Religiöses

Heute morgen geweckt worden.

Bäh. Sowas mag ich ja schon mal gar nicht. Aber der Weckgrund war noch viel übler.

Zwei Männer schwangen Heckenscheren (elektrisch. Laut.) und sangen dabei ihre jeweiligen Glaubensbekenntnisse, offenbar um im Rhythmus zu bleiben.

Ein Jude sang sein „Adunai…“ und daneben ein Moslem sein „Allahu akhbar…“.

*grrrrrrrrrrrr*

Ich bin dann rausgestiefelt, Motorradklamotten an und echt pissig. Das verschwamm aber schnell. Ein junger Mann mit angedeuteten Schläfenlocken stand neben dem bärtigen Moslem und beide versuchten, sich lauthals zu übersingen während sie einträchtig nebeneinander die Heckenschere schwangen.

Ich guck mir das so an, Arme verschränkt, Augenbraue hoch erhoben. „Wird datt jetzt ein Religionsgesangskrieg?“

Herr Moslem drehte sich um, völlig empört. „Kein Krieg. Moshe guter Mann. Guter Freund. Warum Krieg?“ Herr Jude drehte sich um. „Alles gut. Wir machen das öfter. Mal verliert er und mal bin ich heiser.“ dabei grinste er ziemlich breit.

Herr Moslem beäugte meinen Helm misstrauisch. „Das Motorrad dahinten. Deins?“ ich nicke. „Frauen können doch noch nicht Auto fahren, wie dann Motorrad?“ Herr Jude rollte mit den Augen, mein Gesichtsausdruck musste eine Mischung aus Mr. Data und Mr. Spock sein. Purer Unglaube.

„Kennst du denn deinen Platz nicht, Mann? Wie kannst du es wagen, das Wort gegen eine Frau zu erheben? Wo ist deine Ehefrau, damit sie dich züchtigen kann für diese Unverschämtheit?“

*blinzel* *eulenblick* „Häh?“

Sein jüdischer Kollege bedauerte *sehr* offensichtlich, kein Popcorn dabeizuhaben.

„Das ist mein Glaube. Männer sind den Frauen untertan. Mein Gott hat das im Buch 2 der Pern-Chroniken verkündet. Ich glaube daran, und du hast soeben meinen Glauben beleidigt.“

Man hörte bei beiden Kerlen die Rädchen klicken und dann guckten die mich an, verzogen das Gesicht und…

Lachten. Lauthals. Bis die Tränen über die Wangen liefen.

„Der war gut. Der war RICHTIG gut.“ Herr Moslem klopfte mir auf die Schulter, Herr Jude nickte dazu.

Herr Jude grinste mich dann noch breit an. „Weißt du, vor nicht ganz einem Jahr hätte er dich dafür in Stücke gerissen.“ Ich gucke zurück. „Er hätte es vielleicht versucht. Woher kommt der Sinneswandel?“

Wissendes Grinsen.

„Er hat geheiratet.“

Okay, Jungs. IHR dürft mich wecken. Die hochrote Birne unterm Bart war Gold wert. 🙂

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16 thoughts on “Religiöses

  1. Hin und wieder darf man mal träumen …
    … hin und wieder, leider viel zu selten passiert sowas ähnliches tatsächlich in der Realität.

  2. 😀

    *aufdembodenrumrolltvorlachendenstaubentfernendunddenrumtrinkenddergeradegerolltwurdedabeieinezigaretterauchenddieauchgeradegedrehtwurde*

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