Wie die kleinen Kinder

Oh Mann, man kriegts doch echt…

Da schreibt eine ehemalige Prostituierte einen ziemlichen Kracherbrief an ihre ehemaligen Freier, die dort ziemlich heftig beleidigt werden. Und sie stellt fest: Sie mochte sie nicht. Sie hat wegen dem Geld mit den Männern geschlafen, nicht, weil sie so nett waren. Ich zitiere aus einer Übersetzung:

„Wenn du mein Aussehen gelobt hast, meinen Körper oder meine sexuellen Fähigkeiten, hättest du genauso gut auf mich spucken können. Du hast nicht den Menschen dahinter gesehen. Du hast nur das gesehen, was deiner Illusion der geilen Frau mit der nicht zu stoppenden Sexlust entspricht.“

Ich frag mich ja, was sie erwartet, wenn sie Sex gegen Geld anbietet? Rosen? Romantisches Dinner zu zweit? Eine dauerhafte Beziehung á la „Pretty Woman“?

Alles hätte hier gut sein können. Eine Frau hat den Beruf gewechselt, weil sie desillusioniert war, weil sie offenbar mit den knallharten Realitäten nicht klarkam. Wohlgemerkt: Sie war freiwillig Nutte. Keine Zuhälter, kein Zwang, sie hätte jederzeit aussteigen können und hat es letztendlich ja auch getan.

Man schlägt sich kurz vor die Stirn, fragt sich, wie blöd Leute sein können und geht zur Tagesordnung über. Aber nein. Es treten auf den Plan: Emma und Akif Pirinçci.

Um es kurz zu sagen: Emma nutzt – natürlich – diesen offenen Brief zu einer „gnadenlosen Abrechnung mit der Lüge Prostitution“. Liebe Emma, liebe Alice Schwarzer: Lasst gut sein. Auch wenn es für euch unvorstellbar ist: Es gibt tatsächlich Frauen, die diesem Beruf nachgehen, ohne entweder von bösen Männern dazu gezwungen zu sein oder durch irgendwelche auch immer gearteten Umstände. Und diese Frauen brauchen endlich vernünftige Rahmenbedingungen, dass sie eben auch den Freiern nicht mehr hilflos ausgeliefert sind. Dass der Hurenlohn endlich einklagbar ist: Yay. Aber da muss noch mehr her und die Frauen äußern diese Wünsche auch sehr deutlich.

Doof für Emma und Frau Schwarzer: Diese Wünsche beinhalten nicht ein Verbot der Prostitution. Und so loben sie dieses unsägliche Pamphlet der Ex-Hure natürlich in den Himmel, ohne zu fragen, wie naiv man eigentlich sein muss, um Zeilen wie die oben rauszuhauen. Wer sich prostituiert, legt sich hin und gibt eine Art Bedürfnisbefriedigungsanstalt. Wenn das freiwillig ist, ist das okay. Wenn nicht, dann muss da was passieren. Aber einfach zu sagen: „Frauen haben mehr Würde als das“ ist eine Paternalisierung gegen die Frau Schwarzer sich auf das Intensivste wehren würde, wenn sie von einem Mann käme.

Freie Berufswahl und so. Gelle?

Aber kommen wir zur dritten Seite in diesem unwürdigen Spiel, die nicht minder abstoßend ist. Den Regisseur Akif Pirinçci. Diesen ominösen Gynäkologen lassen wir hier mal weg. An dessen Existenz glaube ich nicht.

Herr P. hat ja im Grunde genommen recht, wenn er sagt, dass Tanja „kohlemäßig exzellent partizipiert“ hat. Und es wäre gut gewesen, hätte er sich danach nicht in eine Moralinsäure verstiegen, die die einer Frau Schwarzer in genau nix nachsteht.

Denn genauso wie Tanja Geld genommen hat, um dann „die Beine breit zu machen“ – hat er Geld dafür gegeben. Es ist ein Vertragsverhältnis. Und es sagt viel über das Frauenbild des Herrn Pirinçci aus, wie er über diesen Beruf referiert den er ja offenbar selbst in Anspruch genommen hat. Es ist kein gutes. Es ist das übliche bei Muttis Liebling: Heilige oder Hure, dazwischen gibts nix.

Doch Frauen sind weder heilig noch lasterhaft – wir sind Menschen. Wir arbeiten in allen Arten von Berufen – wie unsere Mentalität das vorgibt. Es gibt Frauen, die finden es okay, gegen Geld mit Männern zu schlafen und andere können das überhaupt nicht nachvollziehen.

Doch Respekt gebührt beiden. Denn welchen Beruf eine Frau ausübt hat NICHTS mit ihrem Charakter zu tun oder dem fehlen davon.

Denn schließlich möchten die Männer charakterlich ja auch nicht danach beurteilt werden, ob sie es „nötig“ haben, zu einer Prostituierten zu gehen „weil sie sonst keine abbekommen“.

