Snowwhite and the Huntsman

Bissi älter der Film. Ich hab mir den gestern mal angeguckt.

Ich mag ja gut erzählte Abenteuerfilme in Mittelalterumgebung.

Keyword: Gut erzählt.

*seufz* viel ist drüber geschrieben worden, ich senf mal meine 2 Cent auch mit rein, einfach weil ich mich so ärgere.

Der Ansatz war ja gut: Ein sehr viel martialischeres Schneewittchen, das eher kein Opfer ist, sondern dass aktiv die fiese Königin bekämpft.

Und dann Kristen Stewart mit dem binären Gesichtsausdruck?

Ausdruck 1: debil, mit halboffenem Mund und ernst

Ausdruck 2: debil, mit halboffenem Mund und die Mundwinkel hochgezogen – scheint ein Lächeln zu sein.

Mehr gibts bei der Frau nicht. Wer immer der erzählt hat, dass sie eine gute Schauspielerin ist: Großartig die Kinobesucher getrollt. Der sollte Kühlschränke am Nordpol verkaufen.

Als Bella ging das ja alles noch – Bella ist ein Mäuschen, dass den Ritter in weißer Rüstung braucht, um überhaupt zu überleben. Aber Schneewittchen? Als *starke* Figur? Selbständig? Und dann Kristen Stewart? Das ist nicht mal mehr zum Lachen, das schmerzt. Denn bereits hier wurde Potential verschenkt.

Dann die Story an sich: Die böse Königin tötet skrupellos den Vater und macht sich zum Kalifen anstelle des Kalifen. Truppen marschieren ein und während der engste Berater des Königs samt Filius abhauen kann bleibt Schneewittchen zurück.

Und die Königin läßt das Balg am Leben? Ein Grund dafür gibts nicht. Schnitt, 10 Jahre später und wir sehen eine seit 10 Jahren eingesperrte junge Frau in gutem Gesundheitszustand (*harhar*) und nur ein bisschen dreckig. Hauptsache, die Frisur sitzt, die schönen langen Haare sind sauber und gepflegt.

Kurze Rede gar kein Sinn: Aufgrund einer selten dämlichen Handlung des zweiten Bösewichts kann Schneewittchen die Biege machen.

2/3 des Films könnte der Film auch „Lola rennt“ lauten. Schneewittchen rennt in Sümpfe und zähmt Trolle und Huntsmen, sie haut vor Pferden ab und deren Reiter.

Ganz ehrlich: Die Frau hat 10 Jahre lang in ihrer kleine Zelle im Turm gelebt und maximal 3 Schritte zur Verfügung gehabt. Bücher, irgendwelche Ablenkungen? Nüschte.

Kleiner Realitätscheck: Wer unter solchen Bedingungen 10 Jahre lebt, wird wahrscheinlich grenzdebil brabbelnd in irgendeiner Ecke sitzen, aber kaum noch genügend Verstand haben, um abzuhauen. Und spätestens nach 10 Metern wäre die Luft beim Rennen raus. Okay, Adrenalistoß: 15 m.

Ich sehe über Ungereimtheiten ja gerne hinweg, aber das ist ein bisschen zuviel des Guten.

Dann, endlich, findet der nunmehr erwachsene William (Jugendfreund) Schneewittchen und es ist klar: „hach“ ick liebe dir. Schneewittchen guckt aber lieber zum Huntsman. Zumindest könnte man den Eindruck bekommen – der Gesichtsausdruck machts nicht so klar.

Apfel, umfallen, Trauer, Huntsman hält seine Rede, knutscht die Tante und er muss wohl der beste Küsser der Geschichte sein, denn Schneewittchen wacht davon auf.

Bis jetzt sind etwa 7/8 des Films vergangen. Schneewittchen steht auf, hält ne flammende Rede, irgendwo findet sich ne passende (!) Rüstung und dann kommt der Punkt wo ich den Kiefer verloren habe:

Die Strecke, die Schneewittchen auf dem Hinweg gefühlte 2 Wochen gekostet hat, wird in wenigen Minuten per Pferd zurückgelegt. Und es ist schmerzhaft offensichtlich, dass keiner der Reiter je auf irgendeinem Pferd gesessen hat. Geschweige denn, drauf kämpfen könnte.

äHEM? Ja, ne is klar.

Okay, Königin ist besiegt, ganz so unschuldig ist unser Schneewittchen wohl doch nicht, angesichts des doch etwas schmutzigen Tricks den sie benutzt. Und natürlich liegt die fiese Königin (Gwyneth Paltrow Charlize Theron mit mehr Spielfreude als das gesamte restliche Team zusammen) erst im Dreck, nachdem sie die gesamte Verstärkung außer Huntsman und Jugendfreund getötet hat.

Schade, wär so eine schön einfache Auflösung gewesen.

Königin wird gekrönt, und hier kommt das ende, wo ich den Regisseur hätte erwürgen können. Das ganze war offensichtlich als Romanze angelegt.

Und dann steht die frisch gekrönte Königin mit grenzdebil anmutendem Blick und halboffenem Mund, die Mundwinkel hochgezogen und lächelt in Richtung Tür.

Will sie fliehen?

Will sie den Huntsman, der da grad doof rumsteht, haben?

