Vergewaltigung als Waffe?

Margaret Stokowski hat sich mal wieder selbst übertroffen. Der Artikel ist ziemlich übel und von den Formulierungen – ich sach mal: Wäre DIE Kolumne von Jakob Augstein gekommen, dann wäre er vermutlich jetzt gefeuert. Ja, auch als Chef.

Gestolpert bin ich bei Fefe drüber. Und angesichts dieser Einsendung muss ich mal ein paar Bemerkungen loslassen, bevor ich platze.

Bei Frau Stokowski fängt es ja schon am Anfang an:

Frauen haben es angeblich sehr leicht, unliebsame Kerle zu beseitigen: Sie können einfach behaupten, ein Mann habe sie sexuell belästigt – dann sind dessen Ruf, Familie und Karriere futsch. Wenn es nur so einfach wäre.

Wir fragen hier mal Herrn Türck und Herrn Kachelmann. Die haben da vielleicht ne andere Meinung zu. Deren Karrieren wurden unwiderruflich zerstört, ihr Ansehen ist zerstört und das zivile Leben musste von Grund auf neu aufgebaut werden.

Es IST so einfach. Aber sehen wir weiter.

Im zweiten Absatz bricht sie das auf „prominente Männer“ runter und wenn wir davon hören. Das triffts ja nicht mal annähernd, wenn ich mir die Kachelmann’sche Medienhysterie nochmal vergegenwärtige – mit der Fackelschwingenden Alice Schwarzer vorneweg.

Der vierte Absatz hat es in sich: „Was hindert uns“ – Frau Stokowski, ich weiß nicht, wie sie es sehen, aber persönliche Integrität und Anstand sollten das verhindern. Sie zielt auf „ätzende Leute“ was nun durchaus eine sehr vage Definition ist: Nahezu jeder hat hier andere Vorstellungen. Es soll ja sogar Leute geben, die unseren Innenminister gut finden. Persönlich finde ich hier allerdings, trifft er voll in meine Vorstellung „ätzender Leute“.

Despoten sind mit solchen Mitteln nicht kleinzukriegen. Ich dachte, dass hätten wir seit Donald Trump jetzt als erwiesene Tatsache? Rechtspopulisten stehen meist auch über solchen Kleinigkeiten wie sexueller Belästigung. Da wird mal kumpelig getätschelt, aber das isses meist auch schon. Wen man mit sowas regelmäßig stolpern lassen kann, sind die Linken. Da gibts dann nämlich auch gleich einen Shitstorm aus den eigenen Reihen, selbst wenn die Beweislage noch so dünn ist. Rechts steht da eher mal zusammen und wartet auf einen günstigen Moment, dass Tier aus der Herde zu entfernen.

Frau Stokowski ist, wenn ich diesen Absatz auch korrekt lese, nicht zu blöde, zu fordern, dass die versammelte Weiblichkeit doch dann bitte für eine bessere Welt sorgen solle, indem sie „ätzende Leute“ gezielt der sexuellen Belästigung beschuldigt. Schöne neue Welt, alle Dreckschweine sind weg und wir haben nur noch die guten, die regieren.

Blöderweise auch Männer, aber hier haben wir ja dann ein probates Mittel.

Sie zieht als Beweise, dass Männer immer mit diesen Vorwürfen durchkommen und es auch nicht wirkt, an der Stelle tatsächlich Roman Polanski ran – und zieht sein filmisches Genie gleichzeitig mit in Zweifel.*seufz*

Wenn man persönlich ein kriminelles Arschloch ist, dann ändert das nichts daran, dass er trotzdem Filme machen kann. Das verlernt er ja nicht. Der Umgang anderer mit ihm allerdings, das konstante derailing, entschuldigen, DAS ist eine völlig andere Sache. Hinzu kommt, dass ich mich nicht daran erinnern kann, dass Roman Polanski als „weise“ angesehen wurde? Der lebt, soweit ich weiß, völlig isoliert in seinem Schweizer Chalet, in einem selbstgebauten Gefängnis, dass komfortabel ist, aber trotz allem ein Gefängnis. Geht er raus, droht ihm die Verhaftung, Interpol sucht ihn ja immer noch.

Wäre er „normal“ eingewandert, wäre er wohl seit gut 30 Jahren raus und keiner würd mehr drüber reden. So hat er lebenslänglich.

