Allohol macht Birne hohl

Oder wie darf ich diese Meldung verstehen? Da müssen sich doch etliche das Hirn weggesoffen haben.

Alkoholkranke Langzeitarbeitslose kommen in Essen jetzt in Maßnahmen, wo sie 1,25 Euro pro Stunde bekommen, eine warme Mahlzeit und DREI BIER!

Beaufsichtigt werden soll das ganze von den neu eingestellten „Umfeldmanagern“, damit auch keiner mehr als 3 Bier bekommt.

Ich glaub mein Schwein pfeift. Anstatt die Leute von der Straße zu holen und was gegen die Sucht an sich zu tun, mal vernünftige Konzepte zu erschaffen, um den Leuten zu ermöglichen, aus der Sucht RAUSzukommen, macht man sowas.

Es ist nahezu unglaublich, wie menschenverachtend manche Leute werden können, wenn ihr Arsch schön bequem in der sozialen Hängematte liegt – und man nicht Gefahr läuft, da je rauszufallen. „Mit Speck fängt man Mäuse“. Ja genau.

In Amsterdam ist das wohl schon länger so Usus – und wird als „funktionierend“ bezeichnet.

Oh ja? Dann hätte ich gerne mal Zahlen, wie viele von den „Teilnehmern“ des Projekts dank regelmäßiger Bierlieferungen

a) die Sucht überwunden haben

und

b) wieder in einigermaßen gefestigten Verhältnissen leben.Ich zitiere an dieser Stelle einmal den Geschäftsführer der Obdachlosenhilfe, Horst Renner. Er sagte in der taz:

„Es kann nicht sein, dass eine Stadt Schwerstalkoholabhängige ohne nennenswerte Bezahlung für sich arbeiten lässt und dann auch noch mit Suchtmitteln versorgt“

Dem ist nichts hinzuzufügen!

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Soziales

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16 thoughts on “Allohol macht Birne hohl

  1. Ich sehe das durchaus differenzierter, und ich kenne mich mit Alkoholismus und Abhängigkeiten ein wenig aus.

    Der Spruch „Es kann nicht sein, dass eine Stadt Schwerstalkoholabhängige ohne nennenswerte Bezahlung für sich arbeiten lässt und dann auch noch mit Suchtmitteln versorgt“ ist platt und populistisch, und dem ist sehr wohl was hinzuzufügen.

    Dei „Bezahlung“ ist in der Tat ein Witz und unwürdig, das kann uns sollte man kritisieren. Mit der Ausgabe von Bier an Schwerstabhängige wär ich schon vorsichtiger. Alkoholiker ist nicht Alkoholiker. Jemandem, der zwar abhängig und ggf. auch schwer abhängig trinkt, aber noch halbwegs funktioniert bzw. in irgendetwas wie einem Sozialgefüge auch noch enigstens grenzwertig eingebunden ist, sein Suchtmittel, wenn auch in einer zum seinem „normalen“ Konsum vergleichsweise sehr geringen Menge, zur Verfügung zu stellen, wäre in der Tat kontraproduktiv.

    Bei DEN Leuten, um die es hier geht und bei deren „Auswahl“ die Suchthilfe eingebunden ist, KANN es aber Sinn machen, weil es definitv keine andere Möglichkeit gibt, sie soweit zum „funktionieren“ zu bringen, dass sie auch nur wenige Stunden durchhalten würden. Und die beteiligten Leute von der Suchthilfe dürften sich besser mit dem Thema auskennen und eingermaßen beurteilen können, bei wem das Sinn machen könnte und bei wem nicht. Die sind mit klassichen Therapieansätzen in aller Regel mehrfach durch und therapierestistent bzw. für eine Therapie nicht merh erreichbar. Für die gibt es nur die Alternative sich entweder nichtstuend tot zu saufen oder das Gleiche mit einem wenigstens etwas strukturierten Tag zu tun und die klitzekleine Chance zu haben eventuell Geschmack daran zu finden und dabei die Kraft zu gewinnen einen neuen Versuch zu unternehmen. Die Psychiatrie wäre für einige wenige eine Alternative, aber das funktioniert nicht mit Zwang. Genau aus dem Grund ist es auch sinnvoller Schwerstabhängigen des Heroin notfalls auf Rezept zu besorgen und ihnen kontrolliert zuzuführen als sie da zu lassen, wo sie sind, da verrecken sie nämlich ziemlich sicher. Die Chance da irgendwie wieder rauszukommen ist winzig, aber ohne ist sie nahezu Null.

    Und irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo man einfach auch mal von einer palliativen Situation sprechen muss, wenn die Hoffnung nicht am Alkohol oder einem anderen Suchtmittel zu sterben gegen Null geht.

    • Ja. Bezüglich Palliativer Situation. Aber das darf nicht innerhalb der HartzIV-Zwangsjacke passieren. Und genau das geschieht hier.

      Zudem ist die Stadt Essen hier eindeutig auf dem Weg, Personalkosten für die Straßenreinigung einzusparen. Auf dem Rücken derer, die sich eh nicht wehren können.

