Die tiefe Angst des Ralf König

Charlie Hebdo ist die eine Seite der Medaille, Ralf König die andere.

Für die, die es nicht wissen: Ralf König hat eine islamkritische Karikatur zurückgezogen, weil er Angst um Leib und Leben hat nach den  Anschlägen in Paris.

An der Stelle möchte ich alle diejenigen, die vom weichen warmen Stuhl aus Ralf König der Feigheit bezichtigen, fragen: Und? Was hast du so gemacht?

Es ist so verdammt leicht, „Feigling“ zu brüllen.

Doch Ralf König hats erklärt: 2 Tage war er wie gelähmt vor Angst. Und er hat ja Recht. Nach Paris muss sich JEDER, der islamkritische Schriften oder Zeichnungen veröffentlicht, fragen, ob er den nächsten Tag noch erlebt oder ob ne freundliche Kalaschnikow sein Leben vorzeitig beendet.

Und wenn sich jemand angesichts dieser sehr realen Gefahr dazu entschließt etwas NICHT zu veröffentlichen, dann ist das sein verdammt gutes Recht.

Keinem von uns, die wir hier sehr sicher an unseren Schreibtischen sitzen, steht es zu, die Karikaturisten jetzt an die vorderste Front zu schicken damit sie dort zu Kanonenfutter werden. Es ist und bleibt die persönliche Entscheidung JEDES Karikaturisten und Journalisten, ob er gegenhält oder duckt.

Das mag vielleicht nicht heldenhaft sein, aber das ist eben auch nicht jeder.

Und wenn Ralf König so entschieden hat, dann hat keiner, aber auch wirklich KEINER das Recht, ihn dafür zu verurteilen.

„Leute, seid tapfer, lasst mich hintern Baum“ ist derzeit nicht wirklich eine gute Losung. Und mir sind 20 Ralf Königs immer noch 1000x lieber als die Idioten, die sie als Feiglinge beschimpfen.

Denn sollte es hart auf hart kommen, werden dann genau diese Feiglingsrufer hübsch zu Hause sitzen und „ich bin Ralf“ auf ihre Fenster schreiben.

 

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Soziales

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4 thoughts on “Die tiefe Angst des Ralf König

  1. „Lieber 5 Minuten feige als ein Leben lang tot“ sag ich dazu mal.

    Und ganz ehrlich: das 2 Tage auf FB veröffentlichlicht zu haben, ist schon verdammt mehr Mut, als ich zusammen bekommen hätte. Wahrscheinlich.

    „So sei ein Privatsender mit seinem damals druckfrischen Buch „Dschinn Dschinn“ zum Zentralrat der Muslime gegangen und habe dessen Reaktion gefilmt.“ „… und fühlte sich keinesfalls genötigt, über mich die Fatwa auszusprechen. Aber genau das war wohl die erhoffte Reaktion des Senders“ Sagt mal, Leute, gehts noch? Im Tentralrat der Muslime sitzen jetzt vernünftige Leute, aber was, wenn da einer was in den falschen Hals kriegt? Das ist aus meiner Sicht ja schon fast ein versuchter Mord vom Filmteam!

    Lasst ihn in Ruhe seine Arbeit machen und dann kommt großartiges dabei raus. Ob kritisch oder nicht ist mir dabei echt wurscht, so lange ich als durchschnittleser drüber lachen kann. Oder weinen. Oder was auch immer, hauptsache es löst was aus.

    Und Mut? Die meisten Menschen, die heute als Helden verehrt werden, denken doch bei ihrer Heldenhaften Tat gar nicht darüber nach, was sie machen, sie handeln einfach nur. Vielleicht hat der ein oder andere dann eine nasse Hose, wenn er drüber nachdenkt, was er getan hat. Und würde es nie wieder tun – denkt er zumindest. Wahrer Mut ist doch, trotz Angst etwas zu tun. Und das hat Ralf König, wenn auch nur für 2 Tage. Und dann hat er drüber nachgedacht. 😉 Hut Ab!

  2. Pingback: Märtyrer? Wir gieren nach Blut! | lebenswort

  3. Ich wüsste nicht, was an Ralf Königs Verhalten feige sein sollte. In seiner Situation hätte ich möglicherweise das gleiche getan. Als Privatmann kann ich durchaus aus Angst um mich (und meine Familie) Konsequenzen ziehen. Ich bin nicht gerne ein Held aber tot.

    Übrigens, in Amerika hat die Presse, scheints, ebenfalls Muffensausen.

    • Jepp. Das sogar ganz offiziell. Und das finde ich um einiges verwerflicher. Die Medienhäuser dort haben ganz andere Ansätze, um sich zu schützen.

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