Effekte?

Was mich ja am meisten erschreckt, ist, wieviele von Mobbing betroffen sind.

Das es nicht gerade wenig sind, wußte ich. Aber SO viele? Ein alltägliches Problem? Etwas, wo man sich mal kurz aufregt? Ist halt so, war halt so, irgendwann ist die Schule vorbei.

Ist das so? Welche Effekte hat das Schulmobbing eigentlich heute so auf euch? Was glaubt ihr, wie man das ändern kann oder sollte?

Disclaimer: Das ist keine wissenschaftliche Untersuchung oder sowas. Sondern ein gezielter Diskussionsthread über die Individualfolgen. Das heißt: Es gibt hier kein „das stimmt aber nicht“ oder „du stellst dich gerade an“, okay?

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Soziales

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16 thoughts on “Effekte?

  1. Ich wurde in der Schule auch gemobbt, und mich hat das nachhaltig geprägt. Ich habe, wie man so schön sagt, eine gestörte Sozialkompetenz, kann im Umgang mit Anderen teils nicht so unbefangen sein. Sobald etwas bei mir falsch ankommt, schalte ich emotional auf defensiv und werde irgendwie „hölzern“, weil der Instinkt da ist, mir keine Schwäche anmerken zu lassen. Auf andere wirke ich dann häufig schroff und abweisend, teils auch arrogant.
    Das geht mir bei Menschen so, die ich nicht gut kenne, oder bei Arbeitskollegen.

  2. Ich habe – medizinisch attestiert – mir einen zynischen Sarkasmus mit narzisstischen Anteilen zugelegt. Das ist auch nie wirklich besser geworden.
    Das wirkt auf Fremde abstoßend und mein Freundeskreis ist dementsprechend sehr klein. Dafür sind es gute Freunde, die mich zu nehmen wissen und auf die auch immer Verlass ist.

    In neuen Gruppen bin ich eher verschlossen und zurückhaltend.

    Dafür war das Mobbing bei mir mit Ende der Schulzeit auch wirklich vorbei, denn damals gab es noch kein Facebook und mit dem Auseinanderfallen des Klassenverbandes beim Schulabschluß war dieses Kapitel für mich beendet und das Buch geschlossen.

  3. In der Grundschule hatte ich eine Zeitlang das zweifelhafte Vergnügen die Klassenzielscheibe zu sein. Mit Klassendresche, Jagdveranstaltung und unzähligen dummen Sprüchen. Krönung des ganzen: Mein Klassenlehrer (ein weithin bekannter Vollpfosten) meinte, da ich sooft im Zentrum von so viel Ärger stehe, solle ich doch mal nachsitzen „um mein Verhalten zu ändern“.
    Glücklicherweise hatte ich inzwischen geschafft mich doch noch mit einigen Mädchen in meiner Klasse anzufreunden, die mir bei meinen Protest halfen, aber DIE Nummer lässt mich bis heute säuerlich blicken.
    Und ich hatte Glück. Neben dem Vollpfosten hatte ich einem sehr sozial kompetenten Mathelehrer, der mir half. Der Umstand größer als die meisten zu sein wurde nicht nur zu einem Grund mich zu ärgern, sondern (auf den Tipp eines Nachbarns hin) auch zum Vorteil. Ein paar meiner Mitschüler wurden in der nächsten Schneewehe begraben und machten ihrerseits die unangenehme Erfahrung wie es ist hilflos zu sein. (Ganz besonders wenn jemand der nicht nur ebenso schwer ist, sondern etwas gründlicher drüber nachdachte wie man jemanden weitgehend bewegungsunfähig macht, auf einem draufsitzt, einem die Stiefel auszieht und selbige den Hang runterwirft. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon mächtig dazu gelernt …)
    Die Jungs die am längsten das Mobbing aufrecht erhielten (von fast allen Lehrern stark verharmlost als „Jungs foppen Mädchen halt“) machten die Erfahrung: Sie wurden vielleicht mit mir fertig, aber nicht mit den schwungvollen Händen ihrer Eltern (das waren die 70er jahre und die frühen 80er – da galt der Teppichklopfer noch als durchaus brauchbares Erziehungsinstrument). Die gewisse Einzelheiten über ihre Jungs aus einer Quelle erfuhren, die in Kleinstädten das Gesetz sind: Durch die Herrscherinnen des Dorfklatsches aka Mütter besagter Freundinnen – mit tadelden Blick.
    Und trotz allen Glücks das ich dabei hatte – ein Teil von mir bleibt immer misstrauisch und erwartet das die anderen sich umdrehen und sagen „Nö DU nicht, dich wollen wir nicht“.

