Der ultivmative Stresstest

Es wurde ja viel von „Stresstests“ für Banken erzählt, ohne genau zu sagen, was denn da gestresstestet wird.

Mein Vorschlag würde ja lauten: Wenn eine Bank eine SAP-Einführung überlebt, dann isse krisenfest.

Wie ich darauf komme?

Ach je nu.

 

Und ganz ehrlich: Bislang habe ich noch von keiner reibungslosen SAP-Umstellung gehört. Die Firmen, die auf das SAP-Versprechen reingefallen sind, standen hinterher *immer* schlechter da als vorher, teilweise bis kurz vor dem Konkurs weil über Tage das gesamte System nicht lief.

Send to Kindle
Soziales

Flattr this!

13 thoughts on “Der ultivmative Stresstest

  1. Ein Bekannter von mir ist maßgeblich an der SAP-Einführung in seinem Unternehmen beteiligt und wird nach dem „Erfolg“ auf eine andere Stelle versetzt werden. Er hat noch 5 Jahre bis zur Rente. Im Moment laufen Wetten, ob er noch versetzt werden wird. Und das Projekt hat bereits das veranschlagte (generöse) Budget um das dreifache Überschritten.
    Ich arbeite übrigens bei einem Wettbewerbsbegleiter und grinse mir eins, auch wenn dieses spezielle Unternehmen für uns aufgrund der Struktur nicht als Kunde in Frage käme. Wir geben so was aber zu…

    • Was ich nicht verstehe? JEDE, aber auch wirklich JEDE Firma, von der ich gehört habe, dass sie auf SAP umstellt, hat hinterher massive Probleme und Ertragseinbußen gehabt. Von einer erfolgreichen Umstellung hab ich noch nie was gehört.

      Wieso hat die Firma, die dieses offensichtliche Fehlersystem verkauft, eigentlich überhaupt so einen Erfolg? SAP hat doch inzwischen so einen schlechten Ruf, dass müsste doch inzwischen sich auch beim letzten rumgesprochen haben: Wenn du deine Firma liebst, lass die Pfoten davon?

      • Das Problem ist, dass es für wirkliche Großkonzerne eigentlich keine Alternative gibt. Wir mit unserem Unternehmen können die Anforderungen eines Großkonzerns nicht erfüllen.
        Und die meisten Mitwettbewerber können das auch nicht.
        Aber die Großkonzerne können SAP ihren Kunden aufzwingen, wegen einem „besseren Workflow“.

        Übrigens: Bingo
        https://de.wikipedia.org/wiki/Buzzword-Bingo

        • Zeiterfassung mit einem SAP-brocken ist toll. Und das bei einer Softwaretest-firma (großer Platzhirsch u.a. sourcen VW, RWE und Eon dahin aus) in welcher ich gearbeitet hatte. Leider muss ich sagen das die Software die wir testen durften oft Grottig war … mehr darf ich zu diesem Aspekt aber nicht sagen. *zeigt auf seine Verschwiegenheitserklärung*

          Meine fresse da ging ja garnichts! Das ganze System war NUR unter dem Internetexplorer nutzbar. Mit dem Firefox konnte man sich nicht einmal einloggen.

          Wir waren froh das es sonst halbwegs ging. SAP Einführungen und Tests – da haben wir auch gut dran verdient.

          Allerdings muss sich sagen das hässliche Anforderungen zu hässlicher Software führt. Oft ist es so das die Anforderungen viel zu breit und Unklar aufgestellt werden, dazu kommt das gewisse Probleme nicht wirklich verstanden werden so das elegante Lösungen in weiter ferne liegen. Das führt dann zu konvulaten wie SAP-software.

  2. Hört mir bloß mit SAP auf… *seufz*
    Wird seit einem Jahr eingeführt, regelmäßig geht dies oder das nicht.
    Workflow verbessern? *muhahaha*
    Wenn ein verbesserter Workflow in mehr teilweise unnötigen Schritten besteht, dann ja. Ok, seit der Einführung kenne ich ein paar Leute aus dem Back-back-Office unserer Verwaltung, die ich sonst nie kennengelernt hätte…

