Reminder: Warum ich blogge

Fefe hats hier mal gepflegt auf den Punkt gebracht.

Eine Lösung habe ich auch nicht. Aber ein paar Beobachtungen.

Ich habe im letzten Jahr eine Menge Zores mit Leuten gehabt, die ich lange kannte, weil für die es völlig legitim waren, „Rechte“ an die Arbeitgeber zu verpetzen, damit die ihren Job verlieren.

Ich erinnere mich da an einen Grünen-Politiker, der einen Busfahrer um seinen Job gebracht hat, weil er in einem Thor-Steinar-T-Shirt den Bus zur Abschiebung gefahren hat.

Anruf beim Arbeitgeber, Job ist weg. Zivile Existenz vernichtet – so schnell wird DER keinen Job bekommen. Das wurde auch stolz als Erfolg verkündet – um sich dann kurze Zeit später aufzuregen, weil sein Job in Gefahr ist, weil jemand seinen Arbeitgeber…. ratet mal?

Kein Einzelfall, ich hab das öfter gesehen. „Wir sind rinks/lechts also dürfen wir das, weil man die anders nicht belehren kann“ – das ist kein Diskurs. Das ist das absichtliche Zerstören eines solchen.

Am Anfang hab ich auch noch verteidigt, was er tat – bis ich mal kurz aus „rechts“ „links“ gemacht habe und dann die Gesamtsituation nochmal spiegelte. Also: Was wäre, wenn der Busfahrer ein extremer Linker gewesen wäre und ein Rechter hätte ihn so um seinen Job gebracht.

Meine erste Reaktion war: „Das geht gar nicht. Schwei…. ooooooooooops“. Genau. Wenn etwas richtig ist, weil die politischen Einstellungen „korrekt“ sind und etwas falsch, wenn der politische Gegner genau dasselbe macht, habe ICH ein Problem. Sonst keiner.

Danach bin ich recht konsequent vorgegangen – habs zumindest versucht. Aber alte Gewohnheiten verändern sich nur langsam, vor allem, wenn man eben keine 20 mehr ist. Inzwischen kann ich aber sagen, dass ich so ein Verhalten nicht mehr dulde, von keiner Seite. Ich diskutiere dagegen an. Wenn etwas moralisch falsch ist, ist es moralisch falsch – völlig egal, wie jemand positioniert ist.

Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel.

Tja. Und zu dem Problem, dass marodierende Horden auf den Seiten einfallen und mal in die Kommentarspalten kacken? Dazu hab ich auch keine Lösung.

Hier redigiere ich mit ziemlich harter Hand – einfach, weil es notwendig ist. Stalker wehrt man nur so ab (die ich durchaus hatte, Leute, die mir in den Kommentaren, wissend, dass die nicht erscheinen werden, meine Anschrift gepostet haben mit dem Hinweis, dass man ja mal gucken könnte, ob ich noch so großmäulig wäre, wenn derjenige direkt vor der Tür steht). Ich war und bin da sehr unbeeindruckt. Als ob es diese Feiglinge je aus Mamis Keller schaffen würden.

Wer erstmalig kommentieren will, muss manuell freigeschaltet werden. Und wer sich nicht benimmt, fliegt auf die Blockliste. Bleib höflich und du kannst diskutieren. Ist eigentlich recht einfach. Und im Zweifel gibts eine Verwarnung bevor derjenige den Tritt in den Blockhintern bekommt.

Die Vorstellung, dass jemand aber von meinem Blog kommt und woanders rummarodiert, ist wirklich etwas beängstigend. Ich will mir sowas nicht zu eigen machen. Ich will mir auch nicht die Schere im Kopf anlegen. Die hab ich schon oft genug – wenn ich etwas kritisches zu einem gewissen Thema sage, wird man sehr schnell in eine bestimmte Schublade gestopft und danach ist diese Meinung halt nix mehr wert. Weil:

„der ist rinks/lechts, dem muss man nicht zuhören“

Tja. Und genauso funktioniert das nicht. Ich rede nicht von knallharten strafrechtlich relevanten Morddrohungen, Gewalt- oder Vergewaltigungsphantasien (wenn ich für jeden Idioten, der mir gesagt hat, dass ich nur mal einen richtigen beschnittenen Schwanz brauche, dann wüsste ich den auch zu schätzen und man könnte mir da gerne mal behilflich sein einen Dollar bekommen hätte wäre ich jetzt auf Augenhöhe mit Bill Gates), sondern von ganz regulären Diskussionen über politische Positionen.

Das kann verdammt gutgehen – eine gute Erfahrung habe ich mit einem jüdischen Arzt gemacht. Orthodoxer Jude, in fast allen meinen Positionen so ziemlich das genaue Gegenteil, aber holla, hat das Spaß gemacht, zu diskutieren.

Oder eben auch nicht. Wenn man einen Fanatiker/Extremisten hat, für den jede Abweichung von seiner Meinung ein Sakrileg ist, dass es bis aufs Messer zu verteidigen gilt. Ganz gleich ob Impfungen, Beschneidung, allgemeine politische Lage. Je dünner die Argumentationslage, umso aggressiver verteidigt man das Weltbild.

Ich weiß inzwischen, dass ich Recht habe, wenn mein Gegenüber stinkwütend wird. Treffer. Titanic versenkt. 🙂

Gegenpositionen sind was wertvolles. Wenn man denn damit umgehen kann.