  4. Für ein Mobbingopfer (Schulklasse, 7. bis 10. Klasse, danach wurden die Klassen neu zusammengewürfelt – und einige Hauptakteure sind schon nach der 7. Klasse andere Wege gegangen, zum Teil gegangen worden) bin ich wohl relativ unbeschadet aus der Sache hervorgegangen (recht still und verschlossen war ich aber auch eine Zeit lang). Vielleicht eine Mischung aus Glück und relativ starker Persönlichkeit. Glück in dem Sinne, als daß es immer ein paar Mitschüler gab, die sich zumindest neutral verhalten haben, Eltern und Lehrer, die sich ins Zeug gelegt haben und ein privates Umfeld mit Freunden etc. die keinerlei Verbindung zu meiner Schule hatten. Mit den heutigen Möglichkeiten wäre es mir sicherlich schlechter ergangen.

    Vereinzelt habe ich an der Uni ähnliche Verhaltensmuster gesehen, aber da wusste ich ja schon damit umzugehen, die Leute hatten bei mir keine Chance.

  5. Oha.
    Also zu meiner damaligen Schulzeit war ich so ab Schulwechsel (nach der 4. Klasse) irgendwie auch Zielscheibe in der Klasse. Die, die sich Freunde nannten, hielten sich netterweise raus, die anderen kloppten drauf los. Lehrer waren absolut hilflos und ich froh, mit der 10. beendet zu haben.

    Tja, und in der Ausbildung wiederholte sich das Spiel. Liegt eben wohl daran, dass ich nicht immer all das toll finde, was die Meinungsmacher (heute wohl eher „Alphamännchen“) vorgaben. Und meine Meinung nicht nur sage, sondern auch vertrete. Und dabei dann auch schon mal Dresche einstecken muß. Oder ein plötzlich ausgetauschtes Stück Metall, das man bis eben noch fein säuberlich bearbeitet hatte.

    Das Team nach der Ausbildung, in dem ich mehrere Jahre gearbeitet habe, war klasse. Man mußte sich zusammenraufen, da es galt, ein gemeinsames (Arbeits-)Ziel zu erreichen. Allerdings gab es genug Freiheiten für diverse Charaktere. Das war genial.

    Danach wieder Schule, später halt Abi nachgeholt. Fachgymasium, also 3 Jahre Vollzeit, aber durchsetzt mit unterschiedlichsten Alterklassen (vom 16-jährigen bis zum 39-jährigen). Und – klar, die Jüngeren versuchten es doch tatsächlich wieder, einen an der Nase herumzuführen. Allerdings hatte ich zwischenzeitlich auch gelernt. Und ließ sie sich mühen und mir elegant den Buckel runterrutschen. Gab dann zwar nen blöden Spruch bzgl. „Hat nie Zeit“ in der Abizeitung, den konnte ich verkraften.

    Meine Erfahrung aus dem Ganzen: man gerät in die „Fänge“ solcher Mobber, wenn die sich bedroht fühlen durch das, was man selbst anders macht. Ggf. sogar erfolgreich damit ist, zumindest aber zu dem steht. Und damals haben sich diese „Alphas“ nicht wirklich die Finger schmutzig gemacht, sondern ihre Schergen auf-/angestachelt. Ergo: als jemand, der gewisse Dinge anders macht, diese Art&Weise/Meinung auch vertritt, sollte man entweder schon genügend echte Freunde haben oder einen Kurs in Selbstverteidigung belegen. Zumindest damals. Heute wohl eher einen Kurs im Strafrecht, damit man weiß, wie man solche Leute effektiv anzeigt. Und den Mut dazu sollte man ebenfalls haben – sonst ärgert man sich später immer wieder über die eine (oder andere) Situation, die ggf. eine Änderung herbeigeführt hätte.

