Griechische Tragödie

Natürlich.

Die EU hat natürlich ein Exempel an den Griechen statuiert.

Natürlich.

Sie hat nichts weniger akzeptiert als die vollständige Unterwerfung.

Natürlich.

Genauso natürlich haben Schäuble und Merkel damit die europäische Idee getötet.

Es ist richtig, dass Griechenland lange an Europa partizipiert hat. Aber das, was Schäuble und Merkel jetzt wider alle Vernunft durchgezogen haben (Schäuble vor allem) ist die Abschaffung der nationalen Souveränität, wenn Bankeninteressen betroffen sind.

Austerität kann nicht funktionieren. Auch Deutschland hatte Wirtschaftskrisen. Und diese Wirtschaftskrisen wurden *immer* durch massive staatliche Investitionen aufgefangen – Investitionen, die der griechischen Regierung ausdrücklich verboten wurden.

Die Athener Regierung muss zudem auch für jedes Gesetz, jede Verordnung vorher in Brüssel um Erlaubnis fragen, ob sie das auch so machen darf. Das nicht nur in pekuniären Angelegenheiten: Brüssel hat de facto die Macht in Athen übernommen und die Regierung zu ihrem Statthalter degradiert.

Die Idee der Demokratie wurde beerdigt und es gibt hier tatsächlich Leute, die das gut finden.

Udo Vetter vom Lawblog hat mal das Gedankenspiel gewagt, was passiert wäre, wenn das ganze andersrum gelaufen wäre. Was hätte Karlsruhe gesagt?

Die Antwort ist klar: NEIN hätte Karlsruhe gesagt. Zu jeder einzelnen Bedingung, die Schäuble nach Athen diktiert hat.

Wären die Griechen ohne den Euro besser drangewesen? Möglich. Angesichts DIESER Bedingungen hätte ich das einfach mal probiert. Staatsbankrotte hat es immer wieder gegeben, auch in Europa. Und wenn die eine oder andere Bank dabei hopsgeht, who cares?

Banken dürfen nicht „systemrelevant“ sein – ihre Aufgabe ist nicht das verantwortungslose rumgezocke, sondern der Mittelsmann zwischen Geldgeber und Geldnehmer zu sein. Und diese Aufgabe nehmen sie nicht mehr wahr. Statt dessen sehen sie sich selbst, obschon sie nichts produzieren außer heißer Luft („Buchgeld“) inzwischen als wichtiger an als die eigentlichen Produzenten.

Ein Unternehmen geht hop oder top? Das liegt oft (vor allem, wenn zwischenfinanziert werden muss bei größeren Projekten) häufig bei den Banken. Sagt die Bank hop, kann ein gesundes Unternehmen durchaus vor der Pleite stehen, weil eine Zwischenfinanzierung nicht geischert ist.

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Staaten. Ich hab es schon oft thematisiert, aber irgendwie rutscht das am Fokus immer vorbei und keiner sieht diese Ungeheuerlichkeit:

Private, abhängige Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Staaten.

Wie krude das ist, sieht man z.b. daran, dass die Ratingagenturen Griechenland erst herabstufen wollen, wenn sie die Kredite für die PRIVATEN Banken nicht mehr bedienen. Der geplatzte IWF-Kredit interessierte die nicht.

Und sowas legt die Grundlage für unser Wirtschaftssystem?

Und Griechenland?

Varoufakis hat versucht, sich gegen genau dieses Ergebnis zu stemmen. Es hat nicht funktioniert. Und am Ende bekam Tsipras Angst vor der eigenen Courage und hat Varoufakis fallengelassen. Er ist noch Abgeordneter und hält seine Klappe nicht.

Tsipras selbst hat den Sündenfall hinter sich: Die Wahlversprechen eins nach dem anderen gebrochen, unwiderruflich und ohne jede Chance, sie noch halten zu können. Seine Unterwerfung unter das EU-Diktat war die Aufgabe der griechischen Souveränität und der Verkauf der Griechen an die EU.

Die europäische Idee war schön. Gescheitert ist sie an einem senilen Schäuble und einer zögerlichen Merkel.

