Ein Tag im Büro

Ein Grund, warum hier momentan Flaute ist, ist die Tatsache, dass ich Nägel mit Köpfen mache. Ich kann nich immer nur meckern, wie man Dinge zu machen hat – an irgendeinem Punkt muss die Meckerei aufhören und man *macht*.

Das Dörfchen, in dem ich wohne, hat ja jetzt einen eigenen Verein. Und dank der tatkräftigen Hilfe der Stadtverwaltung auch ein eigenes Büro. Yay.

Nach 5 Jahren hab ich jetzt 3x die Woche einen Bürojob. 😉

Wie darf man sich das denn vorstellen?

Lustig 🙂

Letztlich brauchen die meisten Leute wirklich Hilfestellung mit allem. Wohnungssuche, Übersetzertätigkeiten, Jobcenter/ARGE und wenn man dann ne Wohnung hat und *endlich* aus der Unterkunft raus darf gehts weiter. Internet und seine spezifisch deutschen Fallen (Abmahnungen).

Also mache ich um 15:30 Uhr (demnächst um 14:30 Uhr weil man sonst echt keine Behörde mehr an die Strippe kriegt) das Büro auf und winke freundlich den Leuten zu, bevor ich mich in den Chefsessel platziere und Anträge ausfülle, mit Wohnungsverwaltungen telefoniere, mit Providern verhandel und ja, auch mal den einen oder anderen geradesetze, wenn er wegen Mietrückständen ankommt.

Dann kommt jemand rein und möchte einen Deutschkurs im Nachbarraum halten. Alles klar: Have fun. Im Kalender wird der Eintrag ausgestrichen und ich füll den nächsten Antrag aus: Integrationskurs BaMF.

In den 2 Stunden, wo ich da bin, hab ich immer gut zu tun. Richtig gut zu tun. Und meist mach ich länger, weil die Zeit nicht reicht. Manche sprechen englisch, manche sprechen nur Hände und Füße und wieder andere können schon richtig gut deutsch und sind stolz wie Hulle drauf.

Letztlich ist jetzt schon klar, die meisten brauchen für lange Zeit Hilfestellungen. Zu fremd die Bürokratie, zu unheimlich diese unglaubliche Papiermenge. Und ganz neu: Wenn man einen Termin bekommt, muss man sogar pünktlich da sein.

Wenns hart auf hart kommt, reicht ein Anruf bei einem der Dolmetscher. Unsere „Sammlung“ umfasst inzwischen arabisch, amharisch, Farsi, Bangladeshi, Russisch, englisch (meine Domäne) und diverse andere Sprachen, von denen ich zum Teil nicht mal wußte, dass es sie gibt.

Alles in allem unglaublich anstrengend und unglaublich zufriedenstellend. Den Leuten wird richtig geholfen. Unser Verein stellt die Deutschkurse, sorgt dafür, dass Anträge rechtzeitig gestellt und weiterverfolgt werden und alles in allem macht die Vereinsführung ne richtig geile Arbeit.

Tut richtig gut.

Vor allem, wenn man sieht, was gerade in Griechenland abgeht *kotz* Dort kann ich nicht helfen.

Aber hier.

 

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Soziales

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5 thoughts on “Ein Tag im Büro

  1. Tja,
    Griechenland, Türkei und Flüchtlinge sind eh so eine Sache, in der die EU glaub ich nochmal ne Menge Hirnschmalz brauchen wird, um dann die richtige Lösung zu finden …

    Aber schön, dass du nun etwas tun kannst und das Büro geniessen kannst. Denke aber bitte auch an deine Gesundheit, wenn du mal wieder – und ich schätze, das wird bei dir gar nicht so selten sein – länger machst. Im Zweifelsfall ist dann morgen auch noch ein Tag, an dem man etwas tun kann.

    • Nein, eigentlich versuche ich wirklich, da das zu machen, was die Kräfte zulassen. Wenns heftig wird, merk ich das schon 😉

  2. Dann drück ich die Daumen, dass du noch so richtig lang Spaß dran hast und vor allem vielen helfen kannst – und ich finde das toll, toll, toll, was du und der Verein da bewegen!

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