Könnten jetzt alle Beteiligten alle mal den Ball flachhalten, ihn wieder zurück  ins eigene Feld spielen und die Frauen, die diesem Beruf nachgehen *ohne* dazu gezwungen worden zu sein, endlich mal die Rahmenbedingungen geben, die sie brauchen?

Danke.

 

 

 

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Soziales

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11 thoughts on “Wie die kleinen Kinder

  1. und genau das ist der knackpunkt! solange dieser „job“ freiwillig ausgeübt wird, bitte – dann soll auch der lohn gezahlt werden. ich geh ja auch nicht zu meinem banker, hole einen kredit und verweigere dann die zahlung der zinsen mit hinweis auf das biblische bzw. muslimische wucherverbot. (juden machten im mittelalter die verpönten, aber wichtigen bankgeschäfte und wurden deshalb verfolgt)

    eher habe ich inzwischen respeckt vor den „mädchen“. durch den sehr intimen charakter der dienstleistung sind übergriffe schnell und sehr direkt… vom infektionsrisiko durch unverantwortliche freier nicht zu sprechen! und es war ausgerechnet(!?) eine hure, die mir mit ihrem auftreten und ihrer persönlichen art mein verkorkstes christlich-konservatives menschenbild gerade bog. half, den menschen hinter der fassade zu erkennen – oder es zumindest zu versuchen. zu sehen, daß auch eine hure ein mensch mit geschichte ist.

    moral macht blind. echte (menschen)liebe öffnet einem die augen…

  2. Böse Menschen würden jetzt sagen, dass Frau Schwarzer mal richtig was vor die Buchse braucht. Bringt aber nichts, ihr fehlt einfach dieses Stück Toleranz, eine andere Denk- und Lebensweise zu verstehen bzw. zu akzeptieren.
    Wobei Frau Schwarzer als Beispiel für einige viele andere Gruppen und Gruppierungen oder auch nur Menschen steht.
    Sind eigentlich militante Frauenrechtlerinninninin alle lesbisch? Das wäre doch konsequent, die würden doch bestimmt keinen Mann da rumwerkeln lassen.
    Natürlich bin auch ich Schuld daran, ich bin ein Mann und unterdrücke Frauen im allgemeinen.
    Entschuldige meine Meinung in Deinem Blog, es hat nichts mit Unterdrückung zu tun.

    • Böse Menschen würden jetzt sagen, dass Frau Schwarzer mal richtig was vor die Buchse braucht. Bringt aber nichts, ihr fehlt einfach dieses Stück Toleranz, eine andere Denk- und Lebensweise zu verstehen bzw. zu akzeptieren.

      Nein, das würden eigentlich nur ausgesprochen dumme Menschen sagen. Die hier hoffentlich nicht mitlesen.

      Sind eigentlich militante Frauenrechtlerinninninin alle lesbisch? Das wäre doch konsequent, die würden doch bestimmt keinen Mann da rumwerkeln lassen.

      Sind eigentlich alle Maskulisten schwul? Was hat die Sexualität bitteschön mit der politischen Einstellung eines Menschen zu tun?

      Natürlich bin auch ich Schuld daran, ich bin ein Mann und unterdrücke Frauen im allgemeinen.

      Für deinen Schuldkomplex kann ich nix. Kann auch keine Frau was. Aber da kannst du dran arbeiten.

      Entschuldige meine Meinung in Deinem Blog, es hat nichts mit Unterdrückung zu tun.

      Du merkst schon, wenn Sätze keinen Sinn ergeben?

      • Vor allem: Was macht ein männlicher Feminist? Ist der lesbisch? Oder gar schwul? Oder bisexuell?
        Oder ne Frau, die nicht feministisch eingestellt ist, was ist mit der? Schwul? Lesbisch?

        Aber die Formulierung am Ende ist auch nett: „Entschuldige meine Meinung in Deinem Blog, es hat nichts mit Unterdrückung zu tun.“
        Der erste Teil dieser Äußerung ist Bullshit, denn wenn man der Ansicht ist, sich für die eigene Meinung entschuldigen zu müssen, sollte man sie nicht oder erst nach reiflicher Überlegung zum Besten geben. Der zweite Teil dieser Äußerung geht in die Richtung, die auch andere „Unterdrückergruppen“ von sich geben, Rassisten zum Beispiel: „Mein bester Kumpel hat nen Freund und der kennt nen Neger Schwarzen.“

        😉

    • „tantchen“ hatte mal eine kleine anmerkungen: fundamental-feministinnen koennen auch dazu werden, weil man(n) ihnen „gewallt an tat“. und nach solch einer erfahrung wuerde auch ein mann zum maennerhasser werden…

      wieso schwarzer und emma allerdings so sind wie sie sind – hintergruende waeren mal interessant…

      • Viele *sind* deswegen so geworden. Gerade die wirklich intensiven Radikalfeministinnen der 60er und 70er Jahre waren Opfer von sexuellem Missbrauch oder einer Vergewaltigung.

        Die Therapie, die sie bekommen haben? „Schnauze halten, verbirg deine Schande.“ – denn damals war das Opfer noch „geschändet“.

