Neues aus Beschneidungstan

War ja auch blöd. Den Befürwortern der Jungenbeschneidung gingen zunehmend die Argumente aus.

Auf das Argument, dass es keine sensitiven Nebeneffekte hat, fällt noch nicht mal mehr ne blinde Großmutter rein. Das HIV-Argument ist zumindest im Westen ziemlich zertrümmert, man muss sich ja nur mal recht kurz die HIV-Raten in Europa und in den USA angucken, um das Argument auf den Müllhaufen der Geschichte zu packen.

Selbst die Altenpflegerinnen hats übel getroffen – wenn die sich beschwerten, dass die Penisse der alten Männer immer so entzündet werden, wurde denen doch glatt um die Ohren geworfen, dass die ihren Job nicht vernünftig machen. Empörend.

Kurzum: Die Beschneidungsmafia war verzweifelt. Also hat man mal genauer geguckt, ein bisschen herumgerechnet, noch ein bisschen Daten frisiert – und schwupps:

Die neueste Sau, die durchs Dorf getrieben wird, ist, dass die Beschneidung von Kindern gegen Prostatakrebs schützt.

Nein, wirklich. Hat man in einer Studie herausgefunden.

Nachdem man so ziemlich alles eliminiert hat, was irgendwie stört. Wie zum Beispiel das Hirn beim „Researcher“.

Weil, überlegt doch mal kurz: Wo genau ist die Prostata? Genau. Und wo genau ist die Vorhaut? Genau. Ihr habt das Bild?

Ich hätte es ja noch *einigermaßen* nachvollziehbar gefunden, wenn man reklamiert hätte, dass die Beschneidung den Partner eines schwulen Mannes vor Prostatakrebs schützt.

Aber so? O.o

P.S.: Ich seh das nicht alleine so kritisch.

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Soziales

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10 thoughts on “Neues aus Beschneidungstan

  1. Dieser Artikel aus der Ärtzezeitung ist ja wohl mal krass daneben. Die sollten die Studien lieber mal lesen und selber analysieren, anstatt nur das geschönte abstract zu übersetzen und wiederzukäuen.
    Der Kommentar dieses Dr. Luyken setzt dem ganzen dann die Krone auf – „Wenn, dann richtig“ Schnippschnapp und ab, oder was?

    • Genau das. Du darfst nicht vergessen, dass das ein richtig dickes Geschäft ist. Und nur an Kindern verdient werden kann, weil erwachsene Männer nur selten so blöd sind, sich freiwillig beschneiden zu lassen – es sei denn, sie haben einen Hau oder richtig wirklich echte Probleme – eine Lichen Sklerosis z.b. die mit Cortison nicht mehr behandelt werden kann.

      In den USA erwirtschaftet die Beschneidungsindustrie jedes Jahr 1,5 Mrd. Dollar Umsatz und da sind die Behandlungskosten bei schwerwiegenden Folgen (bei Beschneidungen in dem Alter sind Folgen fast immer schwerwiegend) noch nicht enthalten. Es gibt dort Urologenpraxen, die machen gut 30 – 40% ihres Umsatzes damit, das zu reparieren, was der Gynäkologenschlachter verpfuscht hat.

      Und von DEM Kuchen wollen die hier auch was abhaben. Brian Morris hat mal eine Vortragstour durch Europa gemacht und wollte die Ärzte von den „Vorteilen der Beschneidung“ überzeugen. Er ist meist ausgelacht worden.

      Aber leider eben nur „meist“.

  2. Eine Ärztezeitung behauptet eine Studie hätte behauptet es gäbe eine Korrelation zwischen Beschneidungen und der Wahrscheinlichkeit, nicht an Prostatakrebs zu erkranken.

    Die mag es auch geben. Wer sagt das noch einmal?

    An Studien gelten hohe Anforderungen. Einfach mal Daten zu korrelieren ist keine Studie. Denn die haben bestimmt übersehen, dass es auch eine Korrelation zur Nasengröße gibt. Das weiß doch jeder, das mit dem Johannes.

    Das ist natürlich (m)eine Lüge. Doch aus einer Korrelation eine Kausalität abzuleiten ist ebenso eine Lüge. Kausalität muss nachgewiesen werden und nicht umgekehrt. Umgekehrt hat das etwa die Qualität von Stammtischgeschwätz.

