Die bösen Steuerhinterzieher

Hoeneß ist ja abgefrühstückt. Der geht demnächst in den Knast und wahrscheinlich nicht den, der dachte, er wirds. Der „Tag des offenen Journalismus“ hats ihnen wohl verhagelt. Zu Recht übrigens.

Nö, diesmal geht es um die gemeinen Steuerhinterzieher der Grünen und der SPD. Da haben doch tatsächlich zwei Berliner Abgeordnete keine Zweitwohnsitzsteuer abgeführt.

WAS für ein Skandal.

Allen voran die AfD, vor allem deren Jungvolk. Frei nach dem Motto „Sachargumente sind kacke, da kann man uns drauf festnageln“ wird gerade von der jungen AfD (also die unter 70 *hüstel*) derzeit ein ziemlich persönlicher Negativwahlkampf geführt.

Denn schließlich: Wenn sie beweisen können, dass die anderen NOCH dämlicher sind als sie selbst, dann wird man vielleicht gewählt.

Oder so.

Eine kleine Auswahl an Bildern. Das hier finde ich schon sehr apart. Das wird hoffentlich richtig teuer. Das hier, nebst den danebenstehenden Kommentaren, ist auch allerliebst. Auch das hier ist eine sehr ansprechende Bildkomposition mit seriöser Aussage, wofür die AfD denn nun eigentlich steht.

Also, zurück zum Thema, genug des AfD-Bashings. Wobei, ach, ich mach nachher noch ein Best-of glaub ich.

Also, zwei Abgeordnete, einer von den Grünen und einer von der SPD, haben jetzt ganz eklatant Steuern hinterzogen. Und schon wird der Vergleich zu Hoeneß gezogen. Na-tür-lich von der AfD. Von wem auch sonst.

Der Unterschied zwischen den beiden und Uli Hoeneß?

Das eine sind Politiker, das andere ein armer Privatmann?
*MÖÖÖÖÖÖÖÖÖP* Nein.

Uli Hoeneß hat mindestens 30 Millionen hinterzogen und wacker einen Deal mit der Staatsanwaltschaft gemacht, bevor er für 10 Jahre einfährt. Nachzahlen wird er nicht alles müssen, es zählt eine Verjährungsfrist von 4 Jahren. Alice Schwarzer hat davon ausgiebig Gebrauch gemacht und gemeint, dass jetzt aber alles gut sei, sie hätte ja gezahlt. Jo, aber nur das, was sie musste.

Der Abgeordnete Hofreiter hat 2475 Euro an Zweitwohnungssteuer hinterzogen und jetzt vollständig nachgezahlt.

Aber er ist ja damit nicht alleine. Niels Annen von der SPD hat auch Zweitwohnsitzsteuer hinterzogen und jetzt aktuell auch noch ein CDU-Abgeordneter: Tankred Schipanski. Mehr werden mit Sicherheit folgen.

An alle, die der Meinung sind, Steuerhinterziehung ist Steuerhinterziehung und alle gehören gleich bestraft: NEIN. Die entsprechenden Dimensionen müssen berücksichtigt werden. Im Fall Hoeneß wurden sie es nicht ausreichend und in den Zweitwohnungssteuern-Fall legt man zu harsche Messlatten an.

Das ist noch nicht mal im Bewährungsstrafenbereich. Das ist noch im Bußgeldbereich, was hinterzogen wurde. Die Steuerschuld wurde vollständig bezahlt. Und es gibt auch gerade bei Zweitwohnsitzsteuern *keine* Möglichkeit, dauerhaft an ihr vorbeizukommen. Die Stadt Berlin hat Register, die wissen, welche Buden vermietet sind. Über kurz oder lang *kommen* die auf dich zu. Und dann wird es teuer. Das wissen auch die Abgeordneten, ich halte die Aussage „das haben wir versemmelt“ an der Stelle tatsächlich für Wahrheit und nicht für Ausrede.

Hier jetzt ein derartiges Faß aufzumachen, wie es vorranging von der AfD (die anderen sind mit Rücktrittsforderungen aber auch recht großzügig) gemacht wird, ist ziemlich durchsichtig und übel.

Diese Art Negativwahlkampf, der sich selbst herauspoliert, indem Dreck auf andere geworfen wird, ist abstoßend. Ich will sehen, WOFÜR eine Partei steht. Aussagen sehen. Kein Wischiwaschi. Das geht mir schon bei den Etablierten auf den Keks, aber Frischparteien disqualifizieren sich hier zumindest bei mir für immer.

 

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Soziales

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6 thoughts on “Die bösen Steuerhinterzieher

  1. Jaja, Negativwahlkampf ist ne ganz interessante Sache. Letzten Herbst beim Landtagswahlkampf in Hessen hab ich ein besonders schönes Beispiel gesehen. Die Landes-FDP hatte da eine Straße mit ihren tollen Wahplakaten zugepflastert. Auf einem stand: „Stadtbahn: nicht mit uns“ (Die Straße ist in Wiesbaden und seit Jahren wird hier über eine Stadtbahn diskutiert), „Windräder auf dem Taunuskamm: nicht mit uns“ und „Einheitsschule: nicht mit uns“. Als ich diese SEHR aussagekräftigen Plakate gelesen hatte, dachte ich mir: „Aha, was die alles nicht wollen. Da frag ich mich jetzt aber, was die denn dann wollen. Das haben die auf den Plakaten nicht gesagt“.
    Das ist ganz billiger Wahlkampf, der auf die niedersten Instinkte der Hohlbirnen abzielt, die sich über nix Gedanken machen, aber bloß nichts wollen, was irgendwas ändert und/oder Geld kosten könnte. Der Mist ist nur, dass solche billige Polemik nur allzu oft funktioniert.

  2. Gibt es in Deutschland eigentlich schon PACs und Super-PACs für den Negativwahlkampf, der natürlich nicht mit den Kandidaten in Verbindung steht.
    Ausserdem lassen sich doch so die Spenden besser verschleiern.

    Aber die AfD macht ja auch einen auf geschlossene Tee-Gesellschaft, nach transatlantischem Vorbild.

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