KiKa klärt auf

Heute: Was ist die Beschneidung.

Wenns nach den Filmerstellern geht, ist die Beschneidung ein superduper Fest. Man opfert ein Stückchen Haut, was man eh nicht braucht und kriegt dafür Geschenke. YAY.

Dass die Realität sehr häufig völlig anders aussieht, dass es sehr wohl hochtraumatisierende Erfahrungen sind, egal in welchem Alter, und dass es sich um einen Akt handelt, der die sexuelle Erlebensfähigkeit herabsetzen soll – also eine kritische Auseinandersetzung findet hier nicht statt. Es wird nicht thematisiert, was eine Beschneidung in Wirklichkeit bedeutet. Kinderärzte wurden auch sehr offensichtlich nicht gefragt.

Ich glaube, nein, ich weiß, dass viele der Kinder, die einst beschnitten wurden, heute, als Erwachsene, massive Probleme haben. Seien es ein Ali Utlu, ein Önder Özgeday, ein Tayfun Aksoy oder ein Alexander Mahmud Bachl – sie alle haben massive Probleme mit ihrer Beschneidung.

Bei Mädchen ist so etwas völlig zu Recht verboten. Doch Jungen sind in der Hinsicht Freiwild, der § 1631d BGB verstößt gegen fast alle verfassungsrechtlichen Grundsätze. Er verstößt gegen den Grundsatz, dass keiner aufgrund seines Geschlechts bevorzugt oder benachteiligt werden darf. Er verstößt gegen den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Unverletzlichkeit des Körpers. Und er verstößt gegen die Religionsfreiheit der Kinder. Wer sagt denn, dass die später auch die Religion der Eltern annehmen wollen? Doch durch die Beschneidung ist diese Religion buchstäblich für immer in ihr Fleisch geschnitten. Die Religionsfreiheit für Jungen ist nicht mehr existent.

Die Beschneidung entfernt bis zu 1/3 der Hautoberfläche des Genitals. Und zwar die, mit den meisten Nervenenden. Was übrigbleibt, ist für manche Männer ein Fortpflanzungsorgan, dass so taub ist, dass Sex alles macht – nur keinen Spaß mehr. Diese Männer stehen auf, sie äußern sich, sie SAGEN, was ihnen angetan worden ist. Seiten über Vorhautrestorationstechniken sowie Techniken zum Schutz der verbleibenden Nerven der Eichel vermehren sich, es gibt die ersten Produkte, die explizit dazu entwickelt wurden, die Eichel zu De-Keratinisieren.

All das würde nicht passieren, würde es hier keinen Markt geben. Und es wäre doch mal schön, wenn man diesen Markt austrocknen könnte. In jeder Hinsicht: Einfach aufhören, an Kindergenitalien herumzuschnitzen.

Es hat nur EINER das Recht, über seine Genitalien zu entscheiden: Derjenige, der mit ihnen leben muss. Es ist kein Familienpenis über den im Familienrat entschieden wird.

Der Kinderkanal hätte all das thematisieren und kindgerecht aufbereiten können. Doch die Tellux-Film GmbH, die das Video produziert hat, hat sich entschieden, ein sinnfreies Werbevideo für die Beschneidungsindustrie zu produzieren anstatt ihrem Bildungsauftrag nachzukommen und zumindest neutral zu informieren.

Die Tellux-Gruppe wird übrigens mehrheitlich von den katholischen Bistümern unterhalten.

(Recherchearbeit dreist übernommen aus dem Beschneidungsforum. Danke Jungs und Mädels, habt mir ne Menge Arbeit erspart 😉 )

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3 thoughts on “KiKa klärt auf

  1. Du willst, dass ein Medium von heute neutral darstellt. Wie bist Du denn drauf?? (Sorry, konnte nicht widerstehen ^^)

  2. Pingback: Schau in meine Wunde | Evidenz-basierte Ansichten

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