Der lange Abschied des Günter Grass

Einer der wichtigsten Schriftsteller unserer Zeit war Günter Grass. Streitbar, streitlustig, bisweilen streitsüchtig: Er hatte eine Meinung und hat sie vertreten.

Dabei war er nicht ganz frei von Bigotterie. Günter Grass hat seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS erst sehr spät zugegeben und wohl erst, als er keine andere Möglichkeit mehr hatte.

Skandale, Skandälchen, manches aufgeblasen bis zur Groteske, z.b. als ihm Antisemitismus angesichts seines Israelkritischen Gedichts unterstellt wurde.

Tenor: Als Deutscher darfst du Israel nicht kritisieren, sonst hast du was gegen Juden.

Teil der Beweisführung war auch seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS.

Ich weiß nicht, ob Günter Grass ein Antisemit war.

Was ich aber weiß, ist, dass die Blechtrommel ein außergewöhnlicher Anti-Kriegsroman war, für den er zu Recht den Literatur-Nobelpreis gewonnen hatte.

Und vielleicht sollten wir dieses Erbe bewahren. Denn Anti-Kriegs-Stimmen werden mir zu leise vor dem Gekrächz der Falken.

Die Lehre dieses an außergewöhnlichen Ereignissen reichen Lebens mag die sein: 80 70 Jahre nach Kriegsende sind wir dem Krieg wieder näher als zuvor. Die lange Zeit des Friedens in Europa, die längste die wir in der Geschichte vielleicht hatten, nähert sich möglicherweise ihrem Ende.

Und Günter Grass war eine der Stimmen, die versucht haben, das aufzuhalten. Das sollten wir vielleicht nicht vergessen.

Günter Grass starb heute im Alter von 83 87 Jahren.

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Soziales

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3 thoughts on “Der lange Abschied des Günter Grass

  1. Du hast ein paar Zahlen verbogen. Der zweite Weltkrieg ist nur 70 Jahre her. Und Günter Grass wurde 87 Jahre alt. Was letztlich bedeutet, dass er am Ende des zweiten Weltkrieges gerade mal 17 Jahre alt war. Ich wage mal die kühne Behauptung, dass man in diesem Alter und dem Kontext des am Boden liegenden dritten Reiches wohl kaum „aufmüpfig“ wird wenn man zu einer Einheit wie die Waffen-SS einberufen wird. Eine Weigerung hätte sein Leben eher verkürzt.

  2. Noch ne Kleinigkeit, wenn er 1927 geboren ist, war er bei Kriegsbeginn zwölf und bei Kriegsende siebzehn. Wenn er in dieser Zeit bei der Waffen-SS war, war er nach heutiger Lesart Kindersoldat. Es gibt mannigfaltige Gründe, eigene Jugendsünden (hier wörtlich!) zu verschweigen; dies Verschweigen ihm als Schuld anzulasten ist definitiv Kappes.

    Über seine politischen Wortmeldungen der letzten Jahre äußere ich mich nicht.

    Er war – das steht fest – ein großer Literat.

    Günter Grass ruhe in Frieden.

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