Argumentationsproblematik die zwote

Ich hab lange überlegt, ob ich den Text hier noch verfassen soll und wie ich das Thema angehen soll. Bis ich mir sagte: Immer noch mein Blog – und immer noch meine Baustelle. Ich machs wie ich das denke.

Ich hatte Probleme mit der Argumentation, dass Muslime eben NICHT die gewalttätige Masse sind, als das ich sie zunehmend empfinde. Und meinen Artikel *hätte* man so verstehen können, dass man mal etwas rüberwachsen läßt. Paar Infos, bisschen Statistik, was man halt so auf der Platte hat. Lochkartenstanzer hats brilliant rausgehauen an der Stelle. Danke auch 🙂

Die Art und Weise, wie eine Leserin hier den Pumuckl gegeben hat und in Bausch und Bogen Rechte Verschwörungen gewittert hat, war hingegen eher kontraproduktiv. An der Stelle übrigens nochmal: „Entfolgen“ ist für mich keine Drohung oder auch nur etwas, was ich als „Strafe“ wahrnehme. Jeder in seinem Blog wie er mag 😉

Es war ja wirklich so. In Diskussionen hab ich Muslime verteidigt und wurde dann mit Argumenten konfrontiert, die ich nicht entkräften konnte außer mit „das ist doch Blödsinn“ – das klassische Loser-Argument, bei dem dein Gegenüber weiß, dass du seinen Spruch nicht zerlegen kannst.Hinzu kamen kurz aufeinanderfolgend die Vorfälle, die ich beschrieben habe zuzüglich zum „Grundrauschen“.

Also doch alles so wie beschrieben?

Jein.

Ich bin bei der Suche nach Material (und ich hab ne Menge gelesen in den letzten Tagen) über diesen Artikel hier gestolpert worden. Gerade „kriminelle Ausländer“ ist ja ein wiederkehrender Begriff. Und es war ja auch klar: Wer mit Nicolaus Fest in einem Boot sitzt, sitzt im falschen Boot.

Die Statistik sagt hier aber deutlich anderes. Irgendwo hab ich von einem Bürgermeister gesehen, dass in seinem Ort nur 10% Türken seien, aber 20% aller Straftaten quer durch das Strafgesetzbuch von Ausländern verübt werden (Gedächtniszitat).

Also sind Ausländer krimineller?

Die Statistik sagt ganz klar: Nein. Aber sie haben ein höheres Anzeigerisiko. Das bezieht sich nicht nur auf Muslime, sondern auf alles, was ausländisch ist. Das kann im Extremfall so aussehen: Deutsches Kind schießt Scheibe mit Fußball ein. Wohnungsbesitzer kommt raus, schimpft, die Eltern zahlen den Schaden, alles gut.

„Ausländisches“ Kind schießt Scheibe mit Fußball ein. Wohnungsbesitzer kommt raus, macht Affentheater, ruft die Polizei, die nimmt Anzeige wegen Sachbeschädigung auf – zack, ein Fall von Sachbeschädigung durch Migranten mehr in der Statistik. Die Statistiken zeigen ja nur die Zahl der Fälle. Wie diese Fälle abgeschlossen wurden, wird nicht gesagt. Der Fall oben z.b. würde sehr wahrscheinlich einfach eingestellt, kein öffentliches Interesse an der Verfolgung. Die Eltern zahlen den Schaden und gut ist.

Gewalttätigkeit: Die Studien legen nahe (und hier sollte definitiv weitergeforscht werden), dass mit jeder neuen Einwanderergeneration die Gewaltbereitschaft sinkt und irgendwann auf dem Niveau der einheimischen Bevölkerung liegt.

Wie kommt das?

Ziemlich einfacher Erklärungsansatz (und bitte: Eine Erklärung ist keine Rechtfertigung): Wer keine Worte hat, neigt zur Gewalt. Wenn du dich nicht artikulieren kannst, kann die Frustration und die Wut bis zu den Punkt wachsen, dass man zuschlägt. Wenn dann noch neben fehlenden Sprachkenntnissen auch noch fehlende Bildung hinzukommt, wird das Phänomen verstärkt.

Erschwerend hinzu kommt, dass eine Menge Leute, die hierhin migrieren, nicht aus Jux und Dollerei nach Deutschland kommen, weil die so ein tolles Sozialsystem haben. Sondern die Leute kommen her, weil sie buchstäblich in ihrem Heimatland nicht bleiben können. Weil da nichts mehr steht, weil sie dort ihre Familie nicht ernähren können – Völkerwanderungen waren immer davon getragen, dass die Leute in ihren angestammten Gebieten nicht überleben konnten oder auch gezielt vertrieben wurden.

