Religioten – es gibt sie

Man glaubt ja nicht, wie abstrus die Gedankengänge mancher Leute sein können. Falls ihr es nicht mitbekommen habt. In Serbien ist gerade Land unter. Und zwar sehr sehr übel. Das schlimmste ist, dass die Fluten die ganzen Minen da hochspülen – etliche sind schon ums Leben gekommen.

Schlimm genug, meint ihr? Da muss man nix drauflegen? Weit gefehlt. Wir haben die Religioten vergessen.

Ich benutze den Begriff, ehrlich gesagt, nicht gerne. Weil er eben sehr abwertend ist. Wer an Gott glaubt ist kein Religiot – solange er damit nicht den Mangel an Ethik oder ähnliches entschuldigt.

Aber manchmal passt der Begriff nun mal – es gibt kaum einen besseren.

Warum ich mich grad aufrege? Nunja, einer der höchsten Würdenträger der orthodoxen Kirche Serbiens, der Metropolit Amfilohije, erklärt seinen Schäfchen die Welt. Dass nämlich diese Flut die Strafe Gottes für die Verfehlungen beim ESC sind – oder anders ausgedrückt: Conchita Wurst hat durch ihre Darstellung diese Flut provoziert.

Warum Gott jetzt ausgerechnet den Balkan „begossen“ hat und nicht Österreich, bleibt dieser Religiot – hier passt der Begriff vollständig – schuldig.

Warum Gott überhaupt Unschuldige strafen sollte, die sich nichts haben zu schulden kommen lassen – egal. Aber es gibt einen feinen Absatz, der die eigentliche Idee dieses Idioten entlarvt:

„Dieser Unglücksvogel – ich weiß nicht einmal, wie er heißt –  ist beispielhaft für den verirrten Weg unserer Gesellschaft. Wir sollten darüber nachdenken, ob dieser Weg der richtige ist,

Es geht ihm um Macht. Offenbar findet er, dass ihm seine Schäfchen entgleiten. Und auf diese, zugegeben skurrile Art, will er wie wieder in die Spur bringen: „Sehet den Zorn Gottes“. Es spricht ein alter Mann, der mit den Realitäten des 21. Jahrhunderts nicht klarkommt. Der die „gute alte Zeit“ herbeisehnt, wo man solche Männer noch anständig verprügeln konnte.

Ganz ehrlich, ich glaube, Gott, so es ihn gibt, ist Conchita Wurst.

Aber auf jeden Fall ist ihm dieser Metropolit Wurst.

Oliver? Wo findest du solche Blitzbirnen eigentlich immer?

 

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16 thoughts on “Religioten – es gibt sie

  1. Oh mann, das ist so absurd, dass einem dazu fast nichts mehr einfällt.
    Diesem „Kirchenfürsten“ gebricht es an mindestens zwei christlichen Tugenden: Achtung vor der Schöpfung und Demut angesichts der Unergründlichkeit Gottes. Wenn man ernsthaft an Gott glaubt, sollte man meines Erachtens alles, was die Schöpfung hervorbringt, achten (wobei die Grenzen natürlich immer dort zu ziehen sind, wo ein anderer Teil der Schöpfung dadurch mißachtet wird). Aber diese Worte sind arrogant und anmaßend. Er maßt sich an, zu wissen, was Gott tut, und warum. Das ist eigentlich blasphemisch.

    Nicht das ich religiös wäre. Aber es geht mir auf den Keks, wenn Menschen die Idee des Christentums (oder anderer Religionen) mißbrauchen, um ganz andere Ziele zu verfolgen.

  2. Viele Religioten scheinen nur das olle Testament und das nicht bis zum Ende gelesen zu haben.
    Da war der Gott noch fies und rachsüchtig.

    Das mit den Minen rausschwemmen ist natürlich besonders tragisch. Besonders da in so Bürgerkriegen ja nicht immer nur die strategisch/taktischen Ziele vermint werden um Panzer zu blockieren, sondern sich das vielfach ja auch besonders gegen Personen richtet.