  6. Das Mobbing an einer Schule steht und fällt mit dem Rektor bzw. in einer Klasse mit dem Klassenlehrer. Ich selber habe bei meinem Sohn beide Beispiele selbst erlebt.
    Nach einem Lehrerwechsel in der Grundschule fingen die Mitschüler auf einmal an die „fremde“ oder „bevorzugenden“ Kinder zu hänseln und ihnen das Leben schwer zu machen. Die Reaktion der Klassenlehrerin bei meiner Rückfrage: „Das müssen die Kinder unter sich ausmachen. Er kann sich ja auch anpassen.“
    Mein Sohn hat dann die Schule gewechselt und zum „Abschied“ wurden im zwei Schneidezähne ausgeschlagen.
    An der Oberschule, genau das Gegenteil: Auf jede Aktion eines Schülers erfolgt sofort eine Reaktion des Kollegiums. Als diese komische Website zum Lästern modern war, wurden alle Schüler schriftlich darauf hingewiesen, dass die Nutzung dieser Website nicht geduldet wurde. Der nächste Schüler, der doch was geschrieben hat, wurde erwischt und hatte am nächsten Tag eine Einladung beim Rektor und wurde an eine andere Schule versetzt. Danach war an der Schule Ruhe.
    Die Oberschule ist kein Gymnasium sondern eine Gesamtschule mit über tausend Schülern in einem Problemviertel.

  7. Felidana beschriebt sehr gut, wie es mir geht. Zwar ist mir nicht bekannt, dass mich jemand als schroff oder abweisen empfindet. Arrogant wurde ich aber durchaus schon genannt, obwohl ich mich wirklich nicht so empfinde. Neuen Bekanntschaften versuche ich immer möglichst unvoreingenommen zu begegnen, das gelingt mir auch oft. Dann reichen aber wieder dumme Kleinigkeiten, um bei mir Antipathie hervorzurufen. Solche Erfahrungen haben dann zur Folge, dass ich introvertierter und kontaktscheuer bin, als ich es eigentlich sein möchte.

    Ich denke heute noch mit sehr viel Wut an die Zeit damals. Es gelingt mir immer noch nicht, komplett damit abzuschließen. Obwohl ich mich selbst als vergleichsweise entspannt empfinde, wenn ich mal jemandem aus dieser Vergangenheit begegne.

  8. Bei Felidana finde ich mich auch ziemlich wieder.
    Ganz erholt habe ich mich von der Mobberei nie. Damals gab es den Begriff noch nicht, und ich hörte sowohl von Lehrern als auch von meinen Eltern grundsätzlich, ich sei selbst schuld, irgendetwas MÜSSE ich doch gemacht haben, ohne Anlass würden die doch nicht ….
    Ich habe um einen Schulwechsel gebettelt, unter Tränen. Nein.
    Geblieben ist mir Panik, wenn es zu laut wird – was mich oft in Schwierigkeiten bringt – vor allem, wenn es Kinderlärm ist. Zur Schulzeit meiner eigenen Kinder mochte ich nie in ihre Schulen gehen, ich habe immer gut darauf geachtet, dass nicht gerade Pause war.
    Vertrauen? Ist bei mir ein kostbares Gut, meine Eltern hatten das in sie gesetzte dauerhaft verspielt – später hieß es dann, ich sei nachtragend.
    Dass das Mobbing war, verstand ich viel später, als unsere Abteilungssekretärin sich energisch gegen Kolleginnen einsetzte, die mich nicht akzeptierten (an dem Ort ließ mich das kalt, ich war eher außenstehende Beraterin, die konnten mir nix). Noch später merkte ich es, da war es so übel, dass der Chef den Mobberinnen sehr auf die Zehen trat. Allerdings: die beiden waren länger da, gekündigt habe zum Schluss ich.

    Man merkt, das Wort triggert bei mir. Danke fürs Zuhören.

