Zu alt. Zu viel. Zu laut.

Die aktuelle medizinische Entwicklung ist schon recht weit gediehen. Gehörlose können mittels Implantate wieder hören. Es wird fieberhaft daran geforscht, paraplegikern wieder das Laufen zu ermöglichen. Hier findet sogar eine zweigleisige Forschung statt: Einmal mittels Wiederherstellung der Nervenfunktionen und dann mittels eines Exoskeletts, dass den Rollstuhl ersetzen soll. Wunderbar.

Eltern, die Eltern werden wollen, das aber nicht können, denen kann die Reproduktionsmedizin zum ersehnten Nachwuchs verhelfen.

Wunderbar.

Oder?

Guckt man sich die aktuelle Berichterstattung über die 65jährige mit den Vierlingen an: Nicht ganz.

Man zieht Eltern mit Vierlingen ran, die kopfschüttelnd medienwirksam in die Kamera gucken und sagen, dass sie das in ihren jungen Jahren nicht geschafft haben – wie soll das dann eine alte Frau von 65 schaffen?

Es gibt Ärzte, Politiker (!!!) und jede Menge Journalisten, die ihren Senf dazugeben. Meist in dem Tenor: „Zu alt. Zu gefährlich. Die Riiiisiken“

Ihr merkt wohl schon, wo mein Post hingeht.

Ja, es ist eine Risikoschwangerschaft. Es ist davon auszugehen, dass sie nach 13 Schwangerschaften recht genau weiß, was das ist. Und wenn ich mich recht entsinne, dann ist jede Schwangerschaft, wo die Schwangere über 27 ist, eine Risikoschwangerschaft. Ja, sie ist im Rentenalter.

Und hier gibts jetzt mehrere Seiten.

Die erste: Das geht euch verdammt noch eins alles nichts an. Es ist ihre Entscheidung, was sie wie tut. Es ist IHR Leben. Und das ihrer Kinder. Die Kinder selbst machen jetzt nicht so einen vernachlässigten Eindruck oder auch nur schlecht erzogen.

Sie ist eine Frau, die durchaus mit beiden Beinen im Leben steht. Es wird doch immer so gejammert, dass die Deutschen keinen Kinder kriegen – aber kriegen sie sie, isses auch wieder nicht richtig.

Entscheidet euch mal.

Alles in allem: In ihrem Alter kannte sie das Risiko. Sie wußte, was sie mit einer Mehrlingsschwangerschaft auf sich nimmt. Sie war der Meinung, dass sie das stemmen kann. Und sie wird i die Situation kommen, wo sie genau das auch beweisen muss.

Die anderen Seiten?

Nun, ich habe bei Jean Pütz einen derartigen Aufschrei vermisst. Oder bei Sky Dumont. Da wurde höchstens mal die Augenbraue hochgezogen – aber nicht mit einer derartigen Verve auf einer Frau herumgehackt, die es wagt, in hohem Alter („NACH DER MEEENOPAUUUUSEEEEE“) noch Kinder zu bekommen.

Wo waren die Politiker, als die genannten Herren noch mal Väter wurden?

Wäre ich böse, könnte man an der Stelle einwenden, dass die Mütter – naturgemäß – erheblich jünger waren und man deshalb auf die Väter notfalls getrost verzichten könnte.

War das der Grund, warum alle so milde lächelten?

Der einzige, der *vielleicht* ein bisschen mitzureden hat, sind die Kinder. Die bereits geborenen und die Ungeborenen. Sie stehen direkt in der Situation. Die Jüngste ist 10, sie wird in der Schule gehänselt.

Und das soll ein Grund sein, Kinder nicht zu bekommen? Schulmobbing?

Nicht euer ernst, oder?

Man kann noch einwenden, dass sie das bewußt herbeigerufen hat, als sie den Exklusivvertrag mit RTL abgeschlossen hat.

