Sprachwissenschaft auf höchstem Niveau verhunzt

Humboldt-Universität. Ihr erinnert euch? Das war, wo eine Studentin im ersten Semenster, weil ihr die Studieninhalte nicht gefielen, so einen Krawall veranstaltet hatte – zusammen mit ein paar Freunden – dass der Professor da unter Polizeischutz unterrichten musste.

Diese Studentin hat in einer eklatant frechen und dreisten Weise nicht nur den Lehrplan durcheinandergebracht und dem Professor eine unfassbare Respektlosigkeit entgegengebracht. Nein, sie hat auch, da es sich um ein Grundlagenseminar handelte, die Mitstudenten, die etwas mehr Verstand und geistige Reife mitbrachten, in eine schwierige Lage gebracht. Das Seminar wurde von ihr bewußt so gestört, dass es nicht mehr zu halten war.

Und falls sich *irgendwer* noch fragt, wer die Schuld an dem Desaster trägt, der kann sich mal hier ein Bild machen. Und hier.

Wer es nötig hat, eine derartige Sprachpanscherei zu betreiben, um die Kernaussagen zu verschleiern und den Text so unverständlich zu machen, dass man erstmal die Worte identifizieren muss, bevor man sich mit den Argumenten beschäftigen kann, der *kann* nicht recht haben.

Ende der Durchsage.

Und an der Stelle möchte ich den hochgelehrten „Denkschulen“ mal ein Attest ausstellen. Ihr habt ein bisschen den Faden zur Realität verloren und ähnelt gerade echt mehr einem Quadratmeterstück Torfmoos während einer sechswöchigen Dürreperiode.

Ihr seid doch nicht ganz dicht.

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Soziales

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22 thoughts on “Sprachwissenschaft auf höchstem Niveau verhunzt

  1. Ich vermute mal das „bisschen“ bezüglich des Realitätsverlustes ist eine künstlerische Freiheit und Ironie. Ansonsten kann’s auch gerne ein bisschen mehr sein 🙂

  2. Ich versteh nicht mal, worum es da eigentlich geht (also außer der Story, das die militant-dummen irgendwasistinnen die Vorlesung sabotiert haben). Oder kurz gesagt: WTF?

  3. Da könnte man sich fast wünschen, das solche Leute die Diskriminierung von Nährstoffen verhindern würden und sich nur noch von Luft und Licht ernähren würden.

  4. Dieser Text – ich las ihn schon vor einigen Stunden, und ich konnte nicht damit aufhören; ich las und las gefesselt in Asterisken, Underlines und gelegentlichen Sinnbröckchen – er hats verdient, gesungen und gemurmelt zu werden, in jedes feinhörige Ohr zu dringen und die Welt mit der Kraft der Sprache in einen besseren Ort zu wandeln, in einen Garten aus Klang, Gleichheit und blühenden Unsinn.

    Ich bin hier in Hannover, und auf meinem Weg nach Döhren musste ich am Friedhof Engesohde vorbei. Dort liegt Kurt Schwitters, mit der unerschütterlichen Geduld einer Leiche liegt er dort, auf seinem Steine steht als letztes jecker Einwurf eines Dadaisten »Man weiß ja nie«. Deutlich vermeinte ich zu spüren, wie der Boden mit den tausend Grüften bebte…

    • Was immer die Motive derer, die dieses Traktat verbrochen haben, gewesen sein mögen, durch eine derartige Verunstaltung des Textes führen sie sie ad absurdum.

        • Gewiss nicht! Gegen das Motiv, sprachliche Formen auf ihre tradierten, aber heute nicht mehr angesagten Diskriminierungen hin abzuklopfen, auch den Versuch zu machen, das zu ändern – hey, was ist bittschön an dieser Intention ernsthaft zu kritisieren?

          Die Sprache ist etwas Lebendiges, nicht irgendwie unantastbar und für ewig immer gleich. Trotzdem kann man nicht mal eben so eine ganze Reihe von „neuen Zeichen und Formen“ etablieren, bzw. meinen, das erreiche auch wirklich den Zweck.
          Ich bin noch in einer Zeit sozialisiert, als es maximal um das Binnen-I ging…. wie ich jetzt sehe, gibt es da „Fortschritt“ – und nicht zu knapp! :-))

          Ihr könnt mich ja ein Harmonie-süchtiges Seelchen nennen, aber ich möchte gerne über die Details diskutieren – und werde das auch in weiteren Blogpostings tun!

          • Richtig, Sprache ist lebendig. Gerade an der sog. „Jugendsprache“ sieht man das ja auch sehr gut.

            Aber es gibt die Entwicklung „von unten“ – das Weiterentwickeln sprachlicher Begriffe, Verschleifungen (ich sachet dir) und es gibt die von oben aufoktroyierten Veränderungen.

            Auf Wissenschaftlicher Basis ist das ganz nett mal durchzuspielen. Dazu gehören auch mal Denkanstöße in Richtung „ähem, das ist aber diskriminierend“ – ich denke da an die Blackfacing-Diskussion. Und ja, genau dafür sind Universitäten auch da, um genau diese Denkanstöße zu geben.

            Aber was da passiert ist, hat mit Denkanstoß nix mehr zu tun. Das war das Terrorisieren des ganzen Kurses aus ideologischen Gründen.