    Hochgescrollt: äh, Thema verfehlt. Wie man es ändern könnte.
    Brachial. Bei meiner Tochter, wo es mal eine Mädchengang versuchte, hat das geholfen. Ich war in der glücklichen Lage, auf sie außerschulischen Druck ausüben zu können – nicht fein, aber sie haben sich nie wieder an mein Kind herangetraut. Die bloße Drohung half. Ich denke, was am meisten hilft, ist das Gefühl, vermittelt zu bekommen, dass man NICHT selbst schuld ist, dass jemand hinter einem steht, und notfalls auch mal zurückschlägt (mit geeigneten Mitteln, das Ding mit der Schneewehe oben fand ich gut). Stuhlkreise und pädagogische Plauderstündchen hingegen betrachte ich mit Skepsis.

  9. Ich verstehe es nicht.

    Wundert Euch das wirklich? Es heißt, das in einer Kommunikation ein erheblicher Anteil der Information über Mimik und Gesten übertragen wird. Beim Mobbing im Netz entfällt das. Missverständnisse sind vorprogrammiert .

    Wundert Euch das wirklich? In einer Gesellschaft, die statt Kooperation das Leistungsprinzip propagiert. Im TV wird die Castingshow zum Mobbing. Selbstüberschätzende Juroren machen es den Zuschauern vor. Das sind „Helden“ und die Leute sitzen wie die Kaninchen davor. Aber kaufen sollen sie sagt die Werbeunterbrechung.

    Wundert Euch das wirklich? In der Schule hat meine Lehrerin mich in der dritten/vierten Klasse, also über zwei Jahre … nein, das lass ich jetzt. Sorry. Ich habe viel später gelernt, was nationalsozialistisches Gedankengut ist und was es damit zu tun hatte. Wichtiger ist: Bildung hängt von der sozialen Schicht ab. Im Betrieb bekommst Du eine Position nur dann, wenn Du andere ausstichst.

    Wundert Euch das wirklich? Peter-Prinzip. Und SAP stellt Autisten als (vermeintlich) geniale Menschmaschinen, sozial „blöd wie Stroh“ (so meint man), mit perfekter Loyalität (was wahr ist). Die wären niemals eine Konkurrenz für die Leistungsträger. Und SAP zeigt die Wohltätigkeit „Behinderte“ einzustellen, erfüllt vermutlich so die vorgeschriebene Quote. Nun, sie werden schon sehen.

    Wundert Euch das wirklich? Die Politik macht es vor. Islamistischer Terror, Wirtschaftsflüchtlinge, ALG erschleichende Faulenzer wohin man nur sieht. Kürzlich kam wieder die Idee, das Wahlrecht davon abhängig zu machen, ob Steuern gezahlt werden. Staatliches Mobbing gegen Roma und gegen alles, was in dummen Köpfen anders ist. Und die NPD klagt. Gerade die? Kein Problem.

    Wundert Euch das wirklich? Die Politik gönnt sich gerade 10% mehr Diäten genau zu dem Zeitpunkt wo ein Harz4’ler gerade eine Nachzahlung von 5000 EUR bekommen durfte. Rechne, wie hoch ist der Satz bei einem Kind? Wie lange musste der mit nichts, nada auskommen? Wovon bitte schön hat er die Zeit gelebt, wenn die nun gezwungen sind 5000EUR nachzuzahlen? Nachweislich hat eine Mitarbeiterin da einmal 10 EUR in einer Notsituation zugeschossen. 10 EUR, wenn man Windeln braucht? Privat, so sagt sie. Ich schätze sie konnte das Elend einfach nicht mehr mit ansehen. Nun ja, die Eltern zahlten auch etwas – soweit das ging. So sozialisiert man Kosten.

    Aber 10% für die Leidensträger, weil sich Leistung wieder lohnen muss? Mir graut wirklich davor, wenn die Politik nun wirklich anfängt 10% mehr zu leisten. Doch da besteht keinerlei echte Gefahr. Also wenn es nach mir ginge, dann würden die 10% bekommen. Und ab da wird jede Diätensteigerung an das einer Frisöse gekoppelt. Da geht dann ganz sicher noch was…

    Wundert Euch das wirklich: Mobbing? Wir schaffen Drohnen, also intelligente Bomben an um Afrika den Frieden zu bringen. Krieg ist Frieden. Und Dresden feiert regelmäßig seine Zerstörung. Nicht? Hab ich falsch verstanden? Haben wir vergessen? Wir mobben nicht einmal mehr. Wir bringen gleich via Joystick um, da im schwarzen Dresden.

