Datt wirkt wie Kokain!!

Seit gut 3 Wochen bin ich jetzt auf Ritalin. Btw. das Zeug für die großen Kinder: Medikinet adult.

Hey, mein erstes BTM-Rezept *g*

Angefangen mit 10 mg/Tag, jetzt hochgegangen auf 20 mg/Tag. Ich denke mal, am Ende werde ich bei 30 mg/Tag landen.

Was hat sich verändert?

Kurz gesagt: Alles.

Meine Depressionen sind weitgehend weg. Ich hab zwar immer noch schlechte Tage zwischendurch, hab aber auch meist fix den Schuldigen: Mein L-Thyroxin vergessen (Schilddrüse weg, wenn ich nicht substituiere wirds…nicht gut).

Suizid-Gedanken? Weg. Völlig. Ich habe neulich mit meiner Cousine telefoniert und zum erstenmal seit Jahren konnte ich ehrlich mit „GUT“ auf die Frage antworten, wie es mir geht.

Ich kann in Gruppen von Menschen stehen, ohne zu panicken oder das Gefühl zu kriegen, ich ersaufe. Das ist noch nicht völlig weg, aber inzwischen deutlich besser. Vorher? Alles mehr als 5 Leute und ich stand unter Dauerstrom. Jetzt ist das deutlich relaxter.

Die Wände, vor die ich gelaufen bin, sind noch da – aber dünner geworden, transparenter. Ich sehe jetzt Türen, wo vorher eine geschlossene Fläche war. Und kann tatsächlich durchgehen. Was meinem Storytelling sehr entgegenkommt (ich muss „Das Tal der Stürme“ und „Kiena“ endlich fertigschreiben). Diese Türen öffnen sich noch etwas schwer, aber es wird besser.

Die Tage sind heller. Die Farben bunter. Ich fröhlicher – und das erstemal seit langer Zeit, ohne das ich eine Maske aufhabe, die tut, als wäre ich fröhlich. Ich BIN es.

ADS ist kein Spaß. Ich habe es seit meiner Kindheit, unbehandelt – und deswegen mein Leben großteilig an die Wand gefahren.

Man lernt, sich Umwege zu bauen. Dinge zu umgehen, die man nicht kann. Aber es wurde schlimmer, ich unfähiger, irgendetwas zu tun außer mein tägliches Leben irgendwie aufrecht zuerhalten.

Langsam aber sicher baue ich die Rückstände ab. Es wird noch etwas dauern. Aber ich komme dahin, wohin ich will. Ganz sicher.

Aber, um den Bogen zur Überschrift zu schlagen: Es hat – natürlich – nicht lange gedauert, bis die ersten Mahner auftauchten. „Das wirkt im Hirn wie Kokain – nimm das Zeug nicht.“

*seufz* ADHS oder in meinem Fall halt ADS bedeutet ein Ungleichgewicht verschiedener Botenstoffe. Signale kommen nicht, nicht zur richtigen Zeit oder nicht an der richtigen Stelle an. Das Hirn kann also Signale nicht priorisieren, weil irgendwie die Hälfte der Botschaften fehlen oder falsch interpretiert werden.

Methylphenidat sorgt dafür, dass die Botenstoffe vom Körper, wenn sie mal ausgeschüttet sind, nicht so schnell wieder aufgenommen werden. Dazu braucht man einen gewissen Spiegel. Wenn man also eine Pille nimmt, heißt das nicht, dass man dann gleich Superbrain ist.

Methylphenidat bei Leuten mit ADHS sorgt also für einen „normalen“ Botenstoffspiegel. Bei Leuten, die das Zeug „einfach mal probieren wollen“, sonst aber kein ADHS haben, ERHÖHT dass Zeug den Botenstoffspiegel. Und zwar, je nach Dosis, ganz ordentlich – das Hirn geht in den Overdrive.

