Das Schwarze Gold Amerikas

Ich hatte den Original-Artikel ja bereits verlinkt. Es hat etwas gedauert, aber ich habe die Erlaubnis von Rev. Edwin Sanders, seinen Artikel ins Deutsche zu übersetzen.

Ich halte ihn für wichtig, denn wir gehen auch in Richtung „Privatisierung auf Teufel komm raus“ und er Staat nimmt nur noch Nachtwächterfunktionen ein.

Und nicht jeder meiner Leser kann genug englisch, um das zu verstehen. Darum hier noch einmal die Übersetzung des Artikels, der auf der ACLU-Webseite zu finden ist.

Die Übersetzung erfolgte – wie immer nach bestem Wissen und Gewissen. Falls jemand Fehler findet, nehm ich die gerne entgegen.

Wieder einmal hat jemand herausgefunden, wie man eine Maschine herstellt, die das Leben der Afro-Amerikanischen Männer quantifiziert und Geld aus ihnen herauspresst. Sie haben herausgefunden, wie sie den Wert seines Körpers nutzen können, um diese Maschine zu füllen. Sie haben gelernt, wie ihr Motor funktioniert und wie man ihn in profitabel machen kann. Sie haben es „Gefängnis-Privatisierung“ genannt. Ich nenne es die Förderung des schwarzen Goldes und ich sehe die Förderung dieses Schwarzen Goldes täglich auf den Straßen meiner Gemeinde.

Ich bin in Tennessee zu Hause und bereits zu lange hat die Corrections Corporation of America ihre Heimat ebenfalls hier. Für eine Firma wie die CCA, die der älteste und größte profitorientierte Konzern ist, ist jeder schwarze Mann, der in eines ihrer Gefängnisse einfährt, 20.000 Dollar im Jahr wert. Für die CCA, ein Konzern der von menschlichen Körpern profitiert, bedeutet die Masseningewahrsamnahme auch ein Massenprofit. Und während ihre Profite in schwindelerregende Höhen steigen, leiden wir.

Firmen wie die CCA sind bei der Fortführung dieses Wahnsinns reich geworden. Im vergangenen Jahr haben Steuerzahler in Tennesssee fast 100 Mio. Dollar an die CCA überwiesen. Hat die CCA unser Geld genommen und uns dafür bessere, billigere und sicherere Gefängnisse gegeben, wie sie es versprochen haben? Nein. Sie gaben uns Misshandlung, Missmanagement und Gewalt.

In einem dieser Staatsgefängnisse schließt die CCA die Menschen in Einzelzellen bis zu 44 Tage in Folge ein. Sie läßt sie für 10 Tage nicht duschen und weigert sich, Besuchskontakte zu den Familien zuzulassen. In einem anderen Gefängnis kassierte die CCA hunderttausende Steuergelder, obwohl die Zellen leer standen. 2012 ergab eine Anhörung, dass 2/3 der CCA-Einrichtungen nicht die vorgeschriebenen Standards erreichten, um die Gewaltausbrüche einzudämmen. Das hört sich für nicht nach Effizienz oder Verantwortung oder auch nur menschlichem Anstand an. Es hört sich nach einer profithungrigen Firma an, die ihr Geld damit macht, dass sie Menschen einsperrt. Es hört sich nicht nur falsch an: Es ist falsch.

Ich bin nicht alleine. Eine breite Masse religiöser Gruppierungen verdammen die privaten Gefängnisfirmen, sie klagen über diese Gelddruckmaschinen, deren Investoren immer reicher werden, je länger ein Mensch dort eingesperrt ist. Das Geschäftsmodell unterminiert die Grundlage unseres Justizsystems: Rehabilitation, nicht Profit.

CCA’s Geschäft ist ein erheblich größeres Problem als nur Profitgier oder falsch geleitete Einrichtungen. Das Problem wurde zu etwas, was am humanitären Kern in uns allen nagt.

Das schwarze Gold, die Menschen, die den Motor der Massen-Inhaftierung antreiben, sind aber nicht die einzigen Opfer. Denn sollte es mit unserer Gesellschaft so weitergehen, dann sagt es etwas über uns alle aus – und zwar nicht nur in den Bereichen, wo die Enterbten, Enteigneten und die unterdrückten leben, sondern überall.

Wenn in Tennessee die Gefängnispopulation doppelt so schnell wächst wie die Bevölkerung, dann betrifft das die Vorstädte genauso wie die abgeschlossenen Communities der sogenannten Elite, die Reichen und die Erfolgreichen. Wir müssen anfangen, uns selbst als einen unersetzlichen Teil dieser Maschine zu sehen. Wir müssen diese Gefängnis-Profiteure nicht für irgendwen stoppen, sondern für uns selbst.