Im übrigen ist das Opfer diesen Affenzirkus inzwischen selber leid und würde gerne Ruhe haben. Oh – und ich seh grad, sie kennt Klaus Kinski. Nächster Punkt.

Sie konstatiert, dass linksextreme Feministinnen längst die AfD zerstört hätten, wenn es denn so einfach wäre mit der sexuellen Belästigung.

Tja, und hier kommt das „linksextreme Feministin“ ins Spiel. Die meisten sind gegen Rechte so dermaßen feindselig eingestellt, dass sie ohne eine Waffe nicht mal in die Nähe eines „Rechten“ gehen würden. Geschweige denn, ihn nahe genug herankommen lassen, damit der Vorwurf „sexuelle Belästigung“ oder „Vergewaltigung“ nicht vollständig an den Haaren herbeigezogen ist. Die Hand auf dem Hintern reicht da übrigens nicht. Zu Recht.

Es ist ja nicht so, als würde ich linksextreme Feministinnen für zu doof halt…ach scheiß drauf. Doch, sind sie. Die können sich nicht genug verstellen, sind so voll von der eigenen Gerechtigkeit, dass zu denen eher passen würde, einem „Rechten“ auf einem Symposium das Manuskript aus der Hand zu reißen oder was ähnlich bescheuertes.

Zu extremen Feministinnen passen Zensur, Denkverbote und ähnliches, aber doch keine körperbetonten Aktionen. Da stört möglicherweise auch etwas die lila Cordlatzhose. Ich bitte Sie, Frau Stokowski. Außerdem würde das schon alleine bei den Voraussetzungen scheitern, die sie genannt haben. Wer merkt sich bei Herrn Höcke schon, ob er Bernd oder Björn heißt?

Kommen wir zur Einsendung der Dame bei Fefe. Sie sagt, dass *jede* Anzeige wegen sexueller Belästigung

a) durch eine Frau erfolgt

und

b) eine Vorgeschichte hat.

Das ist eine unzulässige Pauschalisierung. Weder ist das immer so, dass Mann = Täter stimmt, noch dass Frau = Opfer stimmt. Eigentlich fällt damit ja schon der gesamte Resttext in sich zusammen, aber wir gucken mal weiter:

Welche Eskalationsschiene soll es denn gegeben haben, wenn man in einer Disko einem Fremden begegnet und man den anzeigt, weil er einem an die Wäsche gegangen ist? Die gibt es da nicht. Nur einen besoffenen Vollidioten (beiderlei möglichen Geschlechts) der zu geil war, um die Pfoten bei sich zu behalten. Und zu respektlos und zu vollgesoffen.

Frauen sind auch mitnichten immer die duldsamen Opfer, die erst zurückschlagen, wenn sie in die Ecke gedrängt werden. Die Zeit der verhuschten Mäuschen ist doch absolut vorbei. Ja, die gibt es, aber generalisieren kann man hier schon lange nicht mehr.

Vor allem, weil Frau sich in den meisten Fällen (ja, Ausnahmen gibt es immer) darauf verlassen kann, dass sie Unterstützung bekommt, wenn sich ihr jemand ohne Erlaubnis nähert.

Das war noch vor nicht allzulanger Zeit anders. Und es gibt auch heute noch Firmen, wo Frauen bevorzugt werden, die „still“ sind. Aber im Großen und Ganzen? Sieht das deutlich anders aus.

Und ja, Frauen nutzen diesen Vorwurf als Waffe. In Sorgerechtsstreitigkeiten. Wenn es um einen Job geht. In Dingen, die ihnen wichtig sind.

Und hier sind wir ja wieder bei der Rollenverteilung: Die große Politik ist für die meisten nicht wichtig. Darum können sich Despoten, Rechtspopulisten und andere „ätzende Leute“ sich auch sicher fühlen.

P.S.: Hab ich ne Gruppe vergessen zu bashen?

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4 thoughts on “Vergewaltigung als Waffe?

  1. Als ich die Kolumne von Frau Stokowski las, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Sie hat ja schon viel Schwachsinn geschrieben (ich muss ehrlich sagen, ich mag die Frau kein bisschen), aber selbst für ihre Verhältnisse hat sie richtig tief ins Klo gegriffen.