Den Shitstorm? Wohl eher nicht. Aber wenn überhaupt, ist dieser Exklusivvertrag ein recht cleverer Schachzug. So hat sie weitestgehend den Daumen auf der Berichterstattung und kann entscheiden, was, wann und wie veröffentlicht wird.

Dieser Vertrag ist nicht vergleichbar mit den Knebelverträgen der üblichen Homestory-Opfer. In diesem Fall hat sie wirklich was auf Augenhöhe abgeschlossen. Was für Privatsender eher selten ist.

Wir werden sehen. Die Berichterstattung läuft ja. Aber durch nichts hat die Frau bislang erkennen lassen, dass sie die durchgeknallte Babyfanatikerin ist, als die sie derzeit alle hinstellen.

Dafür agiert sie zu zielgerichtet und zu geradlinig. Und mit 13 Kindern und im Alter von 65: Da WEISS man, was man tut.

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7 thoughts on “Zu alt. Zu viel. Zu laut.

  1. Der entscheidende Unterschied zwischen Männern und Frauen ist der, dass es bei Männern keine Menopause gibt, sie daher auch im hohen Alter ohne künstliche Befruchtung oder Hormonbehandlung, theoretisch, noch zeugungsfähig sind. Ob so ein alter Vater gut für Kinder ist, steht auf einem anderen Blatt.

    Egal was man von solchen Schwangerschaften hält, dass diese Dame ihre Schwangerschaft medienwirksam vermarktet, finde ich persönlich allerdings nicht besonders gelungen. Geldgeilheit, Geltungssucht o.ä. würde ich da annehmen wollen.

    Ansonsten geht mir diese Geschichte aber eigentlich am Arsch vorbei…

    😀

  2. Also Shitstorm finde ich jetzt doch ein bisschen sehr hoch gegriffen, das war und ist keiner.
    Und eine *Diskussion* wird man ertragen müssen, wenn man sich so öffentlich macht. Es gibt durchaus Argumente dafür und dagegen, und ja es ist ihre Entscheidung, und die will ihr niemand streitig machen, ich zumindest nicht. Aber auch andere sind für andere Entscheidungen, sie öffentlich gemacht haben, kritisiert worden, das ist ein völlig normaler Vorgang. Ich kenn hier lokal eine Familie mit 16 oder 17 Kindern. Die waren zwar auch schon mal in der Öffentlichkeit, aber sie habens nicht so sehr drauf angelegt, wie die Vierlingsmutter, und es wurde auch bei denen mal diskutiert, aber beileibe nicht so inensiv.
    WIE instensiv und wo das geschieht, darauf hat man als Betroffener auch immer noch einen Einfluss, den hatte sie auch. Sie hat ihn in Richtung mehr Öffentlichkeit gewählt und nun ist die größere Öffentlichkeit und mit ihr die stärkere Diskussion da. Das war zu erwarten und vorauszusehen und, so glaube ich, durchaus von ihr gewollt, und deshalb geht es die Leute etwas an. Dass dabei auch dümmlich diskutiert und „argumentiert“ wird, war ebenfalls vorauszusehen. Und, egal wie die Verträge aussehen, RTL IST Boulevard, und hat eine Zielgruppe und ein bestimmtes Publikum, dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man mit denen arbeitet. Aber auch das ist m.E. bewusst geschehen, da muss man die Frau nicht von außen in Schutz nehmen, den braucht sie nicht.

    Dass solche Diskussionen bei Pütz et al nicht in dem Maße stattgefunden haben ist kein Grund, weshalb man sie in diesem Falle nicht führen darf. Ich finde im Übrigen schon, dass zumindest der Fall Pütz recht heftig diskutiert wurde.

