Kommentatoren-Regeln

Es scheint sich bei Blogs etabliert zu haben, gewissen Regeln zu folgen, wenn man kommentiert.

Mal sehen, ob ich das alles richtig verstanden habe:

Wenn man in einem älteren Blog liest, ist es wichtig, auf jeden Artikel seit Anno Schnuff zu antworten und das in atemberaubender Geschwindigkeit. Der Blogbetreiber schaltet gerne mal 40 Kommentare auf einmal frei.

Wichtig ist dabei, von vornherein ein eigenes Profil zu entwickeln. Man sollte tunlichst vermeiden, dem Blogbetreiber zuzustimmen – dann wäre man ja lediglich ein  Fänboi. Oder Fänboin. Je nachdem.

Vermeide, auf den Punkt zu kommen. Das verwirrt und hält den Blogbetreiber auf Trab.

Wenn du dem Blogbetreiber – natürlich – nicht zustimmst, vergiss bitte nicht, einen Persilschein fürs „gebashtwerden“ auszustellen. Phrasen wie „und nu hauts mich, weil ich nicht eurer Meinung bin“ sind der Garant, dass man ernst genommen wird.

Eine ernstzunehmende Diskussion, in der jeder seinen Standpunkt verteidigt, MUSS irgendwann aufgebrochen werden. Am Besten, indem man dem Blogbetreiber sagt, was für ein Idiot er doch ist, dass er auf „das da“ („das da“ kann alles sein, von der korrekten Kaffeezubereitung bis hin zur globalen Politischen Analyse) reinfällt. Vergiss nicht, darauf hinzuweisen, dass es allenfalls Verschwörungstheoretisch „Sinn macht“.

Wenn du dem Blogbetreiber zustimmst, dann tu das so, dass es so verklausuliert ist, dass auch die Deutung möglich wäre, dass du an Einhörner glaubst.

Komm nicht auf den Punkt. Mache ein sexuelles Wortspiel aus dem eben geschriebenen Satz.

Und wenn alle Stricke reißen und der Blogbetreiber dich gesperrt hat, vergiss nicht: ER sieht noch deine Kommentare, die im Backend auflaufen.

Da das Backend keine öffentliche Meinungsäußerung ist, fühle dich frei, alle möglichen Beleidigungen, Drohungen und Anzüglichkeiten die weibliche Anatomie (bei weiblichen Bloggern) betreffend zu machen. Sehr gut kommen Sätze wie „wenn du nicht willst, dass ich aus deinen Titten eine Brezel knote, dann schalte mich sofort wieder frei du dumme Punze“. Diese sorgen unverzüglich dafür, dass man aufgrund seines Humorverständnissses und seines entgegenkommenden Wesens sofort wieder kommentieren darf.

Schließlich will ein Blogbetreiber ja auf Kommentare nicht verzichten und DU bist daher unentbehrlich.

——–

So. Humor mal beiseite – das „nun prügelt mich windelweich weil…“ ist überflüssig und erstickt JEDEN Diskussionsansatz im Keim.

Ich hab auch nie behauptet, das ich perfekt bin. Diskussionen sind auch nicht nur dann gern gesehen, wenn man mir zustimmt. Im Gegenteil, Meinungsbildung lebt von Gegensätzen.

Aber der oben angeführte Satz mit der Brezel und diverse andere Verbalinjurien sind mir in letzter Zeit etwas zu häufig aufgetaucht.

Ich fühle mich davon übrigens trotz Impressum nicht bedroht. Im Gegenteil, mir geht das am Arsch vorbei. Wer hier vorbeikommt, um mich „zur Rede zu stellen“ ist selbst dran schuld und muss sich nicht über Konsequenzen beschweren.

Diskussionen sind toll – wenn sie nicht sofort durch Schwurbelei und eben diese Killerphrasen im Keim erstickt werden.

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Soziales

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8 thoughts on “Kommentatoren-Regeln

  1. Mea culpa. Hatte diesen Passus hier zu ersten Mal verwendet und werde es künftig zu vermeiden suchen. Allerdings rutscht sowas wohl gerne dann heraus, wenn vorher alle einer ziemlich gleichen Meinung waren und nun einer kommt und gegen den Stachel löckt.

    In Blogs besteht wie in vielen anderen Meinungsmedien auch eine gewisse natürliche Tendenz, ein recht einheitliches Völkchen anzuziehen, in dem sich alle gegenseitig auf die Schulter klopfen. Da trifft sich gleich mit gleich – kein Vorwurf, so sind wir Menschen halt. Aber das bleibt nicht ohne Auswirkung auf den Diskussionsstil. Zumal in einer Zeit, in der die Weböffentlichkeit zunehmend vom Lynch-Charakter der Shitstorms geprägt ist – damit bist nicht Du gemeint, Tantchen.

    • Gerade das Tantchen hat immer mal wieder Trolle in allen möglichen Farbschattierungen auf dem Rasen, gerade weil sie nicht alles filtert. Gibt halt immer mal wieder Stress, wenn die „Leibgarde“ die Hellebarden ausmottet. 😉 Aber meist kommt dann die Hausherrin mit dem großen Kochlöffel, gibt ALLEN einen auf den Deckel und wer dann noch nicht ruhig ist, fliegt. Wenn sich der Staub dann wieder gelegt hat, entwickeln sich des Öfteren brauchbare, gesittete und interessante Diskussionen.

    • Ich hatte gehofft, dass diese Art der Verteidigung nicht nötig ist. Im ernst.

      Diskussionen entwickeln sich nun mal nur aus gegensätzlichen Meinungen und wenn man neue Erkenntnisse bekommen will, dann gelingt das nicht, wenn alle einer Meinung sind. Das schließt Beleidigungen aus – und der Brezel-Typ ist im Backend verschwunden 😉

  2. Wie? Da kann man Brezel draus machen? Müssen die dann nicht erst noch gebacken werden, also ich mein in den Backofen? Stelle ich mir etwas – nun ja – schwierig vor.

    Und das mit den 40 Kommentaren so an einem Stück, das kann ich auch, wenn ich ne Stunde Zeit habe … 😉

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