kurz und nachdrücklich „Danke, mein nein bleibt bestehen“ gesagt. Etwas lauter.

      Wieder bestand N1 darauf, dass das die „einzige“ Therapie wäre, die mein ADS langfristig „heilen“ könnte. Ich bin dann raus und hab um die Rechnung gebeten, ich würde mit Leuten, die derartige Methoden gutheißen würden, nicht auf einer Linie stehen.

      Mein ehemaliger Hausarzt war auch auf dem Trip. Keyword: Ehemalig.

  2. „Ich kann nur vermuten, dass er sich das beim Hundetraining abgeguckt hat – aber vieles spricht dafür, dass er sich seine Therapietips auf dem Hundeplatz geholt hat.“

    Ein interessanter Gedanke…ich persönlich habe da jedoch eine andere Vermutung.

    Vielleicht liege ich damit ja falsch, interessant finde ich es (für mich persönlich) dennoch.

    http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Verhaltenstherapie.shtml

    „Historisches Historisch betrachtet hatten im Laufe der Entwicklung der Verhaltenstherapie die Arbeiten von I.P. Pawlow und J.B. Watson den bedeutendsten Einfluß.
    […]
    Der eigentliche Beginn der verhaltenstherapeutischen Orientierung datiert auf die fünfziger Jahre. In Südafrika experimentiert der Psychiater Joseph Wolpe mit Tieren und stellt fest, dass Angst neurotische Reaktionen verursacht. Dabei gründet er seine Schlußfolgerungen auf die Pawlowschen Prinzipien der Konditionierung und das Stimulus Response Modell. Verhaltenstherapie zielt darauf ab, unerwünschtes Verhalten durch erwünschtes Verhalten zu ersetzen: „korrektive Konditionierung“ nennt er das.
    […]
    Wolpes Untersuchung war eine zeitgerechte Erscheinung und wurde durch Arbeiten von Eysenck und seinen Mitarbeitern unterstützt und mit B.F. Skinners Beiträgen weiterentwickelt. Das Beeinflussen des Verhaltens von chronisch psychotischen Patienten im Jahre 1953 durch D.B. Lindsley und T. Ayllon war der erste Versuch, die Techniken des operanten Konditionierens in einer psychiatrischen Klinik anzuwenden.
    […]
    Der deutsch englische Psychologe Hans J. Eysenck führte den Begriff Neurotizismus ein. Man muß nur das Symptom zum Verschwinden bringen, schon ist die Neurose geheilt. Im Jahr 1963 wird die erste Zeitschrift („Behaviour Research and Therapy“) gegründet, die sich ganz der Erforschung und Therapie des Verhaltens widmet.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Applied_Behavior_Analysis

    „Ivar Lovaas war jedoch einer der ersten, der diese Prinzipien bei Kindern mit Autismus angewandt hat und den Prozess begann, die Wirksamkeit wissenschaftlich zu belegen. Während seiner Arbeit in den frühen 1960er Jahren am neuropsychiatrischen Institut der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) entdeckte er, dass seine Patienten (autistische Kinder) von einer intensiven Verhaltenstherapie profitieren konnten. Diese Form der verhaltensanalytischen Behandlung von frühkindlichem Autismus wird daher auch als das „UCLA-Modell“ bezeichnet.

    Das UCLA Modell
    Kanner nahm an, dass die Kinder nicht geistig behindert seien, da sie in seinen Augen den
    Eindruck von Weisheit machten. Schlechte Leistungen bei psychometrischen Tests deutete er
    als Motivationsdefizit. Er nahm ferner an, dass Autismus nicht mit anderen organischen
    Erkrankungen verknüpft ist. Obwohl er anfänglich, und auch später wieder, Autismus als
    angeborene Störung verstand, gab es eine längere Phase, in der er das Verhalten der Eltern als verursachend für den Autismus sah (Poustka, Bölte, Feineis-Matthews & Schmötzer, 2004).“

    • Wobei die kognitive Verhaltenstherapie sich deutlich vom Behaviorismus eines Lovaas unterscheidet. Aber auch interessanter Lesestoff.

      • Na, das hoffe ich doch sehr, dass sie sich unterscheidet!

        Spaß beiseite, Verhaltenstherapie ist Hilfe zur Selbsthilfe und nicht Dressur.

  3. Ok ich habe Asperger im unteren bereich des Spektrums neben meinen anderen Problemen (rezidivierende Depression, Soziophobie, trans*).

    Meine Eltern und die Schule kamen damit niemals klar, da hieß es auch immer friss oder stirb. Das ganze wurde durch meine soziophobie gestärkt zu dessen bewältigung ich mich in ein extremes anpassungsverhalten geflüchtet habe um ja nicht anzuecken. Ich meine das könnte man schon ABA artig sehen.