Das hat sich nicht geändert, nur weil wir jetzt Auto fahren statt Pferdekutschen.

Der wichtigste Satz ist aber nach wie vor dieser hier:

Auch zeigt sich, dass Bildung die Unterschiede bei der Gewaltbereitschaft einebnet. Anders herum gesagt: Wer schlecht gefördert wird, schlägt eher zu, unabhängig von der Herkunft.

Und jetzt guckt euch doch mal an, wo die meisten Kinder mit Migrationshintergrund abgeparkt werden. Von der Grundschule an in eine Ecke gestellt aus der sie nicht mehr rauskommen: Das blöde Migrantenkind. Hauptschulkarriere, HartzIV.

Es gibt Migranten, für die trifft das nicht zu: Chinesische und japanische zum Beispiel. Die werden gefördert und sind „gute Migranten“. Aber muslimische?

Ich habe Lehrer gekannt, die meinten, dass es sich nicht lohnt, die Moslems zu fördern – schließlich „wären das alles faule Schweine. Die Männer legen die Füße hoch und die Frauen werfen ein Kind nach dem anderen.“ Nein, kein Gedächtniszitat, DER Satz hat sich mir eingebrannt. Vor allem ob des absoluten Unverständnisses, das mir von dieser Frau entgegenschlug, als ich einigermaßen entgeistert fragte, ob sie noch alle Latten stramm hat.

Ein muslimisches Kind, dass solche Lehrer hat und womöglich noch Eltern, deren Deutschkenntnisse nicht mal ausreichen um ein Brot in der Kantine zu bestellen geschweige denn Diskussionen über den schulischen Werdegang des Kindes – dieses Kind hat verloren. Ein halbes Jahr nach Einschulung kann man klar sehen wie die Karriere verlaufen wird.

Das ist nichts mit „Chancengleichheit“ – wenn man nie eine Chance hatte.

Was mich zu den Sprachkenntnissen bringt.

Und hier mache ich wenig Abstriche. Wer hier lebt, muss Deutsch können. Ende der Diskussion. Die Kinder gehen hier zur Schule und spätestens hier müssen sie deutsch können. Doch viele Schulen müssen gerade türkischen Kindern erst mühsam die Muttersprache beibringen (weil in der Familie eine Art Deutsch-Pidgin gesprochen wird) damit sie Sprachgefühl erlernen. Und erst dann kann man damit anfangen, den Kindern Deutsch beizubringen.

Das ist nicht akzeptabel, denn es minimiert die ohne hin verschwindend geringen Chancen (Bildungslotto anyone) noch weiter bis zu dem Punkt, dass sie nicht vorhanden sind.

Ja, aber der Islamismus.

Und hier ist es, wo das „jein“ ins Spiel kommt. Und diesen Schuh müssen wir uns alle leider anziehen.

Ja, die Extremisten sind Einzelfälle. Pierre Vogel ein rechter Bauernfänger. Alles richtig, und die Statistiken beweisen das auch.

Aber gegen diese Einzelfälle steht kaum einer auf.

Eine Demonstration entgleist, die Demonstranten kapern einen Polizeibus und nutzen die Polizei-Infrastruktur, um die Hassparolen gegen Juden zu skandieren.

Und kaum einer steht dagegen auf.

Weder Muslime noch Christen. Weder Deutsche noch Migranten.

Und genau HIER ist das Problem: Es mag ja sein, dass die Muslime auf dem Standpunkt stehen „was geht mich das an? Ich bin kein Salafist“.

Ich pulle hier sehr bewußt und mit voller Absicht einen Godwin: Die meisten Deutschen haben im Dritten Reich auch gedacht: Was geht mich das an, ich bin doch kein Nazi.

Extremismus blüht da, wo die Schranken fehlen. Wo die Gesellschaft zu schwach wird um diesen Extremismus (den es bei den Christen übrigens auch gibt, gerade bei den Evangelikalen, machen wir uns da nix vor) in seine Schranken zu weisen, wo die offiziellen Stellen diesem Extremismus auch noch ungestraft Vorschub leisten: Da wächst das Unkraut der politischen und religiösen Extreme. Völlig ungeachtet um welche Weltanschauung es genau geht.

