Isch geh nit

Es ist ja immer so ein kreuz mit der Diplomatie. Verklausulierte Sprache, Andeutungen die massive Drohungen bedeuten – in den Büchern und Agentenfilmen wird das immer hervorragend gezeigt.

Und der Gute gewinnt. Natürlich.

Fragt sich bloß, wer der Gute ist – die Standpunkte können da durchaus unterschiedlich sein.

Nehmen wir doch mal Berlin. Berlin hat festgestellt, dass nicht nur die Bürger abgehört werden, was sie toll finden, weil sie so wenigstens Kontrolle über das widerspenstige Wahlvolk bekommen. Nein, die USA haben auch noch die Kanzlerin und das Parlament ausspioniert.

Dass man dann als Anbieter noch Verizon hatte, war so das Tüpfelchen auf dem „i“.

Diesmal ging das mit dem Wegsehen nicht so gut. Die Leute reagieren inzwischen auf jede neue Enthüllung ziemlich angefressen, das Ansehen der Regierung nähert sich beständig dem Tor zur tiefsten Hölle und irgendwie wird gerade auch dem letzten Naivling klar, wie sehr wir doch von den USA abhängig sind.

Selbständiger Staat? Pro forma sicher. Praktisch? Eher nicht.

Sehr deutlich wird das gerade angesichts des Spions, der ausgewiesen wurde. Das war der Chefspion in Deutschland und den wollte die Bundesregierung gerne raus haben. Unter Verbündeten macht man dann gute Mine zum bösen Spiel, zieht den in Frage kommenden Spion ab und regelt das unter der Hand.

Das geht aber nicht mehr. Denn die USA haben einfach überzogen. Sie sehen Deutschland sehr offensichtlich als eine Art untergeordneten Staat, den sie nach Gusto lenken können und der prompt liefert, was die USA gerne hätten.

SWIFT-Abkommen? Ja, natürlich, müssen wir aber in Brüssel machen. TTIP? Schickt mal eure Unterhändler nach Brüssel, wir regeln das schon mit dem Parlament. Autoindustrie? Kein Problem, wird geregelt.

Ab und an stellte Merkel sich jedoch quer – bei Dingen, von denen sie genau wußte, dass sie im Inland nicht durchzusetzen sind. Das aktuelle Fracking-Verbot ist dafür ein gutes Beispiel.

In dem Fall sprangen dann die Briten rein und haben wieder rumgestänkert. Europa lief für die Amerikaner. Sie schwächten die EU und gleichzeitig öffneten sie die Märkte für die eigenen Unternehmen. Derzeit drängen die US-Konzerne massiv nach Europa rein, achtet mal drauf.

Wie überrascht die Amerikaner davon waren, dass Merkel den Chefspion ausgewiesen hat, sieht man daran, dass erst eine Nichtreaktion kam und dann etwas, was man selbst mit gutem Willen nur als „Kindergarten“ bezeichnen kann.

Aber es gibt ja nichts, was man nicht noch toppen kann.

Der Herr Chefspion hat die Ausweisung erhalten – und ignoriert. Er ist immer noch da und macht keine Anstalten, auszureisen.

Und die Bundesregierung wird vorgeführt. Es wird deutlich gezeigt, wo die Einflußnahme der Deutschen aufhört – bereits im eigenen Land. Nicht unschuldig an der Situation dürfte womöglich auch der mehr als nur ein wenig peinliche Auftritt des Bundesinnenminsters gewesen sein, als er „Antworten“ verlangte und ausgelacht wurde.

Und anstatt dann diplomatisch gegenzuhalten, geht unser Außensteinmeier hin und schwört weiterhin die bedingungslose Treue.

Was haben die Amis eigentlich in ihrem Kompromatkoffer, dass die in Berlin alle so kusch sind?

 

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Soziales

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10 thoughts on “Isch geh nit

  1. Mir stellt sich die Frage, ob das nicht sogar gewollt ist. Ein Pseudo-Rauswurf des CIA-Manns, damit das WM-geblendete Volk denkt, da wird jetzt mal richtig was getan. Dass der dann trotzdem hierbleibt, muss ja keiner mehr erfahren…

    Vielleicht denke ich mittlerweile aber auch nur viel zu bösartig…

    Übrigens ist für Steinmeier die „Partnerschaft“ zu den USA sogar „ohne Alternative“. Womit wir wieder beim wichtigsten Thema des heutigen Tages wären. Häppi Börsday!

  2. Offensichtlich kratzt die amerikanische Regierung die Deutschen diplomatischen Bitten, wie die Eiche die Wildau.

    Als alter Sturkopf der ich bin würde ich die Sache jetzt einfach eskalieren.
    1. Offizielle Ausweisung des Geheimdienstmanns
    Bei Ablehnung
    2. Schließen der amerikanischen Botschaft in Berlin und Ausweisung aller amerikanischer Diplomaten.
    Bei Weigerung
    3. Einfrieren der Handelsbeziehungen mit den USA.
    Weitere Ablehnung.
    4. Zwangsausfliegen des amerikanischen Botschaftspersonals mit Unterstützung der Bundespolizei.

    Das würde für Deutschland sehr wahrscheinlich katastrophal Enden, aber wie gesagt als Sturkopf ist man stur.

    • 1. würde ja noch gehen,
      spätestens bei 2. beginnen die Probleme, man kann nicht einfach eine fremde Botschaft schließen und die Diplomaten ausweisen,
      3. ist nicht ohne wirklich große Verluste für deutsche Firmen machbar, wenn überhaupt,
      4. käme fast einer Kreigserklärung gleich.

      Grundsätzlich sollte man da schon mehr machen als „bitte geh weg“, aber ggf. subtiler und mit kleineren Schritten, in kleinerem Maßstab, aber ausdauernd.

  3. Doch, auch zwei würde gehen. Entgegen der landläufigen Meinung ist die Botschaft eines Landes nicht außerhalb des Einflußbereichs der Bundesrepublik Deutschland, sondern steht nur unter einem besonderen Schutz.
    Ergo kann man eine Botschaft auch schließen, sofern kein Fremder Diplomat legal mehr drin ist. Es wäre ja auch widersinnig, wenn eine fremde Nation einfach gebiete innerhalb eines Landes annektieren könnte.
    Zu 3: Natürlich hätte das einen schweren Schaden für die Deutsche Wirtschaft zur Folge. Die Frage ist halt, was einem wichtiger ist.
    Zu 4: Es käme zu schweren diplomatischen Verstimmungen, ja. Aber die hat man an dem Punkt eh schon. Rein völkerrechtlich schiebt man an dem Punkt (siehe Punkt 2) eigentlich nur noch Ausländer ab, die sich illegal in Deutschland aufhalten.

    Wie gesagt, es kommt halt wirklich drauf an, wie weit man bereit ist zu gehen um seine Interessen durchzusetzen.

  4. Jetzt ist er ja angeblich ausgereist, beziehungsweise tritt jetzt seinen Sommerurlaub an.
    Ausserdem musste der unparteiische Nachfolger noch schnell unterwiesen werden, wer jetzt offiziel, inoffiziell, faktisch und nur mal ab und zu für die USA arbeitet und wie man welchen Politiker am Schlawittchen hat.

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