Nie wieder Krieg.

Naja, ein bisschen vielleicht. Rein humanitäre Waffenlieferungen an die Eingeschlossenen im Irak.

Die Spirale dreht sich weiter. Wie immer. 1980 waren es humanitäre Waffen- und Söldnerlieferungen an Afghanistan. Al-Quaida war geboren, Osama bin Laden Freund der USA. Der Afghanistankrieg endete mit dem russischen Truppenabzug, Al-Quaida wurde nicht mehr gebraucht und fallengelassen.

Irak. Humanitärer Krieg um einen Diktator zu beseitigen. Es wurde davor gewarnt, dort einzumarschieren, denn dann würde die gesamte Region destabilisiert werden und das könnte uns böse auf die Füße fallen. Die USA marschierten dennoch ein, die Region ist destabilisiert.

Und es fällt den Menschen dort auf die Füße.

„Mit den Taliban kann man nicht verhandeln, das sind Verbrecher“

„Mit den ukrainischen Rebellen kann man nicht verhandeln, das sind Verbrecher. Und mit Verbrechern verhandelt man nicht, die besiegt man.“

Und währenddessen dreht sich die Gewaltspirale weiter, die Rüstungsindustrie boomt aufgrund der – natürlich rein humanitären Waffenlieferungen – in die Kriegsgebiete.

Und eigentlich kluge Leute nicken heftig und sagen, dass man „die fanatischen Muslime kleinkriegen muss, sonst ist nie Frieden möglich“.

So werden Genozide gerechtfertigt.

Es sind keine „humanitären“ Waffenlieferungen. Es sind Tötungswaffen, die geliefert werden. Humanitär wäre ein Blauhelm-Einsatz unter der Ägide der UNO, die die Minderheiten dort aktiv beschützen kann. Dazu benötigen genau die Blauhelm-Truppen aber auch das entsprechende Mandat. Ban-Ki Moon, wo sind ihre Bemühungen? Wo sind sie? Sie als „Welt-Präsident“ sind so unsichtbar wie Angela Merkel hier in der Innenpolitik.

Doch was wäre humanitär?

Humanitär wäre es, die ISIS an den Verhandlungstisch zu zwingen. Humanitär wäre es, mit den Taliban zu verhandeln. Jörg Rupp hat viele Ansichten, die ich nicht teile, aber hier hat er Recht: Frieden kann man nur mit seinen Feinden machen.

Humanitär wäre es, das Problem in der Ukraine nicht mit Stärkedemonstrationen zu lösen, sondern die frei eskalierende Spirale der Gewalt, die dort in einen neuen Krieg münden *wird*, wenn nicht bald jemand gewaltig auf die Bremse tritt, mit Verhandlungen zu lösen. Verhandlungen auf gleicher Augenhöhe übrigens.

Was wir gerade sehen, ist neue militärische Großmannssucht. „Wir sind wieder wer“. Stück für Stück wird in Deutschland der Krieg wieder akzeptabel gemacht. Werden Verhandlungen ausgeschlossen, weil man nicht verhandeln kann.

Und am Ende stehen tote Menschen. Männer, Frauen, Kinder. Soldaten oder Zivilisten. Zerstörte Gebiete, weil Bomben eben NICHT chirurgisch präzise arbeiten. Wenn sie das täten, wären es keine Bomben.

Deutschland hat immer noch hoch aktive Bombenentschärfungskommandos in Arbeit. Der zweite Weltkrieg ist über 70 Jahre her und immer noch findet man Blindgänger, die auch gefährlich werden können. Metall rostet und das macht die Blindgänger gefährlich.

Sämtliche Krisengebiete der letzten 70 Jahre haben ein Minenproblem. Minen sind kostengünstig, schnell verbuddelt und richten Schaden an. Kartiert werden die Minen nicht. Und so sterben auch heute noch täglich Menschen oder werden schwerst verstümmelt, wenn sie auf eine Mine treten, die nicht erkennbar war.

