Quo Vadis, Carta?

CARTA ist ein grandioses Projekt.

In einer Zeit, wo Redaktionen zunehmend die Unabhängigkeit in der Berichterstattung verlieren, wenn sie sie je hatten, sprang CARTA ein. Klein, aber fein, eine Autorenplattform, die erfrischend verschiedene Meinungen zu vereinen wußte und darstellen konnte.

Es gab keine „CARTA-Linie“ – es gab nur Veröffentlichungen von Autoren, die hier eine Plattform geboten bekamen. Und es wurde versucht, das gesamte Spektrum abzubilden.

Wurde. Denn das CARTA wie es mal war, gibt es leider nicht mehr.

Für die absolute Unabhängigkeit der Redaktion standen Vera Bunse und Wolfgang Michal ein. Zwei Journalisten und Autoren mit einigem Gewicht und zudem einem ziemlich gutem Kopf auf den Schultern.

Diese Unabhängigkeit wurde offenbar durch Entwicklungen seitens des Trägervereins und der Mehrheitsgesellschafterin bedroht.

Ich kenne sowohl Wolfgang Michal als auch Vera Bunse gut genug, um zu wissen, dass sie etwas, wo sie Herzblut reingesteckt haben, nicht einfach aufgeben. Gerade Vera hat unglaublich viel Zeit und Mühe in die Artikel gesteckt, hat versucht, neue Autoren aufzutreiben und zudem noch Artikel redigiert, damit die vernünftig online gehen können.

Versteht das bitte richtig: Redigieren ist nicht mal eben „drübergucken“ – richtig redigieren ist verdammt schwierig, denn man muss einen Text „schleifen“ ohne den Inhalt oder den Stil zu ändern. Das können nicht viele. Und im Prozess des „schleifens“ kommt es auch durchaus zu Reibungspunkten. Das Beste sind immer Leute, mit denen man dann reden kann, diskutieren – und die so den Text auch voranbringen.

Diese Art der Zusammenarbeit ist unendlich befriedigend. Meinungsaustausch auf Sachebene, ohne irgendwelche persönlichen Animositäten. Gerne auch mal härter, aber nie ohne Respekt. Das kann definitiv nicht jeder. Aber Vera Bunse beherrscht genau das aus dem eff-eff.

Solange ihr keiner dazwischengrätscht.

Die Kombination Wolfgang Michal/Vera Bunse war, zumindest in meinen Augen, maßgeblich dafür verantwortlich, dass CARTA heute da steht, wo es steht.

Doch immer dann, wenn ein Projekt läuft, kommt auch irgendwer mit dem halbverstandenen Bullshit-Bingo. Jemand sieht, dass ein Projekt funktioniert – und möchte es möglicherweise dann „monetarisieren“. Oder „amortisieren“. Man möchte dann „Synergie-Effekte“ nutzen. Ach, ihr kennt das.

Wichtig ist dann vor allem: Man braucht ein „Profil“. Man braucht eine „Aussage“ – und genau hier liegt das Problem: Die Aussage, das Profil von CARTA war, dass sie keins hatten. Sie haben rechts und links von der Mitte Spielraum gegeben, Exrempositionen rausgelassen und auch gerne mal kontroverse Artikel veröffentlicht. Gut, ich gebe zu, für einen dieser kontroversen Artikel war ich verantwortlich. 😉

Ein Profil, eine Aussage, das bedeutet: Diese Unabhängigkeit aufzugeben. Das bedeutet: Vom neutralen Beobachter zum agierenden zu werden. Das bedeutet: Sich dem Mainstream anzupassen.

Und dabei die eigene Identität aufzugeben.