D.h. Leute mit ADS/ADHS können damit ganz normal leben. Die Horrorstories kommen von denen, die das nicht haben und das als Aufputschersatz genommen haben. Wir reden hier von einem Medikament, dass unter das BTM-Gesetz fällt. Also, der nächste, der mir diesen gutgemeinten „Rat“ gibt, wird dann wohl mit der recht kurzen Antwort:

„FUCK OFF“ leben müssen. Und wer dann nicht Ruhe gibt, bekommt dasselbe, nur etwas länger, um die Ohren gekloppt.

Ansonsten:

Hallo Leben. Wo warste so lang? Hab dich vermisst.

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Soziales

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19 thoughts on “Datt wirkt wie Kokain!!

  1. „ADHS gibt es nicht“
    „ADHS? Hat der ‚Erfinder‘ nicht auf dem Sterbebett seine ‚Erfindung‘ nicht widerrufen‽“

    Wie gerne würde ich bei solchen Kommentraren den durchaus immer gutmeinenden Kommentatoren bei desen Anmerkungen aus dem Stand den Hals umdrehen… Ich kann als Mann dorch auch nicht mitfühlen, was eine Geburt für eine Frau wirklich bedeuten. Genauso können diese A****löcher nicht verstehen, was es heißt, Multitaskingfähig zu sein und gleichzeitig Ständig am Wahnsinn entlang laufen. Eben weil alle Informationen und Reize in das Hirn jagen – ungefiltert! Und wie schön das ist, das Hirn plötzlich in der Ruhe zu haben, Zeit zu bekommen. Nicht mehr jedem Reiz nachspringen zu müssen wie ein Hund auf dem Feld.

    Es wirkt wie Kokain? Haben diese Vollpfosten … ach so, können sie ja nicht austesten, weil Ritalin und Kokain auf deren Hirn komplett anders reagiert? Oh tut mir das leid…

    Ach, es ist leistungssteigernd und wird deswegen von Managern und Studenten deswegen eingeworfen? Tja, diese Idioten merken es dann schnell, wie ihre Reserven zum Teufel gehen. Bei einem armen Schwein mit ADHS baut es diese Reserven überhaupt auf! Die Chemie wirkt bei einem Betroffenen einfach etwas anders…

    Und nein, wir sind nicht Krank – nur anders. Die Diagnose entschuldigt nicht unsere Abnormität, man kann es mit der Zeit und viel Training ändern, wenn nicht noch andere Persönlichkeitsstörungen dazu kommen. Für einen Erwachsenen mit später Diagnose bedeutet diese Anpassung harte Arbeit und dauert. Und manche müssen Ritain & Co. dann dennoch ihr ganzes Leben nehmen. Ich wäre froh gewesen, meine Eltern hätten damals mir das Zeug gegeben, dann wäre mir mein heftiger Weg und die schwere Schulzeit etwas erleichtert oder sogar erspart geblieben. So kämpfe ich also heute gegen die Schäden, meine Persönlichkeit und meine Umwelt, um halbwegs in der Spur zu bleiben. Aber es ist machbar.

    In diesem Sinne: Tantchen, Kopf hoch. ADHS-Personen können manchmal in Situationen Dinge bewegen, die Normale einfach nicht in ihren normalen Schädel bekommen…

  2. „der nächste, der mir diesen gutgemeinten ‚Rat‘ gibt …“ – alles kein Problem, solange mit ärztlicher Betreuung. Kritisch wirds nur bei jenen, die es sich selbst „verschreiben“.

      • Da gibt’s Möglichkeiten. Die kursieren unter Studis z.B.

        Wenn ich so lese, was ADHS/ADS-Betroffene so über ihr sich-selbst-erleben schreiben, kommt mir gelegentlich der Gedanke evtl. selbst mal einen professionellen Menschen aufzusuchen, der sich damit auskennt – nicht weil ich scharf auf eine solche Diagnose wäre.