    Die Personenminen gehen auch sicher leichter los und nicht erst wenn Tonnen an Fahrzeugen drüber rattern sondern eben auch bei Kindern.
    Das Wasser wird dann auch sein übriges tun die Dinger noch unsicherer zu machen.

    Das ist ja das Heimtückische, die einen Kämpfer verbuddeln die im Wald für mögliche Patroulien und nu weiß keiner mehr wo die lagen, grade so verdeckt. Und nun werden die irgendwo langgespült wo es alle möglichen treffen kann.

  3. Zwei (+1/2) Dinge:

    Zunächst dachte ich, wie Du Tante denn begründen möchtest, dass es um Macht geht. Bis ich das Bild mit dem erhobenen Zeigefinger hinter dem Link sah. Möglicherweise geht es nicht um Macht. Doch sein Selbstverständnis spricht Bände. Ich fürchte, ich muss mich für meinen Zweifel entschuldigen.

    Zweitens: Hat der serbisch-orthodoxe Metropolit Amfilohije durchaus Recht, wenn er sagt:

    „Wir sollten darüber nachdenken, ob dieser Weg der richtige ist, ob es „normal“ ist, was da vor sich geht, und ob es in der Natur des Menschen liegt.“

    In der Tat. Nur warum missachtet er das denn so? Ist Nachdenken wirklich so schwer?

    Wäre da nicht die Tatsache, dass dieses Problem schon immer existierte und heute selbst Merkel „Grenzen“ ihrer „Toleranz“ hat (ohne zu wissen, wovon sie redet), so könnten wir den Amfilohije genau wie Merkel einfach ignorieren.

    Ich würde meinen, die Dummheit (definiert als Unfähigkeit zur Transferleistung, so wie 1+1=2 statt eines unverrückbaren egozentischen Weltbildes) stirbt irgendwann aus. Offensichtlich ist das in der Regel nicht der Fall.

    +1/2
    Wen interessiert, was geschähe, wenn Ansichten, wie die des Oberbischofs, Realität wären, dem sei Philip K. Dick empfohlen. Ich glaube, es war Ubik(??), wo der Blitz einen für eine willkürliche Sünde einfach niederstreckte und nur das Beten mit dem Rosenkranz noch etwas abwehren konnte.

    • Ich denke, Dummheit stirbt nicht nur nicht aus, sie wird nachgezüchtet. Ich glaube, dass Menschen mit dem Instinkt geboren werden, Fremdes abzulehnen, was ja biologisch gesehen auch Sinn macht, da alles Fremde eine potentielle Gefahr darstellt. Nun ist der Mensch aber ja mit einem lernfähigen Intellekt ausgestattet und nicht alleine auf Instinkte angewiesen. Er kann sich also bemühen, diese Instinkte zu überwinden. Nur: dazu muss ihm das einen Vorteil bringen, und er muss selber denken. Religionen neigen nicht dazu, ihre Anhänger zu selbstständigem Denken zu ermuntern, egal ob man an einen oder mehrere Götter glaubt oder daran, dass der Markt es schon richten wird und Austerität eine gute Idee ist, oder die USA unser Freund ist. So lange es weiterhin so läuft, dass das eigenständige Denken unerwünscht ist und nur vorgekautes wiedergegeben (erbrochen) wird, hat Toleranz, die ja keinen unmittelbaren Vorteil hat und mühsam erlernt werden muss, einen schweren Stand. Gerade in Ländern, in denen humanistische Bildungsvorstellungen nicht existieren, sondern Religion die Menschen prägt, sind tolerante Ideen, die von den Lehren der Religion abweichen, kaum durchzusetzen.

      „Mit Gott habe ich kein Problem, nur mit seinem Bodenpersonal.“

  4. Nachtrag:
    Zum Thema Nachname von Conchita.
    Ich hoffe ja mal das Wurst gerade mit dem Ziel gewählt wurde das es eben Wurst ist als was sich ein Mensch nun identifiziert.

    Das kommt ja aber leider nur im deutschsprachigen Raum dann auch sprachlich durch, aber da fällt mir auch nichts ein wie man das universell übersetzen könnte. Sausage ja schon mal net.