Es wird Zeit, dass wir den Vertrag mit der CCA aufkündigen.

Es wird ein harter Kampf. Die CCA wird ungeachtet ihrer gebrochenen Versprechen weiter Verträge in Tennessee abschließen, einfach weil sie mehr als eine Viertelmillion Dollar in Wahlkampfkampagnen der gewählten Politiker dieses Landes gesteckt hat. Unsere Politiker sind nicht einfach nur Teil dieser Maschinerie: Sie füttern sie.

Doch am Ende arbeiten die gewählten Politiker doch eigentlich für uns. Wir müssen ihnen sagen, dass wir unsere Heimat nicht mit einer Firma teilen werden, die ihre Profite zu Lasten unserer Menschlichkeit schützt.

Wir reden über nichts weniger als die Wiederherstellung unserer Menschlichkeit. Ein „Nein“ als Antwort ist nicht akzeptabel.

—-

Thanks to Rev. Edwin Sanders II. A good man. And a good friend. Despite the distance.

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Soziales

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9 thoughts on “Das Schwarze Gold Amerikas

  1. Eher Hinweis als Tippfehler: der Link zum „Artikel“ führt zur Autorenseite.
    Ansonsten gibt es das Modell der privaten Gefängnisse in Deutschland glaube ich schon (wenn ich da jetzt nichts durcheinander bringe).

    Und klar, das Modell der privaten Gefängnisse konterkariert den eigentlichen Sinn eines Gefängnisses: nachdenken über die Strafe, Resozialisierung, Rehabilitation. Wenn das so weiter geht, werden wir Gefängnisse erhalten, die darauf ausgerichtet sind, die Insassen möglichst lange dort zu behalten oder immer wieder kehren zu lassen.

    Und ein weiterer Schritt unserer Gesellschaft in Richtung Abgrund.

    • Ah okay, danke. Habs korrigiert. Da ist mir was mit den Links dürrnander gekommen 🙁

      Deine Einschätzung, was die Privatisierung des Strafvollzugs angeht, teile ich. Das muss echt irgendwie gestoppt werden.

      • Naja,
        wie willste das stoppen?

        Der Staat verkauft das als kostensenkend ggü. dem Bürger und winkt so etwas ggf. in einem großen Gesetzespaket zur besten WM-Zeit durch (oder so). Meist kurz vor Wahlen, damit man es auch gut verkaufen kann.

        Der Bürger leidet Armut. Bei ungefähren 12 Mio. Bürgern, die auf ALG 2 oder ALG 1 angewiesen sind und den Kopf damit voll haben, zu überlegen, wo sie die fehlende Kohle für Miete etc. herbekommen, wird sich kaum jemand damit befassen wollen. Betrifft ihn ja nicht persönlich und seine Situation verbessert es eh nicht. Und Kosten sparen is doch immer gut – vielleicht wird dann der Regelsatz erhöht (Vorsicht: Ironie und Satire).

        Ergo wird es erst einmal umgesetzt. Wie so vieles vorher auch – z. B. Verkauf und Re-Leasing von Wasserleitungen, Wasser- und Abwasserversorgung/-entsorgung und ähnlichem.

        Die Probleme, die daraus entstehen, sind vielfach weithin sichtbar. Nur wahrnehmen will sie niemand. Und etwas dagegen tun kann man in aller Regel nur mit unpopulären Mitteln. Warum sollte man solch Wählerstimmenvernichtendes machen? Bloß nicht, schließlich will man als Politiker ja die fette Rente/Pension kassieren, die nach etwas mehr als einer Legislaturperiode fällig wird. Und sich ja anschließend noch einen guten Posten in irgendeinem Vorstand/Aufsichtsrat freihalten.

        Es wird sein wie immer: der Bürger muß die größte Scheiße erst einmal ertragen und die Fehler der ach so großen Politiker ausbaden. Mit seinem wenigen Geld. Und vielleicht denkt man dann nach vielen Protesten – die ja auch immer weniger werden ob der Überwachung und des extensiven Pfefferspray- und Wasserwerfereinsatzes – drüber nach, da Änderungen einzuführen. Rückgängig machen kann man so etwas natürlich nicht sofort – schließlich wollen ja an dem Rückbau auch wieder ganz viele mitverdienen.

        Mehr und mehr kotzt mich diese Welt auf Grund dieser Verhalten an.

        Sorry, mußte mal meinen Frust runterschreiben.

  2. Andererseits gibt kommunen die ihre Stadwerke, Müllentsorgung usw. zurückgekauft haben. Es kommt nur drauf an wie man den Rückkauf verkauft.

