Unsere Rechte

Wir lebten in einem Jahrhundert, dass den Bürgern weitreichende Rechte und Bildung zugestanden hat. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war, zumindest bei uns, gekennzeichnet von einem hohen Bildungsstand, weitreichenden Arbeitnehmerrechten und vielerlei Bürgerrechten.

Das bisherige 21. Jahrhundert hat vor allem eine Kennzeichnung: Die „Rückführung“ dieser Rechte, für die unsere Großeltern und Eltern so hart gekämpft haben. Wie hart dieser Kampf war, sollte man sich mal wieder in Erinnerung rufen.

Erinnert ihr euch an das Feuer in dieser Näherei? Die Arbeiterinnen dort waren gefangen. Die Ausgänge verbarrikadiert, um zu verhindern, dass die Arbeiterinnen Pausen machen oder Stoffe stehlen. Und man wollte wohl auch Versuche unterbinden, Gewerkschaften zu gründen.

Die Frauen sprangen aus dem Fenster, damit die Familien wenigstens die Körper hatten, um sie zu beerdigen. Die Hilfskräfte fanden tote Körper hinter der Haupteingangstür, die verriegelt war. Die Fingernägel der Frauen waren zerfetzt, weil sie vergeblich versuchten, sich durch die Tür zu kratzen.

Bangladesh? Nein, ich rede nicht von Bangladesh. Ich rede von der Triangle Shirt Company, New York. Und dem Brand 1911 in der Fabrik, der zu weitreichenden Verbesserungen führte. Die Parallelen zum Brand in Bangladesh sind furchtbar. Müssen denn immer wieder Menschen auf furchtbare Art sterben, bevor Leute anfangen, nachzudenken?

Die Rechte, die wir hatten und die für uns selbstverständlich sind: Versammlungsrecht, Gewerkschaften, Arbeitnehmerschutzrechte, Kündigungsschutzrechte:

Sie wurden mit Blut und Tränen erkauft und mit furchtbarem Leid.

Und wir verspielen das alles, weil wir zu bequem wurden.

Den Preis werden nicht wir zahlen, sondern unsere Kinder und deren Kinder. Die wieder mit Blut und Leid diese Rechte, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, zurückholen müssen.

 

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Soziales

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11 thoughts on “Unsere Rechte

  1. Ich war in Bonn auf der Hofgartenwiese, als für den Frieden demonstriert wurde, ich war auf dem Friedensplatz, als es um Berufsverbote ging, und man hat gern auch mal Waffeln an einem Stand gekauft, an dem es hieß, man backe sie für einen bestimmten in Südafrika einsitzenden Antiapartheidsaktivisten, was mir eine Zeitlang im Rückblick als – sagen wir ein wenig naiv – vorkam, es aber im noch längeren Rückblick dennoch nicht war. Ich war nicht selbst in Wackersdorf dabei aber meiner auch bisweilen tatkräftigen Unterstützung konnten sich die Atomkraftgegner immer sicher sein. Wir haben unsere Lebensmittel in einer Food-Coop geholt, wo wir uns auch mit dem Zentner Roggen und Weizen versogten, der immer im Flur stand – zum Brot backen. Wir haben auf’s Waldsterben aufmerksam gemacht, als Biologen, na klar. Und man war bei Amnesty oder zumindest war man Unterstützer.
    Manches war sicher illusionär und wirklichkeitsfremd, aber man hatte das Gefühl für irgendwas einzustehen. Der Deutsche Herbst hingegen war sehr real, und ich habe mehr als einmal in die Mündung einer Uzi in den Händen eines nervösen Polizisten geschaut.

    Nur: Irgendwann wird man auch müde, der eine früher, der andere später und einige gottseidank nie. Es gibt andere Prioritäten, handfeste existenzielle Fragen hatten Vorrang, und die Luft ist raus, bzw. es haben sich andere Bereiche ergeben, denen ich mein Engagement widme, und die mir nicht weniger wichtig sind. Sich zusätzlich wieder für Politisches zu aktivieren fällt schwer, und eigentlich habe ich das Gefühl, dass auch mal Jüngere dran wären.

    Leider habe auch das Gefühl, das bei vielen der jetzt Jungen die Luft schon jetzt raus ist oder noch gar keine drin war. Vielleicht ist das auch nur ein Eindruck und ich täusche mich, und eigentlich hoffe ich auch mich zu täuschen. Auch jetzt gibt es ja durchaus engagierte Menschen, die aufmerksam machen, die demonstrieren, aber trotzdem habe ich das Gefühl, die Leidenschaft von „damals“ ist es nicht wirklich. Vielleicht ist das aber auch nur nostalgische Verklärung …

  2. Dass „die Jugend von heute“ nicht so aktiv ist, ist größtenteils nostalgische Verklärung – beispielsweise waren beim Bildungsstreik 2009 (ja, ich hab einen Monat im Hörsaal geschlafen) wesentlich mehr Menschen aktiv als bei den 68er-Studentenprotesten. Auch unter Berücksichtigung der gestiegenen Studierendenzahlen.

    Nur… ist heute irgendwie die herrschende Meinung einheitlicher, sicherlich auch weil im Nachbarland keine Systemalternative vorgeführt wird.

    Ich bin überzeugt, ohne DDR+UdSSR und deren „im Westen ist alles schlechter“-Propaganda hätten wir in (West-)Deutschland keine so weitreichenden Freiheitsrechte und Sozialsysteme (gehabt).

    MfG, Arno

    • „Ich bin überzeugt, ohne DDR+UdSSR und deren “im Westen ist alles schlechter”-Propaganda hätten wir in (West-)Deutschland keine so weitreichenden Freiheitsrechte und Sozialsysteme (gehabt).“
      Das gehabt trifft es recht gut 😉

  3. „Die Rechte, die wir hatten und die für uns selbstverständlich sind: Versammlungsrecht, Gewerkschaften, Arbeitnehmerschutzrechte, Kündigungsschutzrechte:

    Sie wurden mit Blut und Tränen erkauft und mit furchtbarem Leid.“
    Ja, ja, diese verfluchte Selbstverständlichkeit, die alles blockiert.

    Also: WAS TUN ?

    Am besten mal auf facebook und twitter nachschauen, irgendwo muß doch irgendwer da mal einen verwendbaren Hinweis auf eine passende Apps haben, oder ein Smartphon, das bei Erkennen der Notwendigkeit selbständig auf ein game umschaltet, in dem Rechtevertreten spielend geübt werden kann (muß!).
    Aber nicht etwa die Zeit damit vertrödeln, sonst bleibt nichts für die Realität übrig …

    Ob mal jemand die Altvorderen gefragt hat, woher die den Drang und die Fähigkeit hatten, für ihre Rechte einzustehen?
    Mit welchen Apps oder sozialmedien?

    Ich denke mal, die „warn doch nicht blöd…“, allerdings wirklich nicht, die nicht.

    Lemminge bleiben halt Lemminge, sobald sie erst mal in der Reihe mitlaufen – es sei denn, da wird bloggiert, der ganze Zug aufeinmal, umgeleitet, zu Rechten ohne Rechte

    • Ach guck ma!
      Wie anders als durch das Absondern Veröffentlichen deiner Ansichten im Internet bist du denn aktiv?

      • Immerhin ist es bemerkenswert,JoyntSoft, daß du das „Absondern“ (wie entledigen) von meinen Ansichten im Net als (eine) Aktivität erkennst.

        Das ehrt mich, obwohl ich gleichwohl derartige Aktivitäten zum einen weit höher einschätze (gegenüber den wenigen Lesern), zum anderen ehrlichen Herzens nach Jahrzehnten der unmittelbaren persönlichen Aktivitäten (oft auch vorneweg) nun verdient sagen darf:
        Jetzt sind andere dran, z.B. die. die sich (wenigstens erstmal) ihre Jugend erst noch zu verdienen haben.

        Mehr gibt es dazu nicht von mir, hier, sonst könnte ich gleich zwitschernd anderen ins face mit einem book klopfen, was nirgendwo bisher etwas (sinnvolles) bewegt hat, aber alle Beteiligten von genau dem abhält, was ihnen helfen könnte, z.B. im Sinne des blogthemas
        Es sei denn – ???
        Das ist aber nun wirklich nicht mehr meins.

        • Nope „Absondern“ im Sinne von „Ausscheiden“, aber Berta versteht gerne Sachen anders, als sie gemeint sind und deren Bedeutung im Kontext auch erkennbar wäre, so man den Beitrag nicht nur läse, sondern auch verstünde.

  4. Unter Di alog verstehe ich das MIT einander reden, und nicht „AUS“.
    Erst recht nicht die „altlinke“ Nummer, die Welt nur nach rinks und lechts einzuteilen.
    Das Universum ist weit bunter und vielfältiger, nicht nur im Anschauen sondern auch in den Anschauungen.
    Mit „AUS“ wird nichts, aber auch gar nichts geregelt, noch dazu, wenn Joynt unnachvollziehbarerweise als „rechts“ und Berta ebenso unnachvollziehbar als „links“ markiert wird.
    Ein Markierung dient lediglich der eigenen Orientierung und besagt ansonsten nichts, bewirkt auch nichts. Allerdings tue ich mir mit solchen fixen Markierungen reichlich schwer.

    Inzwischen rätsele ich, was denn hiermit wohl gemeint sein könnte:
    „Und nein, ich bezog mich nicht auf die politische Ausrichtung“-?

    Und:
    Ob es wohl jemals „Rechte“ (jur.)gab, die nicht politischer Natur waren oder sind?
    Und das Wortspiel zwischen den politisch „Rechten“ und „unseren Rechten“ sollte doch aufgefallen sein, einschließlich des nun mal sogar auch gegebenen Hintersinns dabei.

    Hier war weder jemand links, noch rechts, noch AUS, bisher.

  5. Denke mal, da hast du etwas übersehen oder es hat sich gekreuzt.

    Jedenfalls die von dir angemahnte Antwort findest du hier unter:

    Berta Brahmer says: 06/09/2014 at 21:18

    Und dabei bleibt es, deutlicher geht nicht.

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