    Wundert Euch das wirklich: Ein Manager bekommt das 100-fache oder mehr als einer seiner Arbeiter. Der leistet sich aber sowas von sicher 100x mehr, als der „Idiot“ am Band. Ach ich verstehe. So ist also Leistung definiert. Wenigstens in der Bank ist das kein Problem. Denn den Schalterbeamten, der Scheine zählt, den gibt es nicht mehr. Toll. Arbeitslose brauchen ja keinen Mindestlohn.

    Wundert Euch das wirklich? Wir reden über Nacktbilder von Kindern, möchten Pädophile töten (Zitat aus Internetkommentaren) – ohne die geringste Ahnung, was „man“ da gerade sagt oder was das bewirken soll. Bilder sind ja das schrecklichste Verbrechen. Das Missbrauch täglich geschieht, das sieht man ja nicht. Nur die Bilder sieht man? Auf welchen Webseiten treiben die sich eigentlich rum (auf keiner. Was ist nochmal ein Browser).

    Wir stacheln Hass statt Lösungen gegen Psychopathen zu suchen. Wir sollen züchtig sein, uns der Nacktheit schämen oder werden gemobbt. „Denkt denn niemand an die Kinder“ bedeutet: „Du bist wohl auch so einer“.

    Was ich mich nur frage ist, was es bei Kindern bewirkt, wenn aus „Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht.“ wird „da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren“. Das kann nicht sein. Vom Baum der Erkenntnis habe wir sicher nicht genascht.

    Wundert Euch das wirklich? Die Bahn schafft es immer wieder Kinder auf irgend einem Bahnhof aus dem Zug zu verweisen. Okay, die öffentliche (durchaus laute) Mobbinggeschichte bei der Bahn, als der Fahrscheinautomat weder Karte noch Scheine (Preis weit über 100 EUR) annehmen wollte und der Kontrolloer die wichtigste Person der Welt wurde, beim Fahrziel ungläubig fragte, ob ich denn überhaupt soviel Geld hätte und erst Ruhe gab, als ich nahe daran war, ihm die Scheine in den Mund zu stopfen, da ging plötzlich Alles. Wie durch Zauberei wurde er ein wirklich netter Mensch. Was ich mich da nur frage: wie um alles in der Welt muss ich wohl ausgesehen haben. Ich hatte doch nicht gesoffen…

    Wundert Euch das wirklich? Die Medien sind bei RTL angekommen. Die Geizens, das Dschungelcamp, die Aufräumer sind die Vorbilder. Da wird gezeigt, wie Mobbing zu funktionieren hat, wie blöde Deine Mitmenschen sind und wie wenig sie Achtung verdienen. Heul doch. Und die Kochshows und Wohnshows zeigen (nicht nur) den Frauen, wo sie hingehören.

    Wundert Euch das wirklich? Ausnahem sind in den ÖR selten. Einnahmen gehen in die „Verwaltung“ und „Subunternehmen“ statt an die Kreativen. Unser Theater bekommt periodisch die Mittel gekürzt. Etwas wie Bildung und Kultur wird zur Ware. Dass die Bildung dann irgendwann fehlt, das wundert aber nun sicher nicht. Da muss ich jetzt nicht noch einmal von Schulen und Politik anfangen?

    Wundert Euch das wirklich? Ein durchaus fähiger und ansonsten keinesfalls Arschloch-Chef erzählt wie blöde Mayer ist. Und dem Mayer, wie blöde Schulz ist. Immer wieder, reih um und die Kollegen machen alle mit. Wie dumm muss man sein? Bis ihm jemand sagt, dass er diese Hetze unter keinen Umständen mehr dulden wird. Es wird laut. Seine Kollegen seien nicht doof und sein Auto, seine Luxus-Hütte sei mit deren Arbeit finanziert. Wörtlich der kleine Angestellte: „Noch einmal und es geschieht was. Ich dulde das nicht länger“. Es wirkt, wenigstens für einige Zeit. Manchmal braucht es noch eine Auffrischung. Der Angestellte ist heute noch da. Doch der Chef hat nun Angst und ich frage mich, was geht nur in den Köpfen vor? Muss das wirklich sein Andere niederzumachen um das eigene kleine Ego aufzupäppeln?

