Mutter der Kompanie

Mein erster Eindruck von Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin: WENN einer den Laden in den Griff kriegt, dann ist sie das.

Zu lange war die Bundeswehr ein unregierbarer Haufen, wo Staatssekretäre und Abteilungsleiter auf dem Standpunkt standen: „Mir doch egal, wer unter mir den Ministerstuhl warmhält.“

Mit der Entlassung des Staatssekretärs Rüdiger Wolf hat sie ein ziemlich deutliches Zeichen gesetzt, dass sie sich die Beamtenspielchen nicht bieten läßt.

Ihr Vorgänger, De Maizière, scheiterte an genau dem Mann und an dem Klüngel, dem er vorstand. Rüdiger Wolf war die graue Eminenz im Verteidigungsministerium. Seine Entlassung machte möglicherweise wirklich Platz für die dringende Erneuerung.

Die Klagen von de Maizière, dass er nicht ausreichend informiert wurde, muss man ernst nehmen. Das wird der Wahrheit entsprochen haben. Rüdiger Wolf hatte keine gute Figur im Drohnendebakel gemacht und man kann davon ausgehen, dass er die wichtigsten Dinge, die *er* zu verantworten hatte, nicht zum Minister durchdringen ließ, auch um seinen Hintern zu retten. Das ist übrigens in der Verwaltung durchaus normal. Operation Arschrettung ist in fehlgeschlagenen Projekten das erste Gebot und da Minister ja durchaus bekannt dafür sind, dass man sie tauscht, kann man sie auch gut auflaufen lassen. Im Kleinen hab ich diese Art des Umgangs miteinander in 20 Jahren Beamtentum oft genug erlebt.

Die Entlassung war dann folgerichtig und überfällig.

Doch Frau von der Leyen geht jetzt neue Wege. Sie hat eins begriffen, was der ganze martialische Haufen Generäle dort nicht begreift: Die Bundeswehr bekommt nur dann Nachwuchs, wenn sie als Arbeitgeber attraktiv ist. Und ein Arbeitsplatz, wo die Chance recht gut stehen, im Einsatz erschossen zu werden, muss schon verdammt viel bieten, um das aufzuwiegen, gerade wenn man junge, hochqualifizierte Menschen sucht.

Mit „sicherem“ Arbeitsplatz lockt man keinen Hund hinterm Ofen hervor. Denn was hat man von einem sicheren Job, wenn man tot auf dem Friedhof liegt? Oder schwerstkriegsverletzt im Krankenhaus?

Demzufolge weiß Frau von der Leyen, dass man auch die „Nebenbereiche“ nachbessern muss. Sie muss das gegen den Widerstand der Generäle tun. Die mit „erzkonservativ“ nur unzureichend umschrieben sind. Und sie tut das – auf ihre bekannte, forsche und bestimmende Art. Persönlich warte ich ja noch drauf, dass sie einen widerborstigen General am Ohr durch den Flur zieht, damit er 100x abschreiben kann: „Ich soll der Ministerin nicht widersprechen“ 🙂

Wenn jemand in diesem zusammengewürfelten Hühnerhaufen, der sich Bundesregierung nennt, auf dem richtigen Platz ist, dann ist das Ursula von der Leyen. Denn sie ist die einzige, die genug Rückgrat und genug Durchsetzungsvermögen hat, um mit dem beamtenrechtlichen Divenclub „Bundeswehr“ fertigzuwerden. Mit jedem anderen würde die Bundeswehrverwaltung Schlitten fahren. Bei von der Leyen weiß man: Läßt du sie auflaufen, läßt sie dich auflaufen. Und zwar rigoros. Und das riskiert man nicht. Denn im Grunde genommen sind diese Karrieristen alles Feiglinge.

Und so ist auch ihr Plan, die Versetzungspolitik der Bundeswehr zu überprüfen, durchaus ein guter. Warum soll man denn regulär Soldaten alle x Jahre von einem Ende der Republik zum anderen schicken? Ungeachtet der familiären Verhältnisse? Es sind Beamte auf Zeit und als solche haben sie einem Versetzungsbefehl Folge zu leisten. Egal wohin der führt: Nach Garmisch oder Rügen, in die Eifel oder nach Berlin. Alles ist drin.