/update

Fefe mit einer sehr bitteren Analyse des griechischen Dramas. Ich teile seine Einschätzung, dass Deutschland zumindest einen Wirtschaftskrieg verlieren muss.

Ich empfehle dringend, dass Varoufakis-Interview zu lesen.

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Soziales

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13 thoughts on “Griechische Tragödie

  1. So wie ich es verstanden habe, hat Varoufakis in dem Moment hingeschmissen, als klar wurde, dass die griechische Regierung seinen kühnen Plan nicht umsetzen wird. Auf dem Verhandlungswege war offenbar ohnehin nichts zu erreichen, das wurde ihm von vornherein klar gemacht. Und Tsipras hatte dann die Wahl zwischen Pest und Cholera.

    Mit Schäuble und Merkel gehst Du aber milde um. Schäuble ist ein zynischer, bitterer alter Mann, der um jeden Preis die eingeschlagene Linie weiterführen will, egal wieviele Menschen in Griechenland sterben oder ob die EU auseinanderfliegt – Hauptsache, niemand wagt es, seine Vormachtstellung in Frage zu stellen, und gar alternative Ideen zur Austerität zu entwickeln. Und Merkel sitzt wie immer dahinter und läßt ihn gewähren, weil es auch ihre Macht und ihre Position in Europa stärkt. Und wenns dann doch schiefgeht, kann sie ihn abschießen und sitzt so da wie eh und je. Ich halte beide für eiskalt berechnende Machtmenschen, die alles und jeden opfern, um an der Macht zu bleiben, egal ob Griechen, Bürgerrechte oder Demokratie. Das hat nichts mit Senilität und Zögerlichkeit zu tun. Wobei ich Schäuble als graue Eminenz sehe, der hat sicher genug gesammelt, um jeden Politiker auf Bundesebene, egal welcher Partei, abzuschießen, wenn es sein muss. Und dass Merkel über politische Leichen geht, hat sie ja oft genug bewiesen. Mich gruselts allmählich vor den beiden.

  2. Als junger Mensch ist hier für mich die bitterste Erkenntnis, dass wir die Zeit der Nationalstaaten noch lange nicht hinter uns gelassen haben. Mit der Girechenlandkrise ist es offensichtlich, die EU ist keine Schicksalsgemeinschaft, kein Bund solidarischer Staaten. Es geht einzig und allein um möglichst problemlos fließende Geld- und Güterströme.

    Die Lösung, um Griechenland wirtschaftlich gesund und vielleicht sogar gestärkt aus der Krise zu führen war von Anfang an offensichtlich: Schuldenschnitt. Dieses Land ist wirtschaftlich vorraussichtlich niemals in der Lage die Schulden abzubauen. Wenn man sich als ein europäisches Volk versteht und das wohlergehen der Bevölkerung die höchste Priorität hätte, dann gibt es keine Alternative zu einem Schuldenschnitt, der deutliche Reformen an der – doch recht verkorksten – griechischen Gesellschaft(Korruption, Steuergerechtigkeit, etc.) als Bedingung hat.
    Das hätte viel Geld gekostet. Vor allem den Banken. Selbst wenn es dadurch wieder ein ähnliches Straucheln des Bankensystems wie 2008 gegeben hätte, so hätte man mit Dingen wie dem ESF(natürlich müsste man das abwandeln) auch die Mittel an der Hand schnelle finanzielle Unterstützung zu leisten.
    Aber Banken sind systemrelevant. Griechenland ist anscheinend nicht systemrelevant. Es reicht nicht, dass die Griechen 2008 als Bauernopfer genutzt wurden, um Zeit zu erkaufen, damit die Banken – auch deutsche – ihr Risikokapital aus Griechenland abziehen konnten, nein Sie werden auch noch in noch engeres Austeritätskorsett gezwängt. Dies wird nicht nur das Schuldenproblem nicht lösen, sondern nur verschieben, es wird auch die griechische Wirtschaft noch stärker nachhaltig schwächen. Mit all den Folgen, die das für die griechische Bevölkerung jetzt schon hat.

