Flüchtlingskatastrophen – mitten in Deutschland

Wer heute noch nix vorhat und ein bisschen Geld für einige Flaschen Wasser, Babynahrung und ähnliches übrig hat, hat vielleicht jetzt was, was er tun kann.

Flüchtlinge strömen derzeit zu uns ins Land. Syrien vor allem aber auch aus dem Balkan kommt derzeit sehr viel.

Fakt ist: Die müssen erstmal untergebracht werden. In Deutschland ist es verdammt schwül, richtig heiß und die Leute brauchen Wasser und was zu essen. Es sind viele Kinder dabei und sogar einige alte Leute, die die Strapazen geschafft haben.

Wenn ich den Bericht hier richtig lese, sind aber unsere Behörden damit überforderter als die jordanische Regierung. Zumindest was Berlin-Moabit betrifft, wo die Flüchtlinge auf Pappkartons vor dem Gebäude kampieren. Ohne Versorgung, ohne ein Dach über den Kopf. Selbst Wasser ist knapp (und das wär echt einfach: Dreht die Hähne auf).

Hamburg kriegts nach meinen Informationen derzeit am besten hin: Containerdörfer entstehen, solange werden die Leute in Zelten untergebracht.

Dresden ist auch ne mittlere Katastrophe: Kaum ärztliche Versorgung, Wasser gabs wohl, aber Essen nur von Freiwilligen aus der Bevölkerung.

Leute, da bahnt sich ne humanitäre Katastrophe mitten in Deutschland an.

Was kann man tun?

Ihr wohnt in Dresden, Hamburg oder Berlin-Moabit und wollt helfen? Dann fahrt hin und fragt einen der Verantwortlichen vor Ort, was gebraucht wird. Bei den Temperaturen dürfte das in erster Linie Trinkwasser sein. Essen sollte nicht einfach so angereicht werden – es nutzt nix, 50 Pizzen zu bestellen, die dann mehr oder weniger ein Tropfen auf dem heißen Stein sind. Schließt euch hier zu einer Art Notfall-Catering zusammen, besprecht das mit den Verantwortlichen vor Ort – und wenn möglich, bindet die Flüchtlinge mit ein, die werden froh sein, wenn sie was zu tun haben.

Wenn ich das richtig sehe dürfte Babynahrung und sauberes Wasser für die Kinder ebenfalls wichtig sein. Genauso wie Windeln und Kinderkleidung – die Leute haben nicht mehr viel. Aber: Einzelne sind damit überfordert. Schließt euch zusammen, wenn ihr was machen wollt und stimmt die Aktionen ab. Das sind verdammt viele Leute da.

Wer in Moabit helfen möchte, wird hier imho am ehesten fündig.

Tut nichts, ohne zumindest geklärt zu haben, dass das auch sinnvoll ist. Einfach im Supermarkt die Wagen vollpacken und hinfahren dürfte in Moabit, wo die Leute buchstäblich auf der Straße sitzen, nicht hilfreich sein.

Diese Situation wirft ein Schlaglicht auf den Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland. Ich rede an der Stelle NICHT von den Verbrechern, die die Flüchtlingsheime anzünden. Sondern von der Bundespolitik.

Die Länder bekommen „Landeszuweisungen“. Die drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg trifft es hier härter als die Flächenstaaten. Berlin ist derzeit für gut 27.000 Flüchtlinge zuständig. Das ist viel zuviel und vor allem zu schnell. Das packt Berlin nicht (die kriegen ja nicht mal nen Flugha…okay, der war deplatziert).

Dresden hat eine provisorische Zeltstadt aufgebaut. 1000 Leute sind dort untergebracht, aber die Zeltstadt erfüllt nicht mal die Mindeststandards der UNO für Flüchtlingsunterkünfte. Diese Mindeststandards dienen nicht der Bequemlichkeit – sie dienen der Seuchenprävention und der Gesundheitsfürsorge. Demzufolge fürchten die beiden einzigen Ärzte für das Zeltlager auch, dass da demnächst ganz böse was ausbrechen kann. Cholera und Typhus sind die großen beiden, die unter solchen Vorzeichen schnell ausbrechen können.

Ich würde den Dresdnern gerne eine Kontaktadresse vermitteln, habe hier aber nur das gefunden. Dresdner wissen das vielleicht besser.

Der Staat packts nicht. Vielleicht aber wir?

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Soziales

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11 thoughts on “Flüchtlingskatastrophen – mitten in Deutschland

  1. Der Artikel geht der Wurzel des Übels leider nicht nach. Kriegsflüchtlinge fallen nicht vom Himmel. Die richtigen Fragen müssen gestellt werden: Warum ist da Krieg, wo die herkommen? Wer finanziert den? Warum müssen sie bei uns in Zelten hausen? Vielleicht, weil in den eigentlichen Asylantenheimen Viele breitärschig grinsend drinhocken, die nichts da zu suchen haben? Diese Fragen müssen schnellstens geklärt werden, um für Entlastung zu sorgen.