Von der gesamten schmutzigen Wäsche, die vor allem derzeit aus der CARTA-Redaktion herübertropft (die Erklärung von Vera Bunse war erfrischend sachlich) bleibt mir nur eins:

Die derzeitige „Leitung“ zerstört das, wofür CARTA war. Sie zertrümmert ein verdammt gutes Projekt, um eine eigene Agenda durchzubringen. Wie die aussieht, und ob sie je die Qualität dessen erreichen kann, was einst war – wir werden es sehen.

Für mich ist mit dem Ausscheiden von Vera Bunse und Wolfgang Michal auch die Zusammenarbeit mit CARTA beendet. Ich habe Informationen bekommen, alle Seiten gegeneinander gewogen – und die Argumentation seitens CARTA für zu leicht befunden.

Kritiker mögen einwerfen, dass ich mich damit einer Publikationsplattform beraube. Doch habe ich nach wie vor einen bestimmten Anspruch an mich selber. Meine Texte sind MEINE Texte. Sie spiegeln meine Meinung wider – die sich mit neuen Informationen durchaus ändern kann, aber sie ist immer authentisch und meins.

Und daher habe ich auch den Luxus, mir die Orte aussuchen zu können, wo ich publiziere.

Den ich auch nutze. Ich bitte darum, mich aus der Autorenliste zu entfernen. Mit dem CARTA heute möchte ich nicht in Verbindung gebracht werden.

/update

Stilstand hat auch was dazu und erlegt sich weniger Zurückhaltung auf. Inhaltlich stimme ich zu 100% mit ihm überein.

/nochn update

Stellungnahmen der Beteiligten. Jeder kann sich ein eigenes Bild davon machen, warum ich zu „gewogen und für zu leicht befunden“ gekommen bin:

Vera Bunse

Wolfgang Michal

CARTA I und II

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Soziales

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9 thoughts on “Quo Vadis, Carta?

  1. Tja,
    die scheinen mit der Unabhängigkeit irgendwie Probleme gehabt zu haben. Mit der neuen WordPress-Version wohl auch – Update auf eine veraltete Version 3.9.2 von WordPress. Nun ja …

    Und wieder fällt mir auf:
    Wenn du die Inhalte/das Aussehen deiner Cookies beeinflussen kannst (was du wohl theoretisch können solltest), darfst du das gerne ändern. Bei dir übernimmt er nämlich die Cookies, die auf wordpress.com-Seiten anfallen. Das sollte eigentlich nicht sein, bedeutet es im Umkehrschluß, du kannst ebendiese auch auslesen.

  2. Du sollst sie ja auch nicht auslesen 😉
    Das Witzige:
    Nach dem Löschen und dann Besuch deiner Seite habe ich die Cookies von deiner Seite. Besuche ich eine *.wordpress.com-Site, habe ich _zusätzlich_ auch deren Cookies – also z. B. zweimal comment_author_email_hier-irgendein-token.

    In dem Formular eingetragen ist dann die WordPress-Adresse.

    Beim Besuch eines anderen Privat-Blogs (eigene Domain) unter WordPress habe ich dort nur dessen Cookies. Und bei dir nach einem Reload nur die von WordPress und grabbelkiste. Ergo: irgendwo müssen deine Einstellungen nicht ganz korrekt sein.

    Nur frag mich jetzt bitte nicht, wo 😉

  3. Ah, und noch ein HInweis:
    auch nach dem Absenden mit der dir zugedachten Email-Adresse steht dann im wieder leeren Formular die alte – von dem WordPress.com-Blog genutzte – Adresse drin. Also nciht die, die ich dann davor genutzt habe. So jetzt hier auch – nicht die dir zugedachte, die unten drin steht.

    Äußerst seltsam.

  4. Dann gleich auch das „unsichere nachladen“ von wordpresse beim Kommentarschreiben wegmachen.

    Stört ein wenig.

  5. Bekommst du bestimmt hin, also ich meine gerichtet (also nicht hingerichtet) 😉

    Und wenn du dann weißt, wo man da was einstellt, kannst du es ja gleich hier posten. Dann sucht der nächste nicht so lange …

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