Datensicherheit

Wir leben in Zeiten des Staatstrojaners, der ja bereits eingesetzt wird. Das wird hübsch unter der Hand gehalten, aber eingesetzt wird er.

Wir leben in Zeiten, wo die NSA recht freizügig mit der Datensicherheit anderer Rechner umgeht. Solange man die eigene Hardware nicht selbst zusammengelötet hat, kann man nicht sicher sein, dass sie nicht infiziert ist. Ein kleiner unschuldiger Extrachip reicht ja schon aus, um jedes Datensicherheitskonzept zunichte zu machen.

Hinzu kommt ein Grundsatz: Wenn ich mir Zugriff auf ein System verschaffe, indem ich Sicherheitsregeln aushebele und ein vorhandenes Sicherheitskonzept unterwandere, habe ich Vollzugriff. Das heißt, nicht nur lesend, sondern auch schreibend.
Und das ist wirklich ein Problem.

Denn während man bei Papier noch sehen kann, wenn hier Seiten gefälscht wurden (andere Papierqualität, unterschiedliches Alter der Tinten, Radierungsspuren) und die auch in der Forensik nachweisen, so ist das bei einer 0/1-Kombination nicht mehr möglich, vor allem, wenn man das ganze etwas geschickter anstellt.

Wenn man also die Datums-Angaben mitmanipuliert und so suggeriert, dass die Datei schon sehr viel länger auf der Festplatte liegt. Das ist recht einfach und man kann das so gründlich machen, dass da selbst für misstrauische Forensiker nur ein Schluß bleibt: Die Datei gibt es auf der Festplatte schon x Monate, also lange bevor die dokumentierte Überwachung angefangen hat.

Um alle Spuren zu verwischen, ist etwas Geschick von Nöten, aber es geht und vor allem: Spurenfrei (nein, ich erkläre an der Stelle NICHT wie das geht *g*).

Wenn also jetzt eine Polizeibehörde den Staatstrojaner einsetzt und ums Verrecken keine Beweise findet, was schützt eigentlich den Verdächtigen vor einer derartigen Datenmanipulation? Die Verfassungstreue der Polizeitruppe?

Dazu möchte ich eine kleine Geschichte erzählen.

Es war ein Kumpel im Ethikunterricht. Es war 1988 und er war kurz vor dem Abitur. Nach dem Abi wollte er Jura studieren. Die Frage lautete: „Wäre es möglich, dass die Bundeswehr innerhalb Deutschlands tätig wird.“

Seine Antwort lautete: „Nein, denn dazu müsste sie ein Mandat des Bundestages haben, was sie nicht bekommen wird.“

Das Gelächter bei der Geschichte ist mir übrigens inzwischen sehr böse im Hals stecken geblieben.

Warum die Geschichte? Nunja, mein Kumpel kam überhaupt nicht auf die IDEE, dass die Bundeswehr putschen könnte. Und dieselben Leute, die glauben, dass die Bundeswehr niemals putschen würde, glauben offenbar auch, dass die Polizeitruppe immer sorgfältig ausermittelt und die Leute, die sich dann als offensichtlich unschuldig erweisen, auch vom Haken läßt, weil sie ja keine Beweise gefunden haben.

Und, um zum eigentlichen Punkt dieser Geschichte zu kommen:

Vor diesem Hintergrund bitte einmal die Story um Sebastian Edathy, dem Vorsitzenden des NSU-Ausschusses, sehen. Vor dem Ausschuß haben die ganzen Inlandsgeheimdienste einer wie der andere nicht gut ausgesehen. Skurriles, bizarres und völlig hanebüchenes ist zutage gekommen.

Und jetzt, nach dem Ende des Ausschusses – der Verdacht auf „kinderporno“? Bei Sebastian Edathy?

Ich kann den Kerl nicht leiden, der stand *immer* auf der falschen Seite der Barrikaden und ist ein äußerst unsympathischer und unhöflicher Mensch. Aber DIE Story stinkt so dermaßen zum Himmel, der Gestank reicht von Berlin bis Garmisch.

Dieser Vorwurf ist der *einzige* der jeden Politiker sofort ohne Umwege ins Aus katapultiert, egal ob er schuldig oder unschuldig ist. Wer sich diesem Vorwurf ausgesetzt sieht ist fertig. Punkt. Und Sebastian Edathy hat einige Leute *richtig* verärgert.

Passend dazu: Die Hinweise auf Kinderpornographie kamen von KANADISCHEN Behörden. Also wurden die höchstwahrscheinlich von der NSA gechannelt.