    Ich habe auch Fefes Beiträge dazu verfolgt, auch die Einsendung. Ganz ehrlich, der Einsender (hier eher die Einsenderin) scheint ja auch sehr von der inneren Logik ihres Weltbildes überzeugt zu sein, dass sie schließlich folgenden (entlarvenden) Satz hervorbrachte: „Weil die Redaktion eben erkannt hat, dass Frauen, selbst wenn sie es theoretisch wissen, es niemals in der Praxis anwenden werden!“

    Ich hoffe, dass ich als Mann niemals in eine solche Situation gerate, dass eine Frau, die es nicht gut mit mir meint, mir irgendwas anhängen will. Dass dies möglich ist, weiß ich gut aus eigener Erfahrung. Ich habe nämlich erst vor kurzem eine 12-jährige Beziehung mit einer narzisstischen Frau beendet, der auch kein Mittel zu schmutzig war, um mich kleinzuhalten. Ich könnte da Sachen erzählen, dass sich einem der Magen umdreht. Ich habe über narzisstische Frauen auch gelesen, dass sie noch zu weitaus gemeineren Dingen fähig sind, als ich sie erlebt habe. Mein Glück war, dass ich schon lange soviel innere Distanz zu ihr aufgebaut hatte, dass sie keine wirkliche Angriffsfläche bei mir gefunden hat, um mir (über den Psychoterror hinaus) ernsthaft (körperlich und ökonomisch) zu schaden.

    Alleine aus diesen Erlebnissen heraus (auch ihre Familie war nicht ohne, Schwester eine noch schlimmere Narzisstin und die Mutter eine richtige Psychopathin) weiß ich, dass Frauen eben nicht die gütigen, sanftmütigen Wesen, die „besseren Menschen“ sind, für die radikale Feministinnen sie immer hinstellen. Ich habe (psychische) Gewalt von Frauen erfahren, die sich mit der physischen Gewalt eines Mannes, der seine Frau schlägt, vergleichen lässt. Also traue ich auch einigen Exemplaren dieses Geschlechts durchaus zu, dass sie eine Vergewaltigung erfinden, nur um einen Mann aus böser Absicht die Existenz zu vernichten. Und das kann man mit nichts rechtfertigen.

  2. Du hast vergessen, die heterosexuellen, kaffeetrinkenden Altenpfleger zu bashen.

    Gez.: Ein heterosexueller, kaffeetrinkender Altenpfleger

  3. Da waren zwei Seelen, ein Gedanke – habe hin und her überlegt, ob ich Stokowski in meinem Tagebuch berücksichtige; habe gestern abend doch noch einen Einstieg gefunden.

    Ich denke, Stokowski verdient weltweite Beachtung. Lehrreiche Beispiele kann es nicht genug geben.

    Ah, und danke für den Artikel!

  4. Diese unsägliche Kolumne ist auch anderen aufgefallen:

    https://man-tau.com/2017/01/13/rape-culture-gegen-rechts/

    Wenn man mal einen Schritt zurücktritt und versucht, einen größeren Blickwinkel einzunehmen, passt dieser Mist genau in die vermeintlich linke Ideologie, die eigentlich nur noch Irrsinn und Verblendung ist: Wir sind im Besitz der Wahrheit, wir sind die Guten, der Zweck heiligt die Mittel, was wir tun, ist wohlgetan.
    (Anderes Thema, ähnlicher gedanklicher Hintergrund: Die strunzdumme Aktion gegen Andre Poggenburg, AfD, an der Uni Magdeburg)
    Und bei solchen Kolumnen wundert sich irgendwer über den Zulauf, den die reaktionären Gruppen, die ein vorgestriges Weltbild wieder einführen wollen, haben? Wenn ich als Mann jederzeit damit rechnen muss, von einer Frau, die mir übel will, mit erfundenen Vorwürfen fertiggemacht zu werden, und das noch in der Mainstream-Presse gutgeheißen wird? Na klar, da fühle ich mich als Mann doch total wohl mit dem „Konzept“ von Gesellschaft… Das erzähle mal dem durchschnittlichen Mann, und frage ihn dann, warum er sich von den Bauernfängern der AfD, Pegida etc. einfangen läßt. Ja, solch eine Kolumne ist keine Begründung für ein reaktionäres Weltbild – aber einreißen wird man es damit sicherlich nicht, sondern untermauern.

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