Fazit:

Höheres Anzeigerisiko, Diskriminierung allerorten und massive Nachteile bei Bildung und Jobs.

Das sind die Probleme, die Migranten, *speziell* muslimische hier in Deutschland haben. Manche davon sind selbstverschuldet, wie die Sprachprobleme.

Aber wer permanent andere ausgrenzt, sie niedermacht, der muss sich nicht wundern, wenn derjenige sich auf das zurückzieht, was er kennt. Und das hat, wenn man sich die Herkunftsländer vieler Muslime anguckt, nicht viel mit Aufklärung zu tun.

Denn das bleibt bestehen: Die Länder, die die Scha’ria als Gesetzesbuch und die den Islam zur Staatsreligion erhoben haben, sind weder aufgeklärt noch tolerant. Das sind restriktive Gesellschaften, die auf Unterdrückung und Terror basieren.

Und HIER brauchen wir das nicht.

 

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7 thoughts on “Argumentationsproblematik die zwote

  1. „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
    Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
    Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
    Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

    -Martin Niemöller-

    Fiel mir grade so ein, als ich las: “was geht mich das an? Ich bin kein Salafist”. Durch Passivität lässt man den Radikalen den Raum um sich auszubreiten. Sie nehmen für sich die Deutungshoheit in besonderem Maße in Anspruch und setzen wenn nötig mit Gewalt IHRE Deutung durch, wenn ihnen kein Einhalt geboten wird.

    Zum Thema Bildung. Ein Bekannter von mir ist gebürtiger Marrokaner und hat die hier beschriebenen Probleme. Als Kind kam er in die „Migrantenklasse“. War ja selbst Migrant und deshalb per se schlecht in Deutsch. Dadurch bekam er keine richtige Förderung und hat noch heute damit zu kämpfen. Er hat schließlich doch noch sein Abitur geschafft und studiert jetzt, aber selbst heute hat er immer noch Probleme im Deutschen. Vor allem in Rechtschreibung und Grammatik hat er oft immense Probleme, und dabei ist er alles andere als dumm.

    Diesen Text würde ich auf jeden Fall so unterschreiben.

  2. Unterschreibe ich mit. Und nichts anderes hatte ich im Übrigen in meinem Kommentar auf den ersten Eintrag auch geschrieben. Verkürzt: Es gibt ganz viele und nach meinem Gefühl zumindest in der Umgebung für die ich Erfahrung habe, sind es die allermeisten, die hier angekommen sind, die unser Gesellschaftssystem und unsere Rechtsnormen akzeptieren UND leben und bekennende Muslime sind. DER Islam ist es also nicht. Aber es gibt eben auch hier Islamismus und die Entwicklung von Parallelgesellschaften, in denen der Versuch unternommen wird, schleichend eigene Rechtsnornem, die mit den unseren nicht vereinbar sind, zu etablieren. Und an diesen Stellen muss man den Menschen auf die Finger schauen, man muss ihnen auch zeigen, dass man ihnen auf die Finger schaut, und man muss Verstöße konsequent verfolgen. Und das alles gilt übrigens nicht nur für den Islam.

  3. Spannend finde ich die Erkenntnis, dass die Frage nach Ausländern und Straftaten offenbar eine eigentlich umgekehrte Kausalität ist: weil sie Ausländer sind, werden sie öfter angezeigt. Und weil Ausländer oftmals „sprachlos“ bleiben, neigen sie eher zur Gewalt (und zur Bildung von Parallelgesellschaften, die dem Integrationsgedanken meist zuwiderlaufen).

    Das mit dem Schützenkönig ist ein Paradebeispiel für spießbürgerlichen Kleingeist, der in den Kommentaren auch teil noch vehement verteidigt wird. Da wirds echt gruselig – da wird dann fröhlich auf „Gegenbeispiele“ verwiesen, dass z.B. ein Ausländer in der Türkei kein Grundstück erwerben kann. So what? Oder dass „Gesetze“ (dass eine Vereinssatzung Gesetzeskraft hat, ist mir neu) nun mal eingehalten werden müssen – nicht, wenn sie gegen andere höherrangige Gesetze verstoßen (Diskriminierungsverbot, anyone?). Mal ganz davon abgesehen, dass die Geisteshaltung, Gesetze wären (offenbar bedingungslos und ohne eigenes Denken) zu befolgen, echt ganz üble Geister der Vergangenheit heraufbeschwört. Oder der Verweis, was man als Christ in muslimischen Ländern angeblich alles nicht machen könne – genau darum geht es ja gerade: wenn wir eine tolerante Gesellschaft wollen, müssen wir uns von diesen intoleranten und repressiven Gesellschaften naturgemäß unterscheiden. Wobei Toleranz nur genauso weit gehen kann, so weit nicht andere diskriminiert, bedroht oder sonstwie eingeschränkt werden, und keine intolerante Hetze verbreitet wird.

