Robbie, Tobbie und die Pfadfinder

Die Pfadfinder sind eigentlich kein schlechter Haufen. Von einigen Ausnahmen mal abgesehen, die deutlich in Richtung Fanatismus abgleiten. Das Spektrum ist da recht breit und bunt und reicht von christlichen Fanatikern mit deutlichhomophobem Einschlag bis zumtiefbraunen Rechtsaußen.Doch eineherner Grundsatz für alle seriösen Jugendorganisationen ist: Nicht direkt an die Kinder gehen. Wenn Veranstaltungen geplant sind, dann muss man an die Eltern gehen und denen das Material zur Verfügung stellen.Und das kann schon mal zu Problemen führen.

Aktuell in Malsch, wo Jörg Rupp für den Gemeinderat kandidiert.

Ich bin mit Jörg nicht immer einer Meinung. Wir hatten diverse, auch heftigere Meinungsverschiedenheiten. Doch blieben die immer Sachorientiert und wurden nie persönlich. Warum denn auch? Eins macht Jörg Rupp aber nicht: Er lügt nicht. Wenn er etwas sagt, dann sagt er die Wahrheit. Dafür kenne ich ihn jetzt schon recht lange und auch ganz gut.

Jörg Rupp ist ein Mensch mit Meinungen, der diese vertreten kann und der dazu nicht auf Lügen zurückgreifen muss. Und einer mit noch recht kleinen Kindern.

Und genau hier fängt es an. Der Pfadfinderbund Süd veranstaltet eine Schatzsuche. Dazu lädt er Kinder ein. Die Mitglieder (alles selber Teenies oder Kinder) gehen auf die Spielplätze und verteilen „Infobroschüren“. Kind kommt nach Hause: „DA WILL ICH HIN! DA GEHEN AUCH ALLE MEINE FREUNDE HIN!“ Mission accomplished?

Nicht ganz. Denn es gibt durchaus valide Gründe, warum Eltern beschließen, dass ihr Kind mit dem Pfadfinderbund Süd nichts zu tun haben soll. Aber selbst wenn der Grund nicht „valide“ sein sollte: Eine seriöse Jugendgruppe geht nicht direkt an die Kinder, ohne die Eltern außen vor zu lassen – um dann die Eltern wie die bösen dastehen zu lassen, wenn die dem Kind diese tolle Schatzsuche verweigern.

Es gibt einige Anhaltspunkte, dass der Pfadfinderbund Süd das aber bewußt macht, um die Kinder systematisch den Eltern zu entziehen. Sie haben sich der „Erziehung“ der Kinder verschrieben. Das kann die Erziehung durch die Eltern ausschließen, muss aber nicht.

Doch während die seriösen Pfadfindergruppen direkt die Eltern benachrichtigen, damit die entscheiden können, ob das Kind an einer Veranstaltung teilnehmen kann, respektiert der Pfadfinderbund dieses Erziehungsrecht der Eltern nicht. Systematisch die Spielplätze abgrasen und dann die Kinder mit Flyern vollpacken, ist eher ein Zeichen großer Unprofessionalität, wenn nicht die Absicht dahinterstecken sollte, die Kinder so aufzustacheln, dass die Eltern nur noch zustimmen können.

Respekt sieht anders aus. Gute Jugendarbeit auch.

So. Und wie sieht das jetzt aus? Jörg bloggt über den Vorfall. Und der Pfadfinderbund Süd reagiert mit einem Flugblatt, dass vom Duktus her äußerst unsachlich ist, und dass zudem auch noch hämische Unterstellungen enthält und ihn als abgehalfterten Landespolitiker darstellt, der jetzt noch Kommunalpolitik macht, weil die Grünen ihn aus guten Gründen nicht mehr aufstellen.

Wer Jörg kennt, weiß, dass das nicht stimmt, dass hier die Tatsachen schon so weit verdreht wurden, dass man schon von einer Lüge sprechen kann, ohne seinerseits straf- oder zivilrechtliche Auseinandersetzungen fürchten zu müssen.

Jörg wehrt sich – zu Recht, das Pamphlet ist äußerst unterirdisch und meiner Meinung nach reines Dreck werfen, weil der getroffene Hund bellt.

Es folgt ein zweites Flugblatt. Jörg wehrt sich, pflegt updates ein. Man merkt, dass ihm das an die Nieren geht. Warum auch nicht? Lest euch die Dinger auf seiner Page mal durch, die Formulierungen hätten meiner Meinung nach auch aus dem Stürmer kommen können, der hat ähnlich argumentiert: Die Sachfrage wurde völlig außen vor gelassen, dafür hat man sich dann auf die Person konzentriert und sie diffamiert. Und auf die Art und Weise das eigene Fehlverhalten minimiert.