Wie viele noch? Wie oft noch? Wann hört das auf?

Wohl niemals. Denn es geht nicht um Humanität bei diesen Kriegen. Es geht um Gier. Die Gier nach Land und Rohstoffen. Doch diese Gründe sind in unserer Zeit nicht mehr opportun. Also hat man den humanitären Krieg erfunden. Den Krieg, in dem Menschen bewaffnet werden, um den Menschen zu helfen.

Lösen wird man damit die Probleme jedoch nicht. Nur verschieben.

Und den Preis dafür zahlen unsere Kinder.

 

 

Send to Kindle
Soziales

Flattr this!

9 thoughts on “Nie wieder Krieg.

  1. Pingback: Mehr Waffen für den Irak! – Cleaulems Blog

  2. Und offensichtlich haben wir Deutsche aus WK2 doch nichts gelernt 🙁
    Und auch nicht daraus, daß WIR in einem Krieg mit dem „Russen“ das [atomare] Schlachtfeld gewesen wären… In einem Kriegsfall hätten unsere Bürger nicht einmal Richtung Westen fliehen dürfen, um die Straßen für Militär auf USA, Frankreich und Großbritannien Richtung Osten und den Flucht-Konvois der Familien der US-Soldaten Richtung Westen nicht zu behindern. Jeder deutsche Bürger, der seinen Wohnort verlassen hätte, hätte sich deutschen Gerichten verantworten müssen!

    In diesem Sinne: Cheers!

    Ich gehe dann mal Kotzen…

  3. „Es gibt keinen Weg zum Frieden. Frieden ist der Weg.“ Ghandi.
    In dem Sinne ist es klar, dass Krieg gewünscht und gewollt ist. Wirtschaftskrisen werden fast immer vergeblich versucht, kriegerisch zu lösen. Die Waffenhersteller und -händler sind die Einzigen, die noch Profit einfahren. Darum wird keine Partei mit dem Friedenschaffen beginnen. Derweil sterben die Unbeteiligten und Unschuldigen massenhaft.

    • Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten. Wer in der Politik nach oben kommen will muss erst sein Gewissen ablegen – sonst wird er NIE in eine entscheidende Position kommen. Wie schon Seehofer (war´s bei Pelzig oder in ´ner Talkshow?) sagte: „Die, die gewählt werden haben nichts zu entscheiden und Die, die entscheiden werden nicht gewählt“

  4. Pingback: Was mir heute wichtig erscheint #366 - Welcome @ trueten.de

  5. Kriege sind genausowenig Naturgewalten wie Wirtschaftskrisen. Herrgott, heute müsste kein Mensch mehr hungern, auch das wäre lösbar.

    Es geht immer nur um Macht dabei. Menschen wollen Macht über andere Menschen (und über Ressourcen) haben. Im harmloseren Fall kommt dabei eine Demokratie heraus, die den Namen nicht verdient. In den schlimmeren Fällen bringen wir uns gegenseitig um – aber natürlich immer nur die, die von den Mächtigen sowieso als verzichtbar eingestuft werden. Wer eine Lösung mit Waffengewalt fordert, sollte seine Familienmitglieder als erstes an die Front schicken müssen – ich denke, das Problem würde sehr schnell kleiner werden.