            Uncool

          • Im Kern ging es doch um die Verwendung von historischer Literatur, die als nicht angemessen bzw. diskriminierend empfunden wurde. Dies herauszustellen, ist sicher nichts verwerfliches. Der Professor hat dann anscheinend aber gesagt, dass er diese Literatur trotzdem verwenden wird, bzw. sie zur Erläuterung heranzieht. Das ist sein gutes Recht, wenn er nicht gerade „Mein Kampf“ anpreist. Nennt sich glaube ich Freiheit der Lehre.

            Daraus jetzt eine Grundsatzdebatte über Diskriminierung machen zu wollen, erscheint mir verfehlt. Wissenschaft lebt ja von kritischer Auseinandersetzung, nicht von Denkverboten. Ich meine, in der Konsequenz müssten diese Leute auch Luther verbieten wollen, der antijudaistisch war, Hexenverfolgung guthieß und behinderte Kinder als Teufelsgeschöpfe ansah. Wahrscheinlich können wir dann 99,9% aller jemals geschriebenen Texte wegwerfen, weil der Verfasser irgendwann mal irgendjemanden diskriminiert hat.

            Und diesen Umgang mit Sprache, um jede vermeintliche Diskriminierung auszuschließen, könnte man als diskriminierend betrachten, wenn man jedem, der anders schreibt, automatisch diskriminierende Absichten unterstellt. Mal ganz davon abgesehen, dass diese „Sprache“ nicht mehr als Kommunikationswerkzeug taugt. Wenn ich einen geschriebenen Text erst Wort für Wort in allgemeinverständliches Deutsch übertragen muss, taugt er nichts für eine Diskussion.

  5. @Jay: Welcher „Kurs“ wurde denn da „terrorisiert“? Ich frage, weil die Fußnote zum „wir*“ das Sternchen so erklärte, dass da eine Gruppe sich äußere, die nur im Konsens entscheide. – ?

    „Auf Wissenschaftlicher Basis ist das ganz nett mal durchzuspielen.“

    Mit dem Argument der „wissenschaftlichen Basis“ könnte man ein Fass aufmachen, das glatt größer wär als die konkrete Auseinandersetzung um diskriminierende Sprache! Siehe dazu die „Argumentationshilfen für antidiskriminierende Sprachhandlungen“ und da drin Einwand 6 „Ist das denn alles wissenschaftlich abgesichert“ (bisschen scrollen…).

    Z.B. werden im Kontext dieses Kompendiums zur „wissenschaftlichen Begründung“, dass das „man“ eine sprachliche Diskriminierung sei, Studien heran gezogen, die zeigen, dass mit „man“ europaweit doch mehrheitlich „Männer“ assoziiert wird,
    Es ist nicht ganz easy, dazu die Quelle zu finden, noch dazu online einsehbar. Ich mag mich diesem Votum nur aus einem ganz subjektiven Empfinden nicht anschließen – dennoch verwende ich „man“ nicht mehr überall, wo es mir in den Sinn kommt, sondern checke dann bewusst, ob Alternativen nicht BESSER bzw. treffender sind. Wenn aber NICHT, bleibe ich beim MAN… und vertrete das auch.

    Deshalb bin ich nicht nur verärgert über die HU-Studendixe, sondern schätze tatsächlich auch die Inspirationen, die durch diese jugendluch Radikalen so rüber kommen.. 🙂

  6. Was mich an der Sache mit am meisten irritiert ist dieses anprangern des Studierens von Texten mit diskrimierenden, gewaltverherrlichenden, usw. Texten. Mit der Begründung man würde diese Ansichten ja damit reproduzieren. Als Mensch and der Uni sollte man mal ein Gymnasium oder eine andere höhere Schulformen besucht haben. Im Optimalfall ist man dort zum kritischen Denken und arbeiten trainiert bzw. erzogen worden. Und genau dieser Aspekt ist imho wesentlicher Bestandteil des Studiums, die kritische Analyse von primären und sekundären Quellen im Kontext ihrer Entstehungsumstände. Basierend auf dieser Analyse bringt man das in der Quelle enthaltene Wissen dann in Relation mit den heutigen Gegebenheiten/Lehren. Genau das war die Argumentation des Profs für diese Texte. Diese ideologische Abschottung der Störer irritiert mich stark.
    Die eigene Meinung ist die einzig richtige. Denn wir sind ja aufgeklärt und ultratolerant. So tolerant das wir die Sprache umkrempeln, bis hin zur Unverwendbarkeit, sodass sich ja niemand mehr durch irgendeine Verallgemeinerung auch nur Irgendwie diskriminiert fühlen kann. Wir sind so tolerant, dass wir unsere absolut überlegene und richtige Meinung zur Not auch vehement und mit Zwang gegen die intoleranten Priviligierten dieser Welt durchboxen.
    Wenn ihr mich fragt ist das faschistoides Handeln und Denken in Reinform. Und diese Form der ideologischen Abschottung und Aggression ist mir gerade im politisch sehr linken Umfeld schon öfters begegnet. Ich will hier auf keinen Fall die Gefahr von Links beschwören, Rechts haben wir mehr als genug Arschlöcher. Aber diese Denktendenz finde ich alarmierend.

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