Jörg hatte Recht. Punkt. Sein Kind ist sechs. Wenn der an Veranstaltungen teilnehmen soll, dann sind die Eltern zu fragen. Anlaufpunkte, die Informationen den Eltern zukommen zu lassen, gibt es genügend. Insbesondere dann, wenn die in Frage kommende Jugendorganisation mit der kommunalen Jugendpflege zusammenarbeitet. Infobrief im Kindergarten und der Schule, einmal an die Eltern und jut ist. Viele Kindergärten/Schulen kommunizieren auch inzwischen per WhatsApp bzw. Email. Wo ist das Problem eine Rundmail zu versenden?

Das ist aber nicht geschehen. Statt dessen sind die Kinder, die das verteilt haben, über die Spielplätze geschwärmt und haben die Kinder direkt und offenbar (Jörg?) werbend angesprochen. Wie toll es doch bei den Pfadfindern sei.

Und HIER ist die Grenze überschritten, die noch tolerabel ist.

Folgerichtig hat der Pfadfinderbund Süd derzeit auch zu fürchten, dass die Zusammenarbeit mit dem kommunalen Träger der Jugendhilfe aufgelöst wird.

Klar, kenn ich ja noch. Wenn ein Verein so schofelig handelt und auf Nachfragen noch nicht einmal Einsicht zeigt, ist er schneller weg, als man pieps sagen kann. Vereine gibts genug.

In diesem Sinne: Jörg, halt die Ohren steif. Was du da gerade mitmachst, ist genau das, wovor wir immer Angst hatten, dass es wieder passiert: Dass Andersdenkende mit diesem massiven Druck mundtot gemacht werden.

Setz dich durch. Und besorg dir nen Anwalt. Die Flugblätter sind schon ein ziemlicher Hammer.

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Soziales

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11 thoughts on “Robbie, Tobbie und die Pfadfinder

  1. „die Formulierungen hätten meiner Meinung nach auch aus dem Stürmer kommen können, der hat ähnlich argumentiert: Die Sachfrage wurde völlig außen vor gelassen, dafür hat man sich dann auf die Person konzentriert und sie diffamiert. Und auf die Art und Weise das eigene Fehlverhalten minimiert.“
    „Was du da gerade mitmachst, ist genau das, wovor wir immer Angst hatten, dass es wieder passiert: Dass Andersdenkende mit diesem massiven Druck mundtot gemacht werden.“

    Ersetze den armen Jörg durch die böse „rechte“ AfD. Dieser werden genauso konsequent jegliche Sachdiskussionen verweigert, und sie wird pauschal diffamiert.

    Nur mal so als Denkanstoß. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. So long!

  2. Ich soll eine Partei durch eine Einzelperson ersetzen?

    Parteien *müssen* das aushalten können. Wenn sie es nicht können, sind sie schlichtweg fehl am Platze. Wie die AfD, die mit der Frau von Storch auch wirklich jetzt nicht die hellste Leuchte am Baum als Kandidaten hat. Und *links* ist DIE auch nicht. Noch nicht mal mitte-rechts.

    Wenn jedoch eine reale Person derartig angegangen wird, dann gibts eins übern Deckel. Sowas tut man nicht.

    Kinki, da gibts Unterschiede, aber ich erwarte nicht wirklich, dass du die siehst.

  3. …nun, im Falle der AfD IST doch aber die Partei das, worum es bei einer Wahl geht; damit der Vergleich nur noch annähernd hinkt, müsste sich eine andere Partei auf ein einzelnes AfD-Mitglied einschießen..

  4. Da bin ich aber erstaunt, das Pfadfinden in Deutschland so verbreitet ist.

    In den neuen Bundesländer gabs sowas ja erst nach der Wende und dann auch nur äusserst vereinzelt. Laut wiki nur 5% der Finder.

    Dafür gabs ja die Pioniere und FDJ als staatlich organisierte Jugendorganisationen.

    Ich kann mich nur erinnern hier vor einigen Jahren über die Jugendorgs der Linken bzw PDS gelesen zu haben, junge Füchse oder Rotfüchse.

    Oder halt die braunen Kameraden und was die so treiben.

    Zum Thema
    Sobald sich jemand erstmal an seine Macht/Einfluß gewöhnt hat, sind die in ihrem Denken ja auch teilweise festgefahren und dann auch unbesinnbar. Das zeigt sich ja immer mehr.