    Folgende erfahrung hab ich gemacht:

    Man ist geistig blockiert gegenüber Leuten in Machtpersonen generell. Man nimmt Befehle an und kann sich schlecht wehren. Beispiel Überstunden. Ein Chef brauch nur damit wedeln und man ist am Malochen. Auch andere Arbeiten die nicht zum Job gehören werden stoisch übernommen sonst ist man „schuld/böse“ zumindest im eigenen Gedankengebäude.
    Da muss man nicht zu Vergewaltigung springen, allein im Job gibts soviele möglichkeiten das Verhalten auszunutzen.

    Das zweite Ding ist das man insgesammt spätere Diagnosen für psychische Krankheiten und Probleme verfälscht.
    Wenn ich zurückdenke hab ich ein halbes Dutzend medizinische Fragebögen zum Thema Autismus ausgefüllt. In den Meisten gab es eine klare Teilung am Ende. Zum einen waren sehr viele Anzeichen für den Asperger-Autismus da, andererseits war ich überdurchschnittlich (150%) im Neurotypischen bereich.
    Es hat fast ein Jahr gedauert bis meine Therapeutin bestätigen konnnte das da was ist (ggf. kommt noch eine Neurologische untersuching) nur weil ich über die Jahre mir Verhaltensweisen angeeignet und zwangsweise ausgeführt habe die nach aussen hin als „normal“ gelten.
    Genau das Problem sehe ich dann auch bei erwachsenen. Der Autismus steht nicht in der Akte kann aber auch nicht einfach unter der ganzen „gelernten Normalität“ erkannt werden. Das ist aber nicht auf den Autismus beschränkt sondern auf so ziemlich jedes psych. das durch gelerntes Verhalten übertüncht werden kann.

    Ich denke das ist so das einzige was ich generalisieren will aus meiner erfahrung heraus.

    • Autismus und ADS dürften für Erwachsene durchaus zu den Diagnosen gehören, die eine schreiende Erleichterung bedeuten. Man bildet sich das nicht nur ein – es ist *wirklich* so, dass das Hirn anders verdrahtet ist.

      Bei mir war die Diagnose ADS echt ein: „Gottseidank, du bist kein Hypochonder“. Mit einem Schlag waren Zentnergewichte runter von mir.

      Wir war das bei dir? Du hast dir auch echt ne Schippe ausgesucht, oder?

      • Schippe ist gut XD. Irgendwie rutsche ich immer noch von einem Haufen in den Nächsten das hat sich seit den Zeiten als ich „Heph“ bzw „htfox“ war nicht geändert.

        Das mal beiseite. Meine probleme bedingen sich stark gegenseitig.
        Das ich Asperger habe weis ich seit meinem 13/14ten Lebensjahr, damals wurde mir im Zuge einer Aggressionsbewältigungstherapie (ich brach öfter unter dem schulischen mobbing zusammen) die verdachtsdiagnose gestellt.
        Aus Angst vor meinen Eltern und der Schule/klassenkameraden habe ich aber diese Verdachtsdiagnose verschweigen lassen.
        D.h. sie wurde nie Aktenkundig und nur ich und die damalige Ärztin wissen davon.

        Später hieß es oft „Sie können das nicht haben, sie zeigen nicht die typischen anzeichen“ das war ehrlich gesagt entmutigend. Die Diag durch meine Psychotherapeutin die ich wegen der Trans* geschichte und depression besuchte waren dann schon erleichternd weil sie mir eine Erklärung für meine früheren Probleme lieferten.

        Mein nächster Schritt ist jetzt echt den Asperger und daneben die rezidiverende Depression, beim Versorgungsamt, anerkennen zu lassen (darum besuch beim Neurologen). Ich seh mich nicht in der lage Vollzeit zu arbeiten weil es mich einfach ausbrennt.

        Das ist ja auch das wichtige: „Probleme“ identifiezieren, anerkennen zu lassen und dann die entsprechenden Rechte einzufordern. Wenn man das nicht tut endet es eben in Depression, Burnout etc.

        • Kenn ich. *seufz*
          War bei mir ja ähnlich. Ich hab *versucht* zu funktionieren, wie ich sollte, mir Netze gebaut, Hilfskrücken und alles – und am Ende stand ich da und hab nichts geschafft, weil es einfach nicht ging.

          Ende Burnout – du kennst die Story ja. Lang genug biste dabei.

