Tja, Volkswagen. Und nun?

Ferdinand Piëch, erinnert sich noch einer? Der nahezu allmächtige VW-Übervater entzog Martin Winterkorn, scheinbar aus dem Blauen heraus, Martin Winterkorn sein Vertrauen. Es kam zum Machtkampf zwischen Winterkorn und Piëch, Winterkorn gewann, auch, weil er erfolgreich verstand, sich als Opfer seines Mentors darzustellen.

Im Raum stand immer die Frage: Warum hat Piëch so gehandelt? Es lief zwar nicht vollständig rund bei VW, aber die vorgebrachten Gründe schienen alle nicht ausreichend.

Nunja, nu wissen wirs, oder?

Der Abgas-Skandal, von dem VW gerade als erste Marke getroffen wurde, weitet sich aus. Statt ein paar Hunderttausend Autos sind 11 Millionen Autos mit der Software ausgeliefert worden, die auf dem Prüfstand gute Abgasergebnisse vorgaukelt und im Normalbetrieb alles abschaltet. Umweltauflagen? Ah watt.

Winterkorn agiert dabei jetzt erstaunlich konsistent. Er will nicht zurücktreten, was eigentlich die normale Konsequenz wäre. Er hat eine Videobotschaft ausgesendet, die in ihrer Unbeholfenheit fast komisch wirkt.

Wußte er von der Installation der Software? Mit Sicherheit. VW ist hierarchisch organisiert. Eine derartige Software hätte von ganz oben abgesegnet werden müssen bevor die unteren Instanzen das installieren. Und wenn ich mal wild spekulieren wollte: Als Piëch begriffen hat, was da ablief bzw. gemerkt, hat er Winterkorn das Vertrauen entzogen.

Aus guten Gründen konnte er nicht sagen, warum. Also konnte Winterkorn das Opfer von Piëch’s Willkür spielen, den allmächtigen Manager in Rente schicken und weitermachen.

Bis jetzt.

Wenn überhaupt, ist neben der Entzauberung von „Made in Germany“ (man darf gespannt sein, welcher Autobauer als nächstes gesteht, diese oder ähnliche Software eingesetzt zu haben), das ganze ein gutes Beispiel, wie Intrigen „ganz oben“ funktionieren.

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6 thoughts on “Tja, Volkswagen. Und nun?

  1. Beim Spritverbrauch haben fast alle gemogelt, die einen mehr, die anderen weniger. Und das liegt nicht allein an unrealistischen Testbedingungen. Da wird auch Motorsteuerung ein Wörtchen mitgeredet haben. Aufm Rollprüfstand ist es ja nicht weiter schlimm, wenn z.B. nicht die volle Leistung abrufbar ist.

  2. Ich sach mal so: ein TÜV-Prüfer in der Verwandtschaft erzählt schon seit Jahren, dass die Motorelektronik aller Fahrzeuge erkennt, wenn der Motor im Prüfmodus läuft, und den Motor dann so steuert, dass er die Prüfungen besteht. Motoren so weiterzuentwickeln, dass sie weniger Sprit verbrauchen und weniger Dreck rausblasen, ist ein teurer Spass. Die Programmierung der Motorsteuerung ist dagegen einfach.

    Offenbar war man auch im Verkehrsministerium der Sache schon auf der Spur. Ich bin sicher, dass die Vorstandsetagen Bescheid wissen – oder ansonsten gilt auch da wieder „plausible deniability“. Tja, Autos bauen ist wohl keine langfristige Zukunftsperspektive für Deutschland….

  3. Ich finde es zwar schade, dass da ein großer Arbeitgeber welche auf die Fresse bekommt, aber zumindest hat erst als erstes den Chef getroffen!
    Auch ich bin der Meinung, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alle Automobilhersteller bei solchen Tests mogeln. Und es ist auch klar warum sie das tun; sie können’s und sie wollen, in Zeiten gestiegenen Umweltbewusstsein der Käufer trotzdem ihre riesigen Spritschlucker an den Mann bringen. Wobei das „Umweltbewusstsein“ bei Autos, welche auch im Test 10, 12, 15 Liter oder mehr je hundert Kilometer schlucken eh für’n A***h is. (aber das nur nebenbei)
    Klar könnte man die Motorsteuerung so einstellen, dass auch im Normalbetrieb weniger Shice ausgestoßen wird, aber dann hat das Fahrzeug bescheidenere Leistungsdaten und das kann man dem Kunden ja dann auch nicht zumuten.

  4. Heute bei Fefe gleich mehrere Links zu weiteren „Verdächtigen“. Na, da bin ich ja jetzt mal total überrascht…

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