  5. Ach das mit dem Mundtot machen und unterbuttern von anderslautenden bzw. von der gerade gängigen Meinungen ist weit verbreitet. Wird überall praktiziert. In Foren, Blogs u. ä.
    Ich erinnere mich da aus der jüngeren Vergangenheit die Blackfaces Debatte die in vielen BLogs geführt wurde. Alle die nicht sofort auf den Zug der Verurteilung aufsprangen wurden als Faschos u. ä. bezeichnet. Oder die Geschichte mit Herr Wurst aus Östereich. Wer nicht gejubelt hat das er beim ESC gewonnen hat, wurden sofort indirekt eine Homophobe Grundeinstellung unterstellt. Also wie gesagt ist das sehr verbreitet…

  6. Hallo Tante,

    ich würde dieses Thema gerne einmal von der anderen Seite beleuchten.
    Zunächst sei gesagt, ich kenne den Herrn Rupp nicht und ich weiss auch nicht wie die Leute vom Pfadfinderbund Süd so sind. Ich hatte allerdings selbst um die 20 Jahre mit Jugendarbeit (bei einem kirchlichen Träger) zu tun, anfänglich als Kind, später an die 15 Jahre als Betreuer.

    Es war eine Zeit, die ich nicht missen möchte, in der ich tolle Erfahrungen und Abenteuer mit einer zusammengeschweissten Gruppe erlebt und sogar meine Frau gefunden habe.

    Es ist nun mittlerweile so, dass es unheimlich schwer geworden ist, so eine Gruppe überhaupt zusammen zu bekommen – neben den vielfältigen Angeboten auf sich aufmerksam zu machen. Klar klingt es in der Theorie vernünftig Kontakt zu den Eltern zu suchen und über offizielle Kanäle sein Angebot anzupreisen. Es funktioniert nur nicht. Informationsblättchen landen ungelesen beim Altpapier zwischen den Supermarktangeboten und sonstiger Reklame. Angebote in veröffentlichten Infobroschüren gehen auch an den meisten vorbei. Selbst wenn bei ein wenig Eltern einmal was hängen bleibt: „Kind, da gibt es doch diese Pfadfinder, geh doch mal dahin.“ Also bitte, welche Sprössling springt denn freudestrahlend darauf an?

    Es geht nur über die Kinder. Man muss einmal die Möglichkeit haben, ihnen zu zeigen, dass es auch mal Spass machen kann im Wald zu toben, Zelten zu gehen oder Radtouren zu machen, statt vorm Rechner abzuhängen, im Freibad zu toben oder auf dem Spielplatz. Ich selbst bin auch nur dazu gekommen, weil ein Klassenkamerad mich mal mitgenommen hatte.

    Bei den kirchlichen Träger ist es da etwas einfacher, da man mit den Kommunions- und Konfirmationsevents schon mal eine Möglichkeit hat sich einzuklinken und unverbindlich mit den Kindern etwas zu unternehmen. Pfadfinder und freiwillige Feuerwehren müssen sich da schon etwas mehr abstrampeln. So eine Spielplatzaktion finde ich da eigentlich gar nicht so doof.

    Und Du hast es ja schon geschrieben. Die Betreuer sind meist 16 – 21jährige Jugendliche, die ehrenamtlich neben Ausbildung und eigenen Hobbies ihre Freizeit opfern, die Verantwortung auf sich nehmen ihre Erfahrungen an Jüngere weiter zu geben. Ein Knochenjob mit den Schwierigkeiten erstmal eine Gruppe zusammenzubekommen, den quirligen Kindern dann etwas zu bieten und bei dem man auch noch mit einem Bein im Knast steht. Es muss nur mal ein Kind blöd beim Baumklettern runterfallen. Wenn die Eltern den juristischen Rahmen ausschöpfen ist die Existenz des jugendlichen Betreuers gelaufen.

    Und damit sind wir schon beim nächsten Thema. Den Eltern. Mit 99% von denen kommt man gut aus. Einige unterstützen sogar aktiv, die meisten sind froh, wenn ihre Kinder einen Platz haben, an dem sie sich mal ordentlich austoben können. Aber es gibt (wie in anderen Bereichen auch) dieses eine Prozent, dass sich als Querulant produzieren muss und einem den letzten Nerv rauben kann.