    Das Thema „Steuerverschwendung“ und „steigene Kosten für den Wähler“ ziehn da gut im Wahlkampf … wenn man nicht gerade in der Partei ist die den Murks erst angeleihert hat.

    leider gibt es in Deutschland einen rechtsruck darum sehe ich nicht das man so irgendwie bei den Gefängnissen ansetzen könnte. Die ganzen BLÖD Leser wollen nicht das die Gefangenen Menschenwürdig untergebracht sind und damit Interresiert es auch niemanden in der politik oder in Verwaltung … Vergewaltigung, Hunger, Gewalt, Depression? Für die meisten willkommener Teil der Strafe.

  3. In Deutschland werden kein Häftlinge von privaten Sicherheitsdiensten bewacht. Es werden Nebenaufgaben wie Medizinische Versorgung, Verpflegung, Hausmeistertätigkeiten usw an private Unternehmen abgegeben. Wenn das kostengünstiger ist warum nicht. Im übrigen entscheidet die jeweilige Landesregierung über solche Vergaben und nicht der böse Staat. Stichwort Förderalismus. Also nicht wie so oft Äpfel mit Birnen vergleichen.

    • Ähem – eine Landesregierung ist Teil des Gebildes, welches wir Staat nennen, Stichwort: Förderalismus. 😉

      Sorry – musste jetzt sein 😀

  4. Jegliche öffentliche Daseinsvorsorge (dazu gehört auch Strafvollzug) gehört nicht in die Hände von Privatunternehmen. Diese sind natürlich gewinnorientiert. Was das für Folgen hat, sieht man bei Krankenhäusern, Energieversorgern, Wohnungsunternehmen: Die Preise bzw. Kosten steigen, der Service verschlechtert sich (es mag Ausnahmen geben, aber das ist m.E. die Regel). Strafvollzug soll nach moderner Auffassung auch der Resozialisation dienen, wobei ich den Strafgedanken eigentlich archaisch finde – oftmals bringt es auch nicht den Effekt, den Straftäter von künftigen Taten abzuhalten. Wenn man das privatisiert, kann man sich den Effekt vorstellen: aus Kostengründen wird weniger und schlechter qualifiziertes Personal vorgehalten, damit wird Resozialisierung (die in der Regel Geld kostet und keins einbringt) weitgehend hinten runter fallen. Strafgefangene werden dann nur noch weggesperrt. Das Volk applaudiert wahrscheinlich noch, weil Politik und Wirtschaft es in den letzten Jahrzehnten brilliant geschafft haben, Sozialneid, Egoismen und Ausgrenzung zu fördern. Die Folge ist, dass Straftäter in der Gesellschaft chancenlos bleiben und erneut straffällig werden – Bravo!

    Privater Strafvollzug in den USA gehört abgeschafft, hier gar nicht erst eingeführt.

  5. Resozialisierung ist aber in den USA nicht wirklich angedacht.
    Da ist es eher die Abstrafung, siehe Todesstrafe und 3-Strikes.

    Wie man eine Staatsaufgabe völlig profitorientiert umkrempeln kann ist auch irre.

    Ein großes Problem in der Gefängnissindustrie, ist ja nicht nur das dafür vom Staat bezahlt wird, sondern auch die Zwangsarbeit von der dann profitiert wird.

    Siehe:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Prison-industrial_complex
    Und:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Federal_Prison_Industries

    Also nicht nur Nummernschilder (die es hier ja von Privat gleich neben der Zulassungsstelle gibt), sondern alles mögliche wird produziert und wieder an den Staat verkauft.
    Das sind noch einige der wenigen Sachen die wirklich „Made in USA“ sind.

    Positive Strafreformen werden dadurch natürlich abgewürgt, da ja das sonst Profite mindern könnte.
    Eher wird verschärft um sich dauerhaft Arbeitskraft zu sichern.

    Wenn ja jetzt auch schon der Schuldturm, mit Rechnung für Aufwendungen währenddessen, in den USA mit eingeführt wird, dann scheint deren Prinzip aufzugehen. (Link dazu hatte ich schon mal in einem vorigen Kommentar gepostet)
    Arme Leute kommen eher in den Knast, da sie sich keinen „guten“ Anwalt leisten können. Während Wohlhabendere sich durch Rechtsverdreher herauswinden können.
    Keine Kaution heißt dann auch einsitzen, und wenn die Kosten jetzt auch noch in Rechnung gestellt und abgearbeitet werden dürfen…

    Ist wie Krankenversicherung, wer es sich leisten kann, kommt mit allem durch und ist mit Status Quo zufrieden.

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