    • Also die Schützenkönig-Geschichte setzt dem Ganzen eigentlich die Krone auf.
      „Gutbürgerlich“ im Schützenverein und auch noch Schützenkönig und auf einmal ist das alles sinnlos weil nicht christlich genug?

  4. Ja, das brauchen wir nicht, das wollen wir nicht, und die meisten anderen Menschen in den vielen anderen Ländern auch nicht – es ist kein alleiniges Problem Deutschlands, oder Europas, und selbst die USA bleiben nicht verschont und müssen schon den nationalen Sicherheitsrat bemühen, um Massen-Migration von Kindern irgendwie zu regulieren.

    Ja, es ist nicht „der Islam“, aber es sind die „Islamisten“, die extrem und radikal auf ihren verblendeten „-Ismus“, auf die Pervertion des Islam, geprägt wurden.
    Ja, es sind nicht „die Christen“, die dem verdienten Schützenkönig die Ehre verwehren, es sind deren Deppen oder, was wahrscheinlicher ist, deren abgetakelte Fundamentalisten, die vor lauter überkommenen Zeugs nicht mal mehr gemäß der eigenen Satzung handeln können: Christlich, soetwas mit praktizierter „Nächstenliebe“ etwa.

    Ja, es sind auch nicht die „Nationalen“ (Nationalspieler, Nationalvertreter, Nationalpolitiker), sondern die Nationalisten, die das gesellschaftlich erforderliche Nationale pervertieren und fundamentalistisch zum -Ismus verkehren.

    Ja, es sind in der Regel die Fundamentalisten, die das Zusammenleben der Gesellschaft empfindlich beeinträchtigen und Zwietracht säen und permanent nicht kompromißfähig sind.

    Was ich nicht verstehen kann und will dabei ist, daß unsere Gesellschaft allein aus dem Verständnis ihrer eigenen „Satzung“ der Politischen Correctnes heraus sich diese Fundis alle heranzieht, sie fördert und gedeihen läßt und dann auch noch stolz darauf ist, DAMIT demokratische Rechte von Minderheiten zu „wahren“.
    Fundamentalisten sind im demokratischen Verständnis keine Minderheiten, sondern nur deutlich in der Minderheit und nicht berechtigt, mit Ihren Rechten, die sie lautstark meinen zu haben, den Rest der Gesellschaft zu terrorisieren.
    Es ist also nicht aus Prinzip oder grundsätzlich die „Minderheit“, die berechtigt zum Bestimmen der Gesellschaft, sondern die demokratisch ermittelte Mehrheit, was als deutliches Argument mindestens ebenso laut zu postulieren ist, vor allem aber durchzusetzen ist.
    Es gibt mit dem besten Nachbarn keinen „Frieden“, wenn dem das nichts zählt.
    Die Argumentationsproblematik setzen wir uns immer selber:
    Sobald wir den Schwerpunkt unserer Argumentation darauf legen, die bizarren Fundis aller Richtungen aufmerksamer zu „betreuen“, als die große Menschenmenge, die sich eine Vertretung wählte, sobald wir diesen Fundis gegenüber bereit sind, geringere und weniger Pflichten als für eben diese große Mehrheit abzuverlangen aus völlig unberechtigter übertriebener weil falsch bewerteter Rücksichtnahme, haben wir uns das Argumentationsproblem schon in die Wiege gelegt.

    Der Kampf gilt nicht „den Minderheiten“ und ihren Sonderbarkeiten, sondern den radikalisierten und extremisierten Ismen, angefangen beim NationalISMUS und IslamISMUS bis hin zu den vielen anderen bekannten Sperrideologien religiöser oder ideologischer Herkunft.
    Aus diesem Verständnis heraus, das selbst zum PC des Handelns werden muss, ergibt sich ein neues Argumentationsproblem, nun jedoch ein händelbares, gleich in welchen erforderlichen „ISMUS“ hinein, eines, das jeglicher Hetze, im besonderen der Intoleranz, entbehren und begegnen kann.

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