Die vergessenen Toten

Flug MH-17.

Dreihundert Tote Menschen, davon 80 Kinder. Für viele ist die Tragödie nicht erfassbar, man beschäftigt sich lieber damit, wer die Maschine runtergeholt hat. Akribisch wird gerade in den Flugforen jede Information zusammengetragen.

117 dieser Toten kamen aus den Niederlanden.

Dreihundert Leben. Dreihundert mal Hoffnung, Freude, Lachen – ausgelöscht von einer Minute zur nächsten. Aus welchem Grund auch immer. Mindestens dreitausend mal ist das Lachen für lange Zeit ausgelöscht worden. Bei den Hinterbliebenen, die jetzt mit einer unfassbaren Katastrophe zurechtkommen müssen.
Fehlfunktion, Wartungsstau: Das ist etwas, das kann man begreifen.

Ein Abschuß mit Kriegswaffen inmitten des (wenn auch sehr fragilen) Friedens?

Nein.

Dreihundert Tote, die im Zuge der Berichterstattung gerade unterzugehen drohen. Die unter den Fakten und gegenseitigen Anschuldigungen verschwinden.

Tom vom Bestatterweblog holt sie mit einem Artikel wieder an die Oberfläche.

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Soziales

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6 thoughts on “Die vergessenen Toten

  1. 193 dieser Toten kamen aus den Niederlanden, Tantchen.

    Und tatsächlich gehen diese Menschen unter – weil gerade das Russland-vs.-böser-Westen-Spiel läuft. Wer hats getan?

    Ich glaube ja sofort, dass MH17 versehentlich, aber auf grob fahrlässige Weise abgeschossen wurde. Eine Absicht zu unterstellen brächte auch niemandem etwas, weil ein Shitstorm schwer zu lenken ist.

  2. Ich hoffe ehrlich, dass keine Fraktion in diesem Krieg so zynisch und bösartig ist, aus Propagandagründen 300 Menschen zu ermorden. Ich traue der Politik und den Diensten ja wirklich viel zu, aber das dann doch nicht.

    Und ich finde es zum Kotzen, wie das ganze propagandistisch ausgeschlachtet wird. Wer nun Schuld hat, sollte im Moment sekundär sein – natürlich muss man das herausfinden, das ist man den Opfern und ihren Angehörigen schuldig. Aber derzeit geht es nur darum, aus dieser Katastrophe und der Schuldfrage politisches Kapital zu schlagen. „Schuld“ sind meines Erachtens alle, die nicht alles in ihrer Macht stehende versucht haben, diesen Konflikt zu beenden. Ohne den Bürgerkrieg in der Ukraine wäre es dazu nicht gekommen.

  3. Man lernt daraus. Dass anderer Leute Krisen nicht einfach risikolos überflogen werden können.

    Und wenn man als Konsequenz drum herum fliegen will, und mit Russland über Kreuz ist, dann wird man sich nach Indien bald mit der Kolumbus-Route anfreunden müssen.

    • Eine der Ausweichrouten geht über Syrien, das ist ja auch nicht viel besser.

      Irgendwo hatte ich mal eine Karte mit Krisengebieten und möglichen, angeratenen Flugverboten gesehen und da war der Weg von Europa aus in den Osten oder Süden schon ordentlich blockiert, da bleibt wirklich nur der Weg quer über den Atlantik.

        • Das ist dann aber doof, in der Karibik festzustecken wenn man doch nach Indien oder Japan wollte.

          Oder ist Kolumbus irgendwann mal in Asien angekommen und nicht nur zwischen der Karibik und Europa hin und her geschippert?

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