  3. Ich meine mich zu erinnern, dass auch bei älteren Männern als Vater die Gefahr von Komplikationen und/oder Mißbildungen größer sein soll – „älter“ ist so ab 40 anzusetzen. Aber bitte: die medizinischen Risiken soll der Arzt abklären, und die Eltern müssen sich entscheiden. Sonst gehts keinen was an.
    Was ich bei so alten Eltern immer schwierig finde: Die Kinder werden aller Voraussicht nach schon sehr bald keine Eltern mehr haben. Bei allem medizinischen Fortschritt ist bei ca. 80 oder 90 bei den meisten halt doch Schluss. Und das stelle ich mir für die Kinder nicht besonders angenehm vor. Klar, passiert sonst auch im Leben, aber hier ist es ja quasi mit Ansage.

  4. Es gibt ja bei solchen Semesterstrukturen körperliche Bedenken sowohl für die Eltern als dann auch mögliche Schäden und Nachteile für die Kinder.

    Naja bei älteren Herren ist es mit der spendenden Tätigkeit ja meist getan und zumindest deren körperliche Gefährdung ist damit aus dem Spiel.
    Abgesehen von denen die dabei einen Herzkasper und Co. bekommen.

    Im widrigsten Fall gilt ja oftmals „fire-and-forget“, die enge Bindung zum Nachwuchs kommt meist erst nach der Geburt.

    Bei älteren Damen sieht das dann ja anderes aus. Die tragen ja während der ganzen Schwangerschaft das volle Risiko das so eine Belastung mit sich bringt. Auch die emotionale Bindung ist ja dann voll dabei wenn man seinen Nachwuchs in sich trägt und doch etwas passiert/schief geht.

    Das das Zellmaterial von Vater und Mutter nicht mehr das frischeste ist und eventuell schon Schäden mit in den Nachwuchs bringt ist eine andere Sache.

    Soweit ich das flüchtig mitbekommen habe sind die Väter der Vierlinge ja nicht unbedingt im selben Alter wie die Mutter, von daher ist die Seite wohl noch recht in Ordnung.
    Wenn ich mich recht entsinne werden Eizellen ja nicht wirklich dauernd neu erzeugt, somit können die „über die Jahre“ schon einen Knacks bekommen haben der sich nicht unbedingt vorteilhaft auswirken muss.

    Zur medialen Verwurstung:
    Irgendwie muss sie die Medien ja gesucht haben, ich kann mir schlecht vorstellen das medizinisches Personal gleich irgendwo hinrennt und ausposaunt „Schnell, ’ne 65jährige mit Vierlingen“. Das muss sie wohl schon bewusst veranlasst haben.
    Natürlich ist der Exkluvi-Vertrag dann auch so ein Ding. RTL hat ja da nun sicherlich ordentlich für bezahlt und muss das medial richtig ausschlachten um auf seine Kosten zu kommen.
    Was sonst halt in der Lokalzeitung vieleicht mal ein-zwei Artikel und dann immer mal alle paar Monate ne Randnotiz wert ist, wird dann nun durch alle RTL-Nachrichtenmagazine und entsprechende Boulevard-Magazin verwurstet.
    Und weil man ja exklusiven Zugriff hat, kann RTL nach der Premiere dann seine Nutzungslizenzen an Dritte vermieten, damit die auch Interviews und Berichte aus erster Hand machen können.

    • In dem Fall gab es sowohl eine Samen- als auch eine Eizellspende. Die Eizellen der Mutter wurden nicht verwendet, was nach der Menopause wohl auch eher nicht oder nur schwer möglich ist.

      • Also geht der ganze Rummel gar nicht darum ob da noch fittes Genmaterial bereitgestellt wurde, sondern ob mit 65 Jahren ein weiblicher Körper noch einen gesunden Brutkasten stellen kann?
        Paah!

  5. Also, erstmal: eine Risikoschwangerschaft besteht erst ab 35, wenn nicht schon vorher irgendwas passiert ist, was eine Risikoschwangerschaft erklären könnte (Herzfehler beispielsweise).
    Aber ansonsten: Da ist ne 65-jährige schwanger? Mit Vierlingen? Hab ich noch gar nicht mitgekriegt.
    Ich sollte wohl öfter mal RTL schauen… obwohl… nääääää…. 😉

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