Flüchtlinge! Im KZ!!

So richtig fit bin ich immer noch nicht *röchelhust* – eher ziemlich klapprig. Aber meinem Blutdruck gehts ganz gut derzeit. Warum?

Weil mal wieder die Aufregeria was zum empören gefunden hat.

Die Stadt Schwerte will FLÜCHTLINGE ins KONZENTRATIONSLAGER stecken.

Geschichte eines Aberwitzes.

Das Konzentrationslager Buchenwald liegt in der Nähe von Weimar. Buchenwald wurde unterstützt von einem Netz aus Außenlagern, die für die Logistik und anderes notwendig waren.

Eines dieser Außenlager war in Schwerte. Dort waren etwa 700 Zwangsarbeiter stationiert, unter den wie üblich unmenschlichen Bedingungen.

Nach dem Krieg wurde Buchenwald zur Gedenkstätte. Die Außenlager hingegen blieben den jeweiligen Gemeinden überlassen – die die Gebäude oftmals abbrachen und die Gelände neu bebauten.

So auch in Schwerte. Auf dem Gelände des ehemaligen Außenlagers befindet sich heute evtl. noch die ehemalige Aufseherbaracke, aber selbst das ist nicht sicher, das Gebäude *könnte* das sein, oder aber auch neu gebaut sein, so genau weiß das offenbar niemand mehr.

In dem Gebäude war ein Waldorfkindergarten untergebracht und eine Künstlergalerie. Und in den 90ern schon mal Flüchtlinge. Aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg.

Es hätte so schön sein können. Ein nettes großes, beheizbares Gebäude, was ja angesichts der Witterung nicht unwichtig ist. Aber ach. Geschichtsversessenen war das nicht gut genug.

FLÜCHTLINGE!!! IM KZ UNTERGEBRACHT!!! Welche Schande für Deutschland. Wie unsensibel. Haben wir aus der Vergangenheit denn überhaupt nicht gelernt? Wie geschmacklos. Wie pietätlos. Und die Krönung: Eine Frau, die allen ernstes glaubte, dass Buchenwald selbst wieder aufgemacht wird. Die auf mein: „Da steht nicht ein Gebäude mehr“ die Webseite der Gedenkstätte herangezogen hatte und meinte: „Doch, da steht alles noch“.

Den Unterschied klarmachen? Kannste vergessen.

Anstatt froh zu sein, dass das Gelände jetzt einem guten Zweck zugeführt wird, nämlich der Beherbergung der Leute, die unsere Hilfe dringend brauchen, jault man rum, weil da vor 70 Jahren mal Baracken standen.

Das Außenlager, wie gesagt, existiert schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Und ich finde, es ist durchaus an der Zeit, die negativen Erinnerungen mit positiven zu überlagern. Das Gelände wird Flüchtlingsunterkunft. Wie es in den 90ern schon mal war und vielleicht in Zukunft wieder wird.

Und das ist gut so.

P.S.: Eine kleine, fiese, niggelige Stimme fragt sich grad, ob die da in der Unterkunft Duschen haben. Wenn ja: DAS wär doch dann ein Aufreger.

„FLÜCHTLINGE!!!! INS KZ!!!! MIT DUSCHEN!!!!EINSELF“

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Soziales

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19 thoughts on “Flüchtlinge! Im KZ!!

  1. Ich wiederhole meine Antwort bei FB:
    Die Leute kommen nach Deutschland!
    Lasst es Euch auf der Zunge zergehen: Deutschland!
    HIER HABEN MAL NATIONALSOZIALISTEN GEHERRSCHT!
    Und das kann man denen doch wirklich nicht antun, also den Flüchtlingen jetzt.

    • Ja HABEN sie. Lass es Dir auf der Zunge zergehen, HABEN, früher mal..

      Wenn wir jeden einzelnen Platz, auf dem Nationalsozialisten ihr unmenschliches Uwesen getrieben haben bzw, einmal Einrichtungen der Nazis sich BEFANDEN (Bitte auch hier das Prätäritum beachten!) mit dem Tabu für die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft belegen würden, blieben nicht mher viele Plätze übrig.

