Der Pyrrhus-Sieg der Populisten

Pyrrhus I. war ein Nachfolger Alexander des Großen (Stichwort „Diadochenkriege“). Sein Name ist auf immer verknüpft mit „zu teuer erkauften Siegen“.

Er gewann einzelne Schlachten gegen Rom, aber er siegte sich zu Tode. Jeder einzelne Sieg war mit hohen Verlusten verbunden und am Ende verlor er den Krieg.

Das Phänomen Donald Trump. Der Sieg des Populismus: Erzähl den Leuten, was sie hören wollen, sie wählen dich dann und du machst dann mehr oder weniger, was du willst.

Es macht dabei nichts mehr aus, was Wahrheit ist, was Dichtung. Donald Trump erklärt „unehrliche Medien“ verantwortlich dafür, dass sie die vielen Terroranschläge in Europa einfach totschweigen. In Trumps Welt sterben wir hier zu Hunderten und Tausenden in niemals berichteten Terroranschlägen. Weil Merkel nicht möchte, dass man negativ über Flüchtlinge berichtet.

Die Menge der Leute, die Donald Trump zujubeln, war von Anfang an nicht sehr groß und wird stetig kleiner. Für jemanden, der Bestätigung braucht wie andere die Luft zum Atmen, ist das katastrophal. Und entsprechend irritierter verhält er sich.

Donald Trump ist vielleicht DER Prototyp des Populisten. Social Media statt Aufklärung, Mythen statt Wissen. Gaslighting statt Fakten.

Wenn etwas nicht so läuft, wie er es will? „Dishonest Media“. „Fake News“. Wenn er oder jemand von seinem Personal beim Lügen erwischt wird? „Alternative Facts“.

Und dieser Begriff ist wirklich interessant. Erinnert sich noch jemand an den Aufriss um Clintons privaten Emailserver? Nun, Mike Pence und Steve Bannon haben den auch. Und Kellyanne Conway. Jared Kushner. Sean Spicer. Ich seh keinen dagegen protestieren?

Erinnert sich jemand an „crooked, lying Hillary“? Donald Trump ist das, was man einen notorischen Lügner nennt. Inzwischen gibt es Fact Checker, die sich jede Aussage von Trump angucken und auf Wahrheit untersuchen. Sieht hier nicht so gut für ihn aus.

Donald Trump hat versprochen, den Leuten zu geben, was sie wollen. Und er zieht das durch, muss aber feststellen, dass die Leute, die wirklich keine Muslime mehr ins Land lassen wollen oder die illegale Mexikaner ausweisen wollen, tatsächlich wohl eher in der Minderheit sind.

Californien positioniert sich gerade diametral entgegen zur Washingtoner Politik und bekämpft diese aktiv. Texas hingegen ist begeistert.

Und Trump selbst? Der Mann scheint zunehmend gefangen im Widerspruch zwischen Realität und seiner speziellen Realität. Er geht in fast allen Dingen auf massiven Konfrontationskurs. Und auch, wenn ich glaube, dass gerade CIA und NSA einen massiven Rückschnitt brauchen und das Ministerium of Homeland Security hochgradig demokratiefeindlich ist: Es braucht mehr als nur eine Executive Order, um das wieder ins Lot zu bringen.

Es braucht in erster Linie einen Demokraten dafür. Und das meine ich nicht in Parteibegriffen.

Sein Drang, seine Wirklichkeit überallhin zu gaslighten, sei es beim National Prayer Breakfast oder vor dem Memorial für die gefallen CIA Agenten, wo ihm wirklich nix besseres einfiel als darüber zu ranten, wie viel Leute doch zu seiner Inauguration gekommen wären, läßt ihn zunehmend instabil wirken.

Den Preis zahlen – wie immer in den USA – als erstes die Soldaten. Donald Trump hat diesen Vorfall übrigens – wie vorauszusehen war – nicht mit einer Silbe erwähnt (oder mir ist da wirklich was entgangen).

Kellyanne Conway und Sean Spicer, die ihr Bestes tun, den Chef mit Lügen noch zu überflügeln und dann die „Mainstream-Medien“ als „Lügenpresse“ zu verunglimpfen, weil sie eben nicht so berichten, wie die Herrschaften das gerne wünschen, ist gefährlich.

