Einfach mal so

Bin heute Bus gefahren. Eingestiegen. Vor mir 2 Jungs und eine ältere Dame.

Einer der Jungs hatte kein Busticket. Der Fahrer meinte, dass er ihn dann aufschreiben müsste und das würde 40 Euro kosten, wenn er mitfährt. Was ich per se schon mal für eine gewagte Äußerung hielt, aber einem Menschen mit übersichtlichen Deutschkenntnissen kann man ja schon mal verarschen.

Der Junge war sichtlich verzweifelt. Klar, wir sind hier im Kuhdorf und bis zum größeren Kuhdorf sinds ein paar Meter. 20 km Fußmarsch wären auf ihn zugekommen, bei instabilem Wetter. Mindestens.

Alte Dame zahlt ihr Ticket, guckt den Busfahrer an, legt die Kohle auf den Trailer und meint: „Und das Ticket für den jungen Mann da bitte auch“

🙂

sowas zu sehen, gibt ein echt schönes Gefühl.

Und der Junge? Hat vor Freude fast geweint.

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25 thoughts on “Einfach mal so

  1. Tante –

    DANKE.
    Es gibt einige Stories im Internet, die über solche Begebenheiten kursieren, und nie glaubt sie jemand.
    Auch schon selbst erlebt und nachher steht man als Geschichtenerzähler da. Ich glaub’s dir und ich freu mich sehr, dass du’s im Blog mit uns teilst 🙂

  2. Shice Busfahrer – nicht mitnehmen hätte er ihn dürfen – shice 40 Euro! Ich kann sowas nich leiden!
    Glücklicherweise konnte das die Dame auch nich.

    😀

    BTW: Wie alt schätzt die Jungs?

  3. Na ja, ist halt schwierig. Der Fahrer muss meistens vorne ne Kontrolle machen – und ohne darf er sie nicht mitnehmen.

    Allerdings finde ich eh schon länger, das sollte umgeändert werden. Ich mein, für den ganzen ÖPNV zahl ich sowieso schon Steuergelder – warum dann nicht komplett über die Steuern finanzieren und die Bevölkerung kostenlos mit fahren lassen. Sicher löst man damit nicht alle Probleme und erschafft ggf. neu zu lösende. Ist in meinen Augen aber sinnvoller als diese ganze Mischfinanzierung, die letztlich nur verschleiert, dass dennoch der Bürger alles zahlt. Selbst, wenn er nicht damit fährt.

    Dann gäbe es solche popeligen Probleme nicht mehr und die Verspätungen, die sich dadurch ergeben (oder auch durch die Meckerer, die ja viel Geld für eine Karte zahlen und dann trotzdem ewig auf den Bus warten) nicht mehr.

    Öffentliche Aufgaben in öffentliche Hände – finanziert durch ebendiese. Und nicht unbedingt gewinnorientierte Unternehmen, bei denen du dann das Wasser nicht mehr bezahlen kannst, was aus deinem Hahn kommt.

    • –warum dann nicht komplett über die Steuern finanzieren und die Bevölkerung kostenlos mit fahren lassen.–

      Taxifahren ist auch Nahverkehr ergo über die Steuern zu finanzieren. Regionalbahn ist auch Nahverkehr ergo über die Steuern zu finanzieren. Besuche im Puff sind auch Nahverkehr ergo auch über Steuern zu finanzieren
      Man kann vieles als Nahverkehr bezeichnen und mit Steuern finanzieren. Aber dann keine Steuererhöhungen einplanen bitte.

    • Das Problem ist, dass der ÖPNV schon lang kein wirklicher ÖPNV im ursprüngleichen Sinne, nämlich zur Sicherung einer bezahlbaren Grundversorung in der Mobilität aller Bürger merh ist, weil er inzwischen gazn überwiegend privatisiert und damit nur noch PNV ist.