      Neimand hat gefordert auf dem Gelände einer KZ-Gedenkstätte Zeltlager zu errichten. Ein wenig Differenzierung darf da schon sein.

      Vermutlich wäre es eine ganz einfache und sinnvolle Idee doch einfach mal die Betroffenen selbst und zwar sachlich zu fragen, ob ihnen das was ausmachen würde, anstatt für sie zu entscheiden, was ihnen Graus zu sein hat und was nicht..

  2. Nachdem die Flüchtlinge, egal ob Kriegsflüchtlinge oder Wirtschaftsflüchtlinge, es hierhergeschafft haben, dürfte es den meisten egal sein was vor siebzig oder mehr Jahren hier so alles passiert ist. Da wird wieder nur ein Aufreger für eine Schlagzeile oder #Aufschrei o.ä gesucht.

  3. Es ist ja auch nicht die Rede davon, die Flüchtlinge in Auschwitz oder Mittelbau-Dora unterzubringen – das wäre wohl in der Tat nicht angemessen. Aber diejenigen Hinterlassenschaften aus der NS-Zeit, die ohnehin Gedenkstätten sind, stehen dafür sowieso nicht zur Diskussion.

    Im Übrigen kann ich Karl nur zustimmen: wenn alles, was mit den Nazis in Verbindung steht oder gebracht werden kann, künftig Tabu sein soll, bleibt nicht mehr viel – die Nazis waren überall, in jeder Stadt, in jedem Dorf, in den Schulen, Universitäten, Amtsstuben, Läden etc. Deswegen ist ein vernünftiger und angemessener Umgang damit so wichtig, um die Gegenwart nicht von der Vergangenheit erdrücken zu lassen. Das obige ist eher Hysterie und übertriebene political correctness.

      • Naja, man greift zu solchen Mitteln. Geradezu, als wollte man Öl in ein Feuer gießen, das ohnehin lichterloh brennt. Europa ist doch groß genug.

        • Öh, ne. Wenn das noch ein KZ wäre, vielleicht. Aber so? Das ist eine völlig normale Wohnsiedlung, da erinnert außer einer kleinen Gedenkstätte nichts mehr an ein KZ Außenlager. Die Häuser wurden nach dem Krieg erbaut, insbesondere der in Frage kommende Bungalow.

          Da waren in den 90ern bereits Flüchtlinge untergebracht, damals aus dem Kosovo und keiner hat auch nur mit der Wimper gezuckt. Was soll denn jetzt anders sein?

            • Stimmt so nicht. Das ganze war ein lokaler Skandal bis die Medien es aufgegriffen haben – und die gabs auch 1990 schon.

              • Multimedia steckte in den Neunzigern noch in den Kinderschuhen, kein Vergleich mit der heutigen Situation.

                • Zum Einfluss von Medien auch schon in den 80ern auf aktuelle Ereignisse möchte ich hier nur auf das sog. Geiseldrama von Gladbeck verweisen, dass ohne eine katastrophale Berichterstattung wahrscheinlich anders verlaufen wäre – und das ganz ohne Multimedia.

                  • Gewagter Vergleich. Damals wurden Menschen brutal ermordet. Sensationsjournalismus gab es natürlich schon vor Multimedia. Ich erinnere an „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Heinrich Böll.

                  • Es geht um die Medien an sich, nicht um das Geschehen im einzelnen, aber das scheinst du nicht begreifen zu wollen.

  4. Aber, wenn hier schon das deutsche „Unglücksjahr“ 1988 zur Sprache kommt…ohne das Richtmikrofon des Hessischen Rundfunks hätte es das Wunder von Stolzenbach nicht gegeben. Na, und bei der Flugschaukatastrophe von Ramstein trifft die Medien höchstens eine mittelbare Schuld. Auch gegen Remscheid später im Herbst war nicht viel zu machen.

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