        • glaub mir, karl: I still struggle with the diagnosis. Ich könnte mir schöneres vorstellen, als jetzt den ganzen Rotz mit „Körpererfahrung“ und „Verhalten“ zu lernen. Und auch was Ritalin & Co betrifft, ich würde liebend gerne gestern als heute das wieder weglassen.

          Wenn ich aber die Gefühlsschwankungen und Reaktionen auf meine Umwelt in betracht ziehe, ist das Rattengift im Moment das kleinere Übel, damit ich überhaupt im Berufsleben bestehe. Und auch genug Abstand bekomme, um mein Verhalten zu modifizieren und meine Gefühle überhaupt richtig einschätzen lerne.

          Auf das Gehirn wirkende Medikamente sollten immer unter Aufsicht genommen werden. Fremde, die einem nicht jeden Tag sehen, können einfach besser mit einem Blick sagen, ob man sich noch in den „normalen Parametern“ bewegt oder nicht. Und wie ich schon in meinem vorherigen Kommentar schrieb: Das Medikament wirkt auf „neurologisch Typische“ eher wie ein Nachbrenner und verbraucht damit Reserven, die für das Leben notwendig sind.

          Generell kann ich nur sagen: Don’t mess around with your brain.

          Und ja, manche AD(H)Sler wirken zu diesem Thema wie eine Gruppe Jugendlicher, wie neue Drogen austesten… Wie eine Sekte. Auf der anderen Seite kann ich diese Menschen verstehen. Vielleicht zum Ersten mal in ihrem Leben ist dieses durcheinander im Kopf zu Ende und die Gedanken klar. Wie wenn du einen schweren Sehrfehler hast und erstmals klar sehen kannst mit einer neuen Brille.

          • Da hast Du wohl was falsch verstanden. Ich bin weder scharf darauf die Droge auszuprobieren noch eine weitere Diagnose zu erhalten. Ich hab schon genug somatische, mit denen ich vollauf bedient bin, und es scheint gerade eine weitere unpassende hinzu zu kommen. Andere Medikamente nehme ich aus diesen Gründen auch schon reichlich, wobei Ritalin aufgrund möglicher Wechselwirkungen sowieso sehr gut überlegt werden müsste, selbst wenn es eine entsprechend rechtfertigende Diagnose gäbe.

            Nur wäre es eben evtl. sinnvoll mal von einerm sachkundigen Menschen, vermutlich am ehesten Psychiater, zu erfahren, ob es für einige Dinge eine stimmige Erklärung geben könnte.

    • Nun, meine Finger werde ich mir nicht schmutzig machen, aber ich hätte ein paar Gegenstände, die ich mit meiner „inneren“ Kraft durchaus bei dir wo hinschieben kann wo die Sonne nicht scheint.

      Ich vertrau an der Stelle dem Doc, der endlich die korrekte Diagnose gestellt hat. Nicht einem Internetkönig.

        • Vergiss es. Im ernst. Mit DEM Argument bin ich zu oft konfrontiert worden, um noch drauf reinzufallen.

          Von weiteren derartigen Tipps bitte ich Abstand zu nehmen.

    • Okay, ich lese gerade das und frage mich, ob ich dir die Depression und das Durcheinander im Kopf auch an den Hals wünschen soll… In der vollen Bandbreite. Du Voll…

  3. ich frage mich gerade, ob zu viel mallorquinische Sonne vielleicht nicht gut fürs Gehirn ist – oder drückt die Krone? Wie heißt dieses Tier – groß, grau und überflüssig? Ach ja – irrelefant.

  4. Liebes Tantchen willkommen im BTMG-medikamente club 😛

    Letztendlich denke ich muss jeder selber wissen was er/sie/es sich einwirft. Solange es dir hilft und keine zu harten Nebenwirkungen auftreten denke ich ist das dass richtige für dich.

    Ich hatte mich damals bei meinem ersten Psychopharmaka-Rezept auch gesträubt aber schlussendlich machen die Medies das es uns insgesamt besser geht.

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