  3. Als Angestellter eines IT-Dienstleisters mit inzwischen fast 30 Jahren Berufserfahrung weiß ich leider nur zu gut, wie die IT im 21. Jahrhundert funktioniert.
    Diejenigen, die Ahnung haben, haben heutzutage nämlich nichts mehr zu sagen, und diejenigen, die was zu sagen haben, haben i.d.R. keine Ahnung, geben es aber nicht zu, sondern werden im Gegenteil noch pampig, wenn jemand ihnen schonend versucht beizubringen, wo der Frosch die Locken hat. Davon abgesehen wollen ja auch die ganzen Beraterfirmen wie McKinsey, Roland Berger & Co. noch ihr Stückchen vom Kuchen haben, da kann man nun nicht auch noch auf die eigene Belegschaft hören.
    Und dann kommt da ein jung-dynamischer SAP-Berater, breitet vor dem oder den Entscheidungsträger(n) seine Hochglanzfolien aus und spielt erst mal `ne Runde Bullshit-Bingo. Dabei fallen dann immer wieder die Schlüsselworte „Outsourcing“ und „Off-Shoring“, womit gemeint ist, dass der ganze Wartungsbedarf auf ein Minimum reduziert nach Indien, Armenien, Russland oder irgendein anderes Land im östlichen Teil des Globus ausgelagert werden kann, weil da der Stundenlohn bei irgendwas um die 20 Euro-Cent liegt.
    Dass die ganzen SAP-Bausteine eine Standardversion des fachlichen Workflows sind, die vielleicht zu 10-20% auf die individuellen Workflows der jeweiligen Firma passen, wird dann gerne mal vergessen, man spart doch jede Menge Kohle.
    Und schon ist das Kind in den Brunnen gefallen, SAP wird eingeführt, die interne IT-Abteilung wird aufgelöst oder auf eine Rumpfmannschaft zusammengeschrumpft, und die Fachbereiche kotzen im Strahl, nix funktioniert, und wo früher der Herbert von der DV das Problem in fünf Minuten gelöst hat, muss nun ein Helpdesk (bevorzugt in Polen, Ungarn oder Tschechien) angerufen werden, damit die ein Ticket aufmachen und die Inder/Armenier/Russen anfangen zu arbeiten, was meist im Desaster endet, weil schon allein aufgrund der unterschiedlichen Sprachen ein guter Teil der Information flöten geht.
    Aber Rettung naht schon in Form des SAP-Beraters. Der unterbreitet dem Entscheidungsträger (der inzwischen gewechselt hat, weil sein Vorgänger seinen Bonus kassiert und die Firma verlassen hat, aber keine Sorge, der neue Entscheidungsträger hat auch keine Ahnung) eine Anpassung des Standard-Bausteins, um dem Kind in Brunnen wenigstens ein Seil zuwerfen zu können. Die Standard-Software wird dabei so hingebogen, dass sie wenigstens ein Drittel der Anforderungen erfüllen kann, aber mit Standard nix mehr zu tun hat, was wiederum die Wartungskosten in die Höhe treibt. Denn die indischen Kollegen haben natürlich nur die Standardversion gelernt.
    Das Anpassen ist natürlich nicht Bestandteil des Kaufvertrags, sondern wird extra vergütet, und meistens sind diese Kosten dann höher als die angebliche Ersparnis, die man in den nächsten 50 Jahren erzielt hätte. Falls die Firma die Umstellung überhaupt überlebt und nicht wegen der Kosten und/oder dem inzwischen eingetretenen Qualitätsverlust gegenüber ihren Kunden schon in die Insolvenz gegangen ist.
    So hat jeder sein Schnäppchen gemacht. SAP, weil sie wieder `nen Dummen für ihren Müll gefunden haben, der/die Entscheidungsträger, weil sie für ihre Entscheidung ’nen tollen Bonus kassiert haben und die Beraterfirmen, weil sie mit null Aufwand 100% Kohle eingefahren haben. Die einzigen Gelackmeierten sind die Anwendungsbetreuer, die nun auf der Straße sitzen und die Fachabteilungen, die nicht mehr arbeiten können.

    • Schön und treffend beschrieben. Das kann man mit geringen Veränderungen auf jegliche Thematik in der Arbeitswelt anwenden, bei der es auf Fachwissen ankommt – die Fachleute im eigenen Haus fragen? Ach, die haben doch eh keine Ahnung, da kaufen wir lieber teuren „Sach““verstand“ ein, der uns genau die Ergebnisse liefert, die wir wollen (nicht etwa die richtigen, die dann in der Regel zeigen, dass die Entscheidungsträger keine Ahnung haben oder nur ihrem Bazi was zuschustern wollen).

      Oder noch besser in der öffentlichen Verwaltung, wo dann externe Gutachten teuer bezahlt werden, nur um die Gutachten aus sachfremden Gründen im politischen Prozeß völlig zu ignorieren. (aktuelles Beispiel ist hier in Dresden der alte Leipziger Bahnhof, dort soll ein Riesensupermarkt von Globus errichtet werden. Laut Einzelhandelsgutachten ist das schlicht überflüssig und wahrscheinlich sogar für den bestehenden Handel schädlich. DIe CDU-Mehrheit im Stadtrat ist trotzdem für das Projekt. Der planende Architekt war bis vor ein paar Jahren Fraktionsgeschäftsführer der CDU im Stadtrat. Der Baubürgermeister ist CDU-Mitglied. Ein Schelm, wer arges dabei denkt.)

        • Ja, leider ist das normal. Ich sag ja, das sind neofeudale Strukturen, bei denen die finanzstarken Investoren die Rolle der Fürsten übernommen haben und die Politik den niederen Beamtenadel darstellt, die nur noch dazu da sind, die Dekrete der Herrscher dem Plebs zu übermitteln.

  4. Beliebteste Ausrede, wenn wir mal eine ausstehende Rechnung per Telefon angemahnt haben: „Wir stellen gerade auf SAP um“. Absolutes Totschlagargument, da hat jeder Verständnis für.
    Später haben wir die Ausrede selbst verwendet, funktioniert prima . SAP haben wir natürlich nie angerührt.

bestellt folgenden Kaffee