    Wundert Euch, dass ich hier „schon“ zuende bin? Nein, ich bin nicht am Ende – auch wenn ihr das wohl gerne gehabt hättet. Aber es reicht mir. Es gibt andere Möglichkeiten um Mobbing und diese Idiotie endlich abzuschaffen.

    Die positiven Dinge, die muss man einfach machen. Lächeln, Kollegen mal unterstützen, nachfragen, wie es geht. Und den Kinder die wichtigen Dinge zeigen, Lieder und Geschichten schreiben. Einfach leben sich interessieren und alles lieben was man tut. Die Welt könnte so einfach sein. Tun wir es einfach und lassen die Idioten einfach da stehen, wo sie sich selbst hingestellt haben.

    Allein.

    (Sorry Tante, das musste raus)

  10. Welche Effekte also?

    Ich weiß heute, dass eine mit Schwung ausgeführt Backpfeife oder eine am Kiefer zerbrochene Hartplastikbrotdose nicht das Mittel der Wahl sind, aber nachhaltig beeindrucken können. Außerdem, dass es nicht reicht, wenn die Eltern eingreifen – ausgenommen, sie haben ihr Kind im Griff.
    Ich weiß heute, dass die Lehrer es meist nicht böse meinten, aber vor der angeborenen Boshaftigkeit mancher Kinder kapitulieren mussten – mangels Beobachtungsgabe, sozialem Verständnis oder auch mangels Prügelstrafe. Ich habe auch verstanden, dass Kinder sehr viel intriganter denken können als man gemeinhin annimmt.
    Ich habe bemerkt, dass soziale Isolation niemals in letzter Konsequenz überwunden werden kann. Menschen, die so etwas ausgesetzt waren, sind ein für alle Mal empfindlich. Sei es, dass sie häufig Dinge auf sich beziehen, gegen andere oder sich selbst aggressiv sind oder das Beieinandersein mit mehreren Personen auf die Dauer als anstrengend empfinden.

    Ich persönlich kann nicht mit Teams zusammenarbeiten, die (wie in der aktuellen Gesellschaft und Arbeitswelt üblich) um ihre Jobs konkurrierende Personen beinhalten. Zumindest ergibt das keine guten Ergebnisse. Ich habe versucht, meinen eigenen Weg zu finden. Dass ich das alleine getan habe, hat mich in dieser Beziehung beiseite gestellt: Ich möchte meinen Job simpel gut machen. Nicht jemanden anderen damit verdrängen. Dass das kein Argument für Arbeitgeber ist, merkt man relativ schnell. Aber ich habe für mich entschieden, dass ich sie nicht anlügen möchte.
    Sie nicht und meine Mitmenschen auch nicht.

    Was man dagegen tun kann?

    Die gesamte Gesellschaft müsste sich ändern. Asoziales oder verletzendes Verhalten müsste auf eine Art geächtet sein, die die Täter selbstständig belehrt.
    Das Übel kann man quasi nur an der Wurzel ausrotten, denn da beginnt das „gestörte“ Verhalten. Erfolgserlebnisse im Kampf gegen die anderen Kinder bestätigen, was sich später als erfolgreiche Strategie gegen andere Mitarbeiter erweist.
    Es stimmt zwar – „Irgendwann ist die Schule vorbei“. Aber was daraus mitgenommen wird, ist niemals vorbei. Diese Zeit prägt uns für ein Leben. Egal, ob im Guten oder im Schlechten. Also sollte man dafür sorgen, dass es eine gute Prägung ist.