Conways „Bowling Green massacre“ mag ja auf dem ersten Blick witzig sein und so wichtig es ist, dass die Frau ihre Lügen sofort serviert bekommt: Auf den zweiten Blick offenbart das Verhalten des gesamten Staffs, dass sie gerade versuchen, in Orwell’scher Manier die Realität zu ihren Gunsten neu zu definieren.

Conway und Spicer sind dabei offensichtliche Bauernopfer, die früher oder später werden gehen müssen, um den Chef zu decken.

Und Steven Bannon? Sitzt derzeit wie die Spinne im Zentrum der Macht und macht von dort aus, was er seit Jahren tun will: Zerstören.

Administrative Infrastruktur, Regierungsarbeit: Alles was „Regierung“ auf dem Etikett stehen hat, will Bannon zerstören. Das hat er mehrfach offen gesagt. Am jetzigen Posten, als Leiter des Security Council, ist er auch genau an der Stelle, wo er das tun kann.

Bannon sieht sich – vorerst – am Ziel. Er kann die USA zerstören und neu aufbauen, seinem Willen nach, dass in den Breitbart-„News“ sehr offen ausgebreitet wurde. Der unselige „Muslim-Ban“ ist hier nur der Anfang.

Ich erwarte als nächstes, dass Bannon die Schwarzen ins Ziel nimmt. Als Hebel wird er das „Black Lives Matter“-Movement nehmen.

Bannon sortiert aus. Er versucht, die breite Front der Protester aufzubrechen, einzelne Gruppen zu isolieren und dann mundtot zu machen. ACLU, BLM und wie die Bürgerrechsorganisationen dort alle heißen, sollten sich sehr schnell auf die Fahnen schreiben: „Together we stand! Divided we fall!“

Warum ist Trumps Sieg nun ein Pyrrhus-Sieg?

Nun, was er nicht begriffen hat: Executive Orders sind keine Gesetze. Sie sind nicht durch die Legislative gegangen, wurden nicht diskutiert, sie wurden niedergeschrieben in einem „Friss oder stirb“-Modus.

Es sieht so aus, als hätte Trump in diesen Fällen gewonnen, als hätte er seine Politik, die nichts weiter als „guckma ma was wir den Leuten noch so versprochen haben“ ist, durchgesetzt. Die Executive Orders kann man auch genau einteilen, wer was haben wollten. Pence hat sein Abtreibungsverbot bekommen, Bannon sein Muslim-Verbot und Trump hat sich die Pipelines geholt.

Doch der Preis war hoch: Ein tief gespaltenes Land, das kurz vor einem Bürgerkrieg steht. Er hat das Land zu einem Pulverfass gemacht. Mit brennender Lunte. Umfragewerte, die für einen Populisten, der vom Jubel der Menge lebt, nicht zufriedenstellend sein können.

Ich fürchte, genau das wird ihm demnächst, innerhalb der nächsten paar Monate, noch gewaltig auf die Füße fallen. Trump wird derzeit benutzt, um Dinge durchzuboxen, die massiv unpopulär sind, aber auf der Agenda der GOP ganz oben stehen. Ein Teil ist umgesetzt, es fehlen noch die Schwulenrechte, weiteres Rückfahren der Diskriminierungsgesetze und Schutz für Minoritäten.

Wenn die umgesetzt werden, wird sich was finden, dass ein Impeachment rechtfertigt. Trump hat genug Leichen im Keller. Entweder eine alte Vergewaltigungsgeschichte wird ausgebuddelt und JETZT tun die Republikaner entsetzt. Oder aber, was ich für wahrscheinlicher halte, Trumps Steuererklärungen finden den Weg zu Wikileaks und zeigen ganz offen Trumps massive Interessenkonflikte. Was dann das Impeachment rechtfertigen würde.

Und dann, wenn der Staub sich gelegt hat, ist ein präsidialer Pence (der Mann WEISS wie Politik geht) am Ruder der sich als Wunschkandidat der Teaparty-Kandidaten ganz christlich geben kann und die USA in einen christlichen Staat umbauen kann.

Pence und Bannon sind die eigentlichen Triebwagen hinter Trump. Pence hält sich zurück und läßt sich Bannon sein eigenes Grab graben. Gefährlich sind beide.

Aber Trump – der Sieger: Der hat sich bereits jetzt zu Tode gesiegt und bemerkt es nicht einmal.