    Um solche Zustände in Zukunft zu vermeiden, muß die Arbeiterklasse hier wie dort die politische Macht ergreifen, die Kriegstreiber enteignen und das gesamte Potenzial und die Produktivität des Landes den fortschrittlichen Bevölkerungsteilen zukommen lassen. Fernziel müssen die VSS’s sein. Nur so kann der Frieden dauerhaft gesichert werden.

    • Von der Beantwortung all dieser Fragen (wobei ich bei „breitärschig grinsend“ kurz davon bin, ausfallend zu werden – so ein Schwachsinn. Wenn ich jetzt noch einmal Wirtschaftsflüchtling höre, drehe ich durch.) hat kein einziger Flüchtling, der jetzt im Zelt oder unter freiem Himmel sitzt, morgen ein Dach über dem Kopf. Die jetzige, völlig unerträgliche Situation muss erstmal so schnell wie möglich verbessert werden. Die berechtigte Frage nach den Ursachen ist hier im Moment nicht relevant.

    • Für den Kommentar fliegst du. Es gibt bestimmte Dinge, die dulde ich hier nicht. Mit „breitärschig grinsend“ hast du die Grenze überschritten.

  2. In Dresden wäre eine Anlaufstelle das DRK. Die haben eine Außenstelle direkt gegenüber der sog. Zeltstadt. Bei twitter gibts unter #zeltstadd auch Infos. Sachspenden waren in den letzten Tagen nicht mehr gefragt, und Essen für die Flüchtlinge würde ohnehin nicht angenommen.

    So wie die Bundesländer die Aufnahme von Flüchtlingen derzeit mit Anlauf verkacken, muss man sich fragen, ob dahinter nicht schon fast Absicht steckt, um mittelfristig das Asylrecht noch weiter einschränken zu können. Was wird denn erst, wenn es mal eine Katastrophe im eigenen Land gibt? Ist die Reaktion dann genauso erbärmlich schlecht? Die Ankunft einer großen Anzahl Flüchtlinge war ja nun nicht erst seit gestern abzusehen.

  3. Was haben so viele Leute gegen Wirtschaftsflüchtling haben die den nicht auch ein recht darauf sich mit Arbeit ein Wohlstand zu erarbeiten?
    Die Leute die das AMI Land aufgebaut haben waren auch vor allem Wirtschaftsflüchtling, gut das AMI Land ist jetzt nicht gerade ein Beispiel an Demokratie und so, aber produktiv sind die das muss man denen lassen.

  4. Owen: Seit wann haben die Menschen aus Afrika oder Arabien Rechte bei uns? (Vorsicht, zynische Ironie)

    Ich halte das für eine Mischung aus Rassismus und dem Resultat der jahrelangen Angstmache, dass wir beständig „den Gürtel enger“ schnallen müssen, um in der „globalisierten Welt“ zu bestehen. Die heilige Wettbewerbsfähigkeit ist hier wesentliche Ursache, denn wenn einem immer wieder eingetrichtert wird, das die Staaten und die Menschen in einem permanenten Wettbewerb miteinander stehen, erreicht man, dass niemand mehr teilen will, um dem anderen bloß keinen Vorteil zu verschaffen. Als Gegenbewegung zum Klimawandel ist das gesellschaftliche Klima in den letzten 30 Jahren immer kälter und feindseliger geworden.

      • Das ist natürlich richtig. IN letzer Zeit nimmt die Fremdenfeindlichkeit aber wieder spürbar zu. Menschen, die zufrieden mit ihrem Leben sind und wenig Ängste, schon gar keine Existenzängste haben müssen, neigen weniger zu Feindseligkeiten Fremden gegenüber, würde ich denken. Wenn ich mir überlege, dass die Judenprogrome des Mittelalters mit den großen Pestepidemien zusammenfielen, und mir überlege, dass die Nazis nach der großen Weltwirtschaftskrise (und der vorangegangenen Geschichte) an die Macht kamen, so könnte man auf einen Zusammenhang zwischen Existenzängsten und gewalttätiger Fremdenfeindlichkeit kommen. (Ja, ich weiß, dass die europäischen Juden keine Fremden waren. Aber sie wurden dazu mittels Propaganda gemacht.)

  5. Um nochmal aufs Thema zurückzukommen: Im Dresdner Zeltlager herrschten anfangs Zustände, die völlig inakzeptabel sind. Diese Zustände hat die Politik zu verantworten, die sich mit der Planung zu viel Zeit gelassen hat. Jetzt ist Land unter, die Flüchtlinge kommen in großer Zahl. Jetzt werden hektisch inadäquate Zeltlager errichtet. Bitte, das ist keine Kritik an den Helfern, die die Lager errichten – sie helfen Menschen in einer existenziellen Notlage. Die Politik hat hier auf ganzer Linie versagt.

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