Gute und schlechte Petitionen

Derzeit gibts ja Petitionen zur Beschneidung wie Sand am Meer. Eine sticht da ziemlich heraus.

Diese hier.

Erstens: Es ist nicht nur das jüdische Krankenhaus in Berlin, dass Babies beschneidet.

Zweitens: Nur etwa 0,23% aller Beschneidungen in Deutschland sind jüdische. Der weitaus größere Teil sind muslimische und „medizinische“ – weil die Kinderärzte gewaltsam die Vorhaut zurückgezogen haben, um „darunter sauberzumachen“, weil Urologen im Alter von 1, 3 oder vor der Einschulung festgestellt haben, dass die Vorhaut noch nicht frei beweglich ist und daher „Phimose“ und „muss ratzekahl beschnitten werden“.

Weil die Eltern finden, dass es schöner aussieht, weil sie die Masturbationsfähigkeit des Kindes herabsetzen wollen (Zitat: „Und dann hört auch die Fummelei da unten auf“)… es ist endlos. Weil es ja so toll vor Krankheiten schützt die man prima anders behandeln kann.

Die Zielrichtung Jüdisches Krankenhaus ist klar antisemitisch. Der Text der Petition alarmistisch und, ehrlich: Die betonen das „Drama“ in Dramaqueen. Nicht umsonst steht in der Reihe der Unterstützer PI-News.

Ja, Emla ist ein schlechter Witz. Die Creme darf nicht auf offene Wunden aufgetragen werden und betäubt allenfalls oberflächlich. Sobald die Vorhaut von der Eichel abgeschabt wird, ist vorbei mit der Wundbetäubung. Und nein, da wird nicht anständig drüber informiert.

Aber es hilft nichts. Das Thema muss flächendeckend vom Tisch. Wir brauchen die Anerkennung, dass es eine MGM analog zur FGM ist. Wir müssen das Thema gesellschaftlich bannen. Und man merkt ja auch, dass die Befürworter auf dem Rückzug sind, langsam aber sicher.

Religionsargumente findet man kaum noch. Statt dessen werden immer wieder alte Studien hervorgekramt, die irgendwelche medizinischen Vorteile beweisen sollen – und die man leicht widerlegen kann. Die widerlegt sind. Und das spricht sich langsam rum.

Dänemark steht als erstes Land vor dem Bann der MGM – dank an Lena Nyhus und ihre Mitstreiter, die eine unglaublich gute Arbeit leisten. Andere Länder werden folgen. Und früher oder später wird auch ein Volker Beck seine Einstellung zum Kinderschutz überdenken müssen. Neben vielen anderen im Bundestag auch.

Aber jetzt ein Krankenhaus rauszupicken, weils jüdisch ist – das geht nicht. Überhaupt nicht. Das ist kontraproduktiv und wird jedem, der argumentiert, dass die Beschneidungsgegner fiese Antisemiten sind, richtig gute Munition liefern.

Und wir haben grad mit viel Mühe diese Schwachköpfe rausgekegelt. Da müssen wir uns die nicht neu eintreten.

Wenn ihr helfen wollt, dann unterzeichnet diese Petition bitte NICHT. Die muss fehlschlagen. Danke 😉

 

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Soziales

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2 thoughts on “Gute und schlechte Petitionen

    • Ich mein, du kannst den Link aufzeigen, ohne ihn zum Link zu machen (wenn Du verstehst, wie und was ich mein‘ – is halt schon früh).

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