Und es ist ziemlich bescheuert, weil so Potenzial verschwendet wird. Und zwar massenhaft. Wenn sie dann noch Kinderbetreuungsmöglichkeiten an den Kasernen einplant, eben WEIL dort der Platz ist, dann ist das nicht ihrem „weiblichen Mutterinstinkt“ geschuldet, sondern einer knallharten Überlegung: Wenn man potenziell Menschen in den Tod schicken muss, dann müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

Eiskalt? Ja. Aber so ist Frau von der Leyen. Sie rechnet ohne Gnade die Optionen durch. Und sucht sich dann den Weg des größten Widerstandes um diesen dann umzuwalzen wie eine Lokomotive.

Und genau darum ist sie an genau der Stelle sehr viel richtiger als der feinsinnige Herr de Maizière.

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Soziales

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14 thoughts on “Mutter der Kompanie

  1. Abwarten. Eine Entlassung ist zwar ein Anfang, aber die Generäle und die Verwaltung können jeden Minister ziemlich hängen lassen, egal wie hart durchgegriffen wird. Ich bin immer noch der Meinung, dass Merkel vdL genau deswegen dorthin gesetzt hat, weil das ein echter Schleudersitz ist. Wenn man die Reihe seit Stoltenberg durchgeht, ist das für den Amtsinhaber in der Regel keine Erfolgsgeschichte gewesen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Verteidigungsminister

  2. Ich lass mich überraschen, glaube aber nicht, dass sie tatsächlich Erfolg haben wird; nicht derzeit, nicht mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen.

    Hat Merkel ihr eigentlich schon das uneingeschränkte Vertrauen ausgesprochen…?

    • Oh – DAS steht auf einem völlig anderen Blatt. 😉

      Dass Merkel vdL lieber heute als morgen wieder in Hannover versauern sehen möchte: Geschenkt, das dürfte jedem klar sein.

      Aber wie gesagt: WENN überhaupt einer den Laden in den Griff bekommt und das Amt als Sprungbrett nutzen kann, ist das von der Leyen. Sonst hätte keiner das Format dazu.

      • Aber nicht unbedingt eine die ich teilen würde. Meine Erfahrung mit dem Haufen ist zwar schon eine Weile her, eine ziemliche Weile, aber intelligente Dienstpläne HIER im Lande haben nichts mit mangelnder Verteidungsfähigkeit sondern nur mit NACHDENKEN und Aufgeben längst überkommener Denkstrukturen und diesem gottverdammten „Das wr schon immer so“ zu tun.

        So, und *intelligente* Dienstpläne zu haben muss *überhaupt nicht* heißen, dass nachts oder am Wochende der Verteidigungsnotstand eintreten muss. Bei Polizei, Krankenhäusern und Feuerwehren geht’s doch auch, oder?

        Dass niemand in einem afghanischen Bunderwehrcamp Kitas einrichten will, dürfte klar sein, da würde wohl auch kaum jemand seinen Nachwuchs mit hin nehmen wollen.

        Aber ich weiß aus meiner Zeit, dass es manchmal ziemlich plötzlich ziemlich einfach sein kann, Dinge auch grundlegend zu ändern, wenn es von oben angeordnet wird. Solang da nichts kommt, ist es natürlich ziemlich bequem, alles beim alten zu lassen, da muss man nicht so viel denken und lösungsorientiert arbeiten.

      • Danisch wieder *seufz*

        Wartets doch erstmal ab. Vielleicht ist die Grundidee ja doch nicht so übel. Dass die Soldaten im Einsatz keine Teilzeitkräfte sein können dürfte doch wohl auch dem letzten Honk klar sein, also kann man den Artikel ruhig unter Stimmungsmache setzen.

        „Die Bundeswehr kann keine Teilzeit und KITAS in den Kasernen sind doof“ ist ein Imperativ, den ich so wirklich nicht stehenlassen möchte. Es kommt auf die Umsetzung an. Da hat Ulla nun nicht wirklich ne gute Erfolgsquote – aber vielleicht klappts ja diesmal 😉