Send to Kindle
Soziales

Flattr this!

9 thoughts on “Der Pyrrhus-Sieg der Populisten

  1. Pingback: Der Pyrrhus-Sieg der Populisten | König von Haunstetten

  2. Gespaltenes Land: Die USA waren schon vor DT gespalten. Bürgerkrieg hängt seit Jahren in der Luft.
    DT läst keine Ausländer ins Land: Wievile Migranten hat Obama seit der Syrienkriese ins Land gelassen? ca. 2000
    ……..

    • Gespalten? Ja. Aber so? Steff, das ist ein deutlicher Qualitätsunterschied.

      Bürgerkrieg findet da auch imho seit Jahren statt – nennt sich nur „Gangkriminalität“. Manche Gangs halten die Stadtviertel am Laufen.

      Und es ist ein absoluter Unterschied, ob man *Gesetze* erläßt oder ob man mittels ordre de mufti Executive Orders erläßt.

  3. Irgendwie lustig, dass man ausgerechnet den Politiker, sich 1:1 an seine Wahlversprechen hält, als Lügenbold anprangert.

    • Nun,
      „Ich werde Mexiko für die Mauer bezahlen lassen“ => voraussagbare Lüge. Mexiko wird keinen Peso zahlen und die Zölle, die er erheben will, sorgen dafür, dass die Amerikaner das Ding selbst bezahlen.

      70% seiner Behauptungen im Wahlkampf waren gelogen, 4% waren Wahrheitsgemäß, der Rest Halbwahrheiten. Clinton hat da *deutlich* besser abgeschnitten. Besser übrigens noch als Bernie Sanders.

      Ansonsten gibt es hier noch eine feine Auflistung seiner Lügen, die er so rausgehauen hat. Die ersten (z.b. Nancy Pelosi) verlangen inzwischen von Trump eine psychologische Validierung, weil der Verdacht naheliegt, dass er an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Und solche Menschen willst du nicht mal in der Nähe vom Roten Knopf haben.

  4. Trump trägt die Schuld an 45 Päsidenten vor Ihm?
    Trump hat das Land gespalten.
    Na jetzt hört aber auf, er ist das Ergebnis der Verbrechen seiner Vorgänger, mehr aber auch nicht.
    US of A laut dem ach so investigativen Michael Moorer schon vor Trump Rekordhalter bei DeadByGun.
    Bürgerkrieg in den USA nach unseren (pre 2015 Septemberverbrechen) Maßstäben schon seit 50 Jahren.

    • Dass die anderen auch nicht besser waren, trägt nichts zur Minderung dessen bei, was Trump jetzt gerade darstellt und tut.

      Es ist ein Novum, dass sich ein Präsident SO OFFEN gegen Minoritäten stellt, dass er sich ganz offen die Taschen füllt – aus Steuergeldern.

      Trump ist eine eigene Kategorie in „Korrupt und schlecht“ – der ist mit Bush’s Maßstäben nicht zu vergleichen.

      Was jetzt die „DeadByGun“ angeht: Das wird noch besser werden. Denn was macht Trump gerade? Sämtliche Kaufrestriktionen aufheben, die Menschen betreffen, die mental nicht fit sind. Depressionen, Schizophrenie, multiple Persönlichkeitsstörung – das sind so die Kategorien, die derzeit keine Waffen kaufen dürfen – aus gutem Grund. Trump hebt dieses Verbot gerade auf.

      Und was ebenso neu ist: Auch wenn „Executive Orders“ von anderen Präsidenten schon mal genutzt werden, um Dinge zu tun, die sie für richtig hielten, aber nicht durchs Kabinett gekommen wären, Trump setzt auch hier neue Maßstäbe.

      Senat und Kongress existieren für ihn nur als Ärgernis. Er regiert per ordre de mufti und wird hochgradig pissig, wenn man sich ihm in den Weg stellt. Wie jetzt z.b. alle Richter, die sich mit seinem bescheuerten „Muslim-Bann“ auseinandersetzen müssen.

      Das war so ein geiler „Aber was ist mit…“-Post, dass ich gerade echt fasziniert bin. Trump relativieren, indem man sagt, die USA sind eh scheiße, ist ungefähr so, zu sagen: Deutschland ist scheiße, weil Nazi.

      Passt beides nicht mal ansatzweise.

bestellt folgenden Kaffee