          Du hast die Transition jetzt in Angriff genommen? Find ich richtig gut. Gratuliere. 🙂

  4. Das klingt ungefähr genauso sinnvoll wie die Versuche, Homosexualität zu „heilen“. Ich kann es nicht beurteilen, was das für die Betroffenen bedeutet, aber der Vergleich zur Dressur scheint zu passen. Riecht nach schwarzer Pädagogik.

  5. Wenn ich das hier so lese, kann ich es froh sein das mein leben „normal“ ist.
    Ich wünsche jedem hier das allerbeste und das ihr eure Leben so leben könnt wie ihr das wollt. Ich kommentiere hier wirklich selten lese aber alles was hier gelesen wird.
    Ich hoffe inständig das die Menschheit sich mal weiter entwickelt und mehr MITeinander lebt als immer nur GEGENeinander, der Teslafahrer von der A9 war ja ein gutes Beispiel.

    Ihr seid gute Menschen alle samt und verdient nur das beste! Jeder von euch die hier lesen und schreiben, lasst euch nichts anderes einreden von den bekloppten die meinen zu wissen wie es bei euch im Kopf aussieht.

    MfG
    Dat
    Blondman

  6. Hallo ihr lieben,

    durch zufall bin ich auf diese Seite gestoßen.
    Mein Sohn ist fünf Jahre alt und hat ABA-Therapie angeboten bekommen. Zunächst dachte ich es wäre eine Hilfe für meine Frau, mich und natürlich für meinen Sohn. Bei ihm ist eine leichte Autismusstörung diagnostiziert worden. Jetzt wo ich das gelesen habe, frage ich mich natürlich, ob wir nicht etwas anderes versuchen sollten. ABA-Therapie haben wir bei dem zuständigem Sozialamt noch nicht beantragt. Ich suche schon seit längerem nach Hilfe und frage mich wie ich meinen Sohn auf das erwachsenwerden am besten vorbereiten kann. Es gibt Tage da würde er in der Menschenmenge weder durch sein Verhalten noch durch seine Aüßerungen auffallen. Aber es gibt eben Tage, da weiß ich nicht mehr weiter, er kann seine Gefühle nicht richtig aüßern, weiß nicht was er will, anziehen ist ein riesen Problem. Stuhlgang nur in Verbindung mit Pampers. Essen ist ein riesiges Problem, Pommes und Nuggets gehen, ansonsten nur Hipp-Gläschen. Manchmal frage ich mich, was ich/wir falsch gemacht haben und wie wir ihm ein „normales“ Leben ermöglichen könne ohne das er durch irgendein Training ewig sein ich nicht ausleben kann. Bitte euch um Hilfe und Vorschläge wie wir ihn fördern können ohne geistige Verluste oder sonstige Schäden zu verursachen.

    • Wenns eine leichte Autismusstörung ist, warum nicht MIT ihm arbeiten? Bzw. einfach den Freiraum geben, den er braucht. Wenn er einen Zusammenbruch hat, dann hat er zuviel Input bekommen: Rausnehmen aus der Situation.

      Autisten sind, vor allem die „hoch funktionalen“ halt nur anders gepolt. Er empfindet auch bestimmte Dinge anders als du und ich – darum halt auch die Pampers, evtl. mag er den Toilettensitz nicht. Oder das Gefühl, auf dem Ding zu sitzen. Da kann man gucken ob man da Workarounds findet.

      Essen ist bei fast allen ein dickes Problem – es gehen nur die, die gehen. Das ist nicht „verwöhnt“ – er *kann* es nicht essen. Wenn er das isst, lasst es dabei, versucht, Obstgläschen zu geben, damit bissi Vitamine in den Körper kommen.

      ABA würde bedeuten: Man stellt ihm etwas zu essen hin und erst wenn er aufgegessen hat, darf er aufstehen. Er bekommt dann eine Belohnung. Aber er bleibt solange sitzen, bis DIESER TEller leer ist – egal ob er das essen kann oder nicht. Erbricht er, wird es weggeputzt und der Teller wieder hingestellt. Es gibt nichts anderes zu essen, nur dieses Essen.

      Jede andere Therapie, die sich ABA nennt und das nicht tut, nennt sich vielleicht ABA, ist es aber nicht.

      Wichtigster Punkt: Ihr habt *nichts* aber auch gar nichts falsch gemacht.

      Es ist, wie es ist. Keine Schuldgefühle.

    • Fällt mir grad noch ein: Eine Freundin hat einen „calm down“-Beutel mit ihrem Sohn zusammengestellt. Da sind Kopfhörer drin, eine Brille für dunkel machen und ein Stofftier zum festhalten. Funktioniert prima.

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