Politiker oder Biedermann?

Um wen es geht? Natürlich um Syriza, Varoufakis und Tsipras. Bei der Überschrift auch: Wer sonst? 😉

Man muss sich bei Syriza bitte mal klarmachen, dass die Politiker dort keine Berufspolitiker sind. Sie reden weder wie Berufspolitiker, noch denken sie so.

Varoufakis ist, bei aller Eitelkeit, ein Idealist. Er hat schon seit 2010 immer wieder gesagt, dass das derzeitige Sparprogramm plus die Kredite für Griechenland der falsche Weg ist. Dass damit höchstens der Deutschen Bank, aber nicht Griechenland oder den Griechen „geholfen“ wird.

Eigentlich auch logisch. Man kann Kredite nicht zurückzahlen, indem man neue Kredite bekommt.

Es existiert von Varoufakis die Aussage, dass, als Tsipras auf ihn zukam: „Willst du bei einem Wahlsieg den Finanzminister machen?“ das keine Frage war, die er mit „nein“ beantworten konnte. Er hat es gepredigt, nun war die Umsetzung angesagt.

Nach allem, was ich von Varoufakis bislang gehört habe: Hätte er sich mit dem durchgesetzt, was er plante, wäre das für Griechenland ein Neustart gewesen, der notwendig ist.

Allein: Merkel und Schäuble stehen dagegen mit der verschissenen, sorry, Austeritätspolitik, die nicht funktionieren kann und die dusseligen Kredite, die lediglich eine Privatisierung von  öffentlichen Geldern darstellt.

Die Geschichte der Griechenland-„Rettung“, dessen bin ich sicher, wird in die Geschichte eingehen als der größte Bankraub der Geschichte. Bestohlen worden sind wir alle und wir wurden von den Banken bestohlen, die wir „gerettet“ haben.

Provokative Frage: Was wäre passiert, hätten wir die Banken den Bach runtergehen lassen? Vor allem die Zockerbanken?

Nein, eine Antwort darauf habe ich nicht, kann ich nicht haben, ich bin kein ausgebildeter Ökonom. Aber die Frage ist spannend und wirft die Frage nach der Rolle auf, die Banken haben – und die weit über das hinausgeht, was sie als Rolle innehaben sollten.

Schäuble hat im Zuge der aktuellen Griechenland-Situation bewiesen, dass er dem nicht mehr gewachsen ist. Er hat sein Alter, ist lange über das Rentenalter hinaus und sollte in den Ruhestand verabschiedet werden. Wäre er weise, hätte er das gesehen und wäre freiwillig gegangen.

So, und Syriza? Griechenland?

Leute, ihr könnt nicht beides haben: Ehrliche Menschen mit Politikersprech, das geht nicht zusammen. Berufspolitiker und Idealist ebensowenig. Man bekommt das eine oder das andere.

Ich sehe die Leute immer darüber meckern, dass Politiker so verlogen sind. Dass man ihnen nicht trauen kann. Und dann kommen die gleichen Leute daher und maulen bei Syriza, dass sie so amateurhaft agieren.

Entscheidet euch bitte.

Im übrigen: Ich bin nach wie vor auf Seite der Griechen. Die *müssen* sich durchsetzen. Der Flächenbrand, der da in dem Land droht, wenn das so weitergeht, den will hier niemand. Die Goldene Morgenröte hat bereits zuviel Zulauf.

Der Mittelstand muss da wieder aufgefüllt werden, da muss dringend was gemacht werden. Und das geht nur, indem das Geld, was nach Griechenland gelangt, auch wieder eingesetzt wird. Und nicht zur „Schuldendeckung“ genutzt wird.

Der Rest, wie Aufbau einer funktionierenden Steuerverwaltung und ähnlichem, der kann später folgen. Erstmal brauchen die Griechen eine Art Marshall-Plan zum Wiederaufbau.

Genauso wie die Spanier übrigens, die Italiener und die Portugiesen und Zypern. Das geht ja hier fast unter.

Yannis Varoufakis hat ein Blog – und das ist durchaus lesenswert.

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