      Es gibt durchaus Modelle eines komplett öffentlich finanzierten Personennahverkehrs, und die sind auch teilweise recht erfolgreich (Tallin) oder gelten auch als gescheitert (Hasselt).

      Es ist eine Grundsatzfrage, ob man allen, also auch den eigentlich wirtschaftlich Leistungsfähigen, eine kostenlose Grundversorgung zur Verfügung stellen will oder auf der Basis ökonomischer Tragfähigkeit einen relativ teuren PNV anbietet und dafür einen sozialen Ausgleich für die wirtschaftlich nicht ausreichend Leistungsfähigen schafft. Das eine zu tun und aber das andere zu vernachlässigen, wie es bei uns geschieht, ist sicher die schlechteste Lösung. Mit den derzeitigen Sätzen von ALG II / Leistungen zum Lebenunterhalt lässt sich die heute geforderte und notwendige Mobilität bei den Preisen des sogenannten „ÖPNV“ jedenfalls nicht sicherstellen.

      Ob *bei uns* eine komplett kostenlose Lösung wirklich sinnvoll wäre müsste allerdings noch diskutiert werden.

    • Ich finde den Gedanken eines „kostenlosen“ ÖV diskussionswürdig und unterstütze ihn auch, denke aber, dass auch die indirekten Konsequenzen nicht ausser Acht gelassen werden dürfen.
      Wenn ich mir schon nur die Aufwände für die Beschaffung und den Unterhalt der Ticketautomaten, die Festsetzung der Preise, sowie die eigentliche Kontrolle und die daraus resultierenden Verwaltungsaufwände für Mahnungen, ggf. Betreibung der Bussen ansehe, denke ich, dass dies im Besten Fall ein Nullsummenspiel ist.
      Natürlich würde dies auch personelle Konsequenzen haben (braucht ja keine Kontrolleure mehr) und auch die Hersteller der Automaten müssten mit Auftragseinbussen und deren Konsequenzen rechnen.
      Das Hauptproblem liegt wohl daran, dass eine unmittelbar kostenlos wirkende Dienstleistung halt meistens auch als Umsonst wahrgenommen wird und die Wertschätzung und die Sorgfalt im Umgang abnehmen könnte.

      Oder denkt ihr, dass die Ticketpreise als Steuerungsinstrumente oder ggf. zu einem anderen Zweck beibehalten werden sollten?

      • Kostenloser ÖPNV ist exakt aus dem Grund ein Nullsummenspiel, aus dem du es nennst. Über kurz oder lang wird daran auch kein Weg vorbeigehen, der Individualverkehr ist an seine Grenzen gelangt. Zu wenig Platz, zu wenig Ressourcen, zuviel Umweltverschmutzung.

        Und ganz ehrlich: Die Ticketpreise machen doch nix daran, dass jemand die Dienstleistung wertschätzt. Oder wie erklärst du dir die Zerstörungen und Schmierereien in den Zügen sonst so?

        • Danke für Deine Antwort, Tante Jay!

          Ich denke, dass es Menschen gibt, die meinen, wenn etwas kostenlos ist, dass es dann keinen Wert (mehr) hat und gehen dann dementsprechend damit um. (Stichwort: Pricing)

          Was ich aber eigentlich meinte, ist die Gefahr, dass die Verantwortlichen (Manager/Beamten oder was auch immer), sich in einem Selbstbedienungsladen wähnen könnten und so z.B. ihren Wohnort/Wahlkreis bevorzugen könnten oder „das System“ unnötig aufpumpen könnten, da es ja sowieso bezahlt wird…

          Vandanlenakte haben meiner Meinung viele Ursprünge, seien es gesellschaftlicher Druck, vermeintliche Perspektivlosigkeit, Männlichkeitsrituale, Dummheit oder einfach Langeweile. Der Ort, an dem sie ausgelassen werden hat oft mit Gelegenheit und Situation zu tun und da bietet sich der ÖV leider an. (Transport Arbeitsort – Wohnort -> Stress/Frust wegen der Tätigkeit/Perspektiven… Oder auch Ausgang/Freizeit: Übermut, sich beweisen müssen + Alkohol, ggf. Drogen)
          Ich will diese auf keinen Fall entschuldigen, denke aber, dass heute der Respekt vor fremden Eigentum abnimmt und andererseits, diese Leute nicht bewusst sind, dass „wir“ alle Eigentümer der öffentlichen Einrichtungen sind…