    Ich stelle mir nun also eine Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen Pfadfinderbetreuern vor, die sich ein Bein ausreissen und sich etwas ausgedacht haben um irgendwie Kinder für die Abenteuer zu begeistern, die Ihre Kindheit so bereichert hatten. Dann haben wir auf der anderen Seite den Herrn Rupp der publikumswirksam darlegt, dass er verärgert darüber ist, nicht ordentlich informiert und gefragt worden zu sein. Wenn ich mich jetzt in die Sicht der Pfadfinder rein versetze, die mit ganz anderen Problemen kämpfen als mit solcherlei – aus ihrer Sicht – Lappalien, landet er da ganz schnell in der Schublade „typischer Vertreter dieser 1%-Eltern. Auch noch Politiker. Oje“.

    Er wird sich aber oft noch Situationen wiederfinden, bei denen seine Kinder etwas aufgeschnappt haben und mitmachen wollen und er ihnen dann erklären muss, warum er dagegen ist. „Ich will aber das Spielzeug aus dem Katalog haben. Alle haben dass.“ – „Alle meine Freunde gehen zum -Konzert. Warum darf ich nicht.“ – „Die Schule will eine Klassenfahrt nach Hawaii machen, warum darf ich nicht.“

    Ob sein Kind jetzt eine Einladung zur Schatzsuche bekommen hat, oder ein Freund von ihm erzählt bei den Pfadfindern sei es so toll – Wenn ihm der Verein suspekt ist, wird er nicht darum kommen, seinem Kind zu erklären, warum es jetzt da nicht mitmachen darf. Oder er kann einfach mitgehen und sich das ganze selbst angucken, sich selbst einen Eindruck verschaffen von den Betreuern, die mit seinem Kind etwas unternehmen wollen.

    Natürlich bin ich auch der Meinung, dass diese Geschichte danach klingt, dass sie unglücklich eskaliert ist. Du hast leider keine Links angegeben um sich selbst ein Bild machen zu können. Aber nach meinen Erfahrungen sind wie so oft Schuldzuweisungen nicht immer eindeutig möglich.

    • Guck dir bitte die Links an, die Jörg auch in seinen Blogpost gepackt hat.

      Grundsätzlich hast du recht, aber das gilt offenbar für den Pfadfinderbund Süd nicht, der auch einen eigenen Dachverband gegründet hat, als ihm der offizielle Dachverband zu „links“ wurde.

      • Ok. scheint wirklich ein dubioser Verein zu sein. Aber ob man dem so beikommt?
        Allerdings widerspreche den absoluten Anspruch, dass auf einem Spielplatz sich jeder von dem Kind fern zu halten habe und alles über die Eltern gehen muss. Das scheint mir nicht durchsetzbar.

        Ich eskaliere mal langsam runter:
        – Was ist, wenn die Junge Union zu einem Kinderfest geladen hätte?
        – Die Grüne Jugend oder BUND?
        – Was ist, wenn die freiwillige Feuerwehr zum Spielplatz kommt, mit den Kindern ein paar witzige Wasserspiele macht und wenn es ihnen gefällt ihnen sagt, dass es da die junge freiwillige Feuerwehr zum mitmachen gibt?
        – Was ist mit dem Eismann, der mit seinem Wagen neben den Spielplatz hält, klingelt und damit die Kleinen anstiftet ihr Taschengeld für eine kalte Süssigkeit zu opfern?
        – Was ist, wenn eine Mutter von einem Mitschüler das Kind erkennt und zum Kindergeburtstag einlädt?

        Wo ist die Grenze? Wem will man verbieten Kontakt zu den Kindern zu suchen? Die zieht jeder anders.

        Ich denke, wenn man sein Kind reif genug dafür hält, sich allein im öffentlichen Raum zu bewegen, dann sollte es auch reif genug sein, mit niemanden mitzugehen und wenn es denn angesprochen wird, den Eltern davon zu berichten, bevor es irgendwo hingeht oder hingehen will.

        Und das scheint ja auch geklappt zu haben. Und vor den unerfreulichen Diskussionen mit dem Nachwuchs wo er hindarf oder nicht kann einem keiner bewahren. Meiner Meinung adelt Herr Rupp diesen Verein mit zu viel Aufmerksamkeit. Eine Diskussion mit dem Kind ‚Das sind böse Menschen, die dich mit Spielen anlocken um später dich zu Gemeinheiten zu zwingen. Aber toll, dass Du mir Bescheid gesagt hast.‘ kann ihm keiner abnehmen. Es gibt nun mal eine Menge Idioten und fiesen Gruppenzwang da draussen und so ein Kind kann nicht früh genug lernen, darauf zu achten und sich davor zu hüten, bzw. bei Unklarheiten sofort zu seinen Eltern zu kommen.

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