    Es existiert ein ganz entschiedenes Argument gegen solche Studien. Leben ist komplex. So komplex, dass Menschen es ganz sicher nicht verstehen. Entzündungen, Krankheiten führten früher häufig zum Tode oder in diesem Bereich zur Zeugungsunfähigkeit. Wenn der Vorhauptschlauch nicht schützen, sondern zu Krankheiten führen würde, dann wäre er nicht da. Denn die mit diesem Schlauch wären auf die Dauer alle ausgestorben. In jedem Fall zeigt die Tierwelt praktisch überall, dass ein Schutz Sinn macht.

    (Genauere Informationen, etwa welche kritische Masse notwendig ist, um zu überleben und was das damit zu tun hat, erspare ich Euch mal)

    Die Idee, Gott spielen zu wollen, die dürfte eines Tages die Menschheit umbringen.

    • Es gibt für bestimmte Ethnien ein höheres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Genauso ist der Altersfaktor wichtig. Ältere Männer haben ein höheres Risiko als Babies.

      Das sind die Hauptmerkmale – Schwarze kriegen nun mal eher Prostatakrebs als Weiße. Das ist inzwischen abgesichert.

      Das alles wurde komplett ausgeblendet und NUR der Beschneidungsstatus NACH EIGENEM ERZÄHLEN gewertet – da wurde noch nicht mal angepackt um zu gucken ob die Vorhaut noch dran ist.

      Soviel zum Wert dieser Studie, die allerdings ziemlich weiträumig zitiert wurde 🙁

  3. Ja, absolut. Die Interpretation der Studie durch diese Ärztezeitung ist mehr als zweifelhaft. Sie ist aus meiner Sicht gefährlich und verdummend.

    In dem Wissen, dass Du der letzte bist, der eine Abhängigkeit von einer Ethnie falsch darstellt oder gar benutzt:

    Ob allerdings Prostatakrebs (direkt) von der Hautfarbe abhängt, das wage ich stark zu bezweifeln. Ernährung, Vererbung usw. sollen eine erhebliche Rolle spielen.

    Auch hier zeigt sich: Korrelation bedeutet eben keine Kausalität.

    Sich oder seine Kinder darauf hin verstümmeln zu lassen ist mehr als fahrlässig. Eine solche Berichtserstattung ist unverantwortlich.

    • Ich habe schon meine Gründe, wenn ich etwas poste. 😉

      Prostatakrebs tritt bei Schwarzen etwa vier mal häufiger auf als bei Weißen. Das hängt tatsächlich zusammen. Schweden hat ebenso ein hohes Prostatakrebsrisiko.

      Die Ursachen kennt man noch nicht, sie sind aber erwiesen. Das hat auch mit Korrelation recht wenig zu tun.

      http://www.medizinfo.de/krebs/prostatakrebs/ursachen.shtml

      Man forscht an den Ursachen. Eine *mögliche* Ursache können wiederkehrende Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten sein. Die Entzündungen lassen die Prostata dann „umkippen“.

      Die Studien werden ja überwiegend in den USA durchgeführt. Und da hat die schwarze Bevölkerung tatsächlich ein höheres STD-Risiko, weil die 1. weniger Zugang zu Bildung haben, 2, Kondome häufig nicht bezahlen können und 3. öfter in „Risikoberufen“ wie Prostitution tätig sind.

      Das würde zum Beispiel schon das höhere Risiko für Schwarze erklären, nicht jedoch das für Schweden 😉

  4. Danke für das Beispiel. Sach ich doch 😉

    Btw. laut Wikipedia: Nach einer 2003 veröffentlichten Studie soll häufiges Ejakulieren in jüngeren Jahren das Erkrankungsrisiko senken.

    Deshalb postuliere ich eine negative Korrelation zwischen Jugendschutz und Prost…

    Und die Schweden bekommen einfach nicht genug Sonne (Vitamin-D) – also möglicherweise….

    Erbsenzähl: Ursachen, die man nicht kennt, die sind eben nicht klar erwiesen.

    oh je, jetzt hast Du einen Wunsch frei. Das kann ich anders nicht wieder gut machen…

    Genug. Wir sollten zum Thema zurück kommen. Und das ist die Unmenschlichkeit der Beschneidung und wie man dagegen vorgehen kann.

    • Da wir dieses verschissene Gesetz haben: Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung. In die Foren gehen, dort gegen die Beschneidungswütigen mamis ankämpfen.

      Ganz schlimm ist das Babycenter. Das ist echt eine super-Versammlung an „ich schneid meinem Kind alles ab, was geht“ 🙁

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