Zwei Leben

Lothar Späth und Guido Westerwelle. Der Mann aus dem schwäbischen, bauernschlau, Strippenzieher und auf seine ganz eigene Art stur wie nix sonst.

Der Mann aus dem Rheinland. Hochgewachsen, nach langem Kampf endlich offen schwul und der erste schwule Außenminister Deutschlands.

Beide glücklich verheiratet. Und meine Herren, hab ich mich an beiden gerieben.

Guidomobil, 18+ – Guido Westerwelle hat lange Zeit keine Provokation ausgelassen, manchen Hype kreiert. Er war Bruder Luftikus unter den Politikern.

Lothar Späth hingegen bodenständig, ein Strippenzieher, gewieft, schlau, den Blick ganz aufs Ziel gerichtet. Hat ihm nix genutzt, er stolperte über eine Reiseaffäre.

Guido Westerwelle wurde erwachsen, als er Außenminister wurde. Er hat sich dort Meriten einfahren können und letztlich seine Feuertaufe bestanden, als er Deutschland aus dem Syrienkrieg heraushielt.

Lothar Späth hat in fortgeschrittenem Alter Jenoptik saniert und an die Börse gebracht.

Der eine 78, der andere 54.

Zwei Leben. Zwei vollständig unterschiedliche Biographien. Und doch – ohne diese beiden Männer würde unser Land anders aussehen.

Und doch gewinnt Guido Westerwelle haarscharf. Sein großes Interview, bevor er von der von ihm so geliebten öffentlichen Bühne abtreten musste, weil der Körper nicht mehr mitmacht. Das Interview lesend ist einem im Nachhinein klar, dass er wohl wußte, dass er sterben muss.

Was bleibt?

Respekt für die Lebensleistung. Und für die Abgeklärtheit eines einstigen enfant terribles.

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Soziales

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9 thoughts on “Zwei Leben

  1. Lothar Späth…Jenoptik? Ach ja, ich erinnere mich.

    Rainald Grebe hat sich mal darüber ausgelassen. Übrigens gleichzeitig über den unlängst verstorbenen David Bowie.

  2. Endlich offen schwul? Wieso, hat Westerwelle das irgendwann mal geleugnet? Na ja, egal. R.I.P.

    • Geleugnet nicht, aber richtig öffentlich hat er es erst 2004 gemacht. Ich denke, dafür hatte Wowereit den Boden bereitet. Vor 2000 hätte ein Spitzenpolitiker damit sicher ein Problem gehabt, oder vielmehr seine Umwelt. Und als Außenminister ist das wahrscheinlich auch nicht so ganz einfach, wenn man an die viele Staaten denkt, in denen Homosexualität verboten oder eine Straftat ist.

  3. Einerseits gilt die Regel „de mortuis nihil nisi bene“ – die Würde der Toten ist zu achten.

    Andererseits ist es – gerade bei Westerwelle – nicht in Ordnung, die Würde der Lebenden mit Füßen zu treten, indem man seine menschlichen Aspekte hervorhebt. Zu Lebzeiten dominierten die politischen solchen.

    https://goo.gl/AM3Cku

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