  2. Die drei Pils sind nicht Bezahlung, sondern Verköstigung. Der Unterschied ist gewaltig.

    Ich frage mich, was dich daran stört. Wünschst du kalten Entzug während Arbeit (womöglich verpflichtend, weil sanktionsbewehrt)?

    Mit allem Respekt, komm runter von deinem Türmchen.

    • Egal welche Arbeit ALKOHOL gehört nicht dazu. Egal was du machst während der arbeirt besoffen oder auch nur angeschwipst sein gefährdet Menschen.

      Wenn dann ist ALK Privatvergnügen.

      Aber recht hat das Tantchen. Das darf nicht sein. Die Sufies gehören nach Hamburg in die 0 Euro Jobs.

    • Was ich will?

      Mehrfachsüchtige und Schwere Alkoholiker sind Erwerbsunfähig. Die müssen in Therapie – nicht in Zwangsarbeit mit Hungerlohn und Bierlieferung.

      • Auf Zwangsarbeit kann ich beim allerbesten Willen in dem Artikel keinen Hinweis finden. Wo steht bitte, dass eine Nichtteilnahme irgendwie sanktioniert würde? Bis zum Beweis des Gegenteils gehe ich davon aus, dass die Teilnahme freiwillig ist.

        Zum Hungerlohn hatte ich mich bereits geäußert, der ist nicht akzeptabel.

        Dass die möglichen Teilnehmer in der Regel bereits therapierestistent sind hatte ich wohl ebenfalls erwähnt und wie sowas aussieht weiß ich ebenfalls, von einem sagen wir mir nahestehenden aber nicht verwandten und seit langem an eben dieser Krankheit verstorbenen Menschen.

        Die 3 Pils allerdings als Verpflegung zu bezeichnen ist ebensowenig akzeptabel, denn das sind sie nicht. Die Aussage „Mit Speck fängt man Mäuse“ ist allerdings auch ausgesprochen dämlich, denn das trifft es ebenwowenig. Die 3 Pils sind schlicht eine Option, den Tag aushaltbar zu machen, mehr nicht.

        Ob die Umstände ganz allgemein bei diesem Projekt geeignet sind, damit Erfolg zu haben ist zweifelthaft, allein wegen der unakzeptablen Bezahlung, die die Würde der Teilnehmer untergräbt, die sie bereits verloren haben und unter vernünftigen Bedingungen gerade ein kleines Stück weit wieder gewinnen könnten.

        Eine solche Maßnahme prinzipiell runter zu machen ist aber ebenfalls wenig sinnvoll.

  3. Dass es Strafen gibt bei nicht Teilnahme sollte jedem klar sein, der schon ein wenig mitgekriegt hat, wie das inzwischen bei den entsprechenden Ämtern läuft.
    Es muss jede zumutbare Stelle angenommen werden, was zumutbar ist entscheidet im Zweifel der Beamte und da ist es dann sehr schnell alles.
    Dasselbe bei Arbeitsbeschaffungsmassnahmen oder wie das genannt wird.

  4. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn hier nicht einfach alle Vorurteile, die man sich gegen Behörden, Maßnahmeträger und Suchtkranke vorstellen kann, aufgefahren würden.
    a) Die Teilnahme ist freiwillig. Zu behaupten, dass das alles zwangsverpflichtete arme Würstchen sind, ist einfach unfair den Leuten gegenüber, die an der Maßnahme teilnehmen wollen um zu beweisen, dass sie sowas durchhalten und für sich selbst Vorteile erhoffen – und sei es nur einen Grund zu haben morgens aufzustehen.
    b) Gibt es für Alkoholkranke kaum Maßnahmen, da die Unfallverhütungsvorschriften Alkohol am Arbeitsplatz (und das gilt dann auch für Arbeitsgelegenheiten) verbieten. Da kann der Alkoholkranke dann ganz schnell wieder nach Hause gehen und eben nicht teilnehmen – auch nicht wenn er will. Ich finde es gut, hier ein Angebot zu sehen, bei dem die Sucht gesehen wird.
    c) Geht es darum einen Zugang zu Schwerstabhängigen zu finden. Es handelt sich um Menschen, die Langzeittherapien oder Substitutionsbehandlungen schon ohne Erfolg durchlaufen haben.
    und schlußendlich
    d) Kann es sein, dass von den vielen Menschen, die sich hier so fein aufregen, noch niemand vor einem Heroinabhängigen mit Beigebrauch gesessen hat, der einen bittet irgendwie Hilfe bei der Wiedererlangung eines Tageseablaufes zu bekommen (damit er es überhaupt schafft, sich bei der Suchtberatung zu melden)
    Wir können diese Menschen natürlich auch einfach in die Sozialhilfe abschieben und da verrotten lassen, um ihre Menschenwürde zu retten, bis sie von alleine den Weg zum Therapeuten finden – oder wir geben ihnen eine Hilfestellung. Und die kann tatsächlich darin bestehen eine Maßnahme zu machen, in der sie offen trinken können und dabei mit einem Suchtberater reden.
    In den Niederlanden läuft ein ähnliches Projekt übrigens schon seit längerem erfolgreich. http://www.dagbestedingpub.nl/index.html

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