Über die Macht der Bilder

Bilder sind wichtig. Viele Menschen können Texte nur schwer in Bilder umsetzen. Also nimmt man Bilder, um eine Botschaft zu unterstreichen.

Wie die ISIS das macht, habe ich bereits thematisiert. Aber unsere Bundesregierung ist da auch nicht von schlechten Eltern. Mal ein paar Gedanken über Körpersprache und wie man sie für sich nutzt – am Beispiel Ursula von der Leyens.

Sie bietet sich dafür geradezu an, weil sie so unterschiedliche Ressorts vor die Wand gefahren gemanaged hat. Sie war Familienministerin, Arbeitsministerin und ist jetzt Verteidigungsministerin.

Seht ihr?

Als Familienministerin: Offene Körpersprache und sie wirkt zugänglich, freundlich. Offen.

Als Arbeitsministerin: Man kann das beobachten: Sie wirkt insgesamt weniger zugänglich und strenger. Hinzu kommt eine Ausstrahlung von Nachdenklichkeit und Sorge.

Als Verteidigungsministerin erkennt man die ehemalige Familienministerin fast nicht mehr wieder. Im Kreise „ihrer“ Soldaten öffnet sie sich, aber ansonsten hat sie die Feldherrenpose auf Bildern schon sehr gut verinnerlicht. Auch ihr Auftreten, wenn auch noch typisch Ursula von der Leyen, ist jetzt von einem eigentlich längst vergessen geglaubten Pathos gekennzeichnet.

Was Politiker wissen (wenn sie es nicht schon instinktiv wissen, wird es ihnen beigebracht): Die Körperhaltung muss der Aussage entsprechen. Menschen bekommen es mit, wenn sie belogen werden. Anhand der Körpersprache des Lügners. Und so versuchen viele, ihre Körpersprache anzupassen.

Das gelingt auch recht gut, vor allem mit etwas Übung. Es gibt inzwischen Berufe, die Lügen enttarnen, indem sie den Lügner bloßstellen. Das sind Menschen, die darin geübt sind, Körpersprache zu lesen – und ihre Diskrepanzen aufzuzeigen.

Die Merkel-Raute hat ja einen Grund. Unsere Hände verraten uns nur zu oft. Wenn wir unsicher sind, dann flattern sie umher. Wenn wir wütend sind, unterstreichen wir das durch Gestik. In der Merkel-Raute ruhen die Hände – und sind als Verräter des Gemütszustandes ausgeschaltet.

Auch Ursula von der Leyen hat subtile Veränderungen in der Körperhaltung: Wo sie als Familienministerin auf die Leute zuging, indem sie sich auch zu ihnen beugte, ist sie heute, selbst wenn sie entspannt ist, straff und hoch aufgerichtet wie eine Lanze.

Sie unterstreicht damit die Bedeutung ihres Amtes – und sie gibt sich den militärischen Touch, den man bei einer Frau nur allzugerne verneint.

Kann man die Lügen enttarnen?

Sicher. Es gibt das Bauchgefühl. Wenn jemand vor euch steht und ihr habt das Gefühl, dass er lügt, dann habt ihr wahrscheinlich Recht. Die Körpersprache wirkt unbewußt.

Beispiel unser ehemaliger Innenminister. Hans-Peter Friedrich. Als er in Washington vor der Kamera stand und behauptete, es wäre alles aufgeklärt: Da hat er gelogen. Jeder wußte, das er das hat, aber nur wenige konnten sagen, warum. Es war Bauchgefühl.

Da in Washington, vor den Kameras, da stand kein Mensch, der sich wohlfühlte. Er leckt sich wiederholt die Lippen, er guckt überall hin, der Blick flackert umher. Der Mann lügt.

Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein. Vor allem, wenn man Körpersprache kennt und man um alles in der Welt die Fehler vermeiden möchte.

Brian Morris ist so ein Fall. Immer dann, wenn in Interviews die Sprache auf Beschneidung kommt, richtet er sich hoch auf, fixiert sein Gegenüber nahezu ohne zu blinzeln. Die Sprache wird bedächtig, jedes Wort wird gewogen und bekommt eine eigene, sehr dringliche Betonung. Brian Morris kontrolliert sich vollständig. Nur wenn das Thema auf Dinge kommt, die nicht direkt die Beschneidung betrifft, entspannt er sich etwas.

Beide lügen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Hans-Peter Friedrich hatte eine Mission aufgetragen bekommen. „Beruhige die Deutschen“. Er mochte die Mission nicht und es ist anzunehmen, dass er auch zutiefst in Washington gedemütigt wurde.

Brian Morris ist ein zutiefst verwundeter Mann, der seine eigene Beschneidung relativieren möchte, indem er ALLE Männer beschneiden läßt. Er zielt dabei auf die Eltern ab, damit diese sich nicht verteidigen können.

Hey, cool. Alle meine Themen in einem Blogpost. Muss man auch erstmal hinkriegen 🙂

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Soziales

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7 thoughts on “Über die Macht der Bilder

  1. Morris kenn ich nich.

    Friedrich is n emporgekommener Weichling, der seine Fahne nach dem Winde dreht und tut, was man ihm sagt. Bloß nich denken!

    Ich mag die von der Leier nich!
    Nicht als Familienministerin, nicht als Arbeitsministerin und auch nicht als Verteidigungsministerin! Sie ist eine von denen, die so tun, als interessiere es sie, in Wirklichkeit aber scheißt sie drauf. Ein Machtmensch isse, nix weiter – wird BK werden wollen 😉 Darauf wette ich sogar nen Zehner.

    Ich warte jetzt nur auf den Tag, an dem ihr die Kandesbunzlerin das „vollste Vertrauen“ ausspricht…

    • Da Ursel die Zeit abwartet, die Merkel im Amt verbringen möchte, wird sie weiter protegiert werden. Die Frau ist doch nicht doof. Sonst wäre die schon abgesägt. Sie hat nie Merkels Machtposition bedroht, darum kann sie sich auch so viel erlauben. Und Merkel weiß, dass sie jemanden braucht, der ihr nachfolgt. Ursel wirds werden.

  2. Naja, was UvdL angeht (hehe, die Abkürzung hat schon was von den sinnbefreiten Bundeswehr-Kürzeln): Verteidigungsministerium war schon immer ein gefährlicher Posten für einen Minister, da kann man viel falsch und wenig richtig machen, und so mancher „Hoffnungsträger“ wurde da schon rausgetragen. Aber Merkel scheint UvdL noch zu protegieren, und solange sie sich keine groben Schnitzer leistet, wird sie das wohl überstehen.

  3. Wenn überhaupt, wartet UvdL darauf, dass sie Merkel beerben kann – die poitischen Leichenberge, die hinter Merkel liegen, sollten wohl jedem potentiellen Konkurrenten Mahnung genug sein, sie direkt anzugreifen. Merkel wird so lange Kanzlerin bleiben, wie sie möchte – und danach wird das große Hauen und Stechen einsetzen.

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