        Ich kann jede, aber auch wirklich JEDE der damaligen Radikalfeministinnen verstehen. Die sind gegen unmögliche Bedingungen angetreten, um Unrecht zu ändern.

        Was aber nicht heißt, dass ich ihre Ansätze, dass Männer Tiere sind, auch nur ansatzweise gutheiße.

  3. Wenn irgendjemand daher kommt und ein Totalverbot der Prostitution fordert, kann man nur sagen: Den Schuss nicht gehört? Wird ja nicht umsonst als ältestes Gewerbe der Welt bezeichnet. Damit schafft man nur eins: alle Beteiligten zu kriminalisieren und in den „Untergrund“ zu treiben – einschließlich der Prostituierten. (Als Vergleich mag die Alkoholprohibition in den USA gelten – hat da ja auch prima geklappt) Offenbar sind Sex und Alkohol (oder andere Drogen) Grundbedürfnisse der Menschen, was zumindest bei Sex ja wohl auch kaum überraschend sein dürfte, so rein biologisch betrachtet. Warum funktioniert „Sex sells“ denn so hervorragend? Weil es an urtümliche Instinkte appeliert. Da kann man gerne versuchen, die zu verbieten, wird total viel helfen. Genauso wird Prostitution nicht abschaffen können.

    Sinnvoll wäre es, die Prostitution als solche straffrei zu stellen. Alles, was mit Zwang zu tun hat, ist wahrscheinlich sowieso schon strafbar (Freiheitsberaubung, Körperverletzung, sexueller Mißbrauch, Erpressung, Nötigung), da brauchts wahrscheinlich kaum mehr Gesetze. Eher braucht es eine Hilfestellung, die Zwangsprostituierten und solchen, die zwar freiwillig angefangen haben, aber dann in irgendeine Anhängigkeit geraten sind, hilft, auszusteigen.

    So lange zwei (oder mehr) erwachsene Menschen sich einvernehmlich darauf einigen, miteinander Sex zu haben, kann es dem Rest der Welt doch herzlich scheißegal sein, ob dabei Geld fließt oder nicht. Das geht erstmal nur die Beteiligten was an.

  4. Ich stimme Euch Allen hier so ziemlich zu. Bei Waldorf überlege ich noch…

    Ich frage mich aber, was man (=jeder Einzelne) erwartet, wenn Menschen sich prostituieren? Was gibt man – also der sich prostituierende Mensch – alles auf? Was gibt man für Geld auf?

    Gibt man Menschenrechte auf? Zum Beispiel das Recht mit Respekt behandelt zu werden?

    Ist das nicht klar? Jeder, der im Beruf sexuell belästigt wird kann sich – so er dazu fähig ist, also theoretisch – wehren. Von einer Prostituierten unerwünschte Praktiken zu verlangen ist mehr als eine sexuelle Belästigung. Sie (oder er) kann sich kaum wehren. Oder sie (er) wird sich weniger wehren weil sie sowieso schon etwas aus der eigenen Sicht „verwerfliches“ tut. „Man“ wird ja dafür bezahlt. Und „Sonderwünsche“ dürften die Regel darstellen…

    Dazu kommt der von Tanja Rahm erwähnte Machtaspekt durch Freier. Machtausübung hat oft direkt mit „Sexualität“ – man beachte die Anführungsstriche! – zu tun. In der Regel ist Machtausübung eine der Hauptursachen für sexuelle Übergriffe. Sicher verallgemeinert Frau Rahm. Doch genau so sicher war das alles ihre Praxis. Sie sendet korrekte Ich-Botschaften.

    Die Vorwürfe sind stimmig. Ihr Appell, ihre Feststellung, dass Sex keine Ware ist, ist vernünftig – und das ist eine echte Leistung in ihrer Situation. Beleidigung kann ich nicht erkennen. Offensichtlich zieht sich Jeder den Schuh an, der ihm passt. Selbstbeleidigung, würde ich sagen.

    Deshalb finde ich: „Alles hätte hier gut sein können“ wäre Ignoranz. Dann hätte sie den Text auch gleich seinlassen können. Nur, dass Dritte diese Aussagen für eigene Interessen ausnutzen, dass ist tatsächlich „nicht so fein“…

  5. nu, sex kann ware sein. aber genau der punkt respekt ist doch das kritische. hallo? wenn ich zur nutte gehe gibt mir das noch lange nicht das recht, sie und ihren körper wie ein stück fleisch zu behandeln!

    dienstleistung bedeuted nicht nutzung um jeden preis… auch wenn das niederländische wort für vermieten „verhuren“ ist. auch wenn der vergleich hinkt: würde ein autoliebhaber einen mietwagen absichtlich gegen die wand fahren?!

    wie gesagt – der mensch hinter dieser „dienstleistung“ ist um ein mehrfaches sorgfältiger zu behandeln als irgend ein mietkarren…

  6. Pingback: Auftritt der „Nicht-Männchen“ | juna im netz

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