Bei Wunderkuren bleibt nur noch das Wundern

/edit: Stimmt ja. Die Pharmama hatte das auch. Wollte ich eigentlich verlinkt haben 😉

Es gibt ja viele Mittelchen, die alles heilen sollen – vom Fußpilz bis zur Krebserkrankung.
Homöopathie verspricht ja Heilung von allen möglichen Gebrechen. Diejenigen, die im Falle einer Krebserkrankung allerdings ausschließlich darauf vertrauten, können im Regelfall nicht mehr viel davon erzählen, denn sie sind tot.

Krebs kann man nicht mit Gesundbeten überleben. Mit Zitronensaft im übrigen auch nicht.

Und jetzt das:

Ein neues Wundermedikament, dass *alles* heilt. AIDS innerhalb von Stun-den. Autismus kann damit geheilt werden. Echt jetzt. Und Krebs im Endstadium. Ärzte haben es ausprobiert und sind begeiiiiistert. Weil die, die sie schon abgeschrieben haben, plötzlich geheilt waren.

Ihr seht – ein absoluter Bringer das Zeug. Ich würde nicht zuviel versprechen, wenn ich sage, dass es selbst traumatisierte Katzen nach einem Wasserbad heilen könnte. Die wollen NIE WIEDER aus dem Wasser raus.

Und was ist das nun für ein grandioses Zeug?

MMS. Miracle Mineral Supplement.

Es ist eins der stärksten Bakterienkiller, die es gibt.

DAS stimmt sogar. Das ist nämlich Chlorbleiche. Und es wird eingesetzt zur Desinfektion. Allerdings sollte man damit kein lebendes Gewebe „desinfizieren“, weil das Mistzeug aus lebendem Gewebe nämlich sehr schnell ziemlich totes Gewebe macht.

Der Kriminelle, der das als Medikament vertreibt? Jim Humble. Um der Strafverfolgung zu entgehen, hat er sogar eine MMS-Kirche gegründet. Bis zu den ersten Todesfällen ist es nur eine Frage der Zeit.

Vor allem, wenn man die Dosierungsanleitungen für autistische Kleinkinder sieht. Ab ins Babyfläschen und Einläufe mit MMS. Das heilt den Autismus. Wenns Kind kotzt und Durchfall bekommt, ist das die „Selbstreinigung des Körpers“ – neee, Leute, das sind Vergiftungserscheinungen.

Man sollte den Idioten mal sagen, dass ein Friedhof keine Heilung ist.

Pfoten weg von MMS. Und hört auf, an eurem Kind rumzupfuschen, weils ne Autismus-Diagnose hat. Euer Kind ist völlig in Ordnung. Es nimmt Emotionen nur anders wahr. Das ist alles. Keine Katastrophe.

Aber man muss weder Autismus, noch Krebs noch AIDS aus einem Menschen herausbleichen mit aggressiver Chlorbleiche.

Ich sags nochmal: Pfoten weg.

/edit

Wow. Nicht mal mein Lieblingskurpfuscher fällt auf den Scheiß rein.

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10 thoughts on “Bei Wunderkuren bleibt nur noch das Wundern

  1. „Mein Lieblingskurpfuscher fällt wenigstens nicht auf den Scheiß rein.“

    Nicht?
    MMS is auch irgendwie nicht so seine Linie. Steht trotzdem schon wieder genug frischer Blödsinn auf seiner Seite ….

  2. aaalso (erst Mal Danke für’s verlinken! Huhu!)
    … gegen Fusspilz könnte das ja tatsächlich helfen. Aber unbedingt nur äusserlich angewandt. So ziemlich alles andere, für das das angepriesen wird: nein. Nein! Vor allem nicht eingenommen. Das ist vielleicht schon auch eine Art der Problemlösung: einfach die Leute vergiften, wenn sie erst mal unter der Erde sind, haben sie all die Probleme vorher eh‘ nicht mehr.

    • Die Kunden zu vergiften ist aber eine ganz schlechte Marketingstrategie; wer sowas kauft, der besorgt sich vielleicht auch Globuli oder Magnetarmbänder oder, in ganz hartnäckigen Fällen, Aluhüte …

      😀

      • Bei den angewendeten Konzentrotionen sterben die Kunden langsam gaaaanz langsam, und sie haben eine Menge unklarer Beschwerden, mit denen sie kaum zum Arzt gehen werden, denn sonst hätten sie den Sch..ß nicht gekauft. Also werden sie nach Lösungen für die Problem suchen, die durch die Behandlung aufgetreten sind, und da wären eben Zuckkügelchen, Wassertrofpen (Bachblüten), oder auch der Zitronensaft von unserem Stammqucsalber, was zusammen mit der MMS nochmal einen deutlich stärkeren Effekt haben dürfte.

        Nee, nee, die Strategie ist nicht schlecht, man lässt die Kundschaft lange genug am Leben, bis sie alles Geld ausgegeben hat …

  3. Tja, wenn alles andere nichts hilft, dann hilft Chlorbleiche. Dann hat man keine Probleme mehr. Oder man denkt ganz fest an Johannes Paul II. Der ist jetzt sogar offiziell heilig.

    Aber wie widerlich ist das denn, dass die Leute unbedingt den Autismus ihren Kindern „austreiben“ wollen. Es ist ja nicht so, dass Autisten keine Emotionen empfinden. Sie tun dies einfach „anders“. Und weil sie nicht ins „normale“ neurotypische Schema passen, muss man sie heilen?

    Es wäre doch mal ein interessanter Gedanke, wenn die Mehrheit der Menschen nicht „neurotypisch“ wäre, sondern autistisch. Ich rede hier vom Asperger-Autismus und nicht vom hochfunktionalen Kanner-Autismus. Auf den ersten Blick erkennt man einen Asperger-Autisten nicht (es kommt darauf an, wie stark der Autismus ausgeprägt ist). Er kommt einem vielleicht einfach nur ein bisschen „seltsam“ vor.

    Nun war mein Gedanke, wie es wohl wäre, wenn der Asperger-Autismus der Normalfall wäre und das, was als „normal“ gesehen wird, die Abweichung. Als „normal“ wird das gesehen, was die Mehrheit als normal sieht. 90% der Menschen sind Heterosexuell? Dann sind die Homos alle krank und müssen geheilt werden. Sind 90% der Menschen neurotypisch? Dann sind die Autisten krank und müssen geheilt werden. Ist klar was ich meine? Hier kann man tatsächich sagen: Man ist nicht behindert, man wird es.

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