Das große schwarze Kaninchen

Wenn es eine Story gibt, die nicht verfehlt, mich zum Weinen zu bringen, einfach weil sie so wunderbar erzählt ist, so furchtbar traurig und gleichzeitig so unglaublich hoffnungsvoll, dann ist es Watership Down. Die Geschichte ist ein emotionaler Rollercoaster mit einem Ende, so unfassbar wunderbar und traurig und schön… sowas bekommt man nur einmal im Leben hin als Autor.

Fiver und sein Kampf gegen das tyrannische Kaninchen, zusammen mit seinem Bruder Hazel – um ein Volk von Wildkaninchen zu befreien. Wunderbare Allegorie und vielleicht etwas, was wir uns alle öfter ansehen sollten.

Richard Adams war der Autor, Watership Down wurde 1972 veröffentlicht. Die Interpretationsansätze, die zweifellos interessant sind, überlasse ich der Wikipedia.

Der Autor hat zeitlebens darauf bestanden, dass er eine Geschichte über Kaninchen geschrieben hat. Nicht mehr. Und doch – Watership Down IST so viel mehr.

Für mich war Watership Down eine Kindheitsgeschichte. Zum Träumen, ich habe mit Fiver gelacht, geliebt, geweint und mein achtjähriges ich war völlig zerschmettert, als Fiver am Ende sterben musste. Ich wußte oder begriff noch nicht, dass es das ist, was uns alle erwartet.

Denn das Große Schwarze Kaninchen holt früher oder später jeden von uns.

Mr. Adams wurde 96 Jahre alt, ein hohes Alter und das Große Schwarze Kaninchen hat sich Zeit gelassen. Dieses Jahr hat es ja Überstunden gefahren.

Doch letztlich hat es ihn gefunden. Am 24. Dezember. Ich müsste lange überlegen, um ein passenderes Datum zu finden, um zu gehen.

Ich hasse es normalerweise, Nachrufe zu schreiben, denn das bedeutet auch immer, dass wieder eine Ikone meiner Kindheit gegangen ist. Für viele war es dieses Jahr einfach zu früh. Aber in diesem Fall ist es anders.

Es war mir eine tiefempfundene Ehre. Richard Adams war für mich der Großvater, der jetzt gegangen ist, aber immer in meinem Herzen bleiben wird. Der mich durch die Kindheit und einen guten Teil meines Erwachsenenlebens begleitet hat und begleiten wird – Watership Down ist zeitlos.

Und während ich hier sitze und mir nicht mal die Mühe mache, die Tränen wegzuwischen, weil sie ja doch wiederkommen, so schnell gehen die jetzt nicht weg, verabschiede ich Richard Adams mit dem wohl schönsten Lied aus Watership Down. Und der finalen Szene – wenn es Zeit ist für Fiver zu gehen.

Machs jut. Grüß mir Fiver und Hazel. Und lauft auf den weiten Wiesen des Großen Schwarzen Kaninchens, das eben kein Feind ist.

Sondern ein Freund.

„All the world will be your enemy, Prince of a Thousand enemies. And when they catch you, they will kill you. But first they must catch you; digger, listener, runner, Prince with the swift warning. Be cunning, and full of tricks, and your people will never be destroyed.“

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