    Hier geht es einzig um Macht und Geld, dass letzte Jahrhundert lässt grüßen.
    Und das macht mich krank.

  3. Varoufakis hat nicht hingeschmissen, sondern ist nach Erledigung seiner Aufgabe (ein qualifiziertes „Ei qualifiziert ins Nest zu legen“) gegangen, um den weiteren Fortgang nicht zu stören, damit seine Saat „geordnet“ gedeihen kann.

    Tsipras hat keinen „Sündenfall“ hinter sich, sonder selbigen vor sich:
    Wenn er nun selber hinschmeißt, ist er nicht nur als der erste sondern auch als der einzige linke Regierungschef in der EU schon wieder Geschichte, das wäre der Sündenfall Tsipras, das Linke aus diesem Club wieder zu eliminieren.
    Wie soll sich eigentlich jeh mal in diesem etwas ändern, wenn nicht endlich mal gezeigt werden kann, wie Linke das anpacken, Stück für Stück, so wie ein Haus gebaut wird:
    Erst der Keller, dann das wärmende Sonnen-Solardach, und alle dahin schauen müssen, weil es vor aller Augen IN der EU geschieht?
    Die einzige Alternative, überhaupt linke Teilhabe unübersehbar und diskutabel DURCHZUSETZEN.

    Wir sollten uns davon lösen anzunehmen, daß das jungfräuliche „Mitspielen“ des Einen unter 28 die Erwartung zu erfüllen hat, daß diese 28 nun machen, was der Eine (zuvor und im Prinzip) vertritt.

    Eines bleibt in jedem Fall:
    Das Ei des Varoufakis, das einmal ein Hahn werden will – und wer bitte soll es wo brüten, wenn nicht so einer wie der Tsipras in der EU?
    Bewahre uns vor dem Sündenfall des Tsipras-Abganges, geht er, haben wir wieder 70 Jahre Zeit, das auszugleichen, Zeit für viele weitere Tragödien, nicht nur griechische

    • @OnkelYay

      Da unterschlagen SIe aber Monsier Hollande, dessen Partei gilt schließlich auch als sozialistisch.

      Ansonsten stimme ich Ihnen zu.

      • Hollande ist so sozialistisch wie ein Kukuck. Der Sozialismus, der der Arbeiterklasse nutzt, wird angeboten vom Komitee der IV. Internationale und bedeutet Frieden und nicht wie bei diesem schrägen Vogel Krieg.

        • Hollande ist sozialistisch, weil das nun mal auf dem Namensschild so steht – ansonsten sind bekanntlich Namen – wenn es hart auf hart geht – nur Schall und Rauch, und der verflüchtigt sich in der Regel beim ersten kleinen Niederschlag.

          Und Leo Trotzki, Sozialismus ist leider keine Ware, die in Shops diverser Art „angeboten“ werden kann, wer Sozialismus als „Angebot“ versteht, hat ihn nicht verstanden.

          Sozialismus ist das Wissen um die erforderlichen stabilisierenden Funktionen in einer Gesellschaft als Ganzheit, deren notwendige und sinnfällige Beschaffenheiten und der Wege, wie diese geschaffen werden könnten, ohne selbst dadurch neue Störungen zu bewirken.
          Und das für die gesamte Gesellschaft, da es ansonsten sich nur um einen ausschließlichen Arbeiterklassen-Sozialismus handelt, der weder allein lebensfähig ist, noch die restlichen 70% der Bevölkerung im Sinne von Sozialismus versorgen kann oder eine Entsorgungs- oder Versklavungsmethode für diese Leute parat hat.

          Die damit implizierte willkürliche Abkopplung der Intelligenz und Kreativenszene von dem Arbeitermillieu ist der Tod jeder Arbeiterbewegung.
          Sozialismus ist so in diesem Geiste lebbar, aber nicht als „Angebot“ im Shop anbietbar.