          Ich gehe mit Dir einig, dass der Verkehr allg. an Grenzen stösst und eine ehrliche und wissenschaftliche Auslegeordnung überfällig ist. Es bringt in meinen Augen nichts, die verschiedenen Verkehrsträger gegeneinander auszuspielen. Wir (als Gesellschaft) sollten vielmehr versuchen, eine effizientere und ressourcenschonendere Mobilität für alle zu finden und diese auch konsequent umzusetzen, auch wenn dies ggf. in gewissen Bereichen zu Einschränkungen führen würde…

          • Was das „aufpumpen“ von ÖPNV angeht: Genau dafür hat man demokratische Korrektive. Zum Beispiel die Medienlandschaft, die solche Skandale *eigentlich* aufarbeiten soll. Verhindern wird man es nicht können, aber man kann dann die Leute ensprechend bestrafen. Und wenn man dann noch eine persönliche Haftung einführt bzw. die bei Beamten vorhandene persönliche Haftung durchzieht, sollte alles gut sein.

            Auch Vandalen wird man nicht wirklich verhindern können. Aber wenn man sie erwischt kann man sie schrubben lassen 😉

            • demokratische Korrektive?

              Die sogenannte 4te Macht im Staat?
              Das Käseblatt vor Ort oder mal die Zeitung mit den 4 Buchstaben?

              Also die Korrektive die lauthals gegen die unrechten und unmoralischen Verstöße unserer Freunde aus Fernwest aufbegehren und das Volk hinter sich vereinen.
              ( Also Google und das Leistungsschutzrecht und so, nicht die notwendige Totalüberwachung weil T.E.R..O.R.)

              • Also ich denke, dass auch Du noch weitere Publikationen kennst, die tatsächlich noch als 4. Gewalt angesehen werden können und diesen Auftrag auch wahrnehmen.

                Klar haben diese nicht die Auflage, wie die von Dir erwähnte Zeitung mit 4 Buchstaben. Aber wenn wir einmal wieder vom mündigen Bürger ausgehen, welche eine Demokratie voraussetzet, ist dieser heute in der Lage, sich einigermassen Objektiv zu orientieren.

                Allem Kulturpessimismus zum Trotz denke ich, dass wir (als Gesellschaft) heute Zugang zu allerhand Informationen haben.

                Es ist natürlich bequemer, den Nachrichtenstrom auf sich einprasseln zu lassen, aber dies ist nicht die Schuld der gut recherchierenden Medien, sondern des unkritischen Konsumenten, der sich lieber mit Katzenvideos als mit dem Weltgeschehen auseinandersetzt und einfachen, lauten Erklärungen/Schlagworten mehr Gewicht einräumt, als den leisen Annäherungen an ein Thema, welche in unserer komplexen Welt halt nicht immer einfach und widerspruchsfrei sein können…

                Zumal zur Medienlandschaft auch weitere Medien, zusätzlich zu den Druckerzeugnissen, gezählt werden 🙂

  4. Wie ich ja sagte: Man löst damit sicher nicht alle Probleme und schafft ggf. neue. Ich denke aber, die dürften weitaus geringer sein als die heutigen. Wenn ich bedenke, dass Schwarzfahrer in einigen Bundesländern eingebuchtet werden, weil sie nicht das Geld haben, die Strafe zu zahlen – und damit letztlich auch wieder alle Steuerbürger „bestrafen“, weil ihr Haftplatz ein Vielfaches der Strafe kostet … da wird mir nur schlecht bei.

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