  11. Was ist gegen Mobbing zu tun? Die Frage aller Fragen.
    Nun, ich kann mit Sicherheit sagen, was auf alle Fälle nicht zu un ist. Nämlich dem selten dämlichen Sprüchen mancher Eltern oder sonstigen Weisen folgen, die meinen, man solle die anderen doch reden lassen und sich nicht drum kümmern, denn wenn die sehen, dass man sich nicht „ärgern“ lässt, dann hören die schon ganz von alleine wieder auf… MÖÖÖP – FALSCH!!
    Es liegt leider in der Natur von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dass sie ihren Stellenwert in der Gesellschaft suchen und finden wollen. Und viele heben ihr Selbstwertgefühl dadurch, dass sie andere nieder machen. „Ich erniedrige den anderen und bin dadurch automatisch höhergestellt“.
    In der Gruppe kommt dann noch die „Mutprobe“ hinzu: Ich zeige allen anderen, was für ein toller Hecht ich bin, indem ich den „großen roten Drachen am Schwanz ziehe“. Gerade die „sanften Riesen“, also Kinder oder Jugendliche, die allein wegen ihres Körperbaus den anderen haushoch überlegen wären, es mental aber nicht können, weil sie von ihren Eltern mit einem Selbstbewusstsein gegen 0 und einem 100%-Pazifismus erzogen wurden, sind dann besonders in Gefahr. Bin selbst so ein Exemplar, ich weiß also, von was ich rede.
    Denn wenn man sich nicht wehrt und die Anfeindungen sofort im Keim erstickt, wird es Mode und Hobby, und man darf täglich sein Mäppchen aus der Toilette ziehen oder das Mofa heimschieben, weil wieder einer die Luft aus den Reifen gelassen hat usw. usw.
    Also gleich wehren, den/die anderen mit ihrer Tat konfrontieren, sofort klare Grenzen setzen. Wenn kein Rückhalt vorhanden ist, also etwa „Arschloch“-Eltern, die vielleicht einem selbst noch die Schuld geben („bist doch selbst schuld, weil du so fett/so’n Weichei bist“), oder keinerlei Freundeskreis (Außenseiter stehen wirklich meist allein außen, zumindest kommt es ihnen so vor), dann hilft vielleicht noch der/die Lehrer(in) des Vertrauens oder irgendeine andere Autoritätsperson in der Schule. Findet es in einer Firma statt, sind die Vorgesetzten und falls vorhanden die Betriebsräte die Zuständigen. Letztere haben sogar den gesetzlichen Auftrag, Mobbing und Bossing zu unterbinden.
    Tja, und wenn das alles nichts hilft, dann wird’s leider eng. Heute im 21. Jahrhundert geht mir der Rat, dem/der anderen einfach den Kiefer zu brechen oder sonstige wichtige Körperteile durch gezielte Tritte und Schläge außer Gefecht zu setzen, leider schwerer von den Lippen, denn heute sind Kämpfe i.d.R. nicht mehr fair, und schnell hat man da ein Messer in den Rippen oder wird auf dem Nachhauseweg von mehreren attackiert und vor die Straßenbahn geworfen o. ä.
    Und leider leben wir in einer Gesellschaft, in der die Bezeichnung „Opfer“, die früher vielleicht noch Mitleid und Hilfsbereitschaft signalisiert hat, inzwischen mit Verachtung und Geringschätzung gleichgesetzt wird.
    Mann, ich möchte heute kein Kind mehr sein…

    • „wenn die sehen, dass man sich nicht “ärgern” lässt, dann hören die schon ganz von alleine wieder auf“ Ooooh, wie oft habe ich das gehört!

  12. Ich bin ab der 5ten Klasse bis zur 10ten das bevorzugte Opfer der Klasse gewesen. Ich bin nicht mal auf den Gedanken gekommen, dass da was falsch sein könnte, ich wusste doch, dass ich dick, faul, blöd und irgendwie schlecht bin. An meinen eigentlich extrem sozialen Eltern ist das alles anscheinend vollkommen vorbeigegangen – auch das ich meiner Mama Geld geklaut habe um mich mit Süßigkeiten beliebt zu machen oder später soviel gesoffen habe, dass ich wohl doch sehr kurz vor einem echten Alkoholproblem stand – auch die Phase in der ich mich am liebsten vom Parkhaus gestürzt hätte, um nicht mehr in die Schule zu müssen. War ich wohl zu feige für – Glück gehabt..
    Geblieben ist die ständige Unsicherheit, ob Menschen es echt meinen, wenn sie so tun, als ob sie mich mögen. Ich warte irgendwie immer darauf, dass ich doch einen auf die Nase bekomme. Und die Scham, jahrelang hinter jedem hergerannt zu sein, der mir ein bisschen Zuneigung gezeigt hat, egal, was der von mir wollte, bis hin zur deutlichen sexuellen Ausnutzung – egal, der war nett zu mir.
    Auch wenn es nach der Schule vorbei war, bleibt bis heute die Unsicherheit, was ich wert bin, ob ich gut genug bin, ob ich nicht mehr machen muss als andere, damit ich ein gutes Ergebnis erziele, da ich alles schlechter mache als andere. Und das alles nach einem guten Studium und Fortbildungen und ausreichend Beweisen, dass ich eben nicht doof bin.
    Geholfen hätte mir eine deutliche Ansage, dass auch ich etwas wert bin. Das jeder Mensch, und daher auch ich, Respekt verdient hat. Ich bin mir sicher, dass man mit ein bisschen Intervention viel hätte erreichen können – meine Klassenkameraden waren nicht bösartig, nur ungebremst.

  13. Ich denke Kinder werden in dem momentanem Bildungssystem so zu sagen dazu erzogen Mobbar zu sein. z.B. wird viel zu viel wert auf Gruppen Integration/Kollektivismus gelegt und der Individualismus meist kläglich vernachlässigt.

    Weiter oben oder in dem anderen Thread zu Thema hat jemand geschrieben das wen Mobbing Opfer über ihre Misshandlungen berichten Autoritätspersonen Erstmal nachfragen was sie den verbrochen haben das einem so was angetan wurde.
    Das ist z.B. ein eklatantes Beispiel des Kollektivismus, man geht implizit davon aus: Gruppe gut, Individuum böse. Dabei sollte es genau umgekehrt sein, im zweifel sollte man immer dem kollektiv die schuld zuweisen. Den wie “K” so treffend formuliert hat “Ein Mensch ist intelligent, aber ein Haufen Menschen sind dumme hysterische Tiere.”

    Mit der richtigen Erziehung wäre Mobbing bei weitem nicht so problematisch wie es heute der Fall ist. Körperliche Gewalt ausgenommen wirkt Mobbing nur wen der Mensch dafür empfänglich ist, es ist wie hacking. Damit es wirkt muss auf dem ziel System ein exploit vorhanden sein an dem man Ansätzen kann.
    Die Erziehung und Bildung sollte daher dahingehend angepasst werden das entstehen solcher exploits bei den Kindern zu verhindern.

    Oder Anders gesagt, man sollte den Kindern beibringen den Fehler immer zuerst bei anderen zu suchen und erst wen sich nichts finden sollte bei sich selbst.

    Desclamer:
    Ich bin kein deutscher (kein Schulzwang) und ab frühester Kindheit wurde ich von Schullehrern Zuhause unterrichtet.
    Ist daher alles auf Informationen auf 2ter oder 3ter Hand basierend was ich hier theoretisiere.

    Owen

  14. Ich hatte immer gedacht, ich würde verstehen, was Mobbing für einen Betroffenen bedeutet. Wurde in der Schule selber gemobbt. Damals gab es den Begriff allerdings noch nicht; es hieß dann von allen Seiten (Eltern, Lehrer, Psychologen) immer nur: „Wie wahrscheinlich ist es denn, dass jeder gegen dich ist? Das kann doch gar nicht sein. Denk‘ lieber mal darüber nach, was du falsch machst.“

    Ich habe vor zehn Jahren mein Abitur gemacht und jetzt, jetzt treffe ich auf Leute, die mir sagen, dass ich gut bin. Dass sie meine Meinung schätzen. Und ich stehe davor, schaue mir an, worauf sie sich beziehen und denke mir: „Ja, das habe ich wirklich gut gemacht.“ … aber mein Gefühl schreit: „Pass auf, die verar***en dich genauso wie alle anderen vorher auch. Nimm dich in Acht!“ – und da kann die rationale Ebene noch so viel argumentieren, sie wird von der emotionalen Ebene einfach niedergeschrieen.

    Und solange das passiert, ist es nahezu unmöglich, jemandem so nahe zu kommen, dass man irgendwann beginnen kann, eine gute Reflexion seiner selbst auch zu glauben anfangen zu können.

    Zum Glück scheinen die Leute in meiner Umgebung jetzt etwas hartnäckiger zu sein. Seit 20 Jahren ungewollt(er) Einzelkämpfer – vielleicht ist langsam ein Ende abzusehen.

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