Die Krautreporter

Gratulation an die Herren Niggemeier, Sixtus und Co. Das Krautreporter-Konzept hat genügend Fundraiser gefunden und kann dann in die Startlöcher gehen.

Fast 17.000 Unterstützer hat das Projekt bislang gefunden. Und eine Menge Kritiker: Von der „mangelhaften“ Technikunterstützung bis hin zu niggeleien (sorry, pun really intended 😀 ) über die Tatsache, dass die Frauenquote nicht stimmt bis hin zur Aufmachung.

Egal. Die Kohle ist drin.

Eine Erkenntnis habe ich aus dem ganzen gezogen – abseits aller Nickeligkeiten spricht die Zahl von 17.000 Unterstützern Bände und sollte den ganzen Klickfetischisten in den Redaktionen der etablierten Zeitungen die Schamesröte ins Gesicht treiben – weil sie mit der Hand im Maschinenraum erwischt wurden.

Die Leute wollen keine endlosen Klickstrecken mehr. Sie haben die Schnauze voll von nichtssagenden Fotostrecken, die für den Artikel nur die Klickzahl erhöhen soll. Sie haben die Faxen dicke von lieblos aufbereiteten Agenturmeldungen wo man sich selbst bei den abstrusesten Fällen nicht mal die Mühe macht, die mal auf Plausibilität zu prüfen.

Die Krautreporter sind angetreten, das zu ändern. Und Jungs, wenn ihr DAS schafft, dass diese ganzen SEO-Spackos und die LSR-Fanatiker aus den Redaktionen verschwinden und die ganzen News-Sites sich darauf besinnen, dass „Seriosität“ und „Schnellschuß aus der Hüfte“ im Journalismus niemals zusammengehen kann, dann habt ihr euren Erfolg mehr als redlich verdient.

Na dann: Liefernse mal. Ich freu mich drauf. 🙂

Send to Kindle
Soziales

Flattr this!

6 thoughts on “Die Krautreporter

  1. Ach ja, da wollte ich ja auch noch mit-funden.

    Das Genörgel über die nicht eingehaltene Frauenquote geht mir auf den Zeiger, muss ich sagen. Wenn da bei 28 Redakteuren nur sechs Frauen mitmachen, dann ist das halt so. Daran können die Krautreporter selber vermutlich auch wenig ändern. Und – tschuldigung – Quotenweiber brauchts da nun wirklich nicht. Natürlich sind Frauen dann unterrepräsentiert, Aber mit aller Gewalt die Frauenquote einhalten zu wollen, kann ja nun auch nicht die Lösung sein. Da muss man die Frage stellen, warum sich so wenige Frauen im kritischen Journalismus finden (jedenfalls hat es ja den Anschein). Und die pauschale Begründung “ die Männer halten sie davon ab“ unterschreibe ich nicht. (Mal ehrlich, welcher Mann traut sich denn heute noch, Frauen von irgendwas abzuhalten?)

    • DAS hätte mich neugierig gemacht. Mal neue Namen und Stimmen zu bekannten Themen zu lesen: warum nicht mal eine Frau zu Geschichten zur Sportpolitik (statt immer der ewige Jens Weinreich)?

      Weil Jens Weinreich buchstäblich derzeit der einzige Sportreporter ist, der tatsächlich auch qualifiziert über Hintergründe, Verflechtungen und Korruption im Sport berichten kann. Ich kenne keinen anderen Sportreporter, geschweige denn weiblichen, der das in dieser Form auf dem Niveau bringt.

      Und wozu ein Niggemeier die Krautreporter braucht ist auch recht schnell erklärt: Viele Stimmen, viele Blogs – die Krautreporter bündeln das und dort kann auch ein Niggemeier anders agieren als er es im Blog macht.

  2. Jens Weinreich ist ein Beispiel, um das Prinzip deutlich zu machen: Wenn ich lesen will, was er zum Thema zu sagen hat, brauche ich die Krautreporter nicht. Er veröffentlicht in seinem Blog und auch in vielen anderen Medien (u.a. SPON, die Reichweiten sind ordentlich). Gleiches gilt für Niggemeier. Er arbeitet intensiv für die FAS; dass er dort irgendwelchen Einschränkungen unterliegt, ist bisher nirgends deutlich geworden. Dass ich irgendwo freier als im eigenen Blog agieren kann, wäre mir neu. Mehr Macht über das, was ich tue, kann ich nicht haben. Auch Niggemeier wird keine Reichweitenprobleme haben.

    Und nur, weil Du etwas/jemanden nicht kennst, heißt das nicht, dass es das/den/die nicht gibt! Ich wäre mit solchen Pauschalurteilen wirklich vorsichtig.

    Lies bitte mal, was Christian Jakubetz zu dem Thema schrieb, ich habe darauf verlinkt, weil ich das nicht wiederholen wollte. Auch wenn er mit seiner Einschätzung, dass das Projekt scheitern würde, falsch lag: Seine Argumente halte ich für absolut stichhaltig und nachvollziehbar.

      • Ja, ich weiß. Und er geht darin von seiner Kritik nicht ab.
        Auch ich habe keine Mühe, den Krautreportern zu gratulieren, so was muss man ja auch erst einmal hinbekommen. Ich habe in jeder Hinsicht Respekt vor den Kollegen und werde ihr Projekt mit Interesse verfolgen.

        Nur: Das Eine (Respekt und Aufgeschlossenheit) hat mit dem Anderen (grundsätzliche Kritik an so manchen Prämissen) m.E. nichts zu tun. Vielleicht ist es sinnvoll, sich nach einem Jahr KR mit eigenen Positionen auseinanderzusetzen. Das werde ich gerne tun.

bestellt folgenden Kaffee