  3. Sorry, ich muss mich ja fast schämen wieder eine andere Meinung zu haben aber was zum Teufel hat sich der Merkel dabei gedacht, Mutti diesen Posten zu verpassen?
    Ja! Zugegeben! Als Familienministerin (Kurzfassung) hat sie natürlich die Erfahrung einer Vollzeit- Hausfrau und Mutter. Dank sieben Kindern und einer zeitraubenden politischen Karriere hat sei den 48 Stunden Tag erfunden. Wie es Millionen Mütter es auch in Schland täglich machen.
    Ja! Zugegeben! Natürlich machte sie auch im Arbeitsministerium eine gute Figur! Ihr ganzes Leben hat sie in Lohn und Brot gestanden, hart gearbeitet und auch sieben Kinder den Weg in die Zukunft geebnet. Muss mann anerkennen!
    Allerdings ist das Verteidigungsministerium nur ein Posten „Irgendwo muss sie ja hin, sonst macht sie Ärger“.
    Den Part „Ich bin die größte Rampensau“ hat sie schon erfolgreich erfüllt und Mutter Beimer haben sich gewiss schon viele Soldaten gewünscht. Ganz nüchtern betrachtet ist sie für diesen Posten aber nun wirklich ungeeignet. Versprechungen und Pläne gab es für die Truppe schon viele und solange der Merkel da oben sitzt, wird es bei den bisherigen Versprechen bleiben. Die Reformen und Umstrukturierungen laufen seit Jahren unter der Regierung Merkel und wenn bis jetzt nichts passiert ist, wird auch Mutti nichts daran ändern können, weil auch sie nichts zu melden hat.
    Der Reformwillen muss von ganz oben kommen, eine modische Frisur wird daran nichts ändern. Wir sind nicht die USA, die in dieser Beziehung eine Menge Geld in die Hand nehmen um eine Armee auszurüsten bzw zu unterhalten. Die Frage ob das jetzt gut oder schlecht ist, kann man in einem seperaten Posting mal stellen.
    Polemikexeon:
    Wenn wir schon in einem Bullenstaat ohne Grundrecht leben, können wir doch gleich eine fette Armee aufstellen. Der Schritt zur Dikatatur tut sich dann leichter, klappt in Ägypten doch auch.
    Polemikexeoff:

  4. Tatsäclich hat zu Guttenberg, vor seinem Plagiatsskandal, eine ähnliche Schiene gefahren wie ich höre.

    Ein mit mir befreundetet Feldärztin, jene damals in Afghanistan stationiert, meinte das sie bei seinem Besuch moniert hatte das gewisse Ausrüstung fehlt. Darauf hatte sie dann zu Guttenbergs Privatnummer bekommen und eine Woche später ihre Hardware.

    Das U.vdL bei dem Haufen durchgreiffen wird ist schon ne gute Idee. Auch die Betreuung ist nicht doof.
    Was jetzt fehlt ist das durchgehend mehr aus und Weiterbildung betrieben wird in Richtung Realschul- und Gymnasial-abschlüssen sowie „Wirtschaftswichtigen“ Berufen. Somit wäre die BW dann für viele gering qualifizierte noch attraktiver.
    Vielleicht wäre es da auch Interessant dann diese Angebote auf Familienmitglieder zu erweitern. „Coorporate Identity“ und so 😉

    Natürlich muss auch dann die Besoldung stimmen.

    Was ich mir aber eigentlich wünsche ist das die BW wieder zur reinen Verteidigungsmacht wird und alle Nucklearkapazitäten abschaft. Daran kann Von der Leyen wohl wenig bis nichts ändern.

    Zum Glück kann sie auch in dem Job nicht mehr viel Verschlimmbessern, irgendwie passt sie da wie Arsch auf Eimer. Als Familien und Arbeitsministerin war sie eher ein Alptraum aus meiner Sicht.

      • Wir haben Uboote die entsprechende Torpedos mitführen (von dennen wir übrigens ein paar Isreal „schenkten“) und Tornados (die jetzt genau deswegen vor sich hinrosten statt verschrottet zu werden) die Nuklearwaffen abwerfen können. NICHT UNSERE Waffen aber das war auch nie so gedacht. Die Sprengköpfe kommen von den USA und lagern hier schon länger für den eventuellen Einsatzfall bei dem die Bundeswehr diese Waffen einsetzen darf.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffen_in_Deutschland

        Zitat: „Zurzeit gilt der Fliegerhorst Büchel als letzter Standort für Atomwaffen in Deutschland. Es lagern hier 20 Bomben des Typs B61, wie 2010 die Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch WikiLeaks aufzeigte“

  5. Und jetzt sollen die Auslandeinsätze drastisch erweitert werden. Oh ich denke es ist wie es ist: Karierre will sie machen und da wird jedem nach dem Mund geredet.

    • Weil die deutsche Armee ja auch so hervorragend ausgerüstet und ausgebildet ist.
      Nicht zu vergessen, dass sie in gleich zwei Weltkriegen siegreich war … oder so ähnlich…

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