Das stinkt immer mehr.

/update Die Stellungnahme des CCC dazu via Fefe. Ja, auch ich sehe es sehr positiv, dass *endlich* die richtigen Fragen gestellt werden.
In einem gehe ich nicht d’accord. Ja, Fefe hat einen Punkt, wenn er sagt, dass Edathy immer pro Geheimdienst war. Aber vor dem Ausschuß haben die Geheimdienste alle nicht gut ausgesehen und teilweise hat er die Leute auch echt auflaufen lassen. Diese bizarren Sachen wie, dass der Leiter der Behörde mit dem Fahrrad auf dem Flur rumfährt und nur in Socken im Büro rumläuft. Und andere Dinge, wo man glauben könnte, dass der Verein nicht ganz dicht ist.

Die haben zum Teil SO mies ausgesehen, dass da selbst diejenigen, die die schützen wollten, nur noch mit dem Kopf geschüttelt haben.

Und wenn irrationale Menschen einen Verantwortlichen suchen, dann den naheliegenden. Und Edathy war der Vorsitzende.

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Soziales

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14 thoughts on “Datensicherheit

  1. Ich weiß nicht – sehen wir jetzt alle schon NSA-Gespenster? Klar, der Gedanke drängt sich auf, vor allem mit kanadischen Hinweisen. Das eigentlich schlimme daran ist (neben dem schweren Vorwurf selber, der Edathy so oder so ins Abseits stellt), dass man es den Geheimdiensten zutraut, unliebsame Personen auf diese perfide Art ins Aus zu schießen. Alle, die bisher gesagt haben „Die können ruhig schnüffeln, ich habe ja nix zu verbergen“, sollen jetzt bitte nochmal nach vorne kommen und sich den Staatstrojaner abholen. So wird das wohl im politischen Geschäft öfter laufen: da wird nicht mit tatsächlichen Leichen im Keller gedroht, da werden Leichen in den Keller gelegt, wenn es „sein muss“. Und wenn man dann erstmal klein beigegeben hat, haben sie einen in der Tasche.

    • Ich würd’s ihnen zutrauen!
      Die Vergangenheit und auch die Gegenwart zeigen deutlich, dass Geheimdienste alles machen, was möglich ist, egal wie teuer es sein sollte oder wie unsinnig es im ersten Moment wirkt oder wie schwierig es ist.
      Alles!
      Immer!

      Daher würde ich auf die Beweise, trotz der Tatsache, dass ich den Herrn E. für *piep*, *piep* und *piep* halte, nicht allzu viel geben.

      Andererseits…

  2. Pingback: Unwiderlegbare Beweise | SenileArmeeFraktion

  3. Ich weiß natürlich auch nicht, was hier die Wahrheit ist.
    Ich finde es nur seltsam, was da geschieht. Und der verschwörungstheoretische Ansatz drängt sich geradezu auf.
    Kanada hat die IP-Adresse an die deutschen Behörden weiter gegeben. Ob die IP-Adresse richtig ermittelt wurde, kann man ja mal hinterfragen. Es passiert immer wieder mal, dass da was schief geht.
    Das andere ist: es soll sich um einen minderschweren Fall handeln. Das kann auch bedeuten, dass es sich um Anscheinspornograpie handelt, also Erwachsene, die sich als Kinder verkleiden, o.ä. Wessen Gesetze sind da zugrunde gelegt worden?
    Aber vielleicht ist Edathy auch in Pädokrimineller – ich weiß es nicht.
    Aber egal, wie auch immer.
    Für mich zeigt sich hier auch der Input der Überwachung aller und jeden. Mein Vertrauen in die Demokratie ist zutiefst erschüttert.
    Ich glaube den Geheimdiensten kein Wort. Und es wird mir nicht so allein gehen.
    Das ist schlecht für die Gesellschaft. Denn wir haben eine tiefe Krise in vielen Bereichen. Ohne Vertrauen ist die nicht zu meistern.
    Kinder und alle Schwachen bleiben da auf der Strecke.
    Das erschreckt mich.

    • Dass die NSA auch schon mal Beweise auf Rechnern platziert wissen wir. Dass eine ermittelte IP-Adresse auch schon mal ins Leere läuft, wissen wir auch.

      Von daher halte ich gerade DIESEN Vorwurf für etwas weit hergeholt. Man wird sehen, was die Ermittlungen ergeben.

      Dass bei der Hausdurchsuchung die Presse dabei war, trägt übrigens nicht dazu bei, mich in irgendeiner Form zu beruhigen.