  5. Pingback: Links 2014-05-21 | -=daMax=-

  6. Kurzfassung: 1+

    (gab es hier nicht einmal die Möglichkeit zu bewerten? Oder liegt das nur an meinem verrammeltem Browser?)

  7. Hehe,
    also Leute, die Macht mißbrauchen (wollen/werden), wird es immer geben. Und hey, er ist an einer Position, wo man so etwas wunderschön aufzeigen kann, wie das geht.
    Spinner. Aber wie so viele, wird auch er erstmal an der Macht bleiben – die Kirche hat ja andere Sorgen, als solcherlei Personal schnellstens zu entsorgen.

    @Dave B
    „Wurst“ ist als Nachname genau mit dem Ziel gewählt worden, um aufzuzeigen, dass das Geschlecht/what-ever wurst ist. Meiner Meinung nach hätte man da lieber „Egal“ wählen sollen. Nachzulesen ist das irgendwo auf den ESC-Seiten.

    • Wurst:
      Ist ja leider bloss schade das der Sinn/Wortwitz bzw. die Absicht dahinter ja leider international verloren geht.

      Deutschland, Österreich, Schweiz, die Niederlande und vielleicht noch Luxemburg kriegen das mit, aber anderen Ländern geht das einfach verloren.
      Mir fällt auch nichts auf englisch dafür ein was so ungefähr das selbe sprachliche Bild abgeben würde.

  8. Ich glaube ja, das hat eher wenig mit Religion zu tun: es ist ein alter Mann, der die Liebe nicht kennengelernt hat, der wegen seiner mangelnden sexuellen Betätigung zu viel schmutzige Fantasie entwickelt hat. Er hat leider eine Menge Brüder: die Priester von der traurigen Gestalt.

  9. Tja, nachdem es heutzutage nicht mehr en vogue ist, die Juden als Sündenböcke zu benutzen, musste man ja eine neue Minderheit finden. Die Juden haben ja jahrhundertelang dafür herhalten müssen.
    Ich vermute, dass viele LGBTs nicht allzuviel mit Kirchen am Hut haben, weil ihnen von dort überwiegend Ablehnung und Hass entgegenschlägt, also müssen diese ganzen Hassprediger auch nicht fürchten, dass sie ihre Schäflein vergrätzen. Prima „Zielgruppe“ dafür.

  10. Dafür müsste ich jetzt ein 1+ und ein 1- geben. Einmal + weil es stimmt. Die Judenverfolgung beruhte auf den Mechanismen der Diskriminierung und auf dem Sündenbock-Prinzip. Es stimmt auch, obwohl es durchaus viele gläubige Homosexuelle gibt, dass Hassprediger, meinen, ihre Schärflein nicht nur nicht zu verletzten, sondern mit ihrem Populismus noch meinen Zustimmung zu erfahren. Und sie haben auch noch „Erfolg“ damit. Sogar demokratische Parteien fischen am rechten Rand.

    Auf der anderen Seite proklamiert man, dass Schwule, Lesben, Aspis jede „Randgruppe“ nun die „neuen“ Juden seien. Bei Roman mag man das noch vielleicht verstehen – sie waren betroffen. Leute, ansonsten ist das – bei allen Verständnis und aller Solidarität, bei aller Notwendigkeit der Veränderung und aller Betroffenheit – nun echt nicht vergleichbar.

    • So hatte ich das auch nicht gemeint. Es geht mir nicht darum, das vergleichen zu wollen. Wenn sich heute irgendjemand hinstellt und von sich und seiner Gruppe – wie immer die sich nun definiert – behauptet, sie würden verfolgt wie früher die Juden, dann ist das einfach Bullshit.

      Was ich damit sagen wollte, ist, dass diese Hassprediger heute nicht mehr ohne weiteres predigen können, dass die Juden schuld sind, eben aufgrund des Holocaust. (Wobei sich leider Tendenzen zeigen, das wieder gesellschaftsfähig zu machen) Also nimmt man das gleiche Schema – Ausgrenzung, Diskriminierung und pauschale absurde Schuldzuweisungen – und überträgt das auf andere „Randgruppen“.

      Der Vergleich bezog sich auf die Methode der Schuldzuweisung, nicht auf davon betroffene Gruppen.

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