Guten Abend.

Send to Kindle
Soziales

Flattr this!

4 thoughts on “Reminder: Warum ich blogge

  1. Den Satz verstehe ich nicht, Tante Jay. Aber da er mir essentiell für den ganzen Kontext deines Beitrages zu sein scheint, hier mal meine kurze Nachfrag diesbezüglich. Im folgenden das Zitat von dir, auf dass sich meine Einleitung bezieht:

    „Ich habe im letzten Jahr eine Menge Zores mit Leuten gehabt, die ich lange kannte, weil die es völlig legitim waren „Rechte“ an die Arbeitgeber zu verpetzen, damit die ihren Job verlieren.“

    Ich vermute mal, dass du eventuell meintest:

    – „.. weil die es völlig legitim fanden ..“
    – „.. für die die es völlig legitim war ..“

    oder etwas in dieser Art. Bitte halte mich nicht für einen ‚Korinthenkaka‘ oder etwas wie die ‚Rechtschreib-Talibane‘ (davon gibt es ja auch schon genug), sondern nur als Frage meinerseits. Du kannst den Kommentar auch gerne löschen, falls da was wirklich nicht stimmen sollte. Übrigens passiert mir das, bei meiner Neigung zu Kettensätzen, auch ab und an.

    Wie auch immer: Ich finde es grauenhaft, wie sukzessive mehr und mehr versucht wird, Existenzen zu zerstören, egal aus welcher Ecke das nun kommt. Für mich ist das ein Amutszeugnis, welches attestiert, dass solche Leute nichts, aber auch garnichts, von Meinungsfreiheit, Diskurs, geschweige denn Pluralismus verstanden haben.

    Hauptsache, der Gegner ist getötet und solche (kurzzeitig) triumphal empfundenen Kämpfe wurden siegreich geschlagen. Ich denke, dass das ein Armutszeugnis ist und Denunzianten damit nichts anderes, als ein geistig Armsein aufzeigen.

    Falls ich dich im Kontext richtig verstanden habe.
    Schönen Abend – Und niemals aufgeben.

    • Du hast Recht – das war wirklich dein erster Vorschlag. Momentan reicht mal wieder ein falsch gesetzter Lichtstrahl aus, mich abzulenken. Scheiß ADS *g*

      Du hast den Kontext korrekt verstanden 🙂

  2. Huhu!

    Ich bin neu hier, also mußt Du mich vermutlich erstmal freischalten. Ich gelobe aber, mich zu betragen (oder ggf. meinen Mund zu halten).

    Was die Juden angeht: ich hab auch schon erlebt, daß die Orthodoxen ein recht entspanntes Völkchen sein können. Folgende Szene: Infostand des THW auf einem Straßenfest. Wir verteilen an die Kinder Luftballons und Bastelbögen. „Nein, keine Bögen für uns“, sagt der Mann mit der Kippa, der plötzlich mit Sohn und Tochter vor dem Stand steht, „heute ist Sabbat.“ Eine spätere Recherche meinerseits ergab: nichts (auf)bauen, nichts einreißen, eigentlich überhaupt nichts annähernd handwerkliches, nur Buchstudium, Muße für den Geist. Von der hat sich der Mann in einer fast einstündigen Diskussion über Technik mit den Kollegen jede Menge geholt. Aber eben keine Dienste am Samstag möglich. Schade eigentlich.

    Ansonsten kann ich mir den Hinweis auf einen Youtuber namens Tanzverbot nicht verkneifen, der auf seinem Kanal lautstark darüber schimpfte, daß Fans (oder eher Nichtfans) bei ihm vor dem Haus oder im Hinterhof aufgetaucht sind. Wenn jemand wie Sturmwaffel (anderer Youtuber) davor warnt, daß bitte niemand vor der neuen Büroadresse auftauchen sollte, ohne eingeladen worden zu sein, und noch ein anderer Youtuber über 10 einfach so gelieferte Pizzen berichtet, dann scheint es da echt verrückte Sitten zu geben. Falls Sitten das richtige Wort ist.
    Will sagen: die Feiglinge schaffen es durchaus aus Mamis Keller.

    Sei lieb gegrüßt.

    • Freischaltung ordnungsgemäß erfolgt. 🙂

      Alles in allem habe ich festgestellt, dass es zwar auch im Judentum diese völlig vernagelten Hohlköppe gibt, für die JEDE Änderung des Bestehenden ein Sakrileg ist – aber erheblich weniger als in anderen Religionen. Und das meine ich Prozentweise, nicht in absoluten Zahlen.

      Katholizismus, Islam und auch der Protestantismus sind Religionen, die auf Antiwissen aufgebaut sind. Gott wird schon Recht tun. Vor allem dann, wenn der Priester weiß, was er zu tun hat. Hier ist Religion definitiv ein Mittel zur Machterhaltung.

      Wenn ich mich nicht sehr irre, ist das Judentum eher so: „Gott wird schon Recht tun. Vor allem, wenn wir dafür sorgen, dass er es tut“. Sehr viel scholarlastiger

      Die beiden anderen Buchreligionen hab ich diesbezüglich nicht richtig auf dem Schirm.

      Was Muttis Keller betrifft: Sollen sie kommen. Wenn sie sich benehmen gibts nen Kaffee, wenn nicht ne Keule. Die Wahl ist nicht bei mir. 🙂

bestellt folgenden Kaffee