Was ist mit William?

Und wo kommen die Avon-Beraterin und der Staubsauger-Vertreter her?

Wir wissen es nicht – und weil der Film dort endet und eine Art “ wir überlassen das der Imagination des Zuschauers“ gepullt wurde, sind wir auch noch um den Finalen Rettungskuss betrogen worden.

Boaaaaaaaaaaah, ich hätt mir da echt mehr erwartet. Aber bei Bella hätt ich gewarnt sein sollen.

Fazit:

Zeitverschwendung

 

 

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6 thoughts on “Snowwhite and the Huntsman

  1. Das war ein schönes Review zu diesem *hüstel* Meisterwerk. Ich hab den Film damals mit meiner Freundin im Kino gesehen. Und wenn man nicht zuviel Wert auf Logik legt, war er schon recht genießbar. Vor allem die Spiele der „Frau mit den tausend Gesichtern“.

    Actiontechnisch recht solide. Nur halt die Logik… Da hast du auf jeden Fall Recht, Tantchen. Das hätte besser klappen können. SEHR viel besser.

    Krass fand ich damals, dass da tatsächlich Eltern ihre kleinen Kinder mit in den Film genommen haben. Älter als 6 waren die auf keinen Fall. Und noch nicht mal als die zu weinen anfingen, hielten es die Eltern für nötig, sie davon zu erlösen. Das war wirklich fürchterlich.

    So ein Actionspektakel ist nichts für Freunde der Filmlogik, aber ab und zu tu ich mir mal ganz gerne so seichte Unterhaltung an, um über den Bullshit abzulachen, der einem da zum Teil geboten wird. 😉

  2. Ähm, da hat Charlize Theron gespielt und nicht Gwyneth Paltrow. Für mich war allein Charlize die, die den Film gerade noch sehenswert gemacht hat 😉

  3. Der Kinokritiker vom Sat1-Frühstücksgeblaber hatte die Frau Stewart mal ähnlch charakterisiert mit der vollen Weite ihrer Ausdrucksmöglichkeitn: 1. Duh!? und 2. Duhh!?

    Das war dann auch verwirrend, als Kind eingesperrt für 10+ Jahre, ach ich schwimm mal n Stück und reiten kann ich auch super, ist ja anscheinend wie Flugzeugträger-Lenken.

    War das nicht auch der Film wo Miss Ausdrucksvoll die Affäre mit dem Regisseur hatte hinter den Kulissen?

  4. Tantchen, schnapp dir „Spieglein, Spieglein“ und du wirst dich beim gleichen Grundstoff um Längen besser unterhalten fühlen.
    1. Julia Roberts vs. Charlize Theron: Naaa, sind beide klasse auf ihre Weise und beide schön böse. Die Königinnen haben beide Filme richtig gemacht.
    2. Lilly Collins vs Kisten Steward – Kein Vergleich. So gar keiner. Wo die eine zwar zurckersüß wie einst Amelie aus der Robe schaut und als Naivchen anfängt, bleibt die andere irgendwie dröge. Lilly Collins dreht herrlich auf, macht eine nachvollziehbare Entwicklung durch und bietet bei allem ein um Längen selbstbewussteres Schneewittchen, als Frau Steward selbst mit noch mehr Action hinbekommen würde.
    3. Die Prinzen. An den Huntsman Prinz erinner ich mich gar nicht mehr – kam da einer vor? An den Spieglein, Spiegelin Prinzen: OH JA! Alleine schon der Umstand, das er jedesmal seine Klamotten verlustigt ging, wenn er Schneewittchen traf … und statt grimmigen Druff-Klirr-Bumms! brilliante Fecht- und Sprechgefechte.
    4. Die Nebenfiguren: Waren beim Huntsman das beste neben der Königin, bei Spieglein, Spieglein wundervolles, ergänzendes Beiwerk. Die räuberischen Zwerge, als Riesen getarnt. Die völlig verknallten Höflinge.
    5. Der König. Okay, der Mann ist DAS Opfer in der Geschichte, schon immer gewesen, aber bei Spieglein, Spieglein war es irgendwie anrührender und …
    6. Das Ende der Geschichte: Es ist kein Zamonisches Märchen, also geht es gut aus, aber eines muß man sagen: Das Schneewittchen aus Spieglein, Spieglein wird sich garantiert nie wieder reinlegen lassen. Bei Zombie White bin ich mir das nicht so sicher.
    und
    7. Die Ausstattung: He, ich bin im kern ein Mädchen und ich fahr einfach auf diese völlig endgeilen Märchenroben total ab. Das war ganz großes Aufgerüschtsein ohne klebrig zu werden. Das mittelalter-düstere mag ich ja auch, aber bei diesem Thema kam prächtige Robe einfach um Längen besser. Und die vielen Witze auf Kosten des Schönheits- und Jugendwahns bei Spieglein, Spieglein waren zum böse kichern. Stichwort: Papageienkot …

    Snowwhite and the Huntsman hab ich einmal gesehen, na gut anderthalbmal, weil ich zwischendurch beim ansehen eingepennt bin und nochmal anfangen musste.
    Spieglein, Spiegelein inzwischen vier oder fünfmal und fühlte mich jedesmal bestens unterhalten.

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