          Verehrter Leo Trotzki, du hast nicht zufällig mit deinem Kommentartext mal den Ton eines strammen von oben nach unten betonierten und als Hartliner tickenden SED-Parteisekretärs aus der DDR original erlebt, oder?
          Deren totalitäre Kurzfassung ihrer Argumente deckte sich von ganz unten bis zum ND und Politbüro mit deinem, einschließlich der Resolutheit und Selbstüberschätzung in der Behauptung der Alternativlosigkeiten, das wäre doch zumindest erheblich nachdenkenswert, meinst du nicht?
          Und
          Es ist nicht nur wurscht, ob jemand allein Sozialismus kann, es ist auch tödlich für diesen, das überhaupt so auch nur zu denken, da das lediglich ein Beweis der Bündnisunfähigkeit ist, da hilft die „gute Absicht“ nicht weiter, bedeutet nur „schlecht gemacht“.
          Ich dachte bisher, derartige Argumentationen haben sich seit mindestens zwei Jahrzehnten allein heruntergespült, als falschen Sozialismus hervorbringende Eiferei selbst begriffen.

          • Meine Fresse, ich muss den scheiß lesen und entscheiden ob er stehenbleiben kann. Gehts weniger verschwurbelt? Danke.

          • Das ist doch kalter Kaffee. Was soll die verschwurbelte Semantik? Wer will Sozialismus „im Shop anbieten“? Du hast wirklich nichts verstanden, „Onkel“…

            • Die Verschwurbelung liegt in der Formulierung des Leo Trotzki:
              „Sozialismus als besseres ANGEBOT“
              Selbst wenn es nichts weiter besagt, sagt es immer noch eines:
              Den Denk-Ursprung aus der hochkapitalistischen Verständnisszene von „Angebot und Nachfrage“, die ich in diesem Kontext grundsätzlich ablehne.

              Geistige Wertvorstellungen, wie z.B. Sozialismus, sind kein Objekt „von Angebot und Nachfrage“.

              „Angebote“ ohne diesem begrifflichen Grundverständnis sind jedoch keine, wertlos, oder wie du richtig bemerkst:
              Kalter Kaffee.

              Ob dein Angebot im, am oder neben einem „Shop“ von dir gemacht wird (so bist du eindeutig auch unausgesprochen zu verstehen), ist nebensächlich und nur von mir zum besseren Verständnis, zur Überverdeutlichung, so ausgedrückt, um zu zeigen, daß das, was du da als Sozialismus-Angebot sehen möchtest, als „Angebot“ entweder Warenbestand eines (imaginären) Ideologie-Shops ist oder eben nicht existent, besser: deshalb so nicht existenzfähig.

              Dafür ist mir – mit Verlaub – der Sozialismus als offene (Ver)Sammlung geistiger Wertevorstellungen (im Gegensatz zu einer „angebotenen“ Ideologie und damit geschlossenen) zu schade, da sich Sozialismus auf das soziale Wesen Mensch und seine offene Ganzheit, die Menschheit, das / die nur als solches existieren kann, bezieht.
              Das ist deshalb wichtig, weil es auch andere Menschen mit dieser Ein- und Aussicht interessieren, bewegen und motivieren soll.
              Zu gewinnen sind nicht die Mitstreiter, sondern alle anderen, die noch nicht überzeugt sind.

              Von mir aus dürfen Andersdenkende das durchaus auch diesmal als Schwurbelei und Semantik beschreiben, nur sollten sie dann aber auch hier ihren Namen drunter setzen.

              • Die Verschwurbelung liegt in der Formulierung des Leo Trotzki:
                „Sozialismus als besseres ANGEBOT“

                Nein. Ich hör bei dir nach 2 Sätzen auf zu lesen, weil du dich viel zu gerne selber reden hörst. Kurze, prägnante, verständliche Sätze – sollte nicht zu schwer sein, wenn du deine Eitelkeit außen vor läßt.

              • @OnkelYay

                Geistige Wertvorstellungen sind kein Objekt von Angebot und Nachfrage? Das würde ich so nicht unterschreiben. Jeder Einzelne hat das Recht, sich auch gegen eine gute Sache zu entscheiden. Mit allen daraus für ihn oder sie entstehenden Konsequenzen natürlich.

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