    Bei der ISIS ist es natürlich eine tolle Idee, die Kurden zu bewaffnen. Noch mehr Waffen in einer der gewalttätigsten und instabilsten Weltregionen zu bringen wird für Frieden sorgen, klar. Mit Benzin löscht man Feuer… Make no mistake: wenn eine marodierende Terrorbande über meine Heimat herfällt, würde ich auch eine Waffe haben wollen, um mich verteidigen zu können, sofern ich nicht fliehen kann (oder will). Aber das löst das Problem nicht, davon wird diese Bande nicht aufgehalten. Denen muss man die Versorgung abdrehen (angeblich verkaufen die Öl aus eroberten Ölquellen. Kann man mal damit aufhören, dieses Öl zu kaufen? Zudem werden sie von mehreren Golfstaaten finanziell unterstützt, dies wohl mindestens mit stillschweigender Billigung des „Westens“ Und welche Rolle die Türkei dabei spielt, wo es dort durchaus Kräfte gibt, die das „Kurdenproblem“ gerne „gelöst“ sehen würden, steht noch auf einem anderen Blatt.). Eine Blauhelmmission, so nötig sie dort wäre, würde ohne eine Unterbrechung des Nachschubs genau nichts bewirken. Und das ist eine politische Frage, die die vielfältigen Schwierigkeiten der Region angehen müsste. Die verschiedenen islamistischen Gruppen scheinen wie eine Hydra zu sein – und da hat Köpfe abschlagen auch nur dazu geführt, dass mehr Köpfe nachwuchsen. Das Herz der Hydra wird man aber militärisch nicht erreichen, das ist eine politische Mission. Mehr Kämpfe werden nur noch mehr Kämpfe nach sich ziehen.

    Ach, ich weiss jetzt auch nicht mehr weiter…

  6. Was ist denn die Alternative dazu, den IS(IS) zu bekämpfen? Dieser fanatische Islamismus – wobei ich die Diskussion über den Unterschied zwischen Islam und Islamismus an dieser Stelle mal außen vor lasse – hat doch nun wirklich gezeigt, dass er nicht zu Kompromissen bereit ist. Und Kompromisse sind die Grundlage für Frieden oder auch nur Waffenstillstand.

    Nein, der IS muss bekämpft werden. Da findet ein Genozid statt, und was will man sonst mit solchen Schlächtern machen, die sich jedem Kompromiss verweigert? Klar, wir können in bester christlicher Tradition die andere Wange hinhalten. Wie lange? Bis der IS die Türkei überrennt? Oder wollen wir ihn doch erst kurz vor München stoppen? Oder dürfen erst bis zur Nordsee nur noch IS-Schlächter am Leben sein? Nein danke, wenn es heißt „die oder wir“, dann rottet doch bitteschön den IS aus. Und dabei ist mir auch ziemlich egal, welche Fehler in der Vergangenheit gemacht wurden.

    Ich bin auch nicht glücklich damit, auch nur eine Steinschleuder aus der Hand zu geben, gerade weil man nicht weiß, wie die PKK ticken könnte, falls sie eines Tages wieder Zeit hat, die Türkei zu belästigen.

    Aber es gibt hier keine „richtige“ Lösung. Und die Kurden zu bewaffnen, erscheint mir im Vergleich die weniger schlechte Alternative.

    Eine ganz andere Sache ist die Ukraine, denn dort sind keine fanatischen Islamisten beteiligt. Dort passiert schlicht ein Stellvertreterkrieg Kiew vs. Separatisten bzw. USA vs. Russland. Welche Großmacht der (größere) Agressor ist, sei einmal dahingestellt. Aber da geht es um politische und wirtschaftliche Macht, und beide Seiten wissen, dass die andere Seite noch ein paar Atomsprengköpfe im Keller hat. Im Gegensatz zu den islamischen Schlächtern sind Obama und Putin noch vernunftbegabt genug, um es nicht zum atomaren Overkill kommen zu lassen.

    (Wenn der IS atomar bewaffnet wäre, glaubt irgendjemand, dass die nur eine Sekunde zögern würden, die Atomwaffen einzusetzen?)

    Ich weiß nicht, die der Ukraine-Krieg letztlich endet, aber ich habe die Hoffnung, dass es hierfür keiner restlosen ethnischen Säuberung bedarf.

    • Wobei „ethnische Säuberung“ nichts anderes als ein Genozid oder auf gut deutsch: ein Völkermord ist.

bestellt folgenden Kaffee