Das Tal der Stürme 17

Sorry, aber gestern war hier soviel los, das ich nicht zum Schreiben gekommen bin 🙁

Die gute Nachricht: Alle Pakete sind sicher bei der Chaoskatze bzw. unterwegs dahin. Alles fertig und alle Weihnachtspost ist raus. 🙂

Niemand kommentierte die Anwesenheit des alten Chieftains. Der Marsch war anstrengend genug, die Kinder konnten keine langen Strecken in hohem Tempo gehen, so dass die Gruppe nur langsam vorankam.

Goshar und Al’lel trugen die Kinder, wann immer sie vor Erschöpfung nicht weitergehen konnten. Es war aber Ghorash, der alle überraschte.

Als eine der Frauen, eine Elfin, stolperte und fiel, war es der alte Chieftain, der ihr aufhalf und sie stützte bis sie wieder alleine gehen konnte. Der kleine Junge war immer noch auf seiner Schulter und keiner der beiden machte Anstalten, etwas daran zu ändern.

Nach zwei Tagen anstrengendem Fußmarsch durch den dichten Wald kam die Gruppe endlich auf die große Straße, die in Richtung Stadt führte. Die Silhouette zeichnete sich vor der untergehenden Sonne ab, die ihre letzten Strahlen über den Horizont schickte.

Al’lel führte die Gruppe an den Straßenrand, wo sich bereits eine Karawane befand, die sich für die Nachtruhe bereitmachte. Al’lel verhandelte mit dem Karawanenmeister, der zunächst ablehnen wollte. Zu seltsam erschien ihm die Gruppe.

Doch als der Elf ihre Namen nannte, machte der Karawanenmeister bereitwillig Platz an einem Feuer. Der Preis für den Schutz der großen Karawane für die Nacht war billig: Die beiden Freunde sollten die Mitternachtswache und die Wache kurz vor dem Morgengrauen übernehmen, die Zeit, an der Überfälle am wahrscheinlichsten waren.

Beide kannten diese Wachen, sie hatten sie oft genug gehalten und wußten, was zu tun war. Sie sorgten dafür, das ihre Familien sicher am Feuer platziert waren und jeder zu Essen hatte. Dann machten sie sich mit der Karawane vertraut.

Endlich kehrte Stille ein. Al’lel, der die Mitternachtswache übernommen hatte, betrachtete seine schlafende Familie lächelnd und legte sich dann selbst, in seinen Mantel gewickelt, schlafen, nicht weit von seinem Freund, der bereits schlief.

Um Mitternacht weckte ihn der Wachhabende und Al’lel begann seine einsame Wanderung in voller Bewaffnung rund um das Lager, den Bogen locker auf der Schulter. In regelmäßigen Abständen begegnete er anderen Wachen, man nickte sich zu und ging weiter. Der Elf war angespannt, etwas schien in der Luft zu liegen. Die Nacht war mondlos, nur das Sternenlicht des wolkenlosen Himmels erhellte die Ebene auf der ihr Nachtlager war.

Goshars großer Schatten tauchte neben ihm auf. Al’lel begrüßte ihn: “Etwas stimmt nicht.” Goshar nickte nur, er vertraute dem Elfen völlig und mehr als einmal hatten seine Instinkte sie in der Vergangenheit vor Schaden bewahrt.

Al’lels regelmäßige Schritte verlangsamten sich plötzlich unmerklich und er richtete sich ein Stück weiter auf. Goshar wußte, der Elf hatte entdeckt, wonach er suchte. Der Ork, der wußte, dass seine Augen bein Dunkelheit weitaus schlechter sahen als die des Elfen, machte sich nicht die Mühe, herauszufinden, was Al’lel gesehen hatte. Statt dessen packte er seine Waffe fester und ging zurück zum Feuer.

Sein Vater saß immer noch dort und wirkte tief in Gedanken versunken. Als er bemerkte, dass sein Sohn sich näherte, die große Axt nicht auf der Schulter ruhend sondern kampfbereit in der Hand, wanderte sein Blick zu dem schlafenden Elfenjungen neben ihm und seine Hand wanderte zu den griffbereit liegenden Waffen neben ihm.

Goshar schüttelte kurz den Kopf. “Nicht. Das würde sie nur warnen.” Ghorash entspannte sich etwas und nickte. Goshar kniete sich ans Feuer, die Axt quer über seine Beine gelegt. Beide Männer sprachen kein Wort, sie warteten ab.

Al’lel, der sich auf einen Aussichtsposten gesetzt hatte und von dort aus abwechselnd das Lager überblickte und die sich annähernde Gruppe von Räubern, wartete auf den richtigen Moment zum zuschlagen.

Als sich der erste Räuber erhob, das Schwert in der Hand, riss Al’lel seinen Bogen von der Schulter, zog den ersten Pfeil aus dem Köcher und schoß ihn ab. Das ganze ging in einer derartigen Geschwindigkeit vonstatten, dass der Räuber, aus dessen Brust plötzlich ein Pfeil ragte, nicht wußte, wie ihm geschah.

Sein entsetzter Schrei war das Signal für Goshar. Er sprang auf und lief, die Axt in der Hand auf die Räuber zu, die jetzt aufgesprungen waren und ihrerseits auf die Karawane zuhielten.

Ghorash, die eigene Axt gezogen, folgte seinem Sohn dichtauf.

Der nachfolgende Kampf war so kurz wie heftig. Al’lels Pfeile hielten ihnen den Rücken frei und die Äxte der Orks pflügten durch die überraschend kleine Anzahl der Räuber, die versuchten zu fliehen, als sie erkannten, dass ihr Plan verraten war.

Schnell war nur noch einer übrig, den Schmuckstücken nach zu urteilen, mit denen er sich reich behängt hatte, war es der Anführer. Goshar näherte sich ihm, die Axt kampfbereit, hinter ihm Ghorash, ebenso kampfbereit.

Al’lel, der seine Pfeile verschossen hatte, näherte sich ihm mit dem gezogenen Schwert. Der Anführer blickte sie beide an. “Ein Ork mit einer gigantischen Axt. Ein Elf, treffsicher mit Pfeil und Bogen. Hätte ich gewußt, dass ihr beide die Karawane schützt, hätte ich nicht angegriffen.” Er grinste sie an. “Andererseits. Vielleicht hätte ich das doch.” Mit diesen Worten warf er etwas auf den Boden und eine Rauchwolke verdeckte ihn.

Al’lel verdrehte die Augen. “Findest du nicht auch, dass das mit der Rauchwolke langsam etwas langweilig wird?” Goshar grinste. “Vor allem dann, wenn wir keine Laken dabei haben.” Ghorash blickte beide an. “Wollt ihr ihn davonkommen lassen?” fragte er ungläubig. “Aber ja, Vater.” antwortete Ghorash. “Ich bin mir recht sicher, dass wir ihn wiedersehen werden.”

Al’lel grinste. “Und wir werden ihn dann wieder vertreiben.” Ghorash blickte fassungslos von einem zum anderen und Al’lel erbarmte sich schließlich. “Das war Anders Götz, der Hauptmann der Wüstenreiter. Er ist ein Söldner, der sich dem Meistbietenden verkauft. Es scheint, als hätte unser Karawanenmeister ein Problem. Anders’ Dienste sind nicht billig.” Der Elf sah den alten Ork an. “Und ja, auch wir waren zu Zeiten Söldner. Es gibt gutes Gold. Und mehr als einmal standen wir auf derselben Seite wie Anders.”

Ghorash schüttelte den Kopf. “Söldner?” fragte er, beinahe zaghaft. Goshar nickte. “Ja. Denn ehrenhaft sein bringt alleine kein Essen auf den Tisch.” Der alte Chieftain sah beide zweifelnd an. “Und woher kommt dann euer Ruf? Dass ihr unbestechlich seid? Gerechtigkeit walten lasst?” Al’lel lächelte unverbindlich. “Weil man sich auch als Söldner genau aussuchen kann, in wessen Dienste man tritt.”

Eine Stimme kam von weither, fast unhörbar. “Und weil die beiden immer eine gute Wahl getroffen haben, alter Mann.” Goshar schüttelte den Kopf. “Immer noch dieselben Tricks, Anders?” Das fröhliche Gelächter verklang im Wind.

Die drei Männer gingen zurück zur Karawane. Am Hauptfeuer wurde Goshars Blick von etwas angezogen, was ihn in seinen Schritten innehalten ließ. “Al’lel, führt diese Karawane etwa Sklaven?” fragte er ungläubig. Der Elf folgte dem Blick seines Freundes und nahm zum erstenmal die Ketten wahr, die viele der Karawanenmitglieder führten. Sein Blick wurde grimmig. “Das erklärt Anders’ Angriff auf die Karawane heute.”

Goshar nickte. Es war allgemein bekannt, dass Anders Götz Sklavenkarawanen hasste. “Ich wünschte, wir hätten das vorher gewußt.” Der große Elf sprach aus, was alle gerade dachten. Der Elf drehte sich zu den beiden Orks um und lächelte grimmig. “Der Teufel soll mich holen, wenn wir die armen Hunde im Stich lassen.” Goshar erwiderte nichts und marschierte stramm auf die Gefangenen zu.

Als sich der große Ork der elenden Gruppe näherte, versuchte eine peitschenbewaffnete Wache, ihn aufzuhalten. Der Ork maß den Wächter mit einem langen Blick von oben nach unten. “Was soll das denn werden, wenn es fertig ist?” fragte er ihn ungläubig. Der Wächter schluckte und blickte auf die große Axt. Dann zuckte er die Schultern und meinte. “Eigentlich egal. Soviel Lohn bekomme ich nicht, dass ich mich dafür der großen Lady da stellen würde.”

Mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand im Dunkeln. Goshar besah sich die Gruppe, die aneinandergekettet auf dem Boden lagen. Die Kleider in Fetzen, hier und da Peitschenspuren, vor allem bei den Männern, aber gut genährt. Der Karawanenmeister wußte, dass beschädigte Ware keine guten Preise brachte.

Al’lel untersuchte die Ketten. Jeder der Gefangenen hatte einen eisernen Ring um den Hals und die Kette führte an Ösen durch einen weiteren Ring und verband die Gefangenen so miteinander. Die Hände waren mit Ketten an eine Art eisernen Gürtel gefesselt.

Das waren die Sklavenketten der Yshani, ein Volk, dass vom Sklavenhandel lebte. Goshar und Al’lel hatten viele male mit ihnen gekämpft. Der Karawanenmeister war kein Yshani, was bedeutete, dass er entweder Handel mit ihnen trieb oder aber dass er eine Sklavenkarawane überfallen hatte.

Keine der beiden Möglichkeiten gefielen den Freunden. Und ganz sicher würden sie die armen Leute nicht hier zurücklassen ohne ihnen geholfen zu haben.

Auf einmal hörten sie laute Rufe und Geschrei von ihrem Lagerfeuer und die Männer liefen so schnell wie möglich zurück. Eine erboste Sud’hannai stand am Feuer, mit einem Bratspieß gestikulierend. Der Karawanenmeister stand vor ihr, die Hände in einer beschwichtigenden Geste erhoben. Die Männer traten ans Feuer und Goshar fixierte den kleinen Mann zornig.

“Erkläre die Sklaven.” mehr brauchte es nicht, jeder kannte den Ruf der beiden Männer und wußte, dass sie Sklaverei verabscheuten. Der Karawanenmeister versuchte, sich herauszuwinden, doch weder Goshar noch Al’lel kauften ihm seine wortreichen Entschuldigungen ab.

Auf einmal sprang der kleine Elfenjunge, der sich mit Ghorash angefreundet hatte, auf und lief freudestrahlend auf den alten Ork zu. Doch der Karawanenmeister reagierte blitzschnell. Er packte den Jungen an den Haaren riss einen Dolch aus seinem Gewand und hielt ihn dem Jungen an die Kehle. Die Männer erstarrten.

Der Karawanenmeister legte sein joviales Benehmen völlig ab. “Sieht so aus, als hätten wir ein Unentschieden, ihr “Helden”.” zischte er wütend. “Wie wäre es mit einem Handel. Ihr habt die Sklaven nie zur Kenntnis genommen, zieht ab und ich lasse den Jungen am Stadttor zurück. Möglicherweise.” Ghorash knurrte bedrohlich und das Lächeln des Sklavenmeisters wurde hässlicher.

“Oder vielleicht verkaufe ich ihn auch an die Akademie dort. Die können immer Eunuchen brauchen und dieser schöne Knabe ist in genau dem richtigen Alter.” Sein Lächeln erlosch. “Aber wenn ihr darauf besteht, das ich das Pack dahinten freilasse, wird er sterben. Und zwar hier und je…” weiter kam er nicht mehr.

Mit einem unangenehmen Geräusch bohrte sich der Bratspieß wohlgezielt in die Schulter, auf der Seite, wo der Karawanenmeister den Dolch hielt. Sud’hannai hatte gut gezielt, der Mann schrie laut auf und ließ den Dolch sofort fallen.

Ghoshars Axt flog an dem Jungen vorbei und erledigte den Rest. Der Knabe rannte verängstigt zu dem alten Ork, der ihn tröstend in die Arme nahm. Al’lel stupste mit der Fußspitze die Leiche an. “Gut, das wäre erledigt.” Er blickte sich um und fixierte die Wachen. “Nun?” fragte er angelegentlich. Die Wachen, ihres Arbeitgebers beraubt, zogen es vor, ihr Leben nicht aufs Spiel zu setzen.

Sie legten die Waffen nieder und zogen sich langsam rückwärtsgehend vom Feuer zurück. Als sie außer Reichweite der Waffen waren, drehten sie sich um und gaben Fersengeld.

Al’lel schnaubte. “Feiglinge.” Dann drehte er sich erbost zu dem Elfenjungen um. “Was hattest du dir eigentlich dabei gedacht? Und wie heißt du überhaupt?” Der Junge blickte ihn eingeschüchtert an. “Kam’rei.” eine Träne lief seine Wange herab und er rieb sie energisch weg. “Es tut mir leid.” Ghorash sah den Elfen an. “Das erledige ich. Kein Grund, den Jungen so anzubrüllen.”

Goshar blickte seinen Vater halb amüsiert, halb entgeistert an. “Du weißt aber, dass du da einen Elfen tröstest?” Ghorash knurrte zurück. “Nur weil ich alt bin, bin ich noch lange nicht senil. Natürlich weiß ich das.”

Er drehte sich um, den Jungen sicher im Arm. Als er einige Schritte gegangen war, hielt er inne und meinte:

“Vielleicht, mein Sohn, hattest du recht. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, vom Hass abzulassen.”

Und mit diesen Worten verschwand er in Richtung seines Nachtlagers.

Das Tal der Stürme – Prolog
Das Tal der Stürme – 1
Das Tal der Stürme – 2
Das Tal der Stürme – 3
Das Tal der Stürme – 4
Das Tal der Stürme – 5
Das Tal der Stürme – 6
Das Tal der Stürme – 7
Das Tal der Stürme – 8
Das Tal der Stürme – 9
Das Tal der Stürme – 10
Das Tal der Stürme – 11
Das Tal der Stürme – 13
Das Tal der Stürme – 14
Das Tal der Stürme – 15
Das Tal der Stürme – 16

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