    • Herr Edathy wurde gerade öffentlich hingerichtet, würde ich sagen – zumindest seine politischen Ambitionen, wahrscheinlich auch sein sonstiges Leben wurden gerade in einen Haufen Scherben verwandelt. Dass ausgerechnet die Landes-SPD die Journaille informiert haben soll, zeigt ja wohl (wenns denn stimmt), woher der Wind weht – offenbar wollte ihn da jemand loswerden.

      Die IP-Adresse, auf der der Verdacht offenbar basiert – kann man die hacken, kapern, fälschen? (oder was auch immer, bin kein Fachmann). Und wenn ja, wie schwer ist das? Ich meine, wenn ich Kinderpornos tauschen wollte, würde ich davon ausgehen, dass diese Dinge früher oder später gefunden werden. Also würde ich doch versuchen, meine Spuren zu verschleiern, wenn ich kann. Wie aussagekräftig ist eine IP-Adresse zur Identifikation und damit als Verdachtsmoment?

      • Es kommt alles auf Edathys Rechner an – und was man dort findet. Wenn er Malware drauf hatte, staatlich oder nicht, dann kann man *keinem* „Beweis“ der dort gefunden wird, trauen.

        Beweise, die von infizierten Rechnern kommen, sind KEINE validen Beweise. Wenn du einen Virus/Trojaner/whatever auf dem Rechner hast, dann kann *jeder* die Beweise dort hingelegt haben und mittels Fernsteuerung deine IP kompromittieren.

        Dann können auch Bilder/Dokumente hinterlegt werden, die die Schuld einwandfrei beweisen und trotzdem gefälscht sind.

  4. NSA-Probleme?
    Das hat doch unser Nachbar und Bündnispartner Hollande erst wieder für erledigt erklärt.

    Es ist ja eigentlich traurig das wir nicht in einer idealisierten Welt leben in der die Ordnungsorgange von jedem Mangel erhaben sind, unverdorben, unkorrumpiert und sich ausschliesslich an die Gesetze halten und diese angemessen durchsetzen.

  5. Dave B: Ja, Utopien sind schon was schönes. Aber Macht korrumpiert nun mal – und es geht immer nur um Macht.

    Früher hat man unliebsame Leute als Ketzer bezichtigt und erschlagen oder verbrannt – klappt seit der Aufklärung in Europa nur noch bedingt. Der Glaube war wohlfeiles Argument zur Durchsetzung von Machtinteressen, egal ob es nun die Templer, die Katharer, die Hugenotten oder die Hexenprozesse waren – sobald jemand den Status Quo gefährdet sah, fand sich schon ein Glaubensgrundsatz, den man benutzen konnte. Im 19. Jh. waren es dann zuerst demokratische, später sozialdemokratische Ideen, im 20. Jh. waren dann die Kommunisten bzw. die westlichen Kapitalisten das Feindbild (je nach eigener Position). Unliebsame Personen hat man immer gerne mit sexuellen „Abweichungen“ mundtot gemacht – bis vor wenigen Jahren ging das mit Homosexualität ganz prima, in früheren Zeiten kam noch Ehebruch dazu. Interessiert heute kein Schwein mehr, nicht mal mehr in der CSU. Heute reicht schon der Verdacht einer Vergewaltigung oder von Pädophilie, um jemanden zu diskreditieren. Und „dank“ der heutigen Technik ist möglich, jemandem Beweise unterzujubeln. (Disclaimer: Vergewaltigungen sind eine widerliche Straftat, und Pädophilie eine sexuelle Deviation, die der Betroffene nicht in Taten umsetzen darf. Nur um hier keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen.) Angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten würde ich als Verteidiger immer versuchen, Beweise wie Daten auf einer Festplatte anzugreifen – es ist ja nicht sicherzustellen, dass diese nicht manipuliert wurden, von wem auch immer.

  6. Pingback: und jetzt alle so: KINDERFICKER!!!!1!! | -=daMax=-

  7. Ach,
    das wird alles bald sogar noch einfacher für die Geheimdieste. Laß erst einmal alle PCs UEFI haben, dann brauchts nur noch einen Internetzugang. Vielleicht gehört der dann bald zur (kostenlosen) Grundausstattung und wird dann sogar von ALG-2 bezahlt …

  8. Leser: „Bis zum Verlust der Muttersprache“ für 800, bitte…
    Bloggerin: „[…] Fefe hat einen Punkt, wenn er sagt […]“
    *knoppdrück*
    Leser: Was ist ein ganz, ganz fürchterlicher Anglizismus.

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