Keine Panik auf der Titanic

Alles im Lot aufm Boot.
Nein, wir werden hier keine Ebola-Epidemie bekommen. Zumindest derzeit noch nicht.

Ebola ist eine mistige Krankheit mit einer hohen Mortalitätsrate.
Aber man braucht direkten Kontakt mit einem *bereits erkrankten* Infizierten, damit die Krankheit sich überträgt. Ebola ist schreckenerregend, weil wir die Krankheit nicht kennen.

Die Grippe fordert erheblich mehr Todesopfer Jahr für Jahr – und die werden nicht mal erwähnt, außer, es ist ne Schweinegrippe.

Also: Lest die ganzen Blätter nicht. Derzeit ist in erster Linie in den USA das medizinische Personal betroffen, dass entweder die Schutzvorschriften nicht beachtet hat oder das anderweitig fahrlässig gehandelt hat.
Es wird derzeit noch geprüft, ob es Lücken im Schutz gibt, aber da muss man auch erstmal ermitteln, wie die Leute sich angesteckt haben:

Handschuh am Patienten, der kotzt, Handschuhe werden saubergemacht, aber nicht desinfiziert, man fasst sich ins Gesicht – schwups. Angesteckt.

So passiert viele Male in Afrika.

Hier bei uns? Herrscht mal wieder „Panik“ weil die ganzen Blätter wieder mal sensationsheischen. Die Berichterstattung über Ebola zeigt eigentlich auch die gesamte Bigotterie.

Tausende von Ebola-Toten wurden kurz erwähnt und dann folgte regelmäßig in mehr oder weniger reißerischer Aufmachung: „Und was ist, wenn wir das kriegen?“

Die Ebola-Toten und -kranken fanden nur vor dem Hintergrund der Panik statt, dass wir das auch kriegen könnten.

Oh heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd and’re an.

Also: Für Afrika ist Ebola tatsächlich ein gravierendes Problem. Kein Problem kann schlimm genug sein, als das es nicht immer noch Idioten gibt, die das noch ein bisschen schlimmer machen. Es kursieren vor allem in den Social Medias derzeit die Gerüchte, dass das Rote Kreuz Ebola-Impfungen verteilt, die die Leute erst krank machen. Und dass Ebola nicht existiert, sondern ein Plot ist, um Afrika besser ausplündern zu können.

Nicht hilfreich vor diesem Hintergrund ist auch, dass in erster Linie Militärangehörige nach Sierra Leone und Nigeria gebracht werden, um dort zu helfen (und, nebenbei gesagt, ihren Arsch riskieren).

Ja, beide Länder sind reich an Bodenschätzen, die der Westen gerne hätte. Aber auch die Koch-Brüder sind nicht in der Lage, sowas aufzumachen. Eine Ebola-Impfung gibts derzeit, wenn überhaupt, eh nur im Experimentalstadium und ganz sicher nicht in den erforderlichen Impfdosen, die notwendig wären, um ganze Bevölkerungen zu schützen, Stichwort Herdenimmunität (der erste, der sagt, das gibts nicht und das auch ernst meint, bekommt eine Dauerkarte im Spamfilter. Mit den ganzen Anti-Vaxer-Idioten hab ich echt keine Geduld mehr).

Also:

Wenn ihr im Flugzeug sitzt, das aus Westafrika kommt und neben euch sitzt einer und niest: Sucht schon mal ein Krankenhaus auf. Wenn ein Flugzeug, von dem ihr nicht wisst, wo es herkommt, einen feuchten Fleck hat: Potenziell gefährlich.

Wenn ihr ganz normal hier in Deutschland lebt, in letzter Zeit keine Flüge unternommen habt und auch sonst ein ganz friedliches Kerlchen seid: Erstmal Entwarnung.

Wenn ihr Ärzte seid, solltet ihr euch übrigens mit Kritik an den Zuständen vor Ort zurückhalten. Wir reden hier von drei der ärmsten Ländern der Welt. Die können froh sein, wenn die genügend Strohmatten haben, um die Leute unterzubringen. Von Isolation träumen die nur.

Ebola ist in Afrika und in Anfängen in den USA. Ihr könnt allerdings Gift drauf nehmen, dass das CDC gerade alle Register zieht.

Aber Ebola ist derzeit für uns NICHT gefährlich. Wirklich nicht. Auch nicht, wenn die Welt verzweifelt was anderes herbeizuschreiben versucht. Die Bild auch.

Die Chance, dass Ebola so mutiert, dass eine Tröpfcheninfektion ausreicht, ist vorhanden aber gering. Und solange Ebola nicht mutiert IST braucht uns das auch nicht zu bekümmern.

Die Toten durch Impfverweigerung und Grippe sind da sehr viel mehr bei uns. Redet irgendwie kein Schwein von. Jeden Tag sterben mehr Menschen durch Autounfälle als Ebola-Tote insgesamt zu beklagen sind.

Also:

Keep your pants on baby. Gibt nix zu sehen.

Außer für die armen, armen Schweine in Afrika 🙁

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Soziales

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9 thoughts on “Keine Panik auf der Titanic

  1. „Ebola ist NICHT“ – Was?

    Jo – kann ich bestätigen: Grippe ist sehr viel gefährlicher, weil leichter zu übertragen. Nosokomialinfektionen sind sehr viel gefährlicher, weil leicht zu bekommen und schlecht wieder loszuwerden.
    Man halte sich an die allgemeinen Hygienevorschriften für Isolierstationen und nichts kann schiefgehen. Allerdings ist der Umgang vieler Arbeitskräfte im KH, seien dies Pfleger, Ärzte, Reinigungskräfte, etc., mit diesen Vorschriften, sprich Anlegen, Ablegen, Entsorgen der Schutzkleidung, Händedesinfektion vor und nach jedem Patienten, Entsorgung des Putzmaterials und was es da alles gibt, manchmal recht lax, um es mal vorsichtig auszudrücken. Allerdings haben die Ebola-Patienten ja vielleicht Glück, denn wenn es so geht wie mit den MRSA-Infektionen hier im örtlichen KH, so sind sie nach Verlassen des KH geheilt, denn keiner der Patienten, die im KH noch einen MRSA hatten, hatte ihn nach der Entlassung auch noch – egal ob nach Hause oder ins Altenheim entlassen wurde.
    Also liebe Ebola-Infizierten, lasst Euch entlassen, dann seid Ihr geheilt.
    Natürlich ist das Blödsinn, aber der Umgang mit MRSA zeigt, wie „hoch“ die Hygienestandards gehalten werden 😉

    • Naja, Ebolapatienten würden hier aber auch nicht in einem Feld- Wald- und Wiesenkrankenhaus behandelt, wo dem Chefarzt die Kravatte aus dem halboffenen Kittel schon mal auf die Bauchwunde eines Patienten schlabbert und mit der er dann die Staphylokokken fröhlich von einem auf den anderen überträgt.
      Passiert hier nicht? Doch, selbst gesehen.
      Aber Ebla ist doch eine andere Hausnummer, und leider, leider auch hier wieder der Vergleich mit der ach so viele Opfer fordernden Grippe.
      Lasst den bitte, bitte sein! Es ist vollkommen richtig, dass wir hier im Moment und auf absehbare Zeit kein großes Problem mit Ebola kriegen werden. *Aber* Ebola IST eine ganz andere hausnummer als Grippe, Punkt. Und ein Vergleich verbietet sich einfach, weil die beiden viel, viel weniger als Äpfel mit Birnen zu tun haben.
      Solange wir hier nur Einzelfälle haben sit das ganz sicher kein Problem. Aber wenn wir hier, aus welchen Grüpnden auch immer, mal mehr als 20-30 Erkrankte gleichszeitig haben, dan HABEN wir ein ein Problem. Wirklich streng isolierte Betten sind nämlich bei uns auch ziemliche Mangelware, und bei 30 erkrankten Patienten auch nur die engsten Kontaktpersonen entspteechend zu isolieren haben wir auch hier nicht die Kapazitäten, sowohl was Hardware als auch was entsprechend kompetente Leute angeht.
      Schaut Euch die verschiedenen Maßnahmen auf den verschiedenen Eskalationsstufen, die vom RKI für das Fachpersonal vorgesehen sind, an. Das ist bei wenigen Erkrankten noch gut handlebar, und wird bei zweistelligen Zahlen problematisch, und ist bei dreistelligen nicht mehr machbar. Dann muss das Schutzniveau runtergefahren werden.

      • Natürlich kann man Ebola und Grippe vergleichen, beides Infektionskrankheiten, beides Viruserkrankungen, bloß dass die Grippe sehr viel leichter zu übertragen ist. Dass Ebola ne recht hohe Todesrate hat, ist ne andere Sache. Und dass Ebola hauptsächlich in Ländern auftritt, die nicht die Möglichkeit haben, die Erkrankten vernüftig zu behandeln oder zu isolieren spielt da auch mit ‚rein. Und gegen Grippe kann man sich meistens impfen lassen, das geht bei Ebola, wenn ich mich nich irre, auch noch nicht.
        Ich behaupte einfach mal, dass auch in Feld-, Wald- und Wiesenkrankenhäusern Ebolaerkrankte behandelt werden, nämlich dann, wenn die Krankheit als solche nicht erkannt wird oder wenn, wie Du anführst, der Fall eintritt, dass wir sehr viele Erkrankte haben.
        Und ich wage zu behaupten, dass auch in den Kliniken, die die Isolierstationen für solche Erkrankungen haben, Personal arbeitet, welches sich nicht an die Hygienerichtlinien hält.

      • Doch, das ist sehr wohl vergleichbar. Der einzige Unterschied ist die höhere Mortalität. 80% ist hier schon ziemlich übel.

        Aber die Übertragbarkeit bei Grippe ist erheblich leichter. Ebola bekommst du nur, wenn du direkten Kontakt mit den Körperflüssigkeit eines bereits erkrankten hattest.

        Was auch zeigt, wieso das gesamte medizinische Personal gerade wegstirbt wie die Fliegen.

  2. Zahlen wir nicht auch Entwicklungshilfe in diese Länder? Ich dachte immer davon Werden auch entsprechende Versorgungseinrichtungen, sprich Krankenhäuser und Ärzte bezahlt.

    Da unten gibt es auch ein logistisches Problem, was fehlt sind z.B. Millionen Einweghandschuhe, Leichensäcke für Seuchenopfer, Desinfektionsmittel etc. Ich finde da könnten wir als einer der Reichsten Staaten der Welt mal aushelfen das wäre nicht mal ein Griff in die Portokasse – dazu brauchen wir auch keine Bundeswehrmaschinen, das bekommt die Post* auch hin.

    *Ich meine natürlich private Transportunternehmen Generell

  3. Ich empfehle (nicht nur) dazu diesen Artikel: http://www.nachdenkseiten.de/?p=23600
    Um Afrika auszubeuten, brauchts keine neue Krankheit – das schafft der gute (?) alte Kapitalismus auch so schon prima. Die Erbärmlichkeit der deutschen Politik, hier mit 17 Mio Euro und 50 Feldbetten „helfen“ zu wollen, ist zynisch und lächerlich. Wo haben die das Geld hergenommen? Aus der Portokasse des Entwicklungshilfeministeriums? Das kostet uns wahrscheinlich die Berliner Politikbagage am Tag, was die hier großzügig als Hilfe anbieten. Wie es in dem Artikel steht: Das wäre mal eine Chance, „Verantwortung zu übernehmen“ – aber um diese Art Verantwortung geht es ja offenkundig nicht.

    Und diese Panikmache der Medien – da kriege ich die Krätze. Himmelherrgottsakranochamoi – Die Chance, sich in Deutschland mit Ebola zu infizieren, ist wahrscheinlich ähnlich hoch wie die, im Lotto zu gewinnen. So einen Bullshit https://twitter.com/FranzNestler/statuses/521936247552745472 braucht hier kein Mensch. Ja, natürlich ist Ebola hochinfektiös und gefährlich, aber das ist kein Grund, hier Panik zu schüren. Wahrscheinlich wird demnächst jeder Farbige hierzulande mit ner Erkältung der Polizei gemeldet…

    • Die Chance im Lotto zu gewinnen ist momentan deutlich höher hierzulande Ebola zu bekommen. Das sieht man daran, daß fast jede Woche irgendweolche Leute eien 6-er im Lotto habe, Ebola ist m.W. hierzulande ncoh nie übertragen worden.

      Ech weiß, daß ist zynisch, aber das zeigt auch, in welcher relation die Wahrscheinlichkeitern momentan hierzulande stehen, an Ebola zu erkranken. Natürlich besteht die Gfahr, daß man die Krankheit nciht eindämmen kann und über kurz oder lang die ganze welt davon betroffen sein könnte. Aber deswegen Panik zu bekommen und sich in ein Erdloch/Bunker für die nächsten 50 jahre zu verkriechen ist unangebracht.

      Außerdem „Et kütt wie et kütt“ würde der Kölsche Jung sagen.

  4. Zu Ebola heute im Radio (SWR3):

    Der UN (?) Fond für die Ebola-epdemie …man ich würd lachen wenn es nicht zum weinen wäre, hat genau 100.000 Euro auf der Kante. 100.000,- Euro die COLUMBIEN eingezahlt hat. Ein hoch auf die Staatengemeinschaft und die Solidarität.

    1 Milliarde+ wurde ja angeblich von den ganzen anderen Staaten unter anderem auch Deutschland zugesagt … bei der Zusage bliebs auch.

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