Die Wahl der Mittel

Schwerd-Gate. Daniel Schwerd, nordrhein-westfälisches Piratenmitglied und im Landtag vertreten, hat sich verzwitschert. „Judenschweine“ sagt man nicht.

Auch nicht als Jude.

Ich hab auf eine Stellungnahme von ihm gewartet, bevor ich was dazu schreiben wollte. Zu schräg für mich die Idee, dass ein Jude sowas raushaut.

Aber: ich habe mich offensichtlich getäuscht.

Twitter ist schon ziemlich übel. In 140 Zeichen kann man nun mal nicht irgendwelche Feinheiten unterbringen. Twitter ist der grobe Nachrichtenklotz. Gerne auch mal mit Schnellschüssen aus der Hüfte.

Ich kann ihn bis zu einem gewissen Punkt verstehen. Mit Nazis (Pro-NRW und Konsorten sind reine Nazis und so dumm, dass das zusehen schmerzt) kann man nicht umgehen. Vor allem nicht als Jude, denn diese Idioten werden keine Gelegenheit auslassen, jemanden zu provozieren.

Daniel Schwerd ist dem bislang auch wirklich souverän begegnet. Er hat sich nicht provozieren lassen und die passenden Antworten gegeben oder die Deppen ignoriert.

Er hat auch Recht, wenn er sagt, dass man mit Nazis nicht diskutiert. Die sind meist viel zu weit von der Realität entfernt, als das man die noch zurückholen könnte. Aussteigervereine wie Exit holen hier halt auch meist das eh unsichere Fußvolk raus. Nicht jedoch die Rädelsführer.

Allerdings hat er nicht Recht, wenn er sagt, dass man Nazis beleidigen kann, wie man will. Sorry, Herr Schwerd, aber genau das ist der Trugschluß.

Entgegentreten, beschämen, ins Unrecht setzen: Ja. Das soll und muss man tun. Ständig. Wunsiedel hat gerade mit „Rechts marschiert gegen Rechts“ eine unglaublich gute Aktion gebracht. Die war nicht nur humoristisch wertvoll sondern auch noch so genial, darauf muss man erstmal kommen.

Aber beleidgen? Um Rechte zu bekämpfen? Niemals. Denn damit setzt man sich selbst ins Unrecht. Wer beleidigt, der hat aufgegeben. Ich weiß das – ich beleidige Impfgegner auf täglicher Basis *g*

Scherz beiseite. Das ist der tragische Trugschluß von Daniel Schwerd. Sein „Man darf und muss Nazis mit allen Mitteln bekämpfen“ ist eine andere Formulierung. Im Grunde genommen sagt er damit: „Der Zweck heiligt die Mittel“.

Und *dieser* Weg, Herr Schwerd, so verständlich wie er ist, führt direkt in den Untergang.

Ich fürchte, das ist eine Lektion, die Sie jetzt auf die sehr harte Tour lernen werden. Was schade ist, denn sie sind einer der wenigen, die im NRW-Landtag verdammt gute Arbeit leisten.

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Soziales

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One thought on “Die Wahl der Mittel

  1. Ich bin nicht sicher, ob Du (wir?) da Schwerd missverstehen. Er möchte Nazis nur so weit „beleidigen“, wie es sie trifft und ihren Taten angemessen ist. Es geht also nicht einfach um Diskreditierung, schon gar nicht um Diskriminierung.

    Es geht darum, was angemessen ist.

    Es geht darum, dass diese Idioten absolut menschenunwürdige Dinge verbreiten. Und das ist nun noch sehr nett gesagt.

    Beleidigt sind Nazis relativ schnell und ereifern tun sie sich dann noch mehr. Sie sind es, die beleidigt sind, geradezu nach einer Rechtfertigung suchen Dich (also den, der sich ihnen in den Weg stellt) mit Schmutztriaden ohne Gleichen zu überziehen. Ich würde sagen, wie man in den Wald hinein ruft…

    Man kann Nazis nicht beleidigen, ohne ihnen einen Gefallen zu tun – so sie die „Beleidigung“ überhaupt verstehen. Das ist übrigens keine Beleidigung sondern meine Beobachtung, von der es bisher, trotz intensiver Suche, keine Ausnahme gab.

    Schwerd wäre schön blöde, inhaltslos zu beleidigen. Er entschuldigt sich doch sogar, wenn er sich doch einmal vergriffen hat.

    Möglicherweise siehst Du da was, was gar nicht da ist. Trotzdem ist es natürlich wichtig und richtig, darauf hinzuweisen, dass der Zweck